Quo vadis, Bachelor?

Thomas E.Lehre, Bundespolitik, Presse, Hochschulpolitik 0 Kommentare »

Ungewissheit herrscht unter Studenten, welchen Stellenwert ein Bachelor-Abschluss hat. Wird man auf dem Arbeitsmarkt damit wirklich ernst genommen? Ist ein Master unbedingt notwendig? Spricht man zurecht vom “Schmalspurstudium?” Neue Pläne der Bundesregierung werden die Sorgen, die schon abzuklingen schienen, wieder anfachen: “Meister gleich Bachelor?” titelte die Financial Times Deutschland gestern:

Anlass für den aufkeimenden Streit ist die Arbeit von Bund und Ländern an dem “Deutschen Qualifikationsrahmen” (DQR), einer Art Bildungsmatrix für Deutschland. Danach soll die deutsche Bildungslandschaft künftig in acht Niveaustufen einsortiert werden, vom Hauptschulabschluss bis zum Doktortitel. […]Bis 2010 soll danach ein “Europäischer Qualifikationsrahmen” entstehen, der die unterschiedlichen nationalen Berufssysteme verknüpfen soll. Bis dahin muss jeder Mitgliedsstaat einen eigenen Rahmen entwickeln. Am Ende soll das neue System mehr Transparenz, bessere Vergleichbarkeit und mehr Mobilität bringen - und irgendwann einen einheitlichen europäischen Arbeitsmarkt. […] Fest steht bereits: Der Bachelor bekommt das EU-Niveau sechs, der Master eine Sieben und der Doktor das Höchstniveau acht.

Und es gibt Vorschläge, den Meister ebenfalls auf diesem Niveau anzusetzen. Nun ist derlei in der Praxis nicht völlig neu, führt es aber nicht doch irgendwie zu einer schleichenden Entwertung des Hochschulstudiums, da der Meister ja oberster Abschluss eines anderen Bildungspfades ist? Andererseits: Erhöhen sich dadurch nicht die Durchlässigkeit des Bildungssystems und somit die Chancen sozialer Mobilität. Bestandteil einer solchen Einstufung wäre ja auch die automatische Berechtigung der Meister zum Erwerb eines Masters. (Bisher verleiht der Meister das Recht, überhaupt gegebenenfalls ohne Hochschulzugangsberechtigung ein Studium zu beginnen.) Und wie wird der Unterschied von Fachhochschulen und Universitäten berücksichtigt? Und was macht man eigentlich mit nunmehr zum Teil nur noch zweijährigen Bachelor-Programmen, deren Bezeichnung als Hochschulstudium wohl höchst fragwürdig ist? (Möglich sind, wohlgemerkt, vierjährige Bachelorprogramme, die es in Deutschland aber faktisch nicht gibt.)

Die Bundesregierung erwähnt hierzu nichts in ihrer aktuellen Mitteilung. Sie setzt allein auf den Vorteil, der sich aus der Vergleichbarkeit der Studiengänge ergibt. Ein Beispiel, in dem das schon einmal funktioniert hat, sind die Kompetenzniveaus im Erwerb von Fremdsprachen: Im Gegensatz zu individuellen Einschätzungen wie “fließend in Wort und Schrift” erlaubt das Stufensystem dort einen objektiven Maßstab. Bildungsabschlüsse als solche sind generell nicht subjektiv. Mehr Vergleichbarkeit ist sicherlich zu begrüßen, jedoch darf sie doch nicht dazu führen, dass im nationalen System Feinheiten verschwinden.

Besondere Kritik ist dann an der dogmatisch avisierten achtstufigen Gliederung zu erheben. Einen dreistufigen Qualifikationsrahmen haben wir bereits seit 2004 (pdf-Dokument), so dass es sich beim aktuellen Vorstoß lediglich um die von der EU geforderte Erweiterung handelt. Der bisherige Qualifikationsrahmen basiert dabei auch auf dem Aufwand an ECTS, deren Handhabung zwischen den Mitgliedsländern der EU jedoch immer noch höchst unterschiedlich ist und weniger genormt, als gerne behauptet wird. Andere Länder der EU, die bereits einen nationalen Qualifikationsrahmen eingeführt haben, haben sich für mehr als acht Stufen entschieden. (pdf-Dokument) Auch dort wird eine Reduktion national zu Problemen führen, so viel Sinn sie international vielleicht zu machen scheint.

Nochmals eine Ergänzung für interessierte Leser: Eine sehr ausführliche und übersichtliche Zusammenfassung zum Entwicklungsprozess des Europäischen Qualifikationsrahmens findet sich hier.

3. Sitzung des FSR Wirtschaftswissenschaft am 24.3.2008

Thomas E.Lehre, Hochschulpolitische Veranstaltungen, Hochschulpolitik, LHG 0 Kommentare »

Während die anderen FSRs, in die zum Teil auch Vertreter der LHG gewählt wurden, nach wie vor nicht einberufen worden sind, traf sich der Fachschaftsrat der Wirtschaftswissenschaftler am Ostermontag nun schon zum dritten Mal. Ziel der Sitzung war es, neue Informationen aus den Fokusgruppen zu erhalten sowie für diese weitere Arbeitsinputs zu entwickeln.

Wichtigstes Thema blieb derzeit die Fokusgruppe Prüfungsfragen. Noch einmal wurden die drängendsten Probleme zusammen getragen, was insbesondere das Gerücht um eine Verlängerung des Prüfungszeitraums und die Modalitäten der Nachschreibeklausuren anging. Weitere Ergebnisse wird wohl allerdings erst das heutige Gespräch mit Prof. Kruschwitz ergeben, der Vorsitzender des Prüfungsausschuss ist.

Einen Schritt voran kam der FSR auch in Bezug auf die Fokusgruppe Kommunikation, denn hier konnte sich der FSR auf ene technische Plattform einigen, die neben den StudiVZ-Mitteilungen von Lars künftig der zentrale Kommunikationskanal für aktuelle Mitteilungen werden soll. In Planung ist zudem auch ein regelmäßiges Flugblatt.

Die Fokusgruppe für Qualitätsverbesserung hat sich zum Ziel gesetzt, im Sommersemester in der Fachschaft auf Basis qualitativer Methoden die Probleme aus Sicht der Studenten zu erkunden, um diese als Arbeitsgrundlage für die weitere Arbeit zu nutzen. Diskutiert wurde in Bezug auf die Fokusