Elite und kein Ende.
Thomas EichentopfExzellenzinitiative, Super-Uni, Lehre, Bundespolitik, Presse, FU, Hochschulpolitik, Allgemeines Kommentar schreibenDa haben wir es mal wieder auf SPIEGEL Online geschafft. Nach dem Berufungsverfahren für die Junior-Professur am JFK (das übrigens immer noch nicht abgeschlossen ist) und den Stinkbomben auf der Immatrikulationsfeier wird die studentische Kritik an der Exzellenzinitiative mal wieder aufgewärmt. “Andernorts frohlocken die Kommilitonen, Berlins Studenten tun sich mit dem Exzellenzstatus schwer: “Elite”, das ist für sie das Campusunwort des Jahres”, heißt es. Moment aber mal. DIE studentische Kritik?
Es stimmt ja schon, dass von der Förderung der Exzellenzinitiative zunächst nur ein kleiner Teil der Universität profitiert. Es stimmt ja schon, dass die Gefahr besteht, deutschlandweit könne sich unter den Universitäten eine Zwei-Klassen-Gesellschaft bilden. Es stimmt ja schon, dass es in der Lehre viele Probleme gibt, die seit Jahren liegen bleiben. Die LHG hat in den vergangenen Jahren selbst viele Missstände kritisiert und sich darum bemüht, in diesem Punkt etwas zu erreichen. Allerdings muss man es auch mal so sehen: Die Exzellenzförderung zieht Geld nicht aus anderen Bereichen ab. Die Gelder stehen zusätzlich zur Verfügung. Es ist also überhaupt etwas, wofür es Geld gibt. Auch die Folgeeffekte auf die Lehre durch eine bessere Forschung dürfen nicht vernachlässigt werden. Das Image einer Universität ist immer wichtig, wenn es darum geht, gute Professoren berufen zu wollen.
Nicht vergessen sollte man auch die Mobilität, die zum Beispiel bei den Wiwis dazu geführt hat, eine Initiative für Lehre einzuberufen, an der sich auch Studenten beteiligen. Der Universitätsleitung vorzuwerfen, das Interesse sei singulär auf die Forschung fokussiert, trifft den Kern nicht.
Nun zu behaupten, DIE Studenten wären gegen die Entscheidung der Exzellenzkommission, die FU zu förden, ist schon eine Anmaßung. Im Artikel von SPIEGEL Online heißt es: “So wurde jedem Campus-Neuling schon am ersten Studientag schlagartig klar, wo er sich eingeschrieben hatte: an jener Uni im Westen Berlins, die zwar erfolgreich ihr Schmuddel-Image bekämpft hat, an der aber mehr Kommilitonen als anderswo unter studentischem Rebellionszwang stehen.” Auch dieser Eindruck mag entstehen, wenn man sich die Platzverteilung im StuPa anschaut. Allerdings erweckt doch ein Spaziergang über den Campus einen völlig anderen Eindruck. Auch wenn die Vögel vom Dach flüstern, bestimmte studentische Gruppen würden anlässlich von 40 Jahren ‘68 das nächste Jahr mit Protest garnieren wollen, fühle ich mich im Allgemeinen doch nicht umgeben von einer Meute rebellierender Studenten.
Aber wenn man DIE Studenten fragt und als Quelle dann doch immer nur jene verwendet, die für sich in Anspruch nehmen, mit ihrer sehr einseitigen Ideologie die komplette Studierendenschaft widerzuspiegeln… Opposition hat an der FU scheinbar kein Meinungsrecht.
19. Dezember 2007 at 2:55
Lieber Thomas,
ich weiß nicht, welche Spatzen du da gehört hast, aber wenn es in nächster Zeit einen studentischen Protest geben sollte, dann bestimmt nicht wegen “40 Jahre 68″ - Fehlinformation! Vielleicht hättest Du das ja gerne, weil dann könntest Du uns allen noch erklären, warum die 68er “Schuld” an der RAF sind, so wie Arnulf Baring das ja letzten schon gemacht hat.
Jedenfalls gibt es genügend aktuelle Themen…
Wie immer nicht ganz ernst, Stefan
19. Dezember 2007 at 3:16
Lieber Stefan,
natürlich wissen wir alle, dass in periodischen Abständen immer wieder Gründe gefunden werden, um Proteste zu organisieren, die mir oft wie ein Selbstzweck erscheinen, aus einer Systemkritik heraus geboren, die die Wahl vieler Mittel rechtfertigen soll, die man im kritisierten System niemals tolerieren würde.
Dass aber auch der vierzigste Geburtstag der 68er durchaus mitschwingt, zeigte die Einladung zum zweiten Protestvernetzungstreffen (in Thomas’ Beitrag ist nur die Einladung zum dritten Treffen verlinkt), in der steht/stand:
“Perspektiven:
Kampagne, Protest, SoSe 2008, “40 Jahre 68″, Politisierung,…”
Soweit zu: Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen…
19. Dezember 2007 at 15:57
Hallo Ronny,
zufällig bin ich der Verfasser besagter zweiter Einladung und kann Dir versichern, dass “40 Jahre 68″ zwar ein in der Diskussion angesprochener Punkt unter vielen war, der aber auf dem dritten Treffen schon keine Rolle mehr spielte und definitiv kein Anlass von Protest ist.
Ich denke aber, dass wir uns momentan in Zeiten von tiefgreifenden Veränderungen von Uni, Staat und Gesellschaft befinden, die es bis vor wenigen Jahren so nicht gab. Auch die LHG spricht dies doch zumindest im Hochschulbereich immer wieder an. Will also sagen, dass dir Gründe von Protest wohl lange nicht so berechtigt waren wie zurzeit, und daher bestimmt kein Selbstzweck sind.
