Nach einer längeren Diskussion über den “BürgerBlock” (Listen Semticki, Gegen Studiengebühren und RCDS), die sich zu einer Fraktion zusammengeschlossen, jedoch außerdem die Liste “Studieren mit Kind” für sich vereinnahmt hatten, welche dagegen protestierte, wurde selbiger “BürgerBlock” ohne Gegenstimmen vom StuPa gerügt.
Nach dieser Peinlichkeit begann die Zeit der Anti-Demokraten: Wir von der LHG hatten Änderungsanträge für Satzung und StuPa-Wahlordnungen gestellt, um es in Zukunft zu ermöglichen, dass auch Oppositionsmitglieder in die Geschäftsleitung und in Ausschüsse (insbesondere den Haushaltsausschuss) gewählt werden können. Beides wurde mit deutlicher Mehrheit bei einigen Enthaltungen abgelehnt. Begründung: so wie es bisher gelaufen ist sei dies “ein bewährtes demokratisches Verfahren”. Minderheiten- und Oppositionsrechte gibt es also im StuPa der FU auf Beschluss der Mehrheit auch weiterhin nicht.
Weiterhin abgelehnt in allen Punkten wurde unser Antrag auf mehr Demokratie und Transparenz. Darin hatten wir gefordert, dass der AStA seine Namen auf der Homepage veröffentlichen solle, dass er bei Ausgaben über 1000 Euro das StuPa informieren solle, dass klare Richtlinien für die Vergabe von Mitteln an Projekte formuliert und alle Projekte auf der Homepage veröffentlicht werden, dass der AStA am Ende der Amtszeit eine detaillierte Rechenschaft inklusive aller Druckerzeugnisse der Druckerei ablegen solle und dass der AStA soweit möglich an allen Gremiensitzungen der Uni teilnimmt und in jedem Fall über Ergebnisse informiert. In allen Punkten war die Ablehnung deutlich.
Die AStA-Mehrheit im StuPa zeigt also weder Interesse an mehr Demokratie noch an mehr Transparenz. Das wurde auch deutlich in der Ablehnung eines Antrages der Grünen Hochschulgruppe, in der der AStA zu mehr Koordinition bei der Gestaltung von BA- und MA-Studienordnungen aufgefordert werden sollte. Hierbei bröckelte ein Teil der Koalition, welcher dies für selbstverständlich hielt und nicht verstehen konnten, wieso die AStA-Referenten hiergegen sein konnten. Die Argumentation, dass man ja außerhalb der Uni gegen Bologna kämpfen und nicht innerhalb der FU für eine gute Ausgestaltung der bekämpften Studiengänge wirken solle, blieb dabei einigermaßen lächerlich angesichts der Probleme der Studiengänge aber auch der Möglichkeiten, die eine aktive Begleitung durch Studierende mit sich bringen könnte. Einzig die Prüfung (!), ob für Koordinationsaufgaben eine Stelle eingerichtet werden kann, wurde aus dem Antrag angenommen.
Es gab zwischendrin noch ein paar Kleinigkeiten (eine neue Sozialfondsatzung wurde beschlossen, die Einrichtung eines einzigen FSRs für dich Charité vertagt etc.), aber die Fahrtrichtung des Tages war klar. Danach wurde der Haushaltsauschuss gewählt. Da die Wahlordnung nicht geändert worden war, kamen die fünf Vorschläge der AStA-Koalition ohne Probleme vollständig in den Ausschuss. Als einziges Oppositionsmitglied kandidierend wurde ich klar auf den 6. Platz verwiesen. Ob ich damit als Stellvertreter gewählt bin, wird geprüft. Im Haushaltsausschuss gibt es also keinen einzigen Oppositionellen, der AStA kann also auch weiterhin mit seinem Geld machen, was er möchte.
Zum Schluss folgte dann die Wahl des neuen AStAs (bis auf zwei Referate war die Wahl öffentlich). Hier zeigten sich die ernsthaften Mehrheitsverhältnisse: Das DEFO, die Unabhängige Linke (UL) und der “BürgerBlock” hatten die Sitzung bereits verlassen, so dass einzig wir von der LHG (zu dem Zeitpunkt 2/3 anwesend) und die Grüne Hochschulgruppe (1/4 anwesend) durchgängig gegen die Wahl der Referenten stimmten (abgesehen von den “autonomen” Referaten). Die Jusos (noch 1/3 anwesend) schwankten zwischen Enthaltung und Ablehnung und die FSI Chemie/Biochemie schwankte zwischen Zustimmung, Enthaltung und Ablehnung. Alle anderen anwesenden Gruppierungen stimmten (soweit ersichtlich), von seltenen Enthaltungen abgesehen, geschlossen für alle Referent/inn/en, die kandidierten. Je nachdem waren das 32-38 Pro-Stimmen.
