Aus der letzten Kuratoriumssitzung
RonnySuper-Uni, Lehre, Kuratorium, Akademische Gremien, FU, Hochschulpolitik, Allgemeines 4 Kommentare »Mittwoch war die letzte Kuratoriumssitzung in dieser Legislaturperiode und auch die letzte Sitzung für dieses Jahr.
Auf der Tagesordnung standen neben den Punkten “Lehrveranstaltungsevaluation” und “Befragung der exmatrikulierten Bachelor-Studierenden” (die auch schon auf der Sitzung des Akademischen Senats von vorletzter Woche besprochen wurden) die Erhöhung der Studiengebühren für den weiterbildenden Masterfernstudiengang East European Studies von Klaus Segbers, der Bericht des Präsidenten aus dem Wissenschaftssausschuss sowie die Auswertung der Arbeit des Kuratoriums in den letzten zwei Jahren.
Zu den ersten beiden Punkten (Evaluation, BA-Befragung) ist einführend nicht viel zu sagen, die Inhalte sind im AS-Bericht bereits ausführlich präsentiert und Neues gab’s im Kuratorium auch nicht.
Ich habe aber insbesondere angemerkt, dass eine Evaluation, die auf die erworbenen Kompetenzen der einzelnen Studierenden abzielt - die also fragt, was man gelernt hat und nicht, wie die/der Dozierende drauf war - solange wenig sinnvoll ist, wie den meisten Dozierenden und den wenigsten Studierenden bewusst ist, dass es seit der Einsetzung der neuen Studiengänge überhaupt so etwas wie fachinterne und fachübergreifende Kompetenzziele gibt, die die universitäre Lehre vermitteln soll. Außerdem halte ich es für wenig sinnvoll, in der Mitte des Semesters erworbene Kompetenzen selbst einschätzen zu müssen. Ich kann das heute, am Ende meines Studiums, rückblickend sehr gut tun und mitteilen, welche Kurse (und Dozierende) mir welche besonderen Kompetenzen vermitteln konnten, aber das hätte ich kaum zum Zeitpunkt der Veranstaltungen feststellen können. Und drittens kommt es letztendlich darauf an, dass Lehrende und Studierende miteinander reden - wie erwachsene Menschen, die in der Lage sind, sich zu sagen, was ihnen gefällt und was nicht. Ob eine aufwändige Evaluierung zu zwischenmenschlicher Kommunikation beitragen kann, möchte ich bezweifeln. Aber schaden tut sie auch niemanden - und wer Evaluierung als ein Zwangsinstrument begreift, hat sowieso schon verloren.
Zur Befragung der exmatrikulierten BA-Studierenden kann man sagen, dass sie helfen wird, ein etwas differenzierteres Bild darüber abzugeben, wer aus welchen (Hinter-)Gründen die FU frühzeitig verlässt. In der Umfrage, die durch Wissenschaftlerinnen der FU durchgeführt wurde, wurden den abgegangenen Kommiliton/inn/en Fragen zur Einschätzung der Studienbedingungen, der Anforderungen, der eigenen Motivation, zu finanzieller und persönlicher Lebenssituation sowie zu möglichen Neuorientierungen (anderes Studium, guter Job etc.) gestellt. Daraus haben die Organisatorinnen der Umfrage vier Gruppen von Abgängern gebastelt:
36% haben sich verwählt.
25% fühlten sich überfordert (insbesondere in den Naturwissenschaften).
18% waren vom Studium enttäuscht.
21% sind freiwillig frühzeitig (an eine andere Uni oder in den Beruf) gewechselt.
Die Erkenntnis ist, dass nicht jede/r die/der geht, geht, mit der allgemeinen Situation an der Uni unzufrieden ist. Die Erkenntnis ist aber auch, dass eine ganze Menge junger Menschen gehen, weil sie offensichtlich vor Studienbeginn nicht ordentlich über die Anforderungen informiert waren. Zu erkennen ist ebenfalls, dass vielen der Start in das Studium nicht recht gelingt, und sie bei Problemen auch niemanden haben, an den sie sich wenden können. 60% verlassen die Universität, ohne sich je in eine Beratung begeben zu haben. Daraus ergibt sich meines Erachtens wenigstens dreierlei: Erstens, dass die Studierenden bereits vor Antritt ihres Studiums ordentlich über die genauen Inhalten und den exakten Aufwand (der sich in einigen Fächern insbesondere vor den Semesterferien immens kumuliert) informiert werden, den sie zu betreiben haben. Zweitens, dass den Studierenden möglichst schon vor dem ersten Vorlesungstag, also zu einem Zeitpunkt, wo die Wahl der Kurse, der Umgang mit Campus Management, das Zurechtfinden auf dem Campus etc. bereits zu Problemen führen, wirkliche Ansprechpartner zur Seite gestellt werden, die mehr sind als eine abstrakte “Sprechstunde” sondern die echte Hilfe und Problemlösung anbieten können. Und drittens braucht es eine Überarbeitung der Studiengänge dahingehend, dass die Studienorganisation einfacher möglich (z.B. transparenter und flexibler) ist und sich der Workload (Arbeitsaufwand) sinnvoll über das Semester verteilen lässt. Letztendlich sind dies ja auch Fragen, die nicht nur die Exmatrikulierten sondern auch diejenigen Studierenden betreffen, die sich trotz ihrer Probleme durch das Studium schleifen, obwohl ihnen das Leben mit besseren Bedingungen deutlich vereinfacht werden könnte.