Frohe Ostern! Stefan
19. Dezember 2007 at 16:21
Hi!
Na da sind wir ja beruhigt - wir hatten schon gedacht, wir hätten als LHG eine Kampagne “68 reicht nicht aus, um heute zu protestieren!” organisieren müssen.
Ansonsten hoffe ich nur, dass nicht wie bei den letzten beiden Protesten eine kleine, selbsternannte Vollversammlung einen “Streik” der gesamten Studierendenschaft ausruft, ohne jemals ernsthaft die Studierenden gefragt zu haben.
Ich bin auch kein Anhänger des organisierten Massenprotestes, weil darin immer nur die Lautesten und Radikalsten gehört werden, und Positionierungen entstehen, die auf ein seltsames “Friss oder Stirb” hinauslaufen. Außerdem regen solche ausbruchartigen Sachen zwar häufig viele zum Aktivsein auf, führen aber zu massiven Enttäuschungen, die die vormals Aktiven danach über Jahre hin von der notwendigen Klein-Klein-Arbeit wegtreiben.
Ich weiß, diesmal wird alles anders, aber ich bin 2003 eigentlich nur zur LHG gegangen, weil ich von meinen Vorstellungen, demokratisch und konstruktiv in einer Protestbewegung (damals gegen die Kürzungen im Hochschulbildungsbereich) mitwirken zu können, im damaligen Uni-Streik sehr schnell habe abrücken müssen. Jede (selbst)kritische Stimme wurde niedergebuht, und wer nicht bei den “Guten” war, war bei den Bösen.
Nur damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich sehe tausend Gründe, sich an der Uni und in dieser Gesellschaft zu engagieren - nur bin ich nicht überzeugt, dass die Mittel, die an der FU in den letzten Jahren von den engagiertesten Studierenden gewählt wurden, je zum Erfolg führen werden - wenn man nicht kurzfristige Medienaufmerksamkeit schon als Erfolg wertet. Diesmal wird ja vielleicht alles besser…
Aber auch dir frohe Ostern und ein paar ruhige Tage vor dem Sturm!
Herzlichst,
Ronny
21. Dezember 2007 at 16:48
Zitat Herr Fischer: “Anstatt dass die Tannen auf dem Campus mit roten Sternen geschmückt worden wären, sind bereits Plakate mit «40 Jahre 1968. Die letzte Schlacht gewinnen wir.» an unsere Pappel geklebt worden.”
herrfischer.net/index.php/2007/12/17/gedroht-nostalgisch-zu-werden/
22. Dezember 2007 at 17:38
Willst Du etwas mit Deinem Zitat beweisen, Thomas, so etwas wie: wenn der sds Aufkleber klebt, dann stehen dahinter die hochschulpolitischen Massen? Der sds als heutige kleinformatige parteinahe Systemimmanenz bedient sich hier der damaligen APO-sds und kaschiert mit diesen Aufklebern ihre eigene kuenstliche Existenz. Das ist nostalgisch, ja, aber was hast das mit den hochschulpolitisch Aktiven zu tun? Oder wolltest Du auf einen blog-Artikel aufmerksam machen, in welchem beklagt wird, dass an der Freien Universitaet keine christlichen Symbole aufgestellt werden? (Wuenscht sich dieser Herr Fischer hier eine Weiterfuehrung des von der FU organisierten oekumenischen Gottesdienstes anlaesslich der Immatrikulationsfeier dieses Jahres? Will Herr Fischer mitarbeiten an der Aufhebung der Saekularitaet? Willst Du, Thomas, das mitunterstuetzen?)
Und zu: “Opposition hat an der FU offenbar kein Meinungsrecht.” Doch sicherlich. Aber die Meinung der LHG ist im allgemeinen positionell uninteressant und bzgl der Wirkungsmacht irrelevant. Ansonsten wuerde auch Euch Spiegel Online sicherlich kontaktieren, was Du Dir ja anscheinend zu Weihnachten wuenschst, Thomas, Medienaufmerksamkeit. Ueber eine von Dir, Ronny, angesprochene Kampagne der LHG waere ich mal sehr gespannt. Das waere das erste Mal, dass ich die LHG in Aktion sehen wuerde. Was wuerde sie machen, Unterschriften sammeln, einen Brief zum Praesidium tragen? Bitte, Ronny, ich halts nicht aus, wie sieht eine Kampagne der LHG aus?
Schoene Ferien.
22. Dezember 2007 at 22:58
Hallo Pony! Stefan stellte die Frage, welche Spatzen ich hätte vom Protest pfeifen hören. Ich nannte ihm einen der Spatzen. NIE habe ich gesagt, die studentischen Massen wollten anlässlich des 68er-Jubiläums protestieren. Die Rede war von bestimmten Gruppen.
Ich bedaure, dass du Herrn Fischers Blogeintrag zur Weihnachtszeit auf diese Weise wertest und ideologisch auflädst. Ich habe hier offenbar eine andere Meinung als du, was seine eigentliche Intention war.
Medienaufmerksamkeit für mich wünsche ich mir nicht. Ich wünsche mir aber einen ausgewogenen Journalismus. Dass SPIEGEL Online uns nicht kontaktiert, hat aber sicherlich zwei Gründe: (1) Die Opposition an der FU ist in ihrer Gesamtheit auch aus eigenem Verschulden heraus kaum sichtbar. (2) Polarisierende Artikel lassen sich besser an den Mann bringen. Im Zweifel entscheidet sich der SPIEGEL dann natürlich für die ihm nah liegende politische Meinung. Ob das nun seriös ist, muss jeder selber entscheiden.
