Wenn die Magister auslaufen
RonnyAkademische Gremien, Allgemeines, FU, Hochschulpolitik Kommentar schreibenIm Tagesspiegel findet sich heute ein Artikel mit dem Titel “Studieren auf Abruf”, in dem über die auslaufenden Magisterstudiengänge und die damit verbundenen Probleme an den Berliner Hochschulen berichtet wird.
Von der FU wird der Leiter des Rechtsamtes, Lange (nicht zu verwechseln mit dem Verwaltungschef/Kanzler Lange) zitiert:
Ob alle Studierenden auf Fristverlängerungen und viel Kulanz hoffen dürfen, ist allerdings fraglich. Hochschulen könnten schließlich „nicht ewig die für die alten Studiengänge nötigen Kurse anbieten“, sagt Hellmut-Johannes Lange vom Rechtsamt der Freien Universität. Die Betroffenen seien schon vor mehreren Semestern in Briefen und Informationsveranstaltungen gebeten worden, zügig zu Ende zu studieren. Mehr als 40 traditionelle Studiengänge will die FU schrittweise bis zum Jahr 2010 einstellen. Lange befürchtet, dass bald „eine Reihe von Studenten zusammenkommen, die das Ganze einfach verschlafen haben“.
Viele Studierende glaubten zudem, dass sie künftig ohne Wechsel an Bachelor- und Mastermodulen teilnehmen könnten, um doch noch mit Magister, Diplom oder Staatsexamen abzuschließen. Diese Module seien aber „ganz anders zugeschnitten als Lehrveranstaltungen für die traditionellen Studiengänge“, sagt Lange. Außerdem dürfte die Zulassungsbeschränkung der meisten Kurse den Nachzüglern einen Strich durch die Rechnung machen. Lange rät, schon jetzt die Beratungsangebote der FU zu nutzen und „alles Nötige zu planen“ – sich zum Beispiel auch darüber zu informieren, welche Hochschulen den eigenen Studiengang über die Schutzfrist der Berliner Unis hinaus anbieten. Je nach Fach könne es „in einem Jahr schon zu spät sein“.
Auch wenn ein formelles Auslaufen der Magisterstudiengänge sicher nach einer gewissen Zeit angemessen ist, sind die Schlussfolgerungen, die Lange hier zieht, nur begrenzt richtig: Dass Magisterstudierende keine Lehrveranstaltungen mehr besuchen können, weil die Lehrveranstaltungen heute “ganz anders zugeschnitten” seien als früher ist lächerlich angesichts der Praxis, die jeder Depp beobachten kann, dass in fast allen neuen Studiengängen die meisten alten Veranstaltungen nur in ein neues Korsett gezwängt wurden. Die meisten Studienordnungen, die in den vergangenen zwei Jahren durch die Kommission für Lehre gegangen sind (nur von da kann ich aus eigener Erfahrung berichten), enthalten von der Struktur und verschiedenen Bezeichnungen abgesehen nicht so viel Neues, dass Magister-Studierende aus akademischer Sicht (im Gegensatz zur administrativen Sicht) am Zuendestudieren gehindert würden. Faktisch haben wir ja auch noch magisterartige Studiengänge, denn was sind Kombi-Bachelors anderes als kürzere und festgezurrtere Magisterstudiengänge…? Gut, das sind aber natürlich Feststellungen, die der Juristerei einen Blick über den formalen Text hinaus abfordern würden.
—–
Kleine Anmerkung am Rande: Interessant ist, dass im weiteren Verlauf des Artikels Ralf Hoffrogge als Sprecher des AStAs der FU zitiert wird. Ralf war früher AStA-Referent für Hochschulpolitik, ich kann mich aber nicht erinnern, dass er dieses Jahr in den AStA gewählt (und unser AStA umfasst nun schon 40 Menschen) oder als Sprecher des AStAs bekanntgegeben worden wäre. Vermutlich mal wieder eine Fehlinterpretation der bösen Medien…