Campus Talk mit Matthias Döpfner: Wie andere meine Zeit verschwenden.
Thomas EichentopfPresse, Super-Uni, FU Veranstaltungen, Allgemeine Veranstaltungen, FU, Hochschulpolitik, Allgemeines Kommentar schreibenIm Rahmen von Manager Magazin Campus Talk war heute Matthias Döpfner (Vorstand Axel Springer) zu Gast am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin. Auf Einladung von Prof. Schreyögg stellte er sich einem öffentlichen Interview unter der Leitfrage “Karriere 2008 - Einstieg, Aufstieg, Umstieg”.
Mag man über die Antworten von Herrn Döpfner geteilter Meinung sein. Meiner Ansicht nach blieb er blass und beschränkte sich auf Standardsätze, die einem lange schon aus den Ohren heraushängen. Auch die Fragen der beiden Interviewer vom Manager Magazin trugen nicht wirklich zu inhaltlicher Tiefe bei, sondern wirkten vielfach wie einstudierte Vorlagen. So wirkte es auf dieser Seite wie eine hübsche Inszenierung.
Aber nicht nur auf dieser Seite. Zu Gast waren nämlich auch die Kommilitonen vom Dieter Lenzen-Fanclub, die ein weiteres Mal sich das Recht herausnahmen, die Interessen einer großen Mehrheit zu ignorieren, um sich ihrer arroganten Selbstverherrlichung zu widmen, die sie Satire nennen. Von Beginn an unterbrachen sie das Gespräch mit Wellen von Beifall, Jubel und Trampeln. Auch auf mehrmalige Ermahnung durch Prof. Schreyögg waren sie nicht in der Lage, ihr Benehmen anzupassen. Als gegen Ende die Situation zu eskalieren begann, wurde die Veranstaltung eine halbe Stunde früher als geplant abgebrochen.
Vielleicht wusste der Fanclub das nicht, aber für manchen Studenten im Raum war es eine akademische Pflichtveranstaltung. Vielleicht interessierte es den Club nicht, aber mancher hatte wohl ein Interesse daran, Herrn Döpfner zuzuhören, und reiste extra dafür abends noch einmal zur Uni. Egal: Beiden Gruppen hat der Club letztlich zwei Stunden ihrer Zeit gestohlen.
Vom Stil her nicht in Ordnung war es, dass einige Fragen tatsächlich etwas parteiisch übergangen wurden. Es sei aber bedacht, welchen Stil die Herren an den Tag legten, als sie immer noch Contenance zeigten, obwohl lange schon klar war, dass euer Applaus nicht gut gemeint war.
Ehrlich, das war eine Veranstaltung aus dem Kindergarten. Von erwachsenen Studenten erwarte ich, dass sie in der Lage sind, andere zu respektieren. (Das ist im Übrigen auch ein Recht, das vom Verfassungsgericht bestätigt sein dürfte, nämlich intrinsischer Teil des Grundgesetzes, auf dessen Freiheiten sich von bestimmter Seite gerne und natürlich per se völlig zu Recht berufen wird.) Was der Dieter Lenzen-Fanclub zeigt, ist nicht gebildete Satire, sondern einfach sittenfernes, schlechtes Benehmen von Starrköpfen. Diese Veranstaltung hatte keinen Bezug zu Dieter Lenzen. Es ging einfach um öffentlichkeitswirksame, wie üblich überzogene und gegenüber den Mitmenschen absolut unfaire Selbstinszenierung.
Geht das weiter, wird der Ruf der Universität sicherlich beschädigt werden. Das mag manchem zupass kommen. Das wird aber dazu führen, dass gar kein renommierter Gastsprecher, so politisch unabhängig er auch sein möge, gesteigertes Interesse hätte, an der FU aufzutreten. Er würde ja doch nur für einen Kampf instrumentalisiert werden, der nicht der seine ist.