Eine Meinung allerdings, die nicht immer sofort nach Protest und Aufstand schreit, als uninteressant abzuwerten, empfinde ich als falsch. Im Übrigen: Ich muss nicht die Stimme der LHG auf SPIEGEL Online lesen, um glücklich zu sein. Mir würde es reichen, würde sich ein Redakteur die Mühe machen, mittags in beiden Mensen mal zu fragen, was denn der durchschnittliche Student so denkt. Wir sollten bedenken: 85% unserer Kommilitonen gehen NICHT wählen, weil sie sich offenbar weder vom AStA noch, ehrlicherweise, von uns oder einer anderen Oppositionsgruppe vertreten fühlen.
Im Übrigen sollte es uns allen gemeinsam ein Anliegen sein, mal eine Wahlbeteiligung hinzubekommen, die des Wortes auch würdig ist.
23. Dezember 2007 at 5:26
@ Pony
Ich find es so süß, wie du mit deiner ideologischen Brille durch unsere Beiträge und Kommentare geisterst - es ist so typisch für die Lächerlichkeit der vor sich hergetragenen radikalisierten Affektiertheit der studentischen Hochschulpolitik an der FU und darüber hinaus, dass ich mich manchmal frage, ob der AStA einen eigenen Referentenposten dafür geschaffen hat.
Du fragst, wie eine Kampagne der LHG aussieht?! Diese Frage passt so wunderbar in die Polit-Affektiertheit: Hochschulpolitik heißt nach dieser Denke nämlich, Kampagnen zu organisieren, die Welt in Gut und Böse einzuteilen, und dann festzustellen: “Ja, wir sind die Guten! Wir haben Recht - und wenn wir es nur laut genug herausbrüllen, dann haben wir noch mehr Recht.”
Du hast die LHG noch nicht gesehen? Ist überraschend, wenn man bedenkt, dass die linientreuen FSIs und ähnliche AStA-Hochschulgruppen regelmäßig finanzielle und materielle Unterstützung vom AStA für ihre Aktivitäten erhalten und Hochschulgruppen wie der SDS/LINKE oder die Jusos von ihren Parteien durchfinanziert werden, um dann mit lustigen Plakaten die Bäume und Wände der FU zu beflastern. Wir verfügen nicht über solche Mittel und auch nicht über die gleiche ideologische Borniertheit, uns jederzeit hinzustellen und den letzten Stuss als der Weisheit letzter Schluss in die Weltgeschichte zu müllen. Wir machen halt Hochschulpolitik, die vor allem dadurch Wirkung zeigt, dass wir unaufgeregt kleine und mittelgroße Dinge tun, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, und soweit uns die Zeit bleibt, darüber hier im Blog zu berichten. Das ist letztendlich genauso gut oder schlecht, effektiv oder ineffektiv wie das, was andere aktive Hochschulgruppen leisten.
Wenn dich das langweilt oder es nicht sichtbar genug erscheint - bitte! Mich langweilen dafür Gut-Böse-Schemata, Denkmal- und Weihnachtsdiskussionen, Ideologie-Publikationen und penatrant sichtbares Worthülsen-Vokabular auf Flyern und Plakaten an dieser Uni.
Der Vorteil bei unserem Blog: Wen’s nicht interessiert, braucht’s nicht zu lesen. Wer’s überflüssig findet, muss sich nicht ärgern, dass es Studierendenschaftsbeiträge kostet. Und wer anderer Meinung ist, kann uns mit den gleichen Mitteln und der gleichen Reichweite widersprechen, die uns auch zur Verfügung stehen. Damit sind wir nebenbei vermutlich egalitärer und basisdemokratischer als die meisten, die darauf explizit Wert legen, aber dank besserer Mittelausstattung mit assymetrischer Politikführung jederzeit bereit sind, Meinungsmacht zu erzeugen.
24. Dezember 2007 at 16:20
Ronny, Deine Verschwörungstheorie geht leider ins Leere: der AStA steckt nicht hinter Allem. Es gibt stattdessen eine überwältigende Mehrheit der hochschulpolitisch Engagierten, welche die Positionen des AStA im Gegensatz zur Minderheit LHG, Defo, RCDS, etc. nicht nur mitträgt sondern auch für sie einsteht. Die Analyse, Ronny, müsste bottom-up ansetzen: diese Leute wählen den AStA und stellen den AStA; anstatt zu glauben, der aus wenigen Leuten bestehende AStA kontrolliere die hochschulpolitische Meinungsentwicklung von über 35.000 Studierenden. Was glaubst Du denn, was in dem kleinen AStA-Häuschen für super-brain-Strategen mit endloser Arbeitskraft sitzen?
Aber los, Ronny, Du wolltest eine Kampagne starten, ich zitiere: “Na da sind wir ja beruhigt - wir hatten schon gedacht, wir hätten als LHG eine Kampagne “68 reicht nicht aus, um heute zu protestieren!” organisieren müssen.” Klar kann Hochschulpolitik anders aussehen, aber die Frage bleibt: wie sähe diese Kampagne der LHG aus? Traut sich die LHG, für Positionen mal .. wagemutig einen Stand aufzustellen? Ich bin einfach hochgespannt.
25. Dezember 2007 at 0:14
Eine unserer Positionen ist doch die Forderung nach Transparenz. Dass wir mit unseren Erstsemester-Heften genau dazu beigetragen haben, nämlich Erstsemestern zu ein wenig mehr Durchblick an der Universität zu verhelfen, war vielleicht keine simple Protestkampagne im üblichen Stil. Die Arbeit dahinter allerdings ungleich intensiver (Die FSIs wissen das von ihren eigenen Erstsemester infos) und unsere Forderung produktiv wie konstruktiv übermittelt. Es braucht nicht immer eine schreierische Kampagne, um Inhalte zu transportieren.
