Der unsinnige Donnerstag: Eine Anekdote vom Aktionstag.

Thomas E.AStA, FSIs, Satire, Lenzen, Hochschulpolitische Veranstaltungen, FU, Hochschulpolitik, Allgemeines Kommentar schreiben

Am Donnerstag gegen 17:20 im Kurs “Organisation” von Prof. Schreyögg. Es geht um Unternehmenskultur und die Vielfalt kultureller Phänomene erklärt er am Beispiel des bevorsteheden Karnevals. Im Hintergrund entsteht nun ein leises Vibrieren, wie wenn schwere Fahrzeuge auffahren würden, und irgendwie hat man den Eindruck, Stimmen zu hören. Klar, die Demonstration rückt an. Als das Blaulicht ins Sichtfeld des Professors gerät, folgt nachstehender O-Ton: “Was ist denn jetzt los? Ist schon Karneval?”

Etwas später betritt ein mitdemonstrierender Kommilitone die Veranstaltung und bittet darum, eine Ansage machen zu dürfen. Es entwickelt sich in etwa folgender Dialog:

Prof. Schreyögg: Was wollen Sie denn ansagen?
Student: Ja, heute ist ja Aktionstag…
Prof. Schreyögg: Aktionstag, ah ja, was ist denn das?
Student: Na ja, da ist ja Demo. [An die Studenten.] Ihr seht ja, die Demo ist jetzt angekommen und wir fordern euch auf, jetzt mit rauszukommen und euch uns anzuschließen.
Prof. Schreyögg: Demo, na ja, aber heute ist doch unsinniger Donnerstag!

Sprach’s und wusste er nicht um die Brisanz dieser Aussage.

Im Neuen Deutschland zeigen sich die Veranstalter mit dem AStA sehr zufrieden. Für mich jedoch blieb der Aktionstag bis auf die obige Begebenheit nahezu vollständig verborgen. Ich sah ein paar verstreute Luftballons im Henry-Ford-Bau, hörte vom Dieter-Lenzen-Fanclub in der Mensa I und sah die Einsatzfahrzeuge der Polizei schon mittags vor der Silberlaube warten. Angesichts des betriebenen materiellen und zeitlichen Aufwands muss das Ziel, die Studenten zu politisieren, als verfehlt gelten. Nach unseren Informationen litten viele der dezentralen Aktionen am Vormittag unter geringer Resonanz.

Gespannt darf man also darauf warten, was dann unter den größeren Protesten zu verstehen ist, die Dennis Lantzberg im zitierten Artikel ankündigt.

Der “unsinnige Donnerstag” ist übrigens eine südbayrische Tradition. Im Stile eines Volksfestes ziehen, so erzählte es zuvor in der Veranstaltung der Professor, die Schellenrührer durch den Ort und treiben “allerlei Schabernack”.

7 Reaktionen zu “Der unsinnige Donnerstag: Eine Anekdote vom Aktionstag.”

  1. kein bock

    war ja klar, die lhg kann mal wieder hauptsächlich kritisieren. sowohl bei der vollversammlung als auch auf der demo waren deutlich mehr leute als erwartet! anstatt den aufruf, hochschulpolitische themen an die öffentlichkeit zu tragen, ernst zu nehmen, motzt die lhg lieber über angeblich verfehlte ziele. naja, drei wochen aktivität im stupa-wahlkampf reichen eben nicht, um sich dauerhaft als politische kraft in der hochschulpolitik bemerkbar zu machen. beugt ihr euch ruhig weiter den “sachzwängen”, glaubt schön weiter daran, dass gremienarbeit von studierenden tatsächlich einen einfluss haben könnte, und verschließt weiterhin die augen vor den problemen der studierenden - es gab an deutschen hochschulen noch keine einzige maßgebliche veränderung, die nicht durch massiven ausserparlamentarischen (in eurer sprache:”undemokratischen”) druck erreicht wurde. also denn, ihr systemkonformen spießer - did you ever think outside your box?