Ich fordere den ASta und alle hochschulpolitischen Gruppen an der FU Berlin daher auf, Stellung zu den wiederholten Vorgängen zu nehmen und deutlich klarzustellen, dass man dieses Benehmen nicht unterstützt. Begründung: Wir sollten zeigen, dass wir trotz aller Meinungsverschiedenheiten in der Lage sind, eine politische Debatte sachlich und mit Respekt voreinander zu führen. Den DieterLenzen-Fanclub haben wir jedenfalls nicht nötig.
5. Dezember 2007 at 21:49
Ich konnte vor einer anderen Veranstaltung nur ganz kurz vorbeischauen, aber im “Fanblock” saßen unverkennbar mindestens drei AStA-Referenten aus den Referaten für Hochschulpolitik und Öffentlichkeitsarbeit, die sich an allem beteiligt haben.
Soweit zur Unabhängigkeit von “Fanclub” und AStA…
6. Dezember 2007 at 23:54
Ja, da empört sich der Bürger.
Statt sich über die mediale Hetze der Bild-Zeitung zu empören, über die Scheinheiligkeit einer Papst-Euphorie während gleichzeitig auf entwürdigendste Weise Wichsbilder auf Seite 1 abgedruckt sind. Über die Lügen, Verleumndungen und Skandale um die Bild-Zeitung, die Aufwiegelung zum Mord an Dutschke, über dieses erniedrigende, verblödende Propagandablatt der Reaktion.
Aber nein! Empören tut sich der Bürger über den undemokratischen Charakter des Protests, denn das gehört sich so nicht.
Oder wie formulierte eine Band: Menschen sterben und Ihr schweigt, Scheiben splittern und Ihr schreit.
Werd doch Beamter, Thomas.
7. Dezember 2007 at 0:28
Genau Pony, weil die BILD-Zeitung mit teilweise ekelhaften Methoden arbeitet, um Menschen vorzuführen, haben die Früchte des Zorns in Form des DLFC das Recht, sich selbst mit gleichen Methoden - reißerisch und selbstherrlich - und dem selben falschen Anspruch, das Gewissen der Nation (oder der Studierendenschaft) zu sein, als die Speerspitze des Protestes zu verstehen. Klingt mir irgendwie wie die BILD-Zeitung.
Und weil es in der Vergangenheit mit negativem Protest nicht klappte, wird der Protest heute positiviert hinter Satire versteckt, die keine ist. Der Herr Manager, der dort saß, hätte sich mit seinen leeren Floskeln selbst demaskiert - aber dank des Fanclubs ist vermutlich völlig in Vergessenheit geraten, wie platt die Sprüche waren. Gratulation.
7. Dezember 2007 at 1:02
Ach es ging mal wieder um den Lieblingsgegener: Die Bild
Döppe kann man ja auch aus anderen Gründen nicht mögen. Jetzt wegen der Bild so einen Radau machen? Der freut sich doch darüber und kann Euch als Idioten abstempeln.
obligatorisch: bildblog.de/
7. Dezember 2007 at 6:26
[…] wirklich zu inhaltlicher Tiefe bei, sondern wirkten vielfach wie einstudierte Vorlagen.” (“Campus Talk mit Matthias Döpfner: Wie andere meine Zeit verschwenden”, LHG Blog, […]
7. Dezember 2007 at 8:47
Du, Pony, ich mag die Bild auch nicht und nutze sie allenfalls, um nasse Schuhe zu trocknen. Sicherlich trifft auch die Beschreibung nicht zu, ich würde schreien, wenn Scheiben splittern, und schweigen, stürben Menschen. Ich möchte behaupten, dass es am Fachbereich kaum einen Studenten gibt, der sich intensiver mit ethischen Fragestellungen auseinandersetzt.
Einer aus dem Fanclub, oder zumindest ein Sympathisant, hat auch eine sehr sinnvolle Frage dazu gestellt, die in sich absolut angebracht war: Nämlich eben nach der Legitimität der Zeitung. Ich hatte eine ähnliche selbst stellen wollen. Allerdings muss man die Antwort vom Döpfner dann im Rahmen einer solchen Veranstaltung auch stehen lassen können - oder man fragt sachlich noch mal nach. Er hat das gleiche Recht auf freie Meinungsäußerung.