25. Dezember 2007 at 2:30
Hi Pony!
Meine leicht ironische Anmerkung, wir müssten ja jetzt doch keine Kampagne wegen der 68er-Sache aufziehen, sollte natürlich nur darauf hinweisen, dass der Verweis auf 68 nur nachrangig wichtig ist - letztendlich ist doch egal, warum mal wieder protestiert wird…
Ansonsten bin ich kein Anhänger von Verschwörungstheorien. Ich verwende den Begriff AStA auch nicht in der Form eines kleinen abgeschlossenen Zirkels von 5-6 Personen sondern weiß natürlich nach mehreren Jahren Aktivität an dieser Hochschule, dass der AStA nicht einmal auf seine 40 Referent/inn/en reduzierbar ist, und auch garnicht derart reduziert werden möchte. Ich kann das sogar sehr gut nachvollziehen, weil ich das in der politischen Positionierung der AStA-nahen Menschen, von denen ich eine Reihe menschlich sogar sehr sympathisch finde, nur konsequent finde.
Es bereitet mir nur demokratisch Magenschmerzen, weil letztendlich niemand recht dafür kritisierbar ist, was von studentischer Seite (häufig mit studentischen Mitteln) passiert, weil niemand öffentlich die Verantwortung dafür übernimmt: Es sind meist “unabhängige Studierende” oder “eigenständige” FSIs mit “empanzipatorischen Projekten”, die Sachen tun - der AStA hält sich gern geplegt im Hintergrund, obwohl die dort Verantwortlichen natürlich auhc selbst aktiv werden, vieles mittragen, initieren und unterstützen, unabhängig, ob das finanzielle Konsequenzen hat oder nicht. Ich stelle auch die demokratische Legitimität des AStAs nicht in grundsätzlich Frage, nur seinen Umgang mit dieser politischen Macht, etwa wenn es um die Unterstützung der eigenen Trägergruppen geht, die auch bei den Wahlen von dieser Unterstützung profitieren, und sei es nur durch ihre bessere Sichtbarkeit.
Ich meine, dass zu einer Demokratie auch Kontrolle der Mächtigen gehört - ob es wenige oder viele sind - und es dafür Opposition braucht. Durch die Verfügung über Mittel, die die halbe Million deutlich überschreiten, ist der AStA mächtig, ob es die Beteiligten selbst so sehen oder nicht. Ich finde es daher in der Verantwortung in der LHG, diese Opposition sichtbar zu machen, zumal es außer der LHG niemand recht tut. Welche Mittel uns dafür angemessen erscheinen - ob Kampagnen, persönliche Gespräche, dieser Blog etc. - werden wir schon entscheiden; unsere Relevanz auf die mögliche Präsentationen unserer Positionen an einem Stand zu reduzieren, ist aber in jedem Fall unangemessen.
Im Übrigen habe ich in den letzten 3 Jahren des Bloggens noch kein Argument für die Instransparenz des AStAs gehört, noch kein Argument dafür, warum es legitim sein sollte, dass der AStA Gruppen bevorzugt, die ihn nach einer Wahl wieder unterstützen würde, und auch kein Argument dafür, warum studentische Hochschulpolitik fast ausschließlichen von politisch so radikalen Positionen dominiert werden muss, dass sie, wenn es tatsächlich darauf ankommt, niemand ernst nimmt. Vielleicht, Pony, bist du ja der Erste…
25. Dezember 2007 at 15:39
@ Pony:
“Traut sich die LHG, für Positionen mal .. wagemutig einen Stand aufzustellen? ”
Nunja, die LHG hat sich, zusammen mit DEFO, Jusos und anderen schon vor Jahren aktiv mit Ständen und Kampagnen für die Studierenden eingesetzt. Und ist diese Arbeit keineswegs fremd!
*Wir* haben in Eiseskälte vor den Mensen & co gestanden und “Semesterticket jetzt abstimmen” ins Leben gerufen! (web.fu-berlin.de/defo/fub/ticket05.html)
Wie der AStA bzw. seine Unterstützer damals damit umgegangen ist: web.fu-berlin.de/defo/fub/ticket01.html “Eisfüße für ein Autogramm” - wenn man da gewisse Sachen liest, dann könntest Du allerdings wirklich Recht haben, daß man sich als Opposition an der FU für eigene Stände und so “was trauen” muß.
26. Dezember 2007 at 1:06
Stephan: das ist 10 Jahre her! Seit 10 Jahren hat die LHG sich nicht mehr um eine studentische Öffentlichkeit bemüht - abgesehen vielleicht von einem Ersti-Heftchen? Und vor diesen 10 Jahren ging es um Semesterticketverhandlungen? Ein allzu demagogisch einfaches Feld um Stimmung zu machen..
Wenn Du ‘wir’ sagst: wie lange studierst Du schon? Nicht dass ich irgendetwas gegen langes Studieren hätte - aber das von der karrieralen Hochschulgruppe finde ich schon spannend.
Sich obendrein auf die Fahnen zu schreiben, mit dem Defo Politik gemacht zu haben: gruselig. Wie hieß es neulich dort, als ich mal im Büro vorbeischaute:” Naja, dass die Semesterticketbeiträge steigen liegt daran, dass die Sprayer immer die Züge verschmieren. Und die Kosten dafür werden eben an die Studierenden weitergegeben.” Da konnte ich tatsächlich nur lachen. Wahrscheinlich wurde auch von Studenten geredet, nicht von Studierenden, soll aber mal gerade egal sein. Gratulation aber, dass Ihr mal mit Konservativen einen Stand gemacht habt, vor 10 Jahren.
