Weil es mir immer wieder auffällt, dass der Begriff “Fachschaft” an der FU unvorsichtig bis falsch verwendet wird, heute dazu eine kleine Begriffsklärung:
a) Der Begriff “Fachschaft” bezeichnet alle Studierenden eines Fachbereiches. Weil dies ein fester Begriff ist, sind auch Listennamen wie “Fachschaft Mathe-Informatik” (etc.) nicht zu Wahlen zugelassen.
b) Eine Fachschaftsinitiative (FSI) ist daher keine Fachschaft, sondern nur eine Initiative innerhalb der Fachschaft. Eine Fachschaftsinitiative ist deshalb auch nicht die legitime Vertretung der Studierenden eines Fachbereiches sondern nur eine Gruppe politisch aktiver Studentinnen und Studenten. Mehr nicht. Jede institutionelle Bevorzugung dieser Gruppen auf Grund ihres Namens ist unzulässig.
c) Die legitime Vertretung der Fachschaft an den Fachbereichen ist der gewählte Fachschaftsrat (FSR).
d) Fachschaftsräte sollten die Vertretung der Studierenden an den Fachbereichen übernehmen, Informationen sammeln und bereitstellen, Erstsemester betreuen und Ansprechpartner für Studierende, Lehrende und Verwaltung sein. Um diese Aufgaben wahrnehmen zu können, steht ihnen ein Budget zu, das der AStA direkt an sie zu vergeben hat, nicht an einzelne Mitglieder oder Mitgliedsgruppen (wie Fachschaftsinitiativen).
e) An vielen Fachbereichen gibt es zwar Fachschaftsinitiativen, aber keine Fachschaftsräte. Das liegt oftmals daran, dass die zu Fachschaftsratswahlen antretenden Fachschaftsinitiativen mit einer solchen Situation zufrieden sind. Wenn der offizielle Fachschaftsrat nicht einberufen wird (in den auch andere Gruppen gewählt werden können - und es teilweise auch sind), macht ihnen niemand ihre - finanzielle und politische - Position streitig. Im StuPa stützen fast alle Fachschaftsinitiativen den AStA, der rechtlich für die Einberufung der ersten Sitzung eines FSR zuständig ist, dieses aber (vorsichtig gesagt) nicht mit Nachdruck durchführt…
Fazit (in Beispielen)
1. Wenn an eurem Fachbereich eine FSI behauptet, sie sei die Fachschaft, dann ist das so, als würde die Bayernpartei behaupten sie sei die Bevölkerung von Bayern.
2. Wenn an eurem Fachbereich eine FSI behauptet, sie sei die legitime Vertretung der Studierenden des Fachbereichs, dann ist das so, als würde die Bayernpartei behaupten, sie sei das Bayrische Parlament.
3. Wenn eine FSI vom AStA Geld, z.B. für Druckkosten von Erstsemesterheften, bekommt, ist das so, als bekäme die Bayernpartei von der deutschen Regierung Geld, um die Aufgaben des Bayrischen Parlaments zu übernehmen.
4. Wenn fast alle FSIs im StuPa den AStA stützen, der dann nicht an allen Fachbereichen FSRs einberuft, dann ist das so, als wäre die Bayernpartei in der Bundesregierungskoalition, die das Bayrische Parlament nicht einberufen würde, obwohl sie dazu rechtlich verpflichtet ist. Und außerdem bekäme die Bayernpartei im Falle 3. von der Regierung, die sie selbst mit stellt, auch noch Zuschüsse, um die Arbeit des Parlamentes zu ersetzen.
Moral von der Geschichte:
Nicht überall wo “Fachschaft” drauf steht, kommt am Ende auch Demokratie raus.
10. Januar 2006 at 23:42
[…] äte zuständig, aber die FSIs ziehen aus Eigeninteresse diese Aufgaben an sich. Mehr dazu hier. 3. Basisdemokratische Organisation und der Zusammenschluss auf Institutsebene sind von Vo […]
4. Mai 2006 at 21:33
manueller Trackback:
StuPa: Sitzung am 4. Mai
… Nunja, auch wenn die Antragsteller das mit FSI und fsr nicht ganz auseinanderhalten, so ist die Bildung einer gemeinsamen Fachschaft für eine gut organisierte Studierendenvertretung an dem gemeinsamen Fachbereich eine gute Sache, …