Die Freiheit der Universität vs. die Freiheit seiner Mitglieder
RonnyAllgemeines, FU, Hochschulpolitik, Presse Kommentar schreibenThomas Assheuer in der ZEIT zur neuen Pflicht der Wissenschaftler/innen an der Uni Hamburg, jede Äußerung an Medien oder andere Externe der Universitätsleitung zu melden:
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Viel war bei den Hochschulreformen von neuer »Freiheit« die Rede, als sei die alte Universität eine Haftanstalt gewesen, die ihre Insassen in Ketten schlug. Tatsächlich brachten die überhasteten Reformen neue Zwänge mit sich – und sei es bloß die autoritär verfügte Rücksichtnahme auf effiziente »Außendarstellung«, also die sklavische Selbstbeobachtung der Universität durch die flackernden Augen von Markt und Öffentlichkeit. Die wissenschaftliche »Leidenschaft für die Wahrheit« weicht den akademischen Public Relations. Umgekehrt wär’s besser.
Zitiert wird nur, was eigentlich offensichtlich ist, aber in der neuen Realität der Hochschule (auch an unserer) gerne vergessen wird: Die Universität ist für ihre Mitglieder da und nicht die Mitglieder für ihre Universität. Wer bei strategischen Ausrichtungen – und als Mitglied des Kuratoriums sollten mir diese durchaus am Herzen liegen – jene Realität verdrängt, schafft Strukturen und Prozesse, an deren Ende nur die Universität als abstraktes Gebilde, nicht jedoch ihre Mitglieder gewinnen.
Auch an unserer Universität habe ich manchmal das Gefühl, dass jene Realitität unter die Räder kommt. Die Freie Universität heißt jedoch nicht so, weil ihre Leitung möglichst frei sein soll. Sie heißt so, weil sie die intellektuellen Kräfte seiner Mitglieder – Studierende, Lehrende, Organisierende – freisetzen soll, indem sie ihnen Freiheit zum Lernen, Lehren, Forschen und Planen verschafft. Dazu braucht es manchmal Zeit – Zeit für Rücksprache, Zeit für Reflektion, Zeit für Debatten, Zeit für Korrekturen.
Die Leitung der Universität trägt die Verantwortung, dass ihre Mitglieder diese Zeit haben. Die Mitglieder der Universität tragen die Verantwortung, diese freie Zeit zu nutzen: in ihrem eigenen Sinne und im Sinne einer freien Universität, die ihren Namen in Groß- wie in Kleinschreibung verdient, weil sie zur Freiheit aller Beteiligten beiträgt!