Der AStA hält sich bei Wahlen finanziell und positionell neutral. Keine FSI, allgemein keine Liste darf dort drucken, kopieren, bekommt Gelder für die Wahl oder dergleichen. Sublime Unterstellungen erspare Dir, Ronny, auch das ist demagogisch. (Wenngleich auch Demagogie in einem Forum, das eh niemand liest..) Der AStA in seiner heutigen Besetzung arbeitet vorbildlich. Wenn Ihr Gelder wollt: geht doch einfach mal zum Plenum und beantragt was. Schon mal probiert? Ich wette: nein. Und: nein, ich gehöre nicht zum AStA-Umfeld.
Es ist eben nicht egal, warum immer wieder protestiert wird. Natürlich gibt es immer wieder gleiche Forderungen: demokratische Hochschulen, offene Hochschulen, kritische Wissenschaft, etc. Diese Schlagworte haben auch auf präzise Vorgänge bezogen hohe Bedeutung: etwa die Ausmusterung fast der Hälfte des Bücherbestandes des Fachbereichs PolSoz, die zentral vom Präsidium beschlossen wurde an den Gremien vorbei; der Umbau der FU gemäß dem Exzellenzantrag mit einem nahezu entmachteten AS (bzgl: demokratische Hochschule). Die Master-Beschränkung; die Sollzahl für 2009 der Studierendenzahlen von 18700 (eine Halbierung der Studierenden!) (bzgl. offene Hochschule) und zuletzt die zunehmende Marktanpassung, die die FU mit kaum vergleichbarer Kompromisslosigkeit vollzieht; der Fall Scharenberg (bzgl: kritischer Wissenschaft). Die Kernforderungen bleiben die gleichen, siehe oben. Die Details ändern sich. Wo setzt nun Deine Kritik an, Ronny?
Und schließlich: die LHG nimmt niemand ernst, Ronny. Medien nehmen den AStA hingegen sehr ernst. Vom Präsidium wird nicht erwartet, den AStA um Rat zu fragen. Stattdessen passiert dann das, was mit der Arbeitsgruppe Controlling des Präsidiums passierte: die drop-out-Studie präsentiert Verbesserungsvorschläge, die ziemlich genau dem entsprechen, was der AStA seit Einführung des BA kritisiert, nämlich die Inflexibilität, den Workload, die nicht freigestellte Wahl des Zweitfaches, usw. Aber anstatt dass der AStA um Rat gefragt wird, muss eine kostenintensive Studie unter Kontrolle des Präsidiums gestartet werden, um schließlich zu genau dem Ergebnis zu kommen.
Warum, als Gegenfrage, beschränkt die LHG ihr hochschulpolitisches Wirken fast nahezu darauf, den AStA zu kritisieren anstatt sich für die Studis einzusetzen? Greift hier das, was Foucault die “jahrtausende alte philosophische Tradition einer Unterscheidung zwischen der Wahrheit ohne Macht und der Macht ohne Wahrheit nannte”? Der AStA ist mächtig, wie Du schreibst, und muss daher falsch liegen? Such Dir mal ein anderes Hobby.
26. Dezember 2007 at 13:10
Hallo Pony!
Warum aber, wenn die LHG niemanden interessiert, sind wir tatsächlich die einzige Oppositionsgruppe, die regelmäßig dann doch auch in anderen Blogs wahrgenommen wird? Warum hat sich der Dieter Lenzen-Fanclub dann die Mühe gemacht, jeden Blogeintrag zum Club ausführlich zu kommentieren? Warum verschwendest du deine Feiertage mit uninteressanten Menschen?
Du wirfst uns vor, dass wir uns nicht um Öffentlichkeit bemühen. Pony, dieses Blog ist Teil unserer Bemühungen. Die aktuellen Auszüge sind bei den Wiwis am Schwarzen Brett immer nachzulesen. Die Adresse der Webseite ist bekannt und wird von uns immer wieder eingestreut. Wir haben nicht die personellen Kapazitäten, alle drei, vier Wochen Flyer zu verteilen. Wir wählen also die Wege, die eine kleine Gruppe wählen kann. In Beachtung dessen, dass wir für eine so kleine Gruppe unverhältnismäßig stark in den akademischen Gremien vertreten sind, ist die Aussage, unsere Arbeit beschränke sich auf die Kritik des AStA, einfach nur falsch. Der größere Teil der Zeit, die wir in die LHG investieren, geht für die Arbeit in den Gremien drauf.
Medien nehmen den AStA deshalb ernst, weil er die formell gewählte Vertretung der Studierenden ist. Das hat wenig mit der im AStA vorherrschenden Ideologie zu tun. Wenn der AStA aber in seiner heutigen Form vorbildlich arbeiten würde, hätte er zum Beispiel von sich aus dafür geworben, Oppositionsvertreter in den Haushaltsausschuss und in den Wahlvorstand zu bringen. Vorbilder müssen die Kontrolle nicht scheuen. Im Gegenteil. Wenn der AStA vorbildlich arbeiten würde, wäre es transparent, welche Aktivitäten der AStA nun wirklich fasziniert, damit der normale Student das nachverfolgen könnte. Wenn der AStA vorbildlich arbeiten würde, würde er dafür sorgen, dass die Fachschaftsräte einberufen werden, für die Studierende ihre Stimme abgegeben haben. Wenn der AStA vorbildlich arbeiten würde, würde er bei allen Protestaktionen trotzdem auch sich nicht dem Dialog verschließen, sich im Grundsatz zu Verhandlungen bereit zeigen, seine beobachtenden Sitze in den Gremien wahrnehmen, kommunizieren und darüber berichten. Wenn der AStA vorbildlich arbeiten würde, würde in einem Rechenschaftsbericht des AStA nicht die Aussage erscheinen, nichts habe man getan - und dafür erwartete man die Entlastung durch das StuPA.
