Lenzens leere Worte

RonnyLenzen, Exzellenzinitiative, FU, Allgemeines Kommentar schreiben

Man kann ja von unserem Präsidenten Lenzen denken, was man möchte - aber es gibt so Momente, wo man auch als Präsident nochmal lesen sollte, was einem die eignen Assistenten als Neujahrsansprache verfasst haben, bevor man den Text unter seinem Namen an alle Mitglieder der Universität versendet. Oder, man sollte seine eigenen Texte lieber von den Mitarbeitern verfassen lassen, wenn man selbst Schwierigkeiten hat, sich klar auszudrücken.

Beide Varianten werfen kein besonders gutes Licht auf die Brillanz des Leiters einer sogenannten Exzellenz-Universität. Denn, folgende Meisterleistung, in vielen Worten einfach mal gar nichts zu sagen, erreichte uns gestern per Email:


Liebe Mitglieder der Freien Universität!

Im Namen des Präsidiums begrüße ich Sie im soeben begonnenen Jahr 2008 und wünsche Ihnen für dessen Verlauf Gesundheit, Erfolg in allem, was Sie sich vorgenommen haben, und das Glück und den Segen, ohne die nichts wirklich vollendet gelingen kann. In einer Zeit und einer Welt, in der Unsicherheiten kontinuierlich wachsen, kommt solchen Wünschen eine steigende Bedeutung zu - auch für die, die an einen Zusammenhang zwischen Wunsch und Wirklichkeit nicht glauben mögen. Der Grund dafür ist evident: Unsicherheiten umschließen immer auch Chancen für uns alle. Sich und einander zu wünschen, diese Chancen zu sehen und sie auch aktiv zu ergreifen, darf deshalb am Anfang eines Jahres stehen, in welchem die Möglichkeiten für unsere Universität sich erweitern. In dem freundlichen Zuspruch, der uns von außen überall erreicht, spiegelt sich dieses. Es wird jetzt darauf ankommen, dass wir uns den damit verbundenen Erwartungen gewachsen zeigen und unsere Pflichten frei von Hybris und doch souverän erfüllen, als Lehrende wie als Lernende.

Die Freie Universität wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Mehr Unsicherheit und weniger Souveränität als zur Zeit ihrer Gründung gab es kaum je. Und doch oder gerade deswegen besaß sie ZUKUNFT VON ANFANG AN.

Für die kleine Zukunft des kommenden Jahres, die Stunden des Zweifelns über den richtigen Weg, die Stunden der Prüfungen und Herausforderungen, wünsche ich Ihnen, ebenso wie für Ihre dahinter aufscheinende größere Zukunft des beruflichen wie des ganz privaten Lebens helle Einsichten und eine glückliche Hand, damit aus Zweifeln gute Gewissheiten werden, aus Prüfungen befriedigende Erfolge und aus Herausforderungen stabile Sicherheiten für Sie und die Ihren.

Herzlich Ihr

Dieter Lenzen

Kurz zusammengefasst: Wir haben die Chance in einer unsicheren Welt die Stabilität des kleinen Glücks befriedigend Wunsch und Wirklichkeit werden zu lassen, wozu uns viele Menschen gratulieren, wenn wir nach 60 Jahren endlich unsere Prüfungen bestanden haben, WAS VON ANFANG AN klar war… oder so ähnlich. Aber vielleicht braucht man ja erst einen akademischen Abschluss, um solche linguistische Leere schätzen zu können.

Ich würde vorschlagen: Nächstes Jahr einfach kurz und knapp ein “Frohes Neues!” wünschen oder offen und ehrlich sagen:

Wir sind durch den glücklichen politischen Druck von Senator Zöllner im Wissenschaftsrat Exzellenzuniversität geworden, also reißen Sie sich jetzt alle zusammen, damit wir hinter die Fassade, die wir über die letzten Jahre aufgezogen haben, endlich ein Haus gebaut bekommen!

Und Sie, liebe Studierende, schaffen jetzt verdammt nochmal trotz teilweise mieser, von uns fahrlässig verursachter Studienbedingungen Ihre Prüfungen und Ihr Studium in Regelstudienzeit, damit wir bei der leistungsbezogenen Mittelvergabe wenigstens nicht ganz so schlecht abschneiden!! Dann bleibt uns wenigstens genug Geld für die Fassade!

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