Zum ersten Mal: Bericht aus dem Kuratorium

RonnyAkademische Gremien, Allgemeines, FU, Hochschulpolitik Kommentar schreiben

Vor kurzem wurde ich von den Studierenden das Akademischen Senats als Nachfolger (besser: Nachrücker) von Katja Hill als Vertreter der Studierenden in das (neue) Kuratorium der FU gewählt. Meine Amtszeit endet Ende November, wenn das Kuratorium neu gewählt wird, so dass es erst einmal nur eine relativ kurze Zeit sein wird, die ich dort sitzen werde. Ich möchte aber versuchen, in dieser Zeit so viel Öffentlichkeit und Transparenz wie möglich zu schaffen, denn bisher tagte dieses Gremieum eher unbeachtet, insbesondere von der studentischen Öffentlichkeit.

Was ist das (neue) Kuratorium? Ganz einfach gesagt ist es die Schnittstelle zwischen politischem Senat und dem Akademischen Senat. Hier werden die strategischen Entscheidungen getroffen und die Arbeit der Universität (der Fachbereiche, des Präsidiums, der Verwaltung etc.) überwacht. In ihm sitzen je ein Vertreter der vier Statusgruppen der FU, der Senator/Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, sowie fünf Externe: Herr Erichsen (der Vorsitzende des Kuratoriums, Professor in Münster, früherer Vorsitzender der Hochschulrektorenkonferenz, früherer Vorsitzender des nationalen Akkreditierungsrats u.v.m.), Frau Birthler von der Stasiaktenbehörde, Frau Diggelmann (Professorin aus der Schweiz), Herr Sattelberger (aus dem Personalvorstand von Continental) sowie Herr Hoffmann (Professor an der TU München). Anwesend waren aber auch das Präsidium, der Kanzler, die Frauenbeauftragte, sowie die Personalratsbeauftragten.

Im Vorhinein der heutigen Sitzung hatte ich ein 30-minütiges Gespräch mit Herrn Erichsen, der mir einführend ein wenig die Arbeit des Kuratoriums und seine Vorstellungen von dessen Tätigkeitsbereicht erklärte und mir außerdem ein paar Fragen zur praktischen Arbeit beantworten konnte.

Die Sitzung (Dauer: 15:00 Uhr bis 18:15 Uhr) war geprägt von Präsentation und Information, mit relativ wenigen Diskussionselementen und die meisten Inhalte sind eher verwaltungstechnischer Natur, was vielleicht auch die geringe Sichtbarkeit des Kuratoriums begründet. Auf der Tagesordnung standen der Bericht des Kuratoriums-Vorsitzenden und des FU-Präsidenten, die Wahl des Kanzlers (des Verwaltungschefs der Universität) sowie die Darstellung der Finanzspielräume der Fachbereiche, des Mitarbeiter-Gesundheits-Projekts der FU sowie des FU-Bibliothekssystems.

Aus dem mündlichen Bericht des Präsidenten (ich hab auch noch die ausführliche Version auf Papier, falls es jemanden interessiert) ist festzuhalten, dass FU und HU ein gemeinsames Büro in Brüssel einrichten möchten, um rechtzeitig auf Entscheidungsprozesse (etwa die Programmentwicklung) einwirken und auch die relevanten Informationen über Finanzierungsmöglichkeiten erhalten können.
Unzufrieden ist man etwas über die Akkreditierungen, die jeweiligen Agenturen sind wohl nicht so ganz zielgerichtet wie erwartet. Außerdem soll für die Zukunft eher in Richtung einer Systemakkreditierung (weg von einer Einzel-Studiengang-Akkreditierung) gearbeitet werden, wiewohl dies nicht auf Kosten der Qualität(ssicherung) gehen darf, wie der Staatssekretär Husum betonte.
Gearbeitet wird (seitens der KMK) wohl auch an einer Exzellenzinitiative im Bereich der Lehre, wiewohl es da noch keine genauen Ansätze gibt, wie man eine solche Bewertung genau vornehmen soll.