Aber wie ich das schon mal irgendwo hier im Blog schrieb: Unrecht eines anderen erlaubt mir nicht, selbst unrecht zu handeln. Dann kommen wir nämlich in eine Spirale der Eskalation, die nachher niemand gewollt hat. Darüber gibt es auch Lieder, mutmaße ich.
7. Dezember 2007 at 16:05
Missverständnis
Der Dieter-Lenzen-Fanclub verurteilt in aller gebotenen Schärfe den absurden Auftritt vom vergangenen Mittwoch und weist jede Verantwortung von sich.
Eine handvoll verlotterter und ungewaschener Chaoten versucht offensichtlich, eine Schmutzkampagne nicht gekannten Ausmaßes gegen den Dieter-Lenzen-Fanclub loszutreten. Unsere Nachforschungen haben ergeben, dass die Störer aus dem Umfeld des AstA stammen - bekanntlich hat der Dieter-Lenzenfanclub nie mit dem AstA kooperiert. Zu deutlich unterscheiden sich unsere Ziele und unsere Weltanschauung von denen des AstA, dieses Vereins verzuzelter Wohlstandskinder, die auch mit Anfang dreißig noch Revolution spielen wollen.
Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter, liebe Freundinnen und Freunde des OSI-Bolgs – nun liegt es an Euch, ob die Marke DLFC tatsächlich Schaden nimmt. Seid vorsichtig in Euren Urteilen und klug, wägt genau ab – und, unterschätzt den Feind nicht! Der universitäre Bodensatz will Euch zu seinen Werkzeugen machen, will eine große Idee in den Schmutz stoßen. Es ist eine Idee, so alt wie die Menschheit selbst: die Idee der Freiheit! Denkt daran, der Feind ist klug, er vermag zu täuschen, zu tricksen, zu verwirren. Er will die Bewegung spalten, liebe Freundinnen und Freunde, und er wird vor nichts zurückschrecken, um dieses Ziel zu erreichen. Nicht vor Verleumdung, nicht vor der Missachtung intrinsischer Teile des Grundgesetztes und den grundlegendsten Geboten des menschlichen Miteinanders. Wenn wir jetzt nicht zusammenstehen, wenn wir uns von gewissenlosen Nazikommunisten in den mörderischen Bruderzwist treiben lassen, werden die Feinde der Freiheit am Ende obsiegen. Ihr wisst, dass es ohne Freiheit keine Exzellenz geben kann. Darum muss, wer Exzellenz sein will, auch für die Freiheit einstehen. Ihr wisst, wo die Freiheit aufgegeben wird, stirbt zuerst die Exzellenz. Oder, wie es unser Patron und Namensgeber mal formuliert hat: „Freiheit und Exzellenz setzen einander gegenseitig voraus. Deshalb war und ist die Freie Universität ein Ort der Exzellenz und wird es sein. Und aufgrund ihrer Exzellenz ist sie ein Garant für akademische Freiheit.“
Es lebe Dieter Lenzen! Es lebe die Freiheit! Es lebe die Exzellenz!
7. Dezember 2007 at 18:21
Verehrte Exzellenzen,
in Anbetracht der jüngsten Ereignisse sehen wir uns gezwungen, eine Erklärung zu den Geschehnissen des 5.12. 2007 abzugeben, als eine Horde Salonkommunisten Hörsaal A des Henry-Ford-Baus versuchte den Dieter Lenzen Fanclub öffentlich durch rüpelhaftes Verhalten zu diskreditieren. Wir können und werden dergleichen nicht dulden.
Wir erklären hiermit:
Der Dieter Lenzen Fanclub distanziert sich von den Störungen während des Auf-tritts des hochgeschätzten Dr. Döpfner und erklärt seine vollste Solidarität zu den Leitlinien des Axel Springer Konzerns. Wir erklären unsere tiefste Hochachtung für die persönlichen wie beruflichen Leistungen von Dr. M. Döpfner und sehen uns auf-grund des tiefen Zynismus, mit dem diese Sonntagsnachmittagsrevoluzzer diesen
Leistungen begegnen, gezwungen sie hier wieder en detail und mit dem gebühren-den Respekt aufzuführen.
