Gestern Nachmittag tagte der Fachbereichsrat (FBR) Geschichts- und Kulturwissenschaften.
Zu Beginn hielt der neue Dekan, Prof. Dr. Dominik Bonatz, für das Dekanat die Antrittsrede, voll gespickt mit hochschuladministrativem Neu-Sprech. Eine interessante Nachricht gab es immerhin (wie wohl diese nicht unerwartet ist): Es gibt noch etliche verwaltungstechnische Probleme bei der Einführung der BA-Studiengänge.
Danach durfte ich als Gast erst einmal 45 Minuten den Saal verlassen, weil im nicht-öffentlichen Teil eine Reihe von Kommissionen (neu- oder nach-) besetzt werden mussten: Berufungskommission Altamerikanistik/Kulturanthropologie, Berufungskommission Zeitprofessur Geschichte Nordamerikas (als Vertretung für die in das Präsidium wechselnde Frau Lehmkuhl) sowie alle Kommissionen und Ausschüsse des Fachbereichs.
Als nächstes ging es die Zulassungszahlen für wirtschaftswissenschaftliche 30 LP - Angebote. Hier gibt es jetzt eine Vereinbarung der beiden Fachbereiche, nach der je fünf Studierende der Fächer Ostasien/China, Ostasien/Korea, Ostasien/Japan, Vorderer Orient und Altertumswissenschaften aus drei verschiedenen 30 LP-Angeboten bei den Wirtschaftswissenschaften wählen können (wenn ich es richtig verstanden habe BWL, VWL und Statistik).
Der Tagesordnungspunkt zur “Satzung zur Regelung der Vergabe von Studienplätzen in den B.A.-Studiengängen” wurde vertagt, weil die Gespräche mit dem Rechtsamt noch andauerten.
Interessant wurde es dann beim Tagesordnungspunkt Mitteilung:
1. Große Aufregung gab es, weil das Präsidium das Verfahren zur Neubesetzung der Professur für Neuere Geschichte gestoppt hatte. Die angeführten Gründe, die das Präsidium in einem Brief mitgeteilt hatte, wurden dabei als fadenscheinig, beleidigend und ungerechtfertigt angesehen: Dort sei die Rede von einer benötigten “Internationalen Sichtbarkeit” der berufenen Person, obwohl die drei Kandidaten (nach Aussage von FBR-Mitgliedern) auf der Vorschlagsliste von höchster Qualifizierung gewesen seien. Man konnte bei diesem Thema sehen, wie der gesamte Fachbereichsrat relativ aufgewühlt war und diese Absage so nicht auf sich sitzen lassen wollte. Interessant ist das auch im Kontext der morgendlichen Sitzung des FBR Politik- und Sozialwissenschaften, wo es auch relativ große Aufregung über das Stoppen des Verfahrens für die Juniorprofessur “Politik Nordamerikas” durch das Präsidium gab.
Ich habe mich gestern schon gewundert, wie intensiv das Präsidium sich in solche Berufungen einmischt und selbst gegen die Haltungen der Berufungskommissionen, der Fachbereichsräte und der Dekanate solche Entscheidungen trifft, die die Lehre für uns Studierende auf Jahre hinweg verschlechtert. Nicht zu sprechen für die Kosten für die Neuausschreibung und die benötigten Arbeitsstunden der Kommissionsmitglieder und externen Gutachter…
Unter dem unscheinbaren Punkt “Mitteilungen” blieb es dann auch interessant: Mitgeteilt wurde, dass die Einführung des BA-Studiengangs Ethik ohne Anführung von Gründen um ein Jahr verschoben wird. Von Interesse ist das insofern, als dass wir diesen Studiengang eigentlich vor zwei Wochen auf der Tagesordnung der Kommission für Lehre und des Akademischen Senats hatten, dieser aber kurzfristig von Tagesordnung gestrichen wurde. Im FBR hieß es, man habe lange intensiv an der Entwicklung des Studiengangs gearbeitet und er sei so kurzfristig von der Tagesordnung genommen wurden, dass nun kein Beschluss mehr gefasst werden könnte, der eine Einrichtung noch zum Winter ermöglicht hätte. Schuld sei auch hier das Präsidialamt. Auch uns als Kommissionsmitgliedern wurde weder formell noch informell mitgeteilt, wieso der Studiengang nicht behandelt wurde. Ein weiterer Baustein in einer relativ miesen Informationspolitik des Präsidalamtes, welche extrem beteiligungshemmend und frustationsfördernd ist. Achja, dazu kommt auch, dass laut FBR die mündlich zugesagte Einrichtung der Master-Studiengänge “Religionswissenschaften” und “Christlich-Jüdische Beziehungen” seitens des Präsidiums wieder zurückgenommen sei.
Zum Abschluss wurde dann noch der Haushalt beschlossen und festgelegt, dass W1/W2-Stellen 8.000 Euro Ausstattung im ersten Jahr und ab dem zweiten Jahr erhöht um die leistungsbezogenen Mittel erhalten sollen.
Insgesamt hat es sich gezeigt, wie lohnenswert die Verfolgung verschiedener hochschulpolitischer Gremien ist, weil man nur so die vielen kleinen Puzzleteile entdeckt, die zusammen ein Bild ergeben, mit welchem man die tatsächlichen Vorgänge an dieser Uni besser versteht. Ich hatte gehofft, dass sich der AStA mal dafür einsetzt, ein solches Bild zu malen, aber das wurde bei der AStA-Wahl leider abgelehnt - eine solche Koordinierung sei ja Ausdruck von “Konsum-Haltung”…