Klartext Fehlanzeige: Institutsratssitzung am OSI

Therese AndersAkademische Gremien, Hochschulpolitik, FU Kommentar schreiben

Die Gerüchteküche um die Zusammenlegung der politik- und sozialwissenschaftlichen Bibliotheken mit der Universitätsbibliothek der FU brodelte in den vergangenen Tagen und Wochen gewaltig. Der Klärungsbedarf in dieser Angelegenheit ist so groß, dass viele MitarbeiterInnen der Bibliotheken körbeweise Bücher, die der Zusammenlegung zum Opfer fallen könnten, zur heutigen Institutsratssitzung schleppten und etwa 25 Studierende zeitiges Aufstehen in Kauf nahmen um an dieser Versammlung teilzunehmen.

So war denn auch die Erwartung an die heutige Institutsratssitzung, für die das Thema der möglichen Fusion der Bibliotheken als ein wesentlicher Tagesordnungspunkt angekündigt war, hoch; zumal der Bibliotheksdirektor der UB, Ulrich Neumann, und der Stellvertretende Leiter, Jiri Kende, eingeladen wurden um dem Institutsrat über die Pläne Rede und Antwort zu stehen.

Nach deren Ausführungen stellt sich die Situation wie folgt dar: Die anfänglichen Pläne (der UB-Leitung), die sozialwissenschaftlichen Bibliotheken „zu verschönern“ (O-Ton Naumann) und im Neubau eines 7-stöckigen Bibliotheksturms in der Nähe des OEI nutzerfreundlicher zu gestalten, wurden von dem Vorhaben des Präsidiums zum Umbau der UB und der damit verbundenen Integration aller sozialwissenschaftlichen Bibliotheken durchkreuzt. Um die Präsidiumspläne, die inzwischen auch die Pläne der UB-Leitung geworden sind, in die Realität umzusetzen, müsste das Universitätsbibliotheks-Gebäude in der Garystraße für ca. 15 Mio. Euro grundlegend umgebaut werden, um unter anderem auf etwa 1000m2 Platz für neue Arbeitsplätze und rund 600.000 Freihandbände zu schaffen. Die Umbaupläne sehen auch eine Nutzung der Gebäude Ihnestraße 26 durch die umgestaltete UB vor. Auf berechtigte Fragen, in welche Räumlichkeiten die Büros und MitarbeiterInnen aus der Ihnestraße 26, insbesondere auch das Otto Stammer Zentrum, umziehen sollen, gab es keine Antworten.

Für den Direktor der UB und das Präsidium der FU liegen die Vorteile einer Zusammenlegung anscheinend klar auf der Hand: weiter Personalkürzungen werden so angeblich kompensiert und durch „24/7“ Öffnungszeiten werde „Exzellenz“ bewiesen.

Doch die Liste der momentanen Unklarheiten und Beanstandungspunkte ist bedeutend länger als die der Vorteile. Große Kritik formierte sich über die Informationsflüsse (die in diesem Fall wohl eher sehr gewundene, teilweise auch ausgetrocknete Flussbette sind) rund um das Umstrukturierungsvorhaben. Die Anwesenden machten sich nicht ganz zu Unrecht Sorgen, dass die Pläne des Präsidiums bereits beschlossene Sache seien. Aus mehreren Quellen wurde jedoch berichtet, es habe noch keinen offiziellen Beschluss über die Umbau- und Eingliederungspläne gegeben.

Über die tatsächliche Anzahl der auszusortierenden Bücher gibt es nur wage Schätzungen und Spekulationen: die positivsten gehen von 200.000, die negativsten von bis zu 400.000 Bänden aus. Zwar sollen nur ältere Dubletten, die laut Naumann teilweise seit mehr als 10 Jahren nicht mehr ausgeliehen wurden, abgegeben werden und der Direktor der UB verspricht: „Kein einziger Titel wird verschwinden!“ und „Es wird niemand länger auf ein Buch warten!“, doch für mich stellt sich die Frage, wie im „besten“ Falle 200.000 Bücher nach wirklich wissenschaftlichen Kriterien ausgesondert werden sollen. Wer entscheidet bei einer solchen Menge, welches Buch mehrmals vorhanden sein muss und welches nicht?

Den anwesenden BibliothekarInnen fehlte es vor allem an eigenen Visionen des Fachbereichs für die Zukunft seiner Bibliotheken. Die Vorschläge, die bei den Vertretern der UB jedoch kein Gehör fanden, reichen vom ursprünglichen Plan einer komplett eigenständigen, bis hin zu einer eigenständigen, aber in die UB integrierten, sozialwissenschaftlichen Bibliothek.

Ich sehe ein, dass Platzmangel und Geldnot (obwohl sich diese hauptsächlich auf Personalkosten zu beziehen scheint; siehe 15 Mio. Euro)  gewisse Umstrukturierungen und Bücheraussonderungen eventuell nötig machen. Die Frage ist nur: In welchem Rahmen und in welchen Mengen? Aus einem Bestand von circa 1.000.000 Büchern „im besten Falle“ ein Fünftel auszusondern, Umstrukturierungspläne nicht mit den betreffenden Fachbereichen und Instituten abzusprechen und die „Leidtragenden“ nicht von Anfang an in die Planung mit einzubeziehen, halte ich für äußerst fragwürdig.

Am Ende wurde die weitere Diskussion auf die Fachbereichsratssitzung am kommenden Mittwoch, den 23.01.2008, vertagt. Der Institutsrat fasste lediglich den Beschluss, die Reduzierung des Bibliotheksbestandes und die Eingliederung der OSI-Bib in die UB unter diesen Umständen abzulehnen, eine Bibliotheks-Kommission zu gründen und deutlich zu machen, dass man an der Planung über die Zukunft der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken mitarbeiten werde.

Für mich als „Ersti“ ist es erschreckend zu sehen, auf welch wirren und intransparenten Wegen solch grundlegende Entscheidungen an der FU scheinbar getroffen werden. Für den Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften und besonders deren Bibliotheken sind die vom Präsidium gefassten Pläne der Eingliederung eine echte Richtungsentscheidung und können daher nicht einfach unter dem Deckmäntelchen der Verschwiegenheit Präsidiums- und UB-intern beschlossen werden!

4 Reaktionen zu “Klartext Fehlanzeige: Institutsratssitzung am OSI”

  1. Thomas Eichentopf

    Als Leser bitte hierzu auch FU Watch beachten: fuwatch.wordpress.com/2008/01/16/naumann-vs-neugebauer-teil-2/

  2. paulenta

    “Für mich als „Ersti“ ist es erschreckend zu sehen, auf welch wirren und intransparenten Wegen solch grundlegende Entscheidungen an der FU scheinbar getroffen werden.”
    …ging mir als Ersti genauso. Nun, nach einigen Jahren, es wiederholt sich alles, stell ich mir die Frage, wie sinnvoll es eigentlich ist, in den Institutsrat zu gehen, ruhig dazusitzen, vielleicht reden zu dürfen oder eben nicht. Immer wieder sagen bestürzte Profs (außer Risse und Co), da sei einiges schief gelaufen, nun aber sei endlich ein Diskussionsprozess in Gange und alles doch nicht so schlimm. Und am Ende werden ein paar Kommata geändert und die grundsätzliche Linie hat sich durchgesetzt.
    Was und wie kann eigentlich etwas außerhalb der Gremien getan werden, um mal grundsätzlich diesem antidemokratischen Kurs entgegenzutreten. Gerne hätte ich eine Antwort der Autorin selbst und nicht der üblichen Funktionäre, die dann doch etwas zu verliebt in Kommata-Veränderung zu sein scheinen (Wer jahrelang auf die Gremienarbeit gesetzt hat ist leider persönlich befangen).

  3. Institutsrat lehnt Bibliothekenzusammenlegung ab « FUwatch

    […] es habe noch keinen offiziellen Beschluss über die Umbau- und Eingliederungspläne gegeben.(“Klartext Fehlanzeige: Institutsratssitzung am OSI”, LHG Blog, […]

  4. Ronny

    Zitat aus dem Protokoll der Fachbereichsratssitzung vom 9. Januar 2008:


    Nachtrags-TOP 01: Bibliotheksangelegenheiten

    Der FBR führt eine konsensuale Diskussion über die Integration der Bibliotheken des Fachbereichs in die Universitätsbibliothek. Sowohl der Fachbereich als auch das Dekanat befürworten und unterstützen den Vorschlag des Präsidiums zur Zusammenlegung der Bibliotheken. Der Verwaltungsleiter berichtet, dass er zur Klärung der Raumfrage zu einem „runden Tisch“ einladen wird. Bevor die offenen Fragen zu den Lehrräumen nicht geklärt sind, wird ein Umzug der Bibliotheken nicht stattfinden.”

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