Wenn der AStA vorbildlich arbeiten würde, würden wir uns freuen, mit ihm zusammenzuarbeiten.
Zum zweiten Mal in dieser Diskussion kommt deinerseits auch die Sache mit den Studierenden und den Studenten auf. Bei allem Verständnis für die Forderung nach Gleichberechtigung und bei allem eigenen Bemühen, mich einerseits korrekt auszudrücken und andererseits auf Gleichberechtigung hinzuwirken: Möchtest du dort böswillige Absicht der Wortwahl unterstellen, wo es doch wahrscheinlicher ist, dass vielmehr der unter Nicht-Aktiven übliche Sprachgebrauch hier zur Geltung kam? Eine enge Freundin von mir, die sich selbst als ausgesprochen emanzipatorisch begreift und tatsächlich sehr viel Wert auf Gleichberechtigung legt, würde sich daran zumindest nicht stoßen, dass jemand mal von Studenten spricht.
26. Dezember 2007 at 13:18
Der Versuch, lieber Pony, mir die Worte im Munde umzudrehen ist nett, aber leider ungenügend.
1. Lange her ist lange her. Wird aber nicht falsch dadurch. Dass Stephan selbst vom DEFO ist, hättest du im Übrigen mit einem Click auf seinen Namen sehen können.
2. Natürlich ist der AStA bei den Wahlen neutral, nur nicht dazwischen, wie mehrere Referent/inn/en auf der letzen StuPa-Sitzung in Bezug auf die FSIs auch mit Nachdruck explizit so gesagt haben. “Ich geh mal schnell in den AStA was kopieren” ist zudem eine Aussage, die ich in FSI-Kreisen öfters gehört habe - und Öffentlichkeit schafft man eben nicht bei den Wahlen, wo sich mit Materialschlachten Plakate und Flyer um die Ohren gehauen werden, die den Aufwand nicht wert sind, sondern über das Jahr hinweg. Natürlich ist der AStA neutral, nur legt er keine Rechenschaft ab, die das beweist. Und die LHG möchte kein Geld vom AStA, sondern möchte einfach sehen, wer welches Geld des AStAs wofür bekommt, weil es Studierendenschaftsmittel sind. Bei 95% aller ASten in der Republik ist das demokratischer Standard. Wenn der AStA wirklich neutral wäre, könnte er das doch nachweisen, nicht wahr, Pony? Du schreibst, du wärst nicht AStA nah - nur bleibst du auch anonym - nachweisen kannst du es also auch nicht…
3. Die von dir angesprochenen Themen sind fast alle relevant und von der LHG genauso angesprochen und kritisiert worden wie vom AStA und anderen Aktiven an der Hochschule auch. Der AStA kommt aber immer nur groß mit diesen Sachen raus, wenn mal wieder Aufmerksamkeitskonjunktur ist. Wie oft spricht der AStA zwischen den Protesten mit den Verantwortlichen, versucht das Präsidium, die Verwaltung, die Professor/inn/enschaft nicht nur mit Beschwerden sondern mit konstruktiven Beiträgen Präsenz zu zeigen. Ich verweise nur auf die Abwesenheit des AStAs im Kuratorium, über die ich an anderer Stelle geschrieben habe. Protest ist ein Mittel der Aufmerksamkeitsgewinnung, keines der Lösungsfindung. Lösungen sind häufig Kompromisse, die ein Protest nicht liefern kann, sondern nur das Gespräch zwischen den Verantwortlichen bzw. zwischen den Betroffenen der unterschiedlichen Seiten.
4. Der AStA ist mächtig, und muss daher Rechenschaft ablegen, weil Macht zu kontrollieren ist. Ich weiß, du verdrehst das mit Absicht, aber ich wiederhole es noch einmal: Wer Macht hat, muss kontrolliert werden, und wer viel Geld hat, hat viel Macht. Der AStA hat viel Geld, und muss daher kontrolliert werden. So kompliziert ist das nicht. Die Wichtigkeit der LHG misst sich daher nicht in Presseartikeln, sondern in dem Ausmaß, wie unsere Kritik innerhalb der Universität wahrgenommen wird. Und sei dir versichert, dass wir alles daran tun, diese deutlich sichtbarer zu machen, zu angemessener Stunde auch mit einem Stand, zu dem wir dich als Unterstützer dann gerne einladen werden.
26. Dezember 2007 at 13:57
Ach, und bevor ich’s vergesse, während ich meinen anderen Hobbies nachgehe: Die Lese- und Abonnentenstatistik dieses Blogs ist nicht so schlecht, dass wir uns Sorgen mache müssten. Was nicht heißt, dass ich die Reichweite überschätze.
28. Dezember 2007 at 16:10
“Wenn der AStA vorbildlich arbeiten würde, würden wir uns freuen, mit ihm zusammenzuarbeiten.”
Alles klar, dann mal los:
Satz1&2: “Medien nehmen den AStA deshalb ernst, weil er die formell gewählte Vertretung der Studierenden ist. Das hat wenig mit der im AStA vorherrschenden Ideologie zu tun.” Wow, Thomas, von einem Konservativen wie Dir so viel Parlamentarismus- und Vertretungslogik-Kritik, gar nicht schlecht. Mal kurzerhand die gewählte Regierung der Studierenden durch schlichte Nichtanerkennung der Wahlen zu delegitimieren zeugt von ganz großem subversiven Potential. Schon mal das gleiche mit CDU/SPD versucht? Uebrigens: der FU-AStA in seiner heutigen Besetzung kritisiert selbst Vertretungslogik, so weit ich weiß, und versucht ihr soweit wie möglich entgegen zu wirken. Daher auch die Publikation über Fachschaftsräte, die auf der astafu-Seite nachzulesen ist, damit komme ich zu Deinem Satz 6:”Wenn der AStA vorbildlich arbeiten würde, würde er dafür sorgen, dass die Fachschaftsräte einberufen werden, für die Studierende ihre Stimme abgegeben haben.” Abgesehen davon, dass die Einberufung eines Fachschaftsrats nicht ins Kompetenzgebiet des AStAs gehört, junger Jedi, folgender Hinweis: Fachschaftsräte können nichts außer repräsentieren. Sie haben keinerlei Entscheidungsbefugnis und dürfen sich obendrein nicht einmal allgemeinpolitisch äußern. Das einzige, was Fachschaftsräte tun, ist eine studentische Vertretung auf Fachbereichsebene vorzugaukeln, die sich in der Formulierung von Empfehlungsschreiben erschöpft. Wenn Du also schon den AStA als studentische Vertretung nicht anerkennst (bravo, ein erster Schritt in die Selbstbestimmung), dann sei bitte auch nicht für Fachschaftsräte, sonst machst Du Dich lächerlich.
Aber ich habe vorgegriffen, erst einmal zu Satz3:”Wenn der AStA aber in seiner heutigen Form vorbildlich arbeiten würde, hätte er zum Beispiel von sich aus dafür geworben, Oppositionsvertreter in den Haushaltsausschuss und in den Wahlvorstand zu bringen.” Diese Anfrage hat nicht einmal die Opposition, habt also nicht einmal Ihr geschafft, zu stellen. Hätte die Opposition einheitlich abgestimmt, hättet Ihr einen Vertreter, junger Jedi. Nur offenbar sind auch andere Oppositionelle nicht einverstanden gewesen mit dem Kandidaten Stephan M., also mit dem DeFo, und ziehen trotz Oppositionsrolle an dieser Stelle eine Demarkationslinie. Hättet Ihr einen anderen Kandidaten oder eine andere Kandidatin vorgeschlagen (zum Beispiel aus den eigenen Reihen der LHG oder von den Jusos, von dielinke.sds, ..): ich wette, 1. er oder sie wäre gewählt worden und 2.wenn nicht, wäre das Angebot unterbreitet worden, ihn oder sie dennoch aufzunehmen. Gehörte ja auch an der TU zum guten Ton (bis der RCDS die Macht übernahm und die Sitte nicht fortführte) Wenn Ihr allerdings unfähig seid, eine Person aufzustellen, die auch nur innerhalb der Opposition alle Stimmen bekommt, dann zeig auch nicht mit dem Finger auf den AStA und sag: die sind plöd und gemein. Das ist einfach nur dumm.
Satz7:”Wenn der AStA vorbildlich arbeiten würde, würde er bei allen Protestaktionen trotzdem auch sich nicht dem Dialog verschließen, sich im Grundsatz zu Verhandlungen bereit zeigen, seine beobachtenden Sitze in den Gremien wahrnehmen, kommunizieren und darüber berichten.” Nenn mir auch nur ein Beispiel, wo das Präsidium eine Verhandlungsbasis geboten oder auch nur eine Kontaktaufnahme vorgenommen hätte. Richtig: nach all meinen bisherigen Informationen, Fehlanzeige. Andersherum: aber klar. Gut allerdings, wie Du die Partizipationsmöglichkeiten der Studierenden in Gremien einschätzt: als ‘beobachtende Sitze’. Gut ebenfalls, wie sehr Du betonst, dass die LHG ihre Hauptarbeit auf Gremienarbeit setzt. Schön beobachtet Ihr. (Das ist trotz des Spotts sogar ernst gemeint. Gremien beobachten und darüber berichten könnt Ihr gut.) Und da hört die zugestandene Verhandlungsmasse der Studierenden auch schon auf. Studierende haben keine andere Verhandlungsmasse als ihren lautstarken Protest, außer sie treffen auf Randerscheinungen in der Verwaltung oder der Leitung, die ein offenes Ohr für studentisches Engagement haben. Die sind in einer fantastischen Minderheit und übrigens sind sie genau die Leute, die vor einer Zeit in diese Posten gekommen sind, als der studentische Protest noch viel lautstärker war. Oder über die durch diese Menschen geschaffenen Netzwerke in der Uni. Möglicherweise gibt es da ja einen strukturellen Zusammenhang, nicht wahr?
Satz8:”Wenn der AStA vorbildlich arbeiten würde, würde in einem Rechenschaftsbericht des AStA nicht die Aussage erscheinen, nichts habe man getan - und dafür erwartete man die Entlastung durch das StuPA.” War das auch so etwas wie der Stand vor 10 Jahren? Denn davon habe ich wirklich noch nie gehört..
Schlussendlich: hilf doch einfach an Verbesserungen mit. Konstruktiv. Statt über Polemik und Demagogie die studentische Selbstorganisation zu erschüttern zu suchen. Statt über Rebellionsrhetorik gegen einen AStA, mit dem Ihr wohl 95% der Positionen teilt, indirekt die professorale Feudalität zu stabilisieren helfen. Wie wollt Ihr denn Viertelparität erreichen, wie Ihr programmatisch fordert? Durch Redeantragsrecht im Akademischen Senat? Das ist doch lächerlich naiv. Die öffentlich gehörte Artikulation studentischen Protests, studentischer Protest mit Wirkmacht, läuft außerhalb der Gremien ab. Es war der Streik 03/04, der Studiengebühren in Berlin verhindert hat und kein Fachschaftsrat und keine Rede im Akademischen Senat. Es war der Druck, der war auf die Linkspartei ausgeübt wurde mit gleichzeitiger Lobbyarbeit an der Parteibasis. Dadurch wurde die Parteispitze zurückgepfiffen, v.a. Flierl, die dann in der Koalition Studiengebühren in Form von Studienkonten verhinderten. Deshalb, Thomas, zahlst Du abgesehen von den vorhandenen Studiengebühren, die in der Verwaltung versickern, nichts. Und, werte LHG, war Euch der Protest zu lautstark, während Ihr zeitgleich studieren oder in irgendnem Gremium sitzen wolltet? Hat Euch der Protest in der Bibliothek gestört? Wo seid Ihr, wenn es relevant wird?
Und klargestellt: ich spreche hier nicht für den AStA. Geht doch einfach mal hin und sprecht selbst mit denen, wenn Ihr fragen habt. Aber die zur Schau gestellte Zerpörtheit der LHG regt mich auf, das bornierte Insistieren auf formale Korrektheit. Das Demokratiespielen, als wär man im Bundestag. Und das alles innerhalb der studentischen Selbstorganisation, die tatsächlich etwas anderes bieten könnte, als eine vereinsmeierische Postenverteilung. Basisdemokratie, z.B.
Und nu klinke ich mich aus dem Thread aus.
28. Dezember 2007 at 16:12
mein obiger Beitrag bezieht sich auf Thomas’ Prosa und die Durchnummerieung der Sätze auf einen bestimmten Absatz. tut aber nichts zur Sache.
29. Dezember 2007 at 1:23
Hallo Pony,
ich fand deinen letzten (d.h. vorletzten) Kommentar sehr angenehm unaufgeregt. Auf deine Weise hast du vermutlich Recht (auch wenn ich nicht alles teile), und glaube nicht, dass wir uns nicht die Frage stellen, wann die Postenmeierei einerseits und die AStA-Kritik anderseits sinnlos und wann sie sinnvoll ist .
Aber weil es das Einzige ist, was hier noch nicht diskutiert wurde, noch ein letzter Beitrag von mir: Es gibt für mich drei Gründe, warum formale Gremien als Ergänzung zu basisdemokratischer Aktivität sinnvoll sind:
1. Wer gewählt ist, muss sich - wenn es gut läuft - dafür rechtfertigen, was sie/er tut, und noch wichtiger, auch, was sie/er nicht tut. Basisdemokratie kann man nur schwer dafür verantwortlich machen, sich nicht für etwas eingesetzt zu haben, also etwas unterlassen zu haben - gewählte Vertreter/innen kann man auch fürs Nichtstun kritisieren, für mich ein wichtiger Bestandteil von Demokratie. Ein Großteil unserer Kritik zeigt ja auch dorthin, wo der AStA Sachen unterlässt, weniger dort, wo er etwas unternimmt.
2. Irgendwer muss das Recht haben, über Mittel zu entscheiden, die allen zur Verfügung stehen. Klar, könnte man theoretisch regelmäßig Vollversammlungen einberufen, aber es ist doch relativ unrealistisch, 35.000 Studierende über die Verwendung der Studierendenschaftsmittel diskutieren und entscheiden zu lassen. Das stelle ich mir kompliziert vor - insbesondere, alle zum gleichen Zeitpunkt an einen Ort zu bringen. (Ein Habermas’scher herrschaftsfreier Diskurs über die richtige Verwendung von Geldern ist in solchen Settings auch eher unwahrscheinlich…)
3. Der dritte Grund ist etwas fade, vielleicht sehr politisch und in mancherlei Augen vielleicht sogar falsch, aber er ist politisch einfach realistisch: Wir Studierenden stehen einer Verwaltung und Professor/inn/enschaft gegenüber, die auf solche demokratischen Formalia viel Wert legen (Das ist im Prinzip das gleiche Argument wie mit der Pressewahrnehmung.). Ein gewählter Studi oder ein gewählter Fachschaftsrat legt mehr Gewicht in Aussagen, die ansonsten als Einzelmeinungen abgetan werden können. Darum fehlt uns der AStA auch in den Gremien: Selbst seine manchmal unorthodox präsentierte Meinung hat inhaltlich mehr Gewicht als die einzelner anderer Studis, der sich mit den Verantwortlichen rumärgert. Ich glaube, dass eine sinnvoll organisierte, gewählte Studierendenschaft auf Fachbereichs- und Uniebene viel mehr Kraft in unsere Positionen legen könnte, als wir das heute erreichen. Wir Studierende verbleiben Kilometer hinter unserem Organisations- und Argumentationspotenzial - und offensichtlich braucht es dafür eine bestimmte Form repräsentativer Strukturen.
Diese Punkte wollte ich nur aufführen, weil ich zwei Sachen deutlich machen möchte: Unsere Kritik am AStA ist nicht unkonstruktiv, weil wir in der Hauptsache Dinge einfordern, die uns fehlen, und von denen wir im Rahmen unserer personellen und finanziellen Möglichkeiten auch versuchen, sie umzusetzen. Zweitens ist unser Gerede über Gremien, Posten, Repräsentation etc. kein Selbstzweck, sondern in der Überzeugung, dass eine gut vernetzte, durch eine funktionierende Arbeit der Studierendenschaft abgesicherte Vertretung von Studierendeninteressen gegenüber den Verantwortlichen, dauerhaft viel effektiver wirken würde als ein in regelmäßigen Abständen lancierter Großprotest.
Ansonsten müssen wir die Abschaffung der (formalen) studentischen Selbstverwaltung fordern…