Hier das Ergebnis (jeweils alfabetisch nach Familienname):
Vorsitzender
Jan Severin (Unabhängige Antifaschistische Liste)
Motto: “Mein Programm ist kein Programm.”
Stellvertretende
Melanie Guba (Semtix - Die Liste fürs Semesterticket)
Lasse Voss (FSI JFK - Kritische Nordamerikastudierende)
Motto: “Wir unterstützen Jan bei seiner Programmatik.”
Hochschulreferat
Björn Kietzmann (Liste: “Das Leben ist kein Ponyhof-Lenzen absägen”)
Elsa Köster (Hochulpolitische Linke)
Jenny Simon (Hochschulpolitische Linke)
Öffentlichkeitsreferat
Stefan Günther (Ini Lehramt)
Daniela Krebs (Bachelor-Liste)
Nadine Schröder (FSI Soziologie)
Sozialreferat
Veysi Dag (AusländerInnen-Liste)
Alexander Stahl (?)
Hannes Strobel (Semtix)
Finanzreferat
Eva Friesinger (FSI OSI)
Philipp Thomas (FSI PuK - Publizistik und Kommunikationswiss.)
Nadine Wothe (UAL - Unabhängige Antifaschistische Liste)
Kulturreferat
Ferat Kocak (AusländerInnen-Liste)
Thomas Schobel (FSI PuK)
Tillmann Vogt (-)
Fachschaftsreferat
Inga Nüthen (FSI OSI)
Ina Schneider (FSI Ethnologie)
Lasse Voss (FSI JFK - Kritische Nordamerikastudierende)
Kommunikationsreferat
Benjamin Cers (Antifaschistische Linke Liste)
Guido Siegel (Kritik und Praxis)
Mechthild Vacano (-)
Internationalismus- und Antirepressionsreferat
Steffi Müller (Das Leben ist kein Ponyhof-Lenzen absägen)
Amin Suleimann (FSI Geografie)
Roland Zschacher (Bachelor-Liste)
Referat für Studienangelegenheiten
Stephan Berndt (Kritische NaturwissenschaftlerInnen)
Melanie Guba (Semtix - Die Liste für Semesterticket)
David Gutzmann (Kritische NaturwissenschaftlerInnen)
Autonome Referate (von den jeweiligen “Voll”versammlungen gewählt):
Frauen
Kadife Duman (Feministische Frauen-Lesben-Liste)
Lisa Muller (-)
Birte Gerstenhorn (-)
Lesben
Siiri Anderson (Ökologische Alternative)
Lisa Haller (Feministische Frauen-Lesben-Liste)
Maren Hilse (Feministische Frauen-Lesben-Liste)
Schwule
Sebastian Dierks (USL - Unabhängige Schwule Liste)
Serdal Güler (USL)
Dennis Schlizio (USL)
Ausländer/innen
noch nicht gewählt
(Sollte einer der Namen falsch geschrieben sein, bitte ich um Entschuldigung!)
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Wenn ich richtig zähle, liefern also 19 der im Stupa befindlichen 42 Listen AStA-Referent/inn/en aus ihren Reihen, wenigstens 30-35 der zur Wahl anwesenden 45-50 Abgeordneten (60 sind gewählt) unterstützen sie; nur LHG und Grüne lehnen durchgehend die Kandidaten der nicht-autonomen Referate ab.
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Um 17 Uhr war die Sitzung nach 4,5 Stunden vorbei. Was gibt es noch anzumerken? Ach ja, das neue Fachschaftsreferat ist geschlossen dagegen, dass der demokratisch gewählte Fachschaftsrat Politik- und Sozialwissenschaften einberufen wird. Zwei der drei Referent/innen sind Mitglieder von Gruppen, die für diesen FSR angetreten sind. Diese antidemokratische Haltung deckt sich mit den Aussagen der alten Referenten für Fachschaften und Finanzen, die berichteten, dass studentische Projekte auch von FSIs beantragt wurden und werden, die im StuPa den AStA stützen. (Zusammenhänge sind Zufall.)