TU-Druckerei verschwindet auch auf SPIEGEL Online
RonnyAllgemeines, FU, Hochschulpolitik, Presse, TU Kommentar schreibenDie lange Geschichte der Druckerei des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Technischen Universität Berlin hat jetzt seinen Weg bis auf die Seiten von SPIEGEL online geschafft. Wunderbar unaufgeregt und spekulationsfrei wird hier gezeigt, wohin sich das “Objekt der Begierde” verzogen hat: nach Russland – nur 16 Jahre nach Auflösung des Kommunismus dort …
Spaß bei Seite: Der Verkauf der Druckmaschine war richtig.
Studierendenschaften benötigen keine eigenen Druckereien, zumal, wenn sie wie an der FU nur durch ihre Fixkosten (also ohne, dass eine Seite gedruckt wurde) ca. 20% des Budgets von über einer halben Millionen Euro verschlingen. Und insbesondere, wenn wie an TU und FU nirgendwo kontrollierbar dokumentiert wird, was dort eigentlich genau gedruckt wird.
Die radikale Linke schreit natürlich erwartungsgemäß auf – ein Aufschrei der traditionellen, quasireligiösen Bigotterie, genährt von dem Wissen, dass sich bestimmte Aktionen nur durchführen lassen, wenn man auf unkontrollierte Ressourcen zurückgreifen kann. Die Basisdemokraten müssen ganz unbasisch hinter verschlossenen Türen agieren, um groß angelegte Kampagnen zu organisieren, die nur dadurch wiederum als basisdemokratisch verkauft werden können, dass sie so groß geplant sind – als spontane Ausbrüche der Aufregung, für die rechtzeitig schon die Flyer und Plakate fertig sind, bevor außerhalb der elitären Zirkel jemand etwas von seiner eigenen Aufregung weiß.
Die sich selbst reproduzierende Scheinheiligkeit weiß auch, dass die die ASten stützenden radikalen Gruppen nur das Maß an Aufmerksamkeit erwerben können, um jedes Jahr aufs Neue wiedergewählt werden, wenn sie mit Hilfe der Mittel der Studierendenschaften ihre Themen und Gruppennamen immer wieder so massiv auf die Agenda setzen können, dass keine anderen politischen Meinungen und Gruppen durchdringen können, die nicht auf eben solche Ressourcen zurückgreifen können. Und die radikale Linke weiß auch, dass sie sich nur aus einem bestimmten Stamm von Aktivisten oder Prä-Aktivisten speist, den man nicht nur an Universitäten sondern auch außerhalb finden muss, weshalb die ideelle und mitunter – wie nicht nur der Rechnungshof in der Vergangenheit gezeigt hat – wohl auch materielle Unterstützung von Aktivitäten außerhalb der Universität und von Projekten, die keinen nicht herbeikonstruierten Zusammenhang zu studentischen Interessen haben, auch als Mittel der eigenen, kontinuierlichen Lebensrettung de Linksradikalen dienen.
Die ASten lehnen zurecht Studiengebühren ab, nehmen aber selbst Gelder für Aktivitäten, die den Studierenden nicht nachvollziehbar zu Gute kommen. Man mag entgegenhalten, dass es sich ja um Peanuts handelt – aber wenn man das auf die Zahl der Studierenden und die jahrzehntelange Amtszeit der ASten hochrechnet, erreicht man schwindelerregende Höhen.
Scheinheiligkeit. Doppelmoral. Politische Schizophrenie.
Die radikale Linke stört das nicht – solange sie profitiert. Kommen Andersdenkende in ihren Weg, und nehmen wie an der TU die alten unkontrollierte Mittel, liegen psychische und physische Gewalt als neue (alte) Mittel des politischen Kampfes meist nur einen Katzensprung entfernt…
Gewalt und Gewaltandrohung begründet mit “studentischen Interessen”. Beschwerden über Intransparenz von Menschen, die selbst größte Experten in intransparentem Handeln sind. Dass ich nicht lache.
Der Verkauf der AStA-Druckerei an der TU war richtig – und wäre es auch an der FU Berlin!
11. August 2007 at 12:19
… zumal externe Druckereien, spätestens in den letzten Jahren, wirklich billiger geworden sind, als selbst die optimistischste Kalkulation, die der FU-AStA vorgelegt hatte. PDF/JDF-Workflows, CtP oder sogar Direct Imaging haben in den kommerziellen Druckereien ja inzwischen ihren Sparsamkeitseffekt deutlich gezeigt. Man kann extern also preisgünstiger drucken und das sogar in vielfältigeren Formaten. Eine notwendige “Studentische Infrastruktur” stellt eine studierendenschaftseigene Druckerei auch deshalb nicht dar, weil der Zugriff auf alle kommerziellen Druckereien stets ungehindert möglich ist.
Auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen, wie manchmal angeführt wird, geht es höchstens vordergründig. Denn bei externer Auftragsvergabe sichert man natürlich dafür Arbeitsplätze bei den Auftragnehmern oder trägt sogar dazu bei, dort neue zu schaffen. Nur weil man deren Namen nicht kennt, heisst das nicht, dass man deren Jobs nicht sichert.
Die Frage, warum man trotzdem nicht auf externe Vergabe umsteigt, hat Ronny oben beantwortet. Die hierdurch geschaffene Intransparenz ist ein undemokratisches Machtinstrument, das inzwischen hauptsächlich dazu erhalten wird, ein Hochschulequivalent zur “Parteienfinanzierung nur für Regierungsparteien” oligarchischer Systeme zu schaffen.
14. August 2007 at 16:20
Zudem leistet sich nicht einmal mehr die FU-Leitung/-Verwaltung eine eigene Druckerei für ihre internen und externen Druckerzeugnisse. Aber der AStA, der braucht eine… *kopfschüttel*
20. August 2007 at 14:11
[...] Zurück aus dem Urlaub werde ich sogleich mit einem Artikel auf Spiegel Online konfrontiert (danke Ronny für den Hinweis), der über den neusten Polit-Streit aus den Sphären der Berliner Asten berichtet. Gehen tut es einmal wieder um was weiss ich, irgendwas, wie üblich. Sagen wir es war eine Brauerei, die Asta-Brauerei der TU Berlin, die in meiner ferienbedingten Abwesenheit vom Christlich-Demokratischen Asta in einem letzten politischen Akt verkauft worden war. Spiegel Online: Der Kessel – ein zwanzig Jahre altes Objekt der Firma Heidelberg Bräu – war das Herz der Asta-Brauerei an der Technischen Universität Berlin. In ihm hatten die Studenten seit Anfang der achtziger Jahre alles gebraut, was in ihrer Arbeit so anfiel – “und noch einiges mehr”, so Gottfried Ludewig [RCDS]. Die Brauerei sei von den ehemaligen Asten benutzt worden um linke Gruppen, die nichts mit der Uni zu tun haben, selbst mit Selbstgebranntem zu versorgen. (Vgl. Spiegel Online) [...]