Studien(gebühren)finanzierung: Kredite durch die KfW
RonnyAllgemeines, Hochschulpolitik Kommentar schreibenSo ein Studium will finanziert sein, besonders da, wo seit neuestem Studiengebühren verlangt werden. Die Förderbank der Kreditanstalt für Wiederaufbau bietet nun die Finanzierung von 100-650 Euro monatlich über maximal 10-14 Semester per Kredit an.
Finanziert wird zu maximal 5,1% Zinsen (zu zahlen monatlich, so nicht Stundung beantragt!), eltern- und einkommensunabhängig.
Ob die Bedingungen ansonsten aber 100%ig ansprechend sind, möchte ich mal bezweifeln. Das beginnt schon mit einer Kostenpauschale von 232 Euro: das sind bei 10 Semestern ca. 4 Euro Kosten pro Monat, die den Zins verdeckt erhöhen. Weiter geht es damit, dass nur für das Erststudium (Bachelor + konsekutiven (!) Master) Kredite vergeben werden. Außerdem gibt es das Geld nur für Studierende, die zum Zeitpunkt der Beantragung Vollzeit studieren. Ausgenommen sind auch Promovierende und Studierende, die älter als 30 Jahre alt sind.
Die Befürworter von Studiengebühren, die meist mit tollen Ideen zur Finanzierung daherkommen, die die Selektion bestimmter Gruppen ja verhindern sollen, müssen sich hier ernsthaft die Frage gefallen lassen, wo unter solchen Finanzierungsbedingungen nicht selektiert wird. Zwar ist es “nett”, denen, die bisher keine Möglichkeit mehr hatten, zu studieren, überhaupt eine Möglickeit zu geben, ein Studium zu finanzieren. Wer aber die Konditionen liest, dem wird klar, dass nur für eine bestimmte Gruppe diese scheinbare Chancengleichheit überhaupt hergestellt wird. Geschweige denn, dass den Start ins Arbeitsleben mit Schulden beginnt, wer nicht von zu Hause aus genügend Unterstützung erhält…
14. March 2006 at 7:28
Es ist mal wieder zum Haareausraufen. Man kann sich sicher darüber streiten, ob man sich für oder gegen Studiengebühren ausspricht. Man kann auch sicher die meisten Menschen davon überzeugen, sich für ein Konzept zu begeistern (entweder ein freies Konzept, in dem Hochschulen die nötigen Freiheiten erhalten, um vernünftig arbeiten zu können, oder eben ein Konzept, das beitragsfrei gehandhabt wird). Leider verbindet der faule Kompromiss zwischen beiden Paradigmen mal wieder die schlimmsten Konsequenzen. “Studentensteuer, und dann auch noch schlecht gemacht und überreguliert” ist wohl das, was in einigen Bundesländern gerade versucht wird, umzusetzen. NRW und BaWü gehen stolz voran und zeigen, dass das Studentensteuerkonzept der CDU unfähigen FDP-Bildungsexperten durchaus recht zu sein scheint.
Ein Armutszeugnis, denn die FDP murkst hier fadenscheinig und munter mit. Anstatt sich klar zu positionieren und auch nach aussen hin zu kommunizieren, dass die dort eingeführten Konzepte schlichtweg Müll sind (was eine angestrebte radikale Liberalisierung und Etablierung eines Wettbewerbs im Bildungsbereich angeht), wird grosszügig und auf unterstem Niveau bis hin zu den Untergliederungen in den Regionen, Kreisen und vor Ort emotionalisiert, schliesslich ist die FDP dafür, dass “die Studenten ruhig auch mal zahlen sollen”. Dass es auch in der FDP leider nicht weit her ist mit der Kompetenz und nur eine dünne Personaldecke in den Bildungsfachausschüssen, die fernab des gefahrenen Kurses aller Fraktionen steht, verstanden hat, dass es entweder ein System geben muß, das die Hochschulen -wirklich- in die Freiheit und aus den Pfoten der Ministerialbürokratie entlässt, oder eben ein System, in dem es keine staatlicherseits regulierten Gebühren (incl. Sonderregelungskatalog, asozialen KfW-Pseudoschweinereien wie hier deutlich im Artikel hervorgehoben, etc.) gibt, halte ich für bedenklich.
So. Genug gemotzt. Zum Thema Studiengebühren bleibt nur wieder das Fazit “es wäre im Grunde genommen ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, aber der Zug ist schon nach den ersten paar Weichen vollständig entgleist und kann auch nicht mehr auf die Schienen zurückgestellt werden, ohne dass man den entstandenen Schrott abräumt”.