Besonders empörend ist es, dass die linken Parasiten sich ausgerechnet eine unpoli-tische Veranstaltung zum Thema Karriere auswählten, um ihr menschenverachten-des, stasidurchzogenes Gedankengut zu propagieren.
Mit Herrn Dr. Döpfner hatten wir eine absolute Koryphäe auf dem Gebiet des Karrie-restrebens, ist er doch verantwortlich für die Prägung des Begriffes der Döpfnerkurve und gilt, so der Stern, als “unübertroffen”.
Wie er bereits erklärte, hat Aufstieg immer auch mit Glück und Chancen zu tun. Im Stern heißt es hier zu seinem Werdegang wie folgt: “Zuerst machte der Verlag Gru-ner + Jahr (Stern, “Brigitte”) ihn zum Chefredakteur der “Wochenpost”, die er nach seinen Vorstellungen umgestaltete. Sie verlor Auflage, musste verkauft und kurz dar-auf eingestellt werden. Dann wurde er Chefredakteur der “Hamburger Morgenpost”, die er umgestaltete. Sie verlor Auflage und wurde verkauft. Sein nächster Job war Chefredakteur der “Welt”, die er umgestaltete. Aus wirtschaftlichen Gründen hat er sie später mit der “Berliner Morgenpost” zwangsfusioniert.”
Mathias Döpfners wirtschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der negativen Auflagen-steigerung können nur betont werden und als leidenschaftlicher Mensch mit Prinzi-pien brachte er den Springerverlag aus seiner jahrelangen Stagnation heraus in ein massives Plus bei der Auflagenminimierung.
Der Vorwurf der Heuchelei, respektive gewissenloser Spekulation, kann keinesfalls erhoben werden. Dr. Döpfner begünstigt durch seine Konzernpolitik einzig und allein die Flexibilität seiner Mitarbeiter und hilft bei einer abwechslungsreichen Gestaltung der Vitae. Erst kürzlich, im Frühjahr 2006, gab er 4000 Mitarbeitern des Konzerns die
Möglichkeit zur beruflichen Neuorientierung abseits ausgetretener Pfade.
Wir müssen Döpfner nicht nur als großherzigen Gönner auf dem Gebiet der “Privat-diversifizierung” sehen, sondern zudem als politischen Revolutionär und Vordenker.
Nachdem der PIN Group gegen ihren ausdrücklich artikulierten Willen von linken Po-pulisten ein Mindestlohn aufoktruiert wurde, erwog Döpfner sofort, so die FTD, Schrit-te zur Befreiung aus dem Lohnzwang - von “Verkauf bis zur Schließung.”
Wir, der Dieter Lenzen Fanclub, distanzieren uns von den Vorwürfen, hier liege bö-ser Willen, profitsteigernde Interessen oder das “Verramschen von Humankapital” vor. Das vermeintliche persönliche Unglück der betroffenen Springerangestellten stellt sich bei einer differenzierten Betrachtung von Döpfners Lebenslauf sehr schnell als erster Schritt in Richtung einer Aufsichtsratsposition dar. Berufliche Pleiten, der rote Faden in Döpfners Lebenslauf, beweisen, dass es die Exzellenz des Namens, nicht die der Leistung ist, die maßgeblich für die Karriere im Leistungssystem ist. Wir, die Exzellenzen der deutschen Elite, begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich und weisen den pöbelnden Mob darauf hin, dass auch sie Nutznießer unseres guten Namens sind.
Wir werden keine weiteren Störungen des universitären Exzellenzbetriebes dulden und zukünftige Zwischenfälle mit der vollen Härte der uns zur Verfügung stehenden Mittel ahnden. Hinweise, die zur Ergreifung der Störenfriede und Vandalen führen,
werden vom Dieter Lenzen Fanclub mit einer Ehrenmitgliedschaft entlohnt.