Zur Kanzlerwahl: Der alte Kanzler Lange ist auch der neue Kanzler Lange.

Im Bereich der finanziellen Spielräume der Fachbereiche wurde neben den allgemeinen Steuerungsinstrumenten insbesondere auch über bestehende Personalüberhänge gesprochen (das heißt Stellen, die über dem im Strukturplan festgelegten Soll liegen). Mögliche Maßnahmen um die Kosten in diesem Bereich klein zu halten seien die Nutzung von Überhangstellen für die Gewinnung von Drittmitteln, die Weiterbildung von Mitarbeitern statt Neueinstellung, die Auflösung von Rücklagen der Fachbereiche zur Finanzierung des Überhangs und die effektivere Einsetzung von Mitarbeitern, die auf Posten im Überhang arbeiten. Insbesondere sei aber eine “steigende Produktivität” über die vergangenen Jahre festgestellt wurden, welche durch ein in deutschen Universitäten “einzigartiges Steuerungssystem” ermöglicht würde. Auf meine Frage, ob diese Produktivitätssteigerung auch durch unbezahlte Lehraufträge erreicht worden sei, bekam ich ein klares “Nein”, solche Aufträge seien eher ab als aufgebaut worden.

Zur Gesundheitssituation an der FU wurde festgestellt, dass es den Leuten überdurchschnittlich gut ginge, es aber Zeichen von “Resignation” (insbesondere bei den technischen Mitarbeitern) zu beobachten gäbe. Die gute Krankenstandsbilanz wird allerdings insbesondere durch den Mittelbau getragen (der es sich nicht so recht leisten kann, krank zu machen…).

Die abschließende Präsentation des FU-Bibliothekssystem war dann relativ knapp. Tenor ist: Gute Ausstattung, gute Leistung, insbesondere im Vergleich mit anderen Bibliotheken. Einen neuen Ausdruck habe ich auch gelernt: “Dezentralisierung auf mittler Ebene” (d.h. weder eine zentrale UB noch eine Unmenge an Kleinstbibliotheken).

Insgesamt eine sehr technische Sitzung ohne besondere Höhepunkte. Hier kann man vermutlich, wenn man sich länger beteiligt, eine ganze Menge über die Arbeiten und Geschehnisse im Hintergrund erfahren, insbesondere was die strategische Ausrichtung der FU angeht. Für eine spannende Diskussion hat es in dieser Sitzung allerdings nicht gereicht…

Zum Abschluss noch einige Randdetails, die ich aus der Sitzung mitgenommen und euch noch mitteilen möchte:

- Die Umstellung des akademischen Kalenders auf die internationalen Zeiten, wie es die Uni Mannheim vor kurzem bereits getan hat, wird auch in Berlin angestrebt, allerdings nicht so hau-ruck wie im Südwesten, wo es wohl zu einigen Problemen gekommen ist. Anvisiert ist der Zeitraum 2007/2008.

- Der Umzug der Philosophischen Bibliothek (die FSIs berichten begründet sich wohl unter anderem auch dadurch, dass mit den frei werdenden Stellen eine Sonntagsöffnung ermöglicht werden soll.

- der Stuhl des AStAs, der mit Antrags- und Rederecht auch zur Sitzung eingeladen ist, blieb leer.

- Und als Abschluss das als Spaß gemeinte Zitat des UB-Leiters Prof. Dr. Ulrich Naumann, mit dem er trotz vergleichsweise guter Ausstattung mehr Mittel, Platz und Stellen für die Bibliotheken forderte: “Wir haben heute ein nicht mehr so intelligentes studentisches Publikum wie vor 20 Jahren.” Ich bitte euch, das bei eurem nächsten Bibliotheks-Besuch zu beachten.

Die nächste Sitzung des Kuratoriums findet am 31. Mai 2007, 10 Uhr, statt. Diese Sitzungen sind öffentlich.

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