Privatunis: hohe Gehaltsforderungen, wenig Eigeninitiative, Stromlinienförmigkeit

RonnyAllgemeines Kommentar schreiben

In einem Beitrag zum Thema “Favoriten der Personalchefs” auf Spiegel online erscheint am Rande ein Seitenhieb auf Privatuniversitäten, deren Abgänger zwar eine hohe Internationalität und gute Praktika nachweisen könnten, dafür aber wegen ihres vorstrukturierten Studiums weniger Eigeninitiative und mehr Stromlinienförmigkeit als Abgänger von Massenuniversitäten vorwiesen. Zudem stellten sie vergleichsweise hohe Gehaltsforderungen, die sie bei Personalern regelmäßig durchfallen ließen.

Dies zeigt, dass nicht “wenig Masse” gleich “Klasse” ist, sondern die Bedingungen der großen Universitäten durchaus förderlich für die Entwicklung von Studierenden sein können. Nicht die Beschränkung der Möglichkeiten durch möglichst enge Strukturierung sollte also das Ziel sein, sondern die Stärkung der individuellen Orientierung und Entwicklung durch gute Beratung muss vornean stehen, ohne dass Vielfalt darunter leidet. Die Massenunis – und die FU ist eine solche – sollten also im “Wettbewerb” darauf achten, dass sie nicht ihre Vorteile einer scheinbar verbesserten Studienstruktur opfern, nur um mit sogenannten Privatelite-Unis mithalten zu können, die letztendlich Absolventen hervorbringen, deren Qualitäten nur bedingt dem Arbeitsmarkt angepasst sind.

(An dieser Stelle sei übrigens auf die Erweiterung des Beratungsangebots des AStAs in Zusammenarbeit mit dem DGB für erwerbstätige Studierende hingewiesen.)

2 Reaktionen zu “Privatunis: hohe Gehaltsforderungen, wenig Eigeninitiative, Stromlinienförmigkeit”

  1. Alexander Stirzel

    Ich halte diesen Artikel für einseitig, oder besser gesagt: beide vertretenen Meinungen bilden nicht die komplexe Realität ab. An der WHU Koblenz z.B. kenne ich etliche superengagierte Leistungsträger, die richtig was auf dem Kasten haben und auch fähig sind, einiges zur Umsetzung zu bringen, was andere “Massen-BWLer” nicht mal annähernd in ihrem späteren Berufsfeld “hoffnungsloser Consultant” erbringen. Daher wäre ich hier mal mit Pauschalangriffen sehr vorsichtig. Andererseits bietet die Uni in staatlicher Trägerschaft im Gegensatz zum angeführten Beispiel “WHU” zum Beispiel interdisziplinäres Entwicklungspotential, das es aufgrund der Struktur (nur Wirtschaftler vor Ort) dort nicht in dieser Form gibt. Dies sollten sich Studierende allerdings auch vorher überlegen, in welche Richtung sie gehen wollen. Wer später zum Beispiel Management und Technologie verbinden möchte, ist (derzeit) sicher an einer staatlich getragenen Hochschule wesentlich besser aufgehoben. Dass die Kursangebote an privat getragenen Hochschulen so gnadenlos kastriert sein sollen, wie dieser Artikel andeutet, sehe ich ebenfalls nicht, das ist eine sehr oberflächliche Sichtweise (“wieviele Zeilen und Spalten stehen im KVV”, keine liberale Interpretationsweise, sondern wohl eher planbürokratisch pauschalisierend und indifferenziert). Die Hochschulen in privater Trägerschaft zeichnen sich (zumindest was meine Erfahrungen dort angeht) durch hohes Engagement von Dozenten und Studierenden aus, über die Inhalte (siehe oben) kann man sich sicher streiten, “DEN” besten BWLer zum Beispiel wird’s nicht geben. Und so ist Wettbewerb. Weder die privat Getragenen, noch die Staatlichen müssen sich verstecken, es gilt, die Stärken hervorzuheben. Und die sind unabhängig von der Trägerschaft verschieden ausgeprägt. Daher ist die pauschalisierende Diskussion um die Verteufelung der einen oder anderen Form eine Luftnummer. Der Landesvorstand der LHG NRW hat nach Ansicht des frisch ins Amt gewählten neuen Programmatikers erkannt, dass die Ausrichtung, Qualität und Quantität unabhängig von der Trägerschaft gesehen werden sollte. So sieht ein aktuelles White Paper der programmatisch Aktiven radikalliberalen Untergrundunterwanderern vor, dass praktisch -jeder- Träger einer Hochschule sein können sollte, egal ob Länder (sofern Quersubventionierung in diesem Fall konsequent verhindert wird), Bund, Körperschaften aller Art, Privatpersonen, etc…

    Hier im Artikel wurde also (man achte jetzt nach diesem kurzen Beitrag zur Diskussion noch einmal auf die Überschrift des eingestellten Artikels!) einiges zusammengeschmissen, was nicht wirklich zusammengehört.

  2. Ronny Patz

    Ich denke nicht, dass der Artikel da einiges zusammen wirft, sondern dass du Argumente vorführst, die nicht direkt mit dem Angesprochen zu tun haben.

    Soweit ich das verstehe geht es hier um Qualifikationen auch über das rein Fachliche hinaus und um den Hinweis von Personalern, dass dabei Privatuni-Absolventen gegenüber Massenuni-Absolventen Nachteile haben können, weil sie im Vergleich zu gleich Qualifizierten zu hohe Gehaltsforderungen vorbringen und außerdem (offenbar empirisch unterstützt) in Punkto Eigeninitiative hinterhinken.

    Das hat in meinen Augen nichts damit zu tun, dass private Universitäten derartiges nicht leisten können, sondern dass sie dies offensichtlich nach den Erfahrungen der Personalchefs nicht genug tun – das heißt der von dir angesprochene Markt entscheidet sich bereits und der Artikel weist darauf hin. Dass der Einzelne solche Defizite (so es welche sind) nicht auch ausgleichen kann, sei hier unbestritten. Und dass die Massenunis vielerorts Probleme haben, ist auch nicht vergessen.

    Mein Kommentar sollte auch insbesondere darauf hinweisen, dass nicht die Massenunis an den Stellen Mist bauen sollen, an denen sie Gutes vorzuweisen haben – eben an Punkten wie Interdisziplinarität -, nur um stromlinienförmig verengt scheinbar einem Markt zu genügen, den es so gar nicht gibt.

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