Zu hören war, dass die Runde der Studiendekane (das sind die Verantwortlichen der Fachbereiche für die Lehre) von den Ergebnissen der Studie etwas geschockt gewesen seien und offensichtlich gewillt wären, Veränderungen anzustoßen - mal sehen ob das klappt. Die Umfrage wird auf Anfrage des Kuratoriums auch auf den Webseiten der FU veröffentlicht werden; ich habe darum geben, das möglichst umfassend zu tun, um nicht dem Vorwurf zu erliegen, eine Vorinterpretation der Daten vorgenommen zu haben. Mir wurde versichert, dass eine solche Interpretation nicht im Sinne der Verwaltung liege, weshalb die Studie auch von Wissenschaftlerinnen durchgeführt wurde; trotzdem sei es nicht sinnvoll, alle Roh-Daten zu veröffentlichen sondern dies sinnvoll komprimiert zu tun.
Danach berichtete Präsident Lenzen aus dem Wissenschaftsausschuss, wo die so genannte “Super-Uni” auf der Tagesordnung stand. Es sieht momentan danach aus, als ob sich alle Fraktionen, Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen eher einig wären, dass eine Über-Uni nicht sinnvoll ist und man sich letztendlich auf so etwas wie eine vernetzende und Gelder verwaltende Stiftung oder eine berlinweite “Plattform” einigen könnte, die aber nicht den Charakter einer eigenen Hochschulinstitution hätte. Nur der Senator scheint noch nicht ganz überzeugt… aber da er ja “ergebnisoffen” verhandeln wollte, wird er sich wohl demnächst auch etwas bewegen müssen.
Fehlt noch: Die Gebührenerhöhung des Fern-Masters “East European Studies” von (Achtung!:) 6.900 Euro auf 8.900 Euro - für vier Semester ja fast ein Geschenk. Prof. Klaus Segbers begründete in Abwesenheit diese Erhöhung mit der Tatsache, dass nicht genügend Studierende sich für diesen Studiengang entschieden hätten; es waren wohl nur 17 anstelle der angestrebten 30. Und weil das Geld sonst nicht ausreichte, müssten jetzt die Gebühren erhöht werden. Dass das inhaltlich und selbst ökonomisch absurd ist, habe ich sehr deutlich angemerkt und das Kuratorium beschloss dann auch mit knapper Mehrheit (bei meiner Gegenstimme waren 3 dafür; 2 enthielten sich), dass die Gebühren zwar jetzt erhöht würden, aber Herr Segbers in einem Jahr präsentieren müsse, dass der Studiengang überhaupt Anklang findet - ansonsten muss diesem ein Ende gesetzt werden.
Zum Abschluss gab’s dann noch eine kurze Diskussion über die vergangene und weitere Arbeit des Kuratoriums, das sich in den vergangenen zwei Jahren insgesamt nur 9 Male getroffen hat.
Anfang nächsten Jahres steht z.B. ein Nachtragshaushalt an und ich habe gebeten, mal alle Beteiligungen der FU aufzulisten und zu zeigen, welche Folgen das für den Haushalt aber auch für die Bezahlung von wissenschaftlichem und nicht-wissenschaftlichem Person hat(te). Außerdem müsste mal über die ganzen technischen Systeme der FU gesprochen werden, die für viel Geld angeschafft wurden, die aber zum Teil bis heute noch Probleme bereiten.
Nach der Diskussion wurden die scheidenden Mitglieder des Kuratoriums verabschiedet - und nach vier Stunden Sitzung war diese Legislatur beendet.
Abschließend anzumerken ist, dass während des ganzen Jahres sich niemand vom AStA im Kuratorium gezeigt hat, obwohl dieser antrags- und redeberechtigt ist und viele Sachen, die besprochen werden, alle Studierenden (und damit den AStA als Vertretung der Studierendenschaft) direkt und indirekt angehen. Das ist nicht nur mir aufgefallen, sondern ich wurde auch mehrfach von der Frauenbeauftragten und Mitgliedern des Präsidiums darauf angesprochen, die es auch gerne sehen würden, wenn sich die Studierendenvertretung als kritischer Partner mehr zeigen würde. Aber auch Herr Sattelberger, der seit Anfang des Jahres Telekom-Personalvorstand und auch wieder Mitglied im kommenden Kuratorium ist, hat sich schon seit drei Sitzungen nicht mehr gezeigt - es gibt für Wirtschaftsvertreter scheinbar auch Wichtigeres, als Kuratoriumssitzungen…
Die nächste Sitzung des Kuratoriums ist voraussichtlich am 25. Januar 2008.