  2. Thomas Eichentopf

    Vielleicht hätte es dir noch geholfen, auch den nächsten Beitrag im Blog zu lesen. Ich denke, dass dort sehr viele hochschulpolitische Themen angesprochen werden, die jedoch in der Skandalversessenheit an der FU häufig etwas untergehen. In diesem Sinne ist auch der Vorwurf, wir wären nur im StuPa-Wahlkampf aktiv, zu belächeln. Die Berichte dieses Blogs sind Zeugnis, dass wir auch während des Jahres aktiv sind.

    Yes, I’ve ever thought outside the box - while not sniffily forgetting and ignoring those who are in it.

  3. Wolf Dermann

    Natürlich lassen wir uns nicht von Anderen irgendwelche Zeitpläne diktieren. Für die Studi-Interessen gearbeitet haben wir gestern trotzdem und haben die Fachschaftsarbeit am FB Wirtschaftswissenschaft für’s nächste Jahr im FSR geplant.
    Um die studentischen Interessen Durchzusetzen, werden wir da wohl auch auf Aktionen im nächsten Semester zurückgreifen, wie ich die Lage einschätze, denn alles wird man in Gesprächen nicht durchsetzen können. Der FSR hat von den Studis ein Mandat um Ziele durchzusetzen und dazu gehört auch die Aktionsform des Protests. Für den AStA gilt das gleiche. Warum der sich hingegen lieber im Hintergrund als Finanzierer der Aktionen angeblich autonomer Gruppen verborgen hält, anstatt sein Mandat als AStA zu nutzen, rührt wohl nur daher, dass diese Gruppen mit AStA-Geld lieber ihre Eigenwerbung finanzieren lassen um bei den nächsten Wahlen wieder gut auszusehen. Und nur um diese Selbstdarstellung scheint es diesen Gruppen beim gestrigen Aktionstag gegangen zu sein, denn irgendeine Aussicht durch diese Proteste irgendetwas zu erreichen, bestand ja wohl nie!

  4. Stefan

    “dass diese Gruppen mit AStA-Geld lieber ihre Eigenwerbung finanzieren lassen um bei den nächsten Wahlen wieder gut auszusehen. Und nur um diese Selbstdarstellung scheint es diesen Gruppen beim gestrigen Aktionstag gegangen zu sein”

    Nö, ist einfach nicht so, sag ich mal als Mensch ohne Gruppe, der trotzdem dabei war. Ich weiß auch gar nicht, wie man sowas einfach so behaupten könnte, wo ist die Begründung, wer war eigentlich von Euch bei der VV?
    Eure Kritik kann einfach nicht ankommen, weil sie in Zusammenhängen formuliert ist, die bei den Kritisierten gar nicht gedacht werden. (Übermächtiger AStA, Wahlen, Gruppen, Selbstdarstellung) Umgekehrt ist das natürlich auch so, keine Frage. Aber was folgt nun daraus?

  5. Stefan

    Und vielleicht noch als kleine Provokation: Ist der Selbstdarstellungsvorwurf nicht bei Euch viel passender anzubringen. Ich meine, warum braucht ihr denn die ganze Zeit den Konflikt mit FSIen und AStA, und stoßt ihn auch immer wieder neu an? Selbstdarstellung durch Feindbilder.

  6. Der Aktionstag in der Presse und in der FU-Blogosphäre « FUwatch

    […] kritisch, wenn auch oberflächlicher setzt sich Thomas im LHG-Blog mit dem Aktionstag auseinander. Die Unsinnigkeit des Aktionstages scheint ihm allein schon durch Prof. Schreyöggs Unterfangen […]

  7. Björn Piechotta

    Ich hätte mir ja gerne den verlinkten Artikel im Neuen Deutschland durchgelesen. Aber leider muß man da den Wiederaufbau der Mauer finanzieren.

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