Zur OSI-Bibliothek

Thomas E.Allgemeines Kommentar schreiben

Mal wieder dicke Luft. Nachdem bereits vor zwei Wochen Gerüchte umgingen, am Otto-Suhr-Institut (OSI) wolle sich die FU wolle sich von 500.000 Büchern trennen, werden diese Pläne nun konkretisiert. Der Tagesspiegel berichtete bereits am 12. Dezember und fasst die Pläne derart zusammen:

Tatsächlich sieht ein Papier der UB-Leitung vom August 2007 als „mögliches Szenario“ vor, die Bibliothek des Otto-Suhr- Instituts (OSI) und die Bestände von Soziologie, Ethnologie und Publizistik in die benachbarte Unibibliothek zu integrieren – im Rahmen der ohnehin notwendigen Sanierung der UB. Dort sollen etwa 250 neue Leseplätze entstehen, außerdem könnten Öffnungs- und Ausleihzeiten ohne zusätzliches Personal ausgeweitet werden. Der geplante Umbau – für rund 15 Millionen Euro – geschieht auch mit Blick auf die Konkurrenz: Mit der „Runderneuerung“ der UB könne gegenüber den anderen Berliner Hochschulen, bei denen Neubauten bereits abgeschlossen oder demnächst in Angriff genommen werden, „eine verbesserte Wettbewerbsposition“ eingenommen werden.

Weiter heißt es:

Doch es geht nicht nur um Bücher. Vielmehr fühlen sich die zuständigen Gremien vom Präsidium übergangen. So heißt es im Papier der UB-Leitung, das frühere Pläne zur Erweiterung des bestehenden OSI-Bibliotheksbereichs zu einer Sozialwissenschaftlichen Bibliothek „nicht weiter verfolgt“ werden. Solche Pläne wurden von der Bibliothekskommission des Otto-Suhr-Instituts ausgearbeitet. Doch außer Dekanin Barbara Riedmüller sei niemand im Fachbereich in die Planungen eingebunden worden, klagt ein Kommissionsmitglied. Dies zeige den gegenwärtigen Wandel der FU – weg von den demokratisch gewählten Gremien, hin zu zentralem Management.

Entsprechende Reaktionen auch beim AStA. Dort und in den Blogs wird zum offenen Protest aufgerufen, um sich gegen den Massenverlust von Büchern zu wehren. Präsident Lenzen lässt das so nicht stehen und erklärt, im kommenden Jahr sollten die akademischen Gremien in die Entscheidung einbezogen werden. Angesichts der konkreten Pläne wirkt es schon, als würde man vor vollendete Tatsachen gestellt. Insbesondere erscheint die geplante Bücherspende an die Europäische Humanistische Universität in Vilna als zusätzliches und sicherlich auch für emotionale Appelle geeignetes Druckmittel.

Nun, der Verlust von 200.000 bis 300.000 Büchern ist mit Sicherheit ein herber Einschnitt. Bei einem Gesamtbestand von etwa 700.000 Büchern wird der nur schwer zu kompensieren sein, auch wenn es sich dabei um ausschließlich ältere Literatur handeln soll. Gerade für Diplomarbeiten sind alte Quellenangaben oft ein unverzichtbares Nachschlagewerk, da auch in der aktuellen Literatur auf sie zurückgegriffen wird. Der ambitionierten OSI-Bibliothek droht so, mehr oder weniger, ein Kampf gegen die Windmühlen. Die Kritik am Vorgehen erscheint daher generell angebracht. Ich hoffe nur, dass bei aller Deutlichkeit die Form des Protests gewahrt bleibt und man sich auch bemüht, in den und über die Gremien entsprechend Druck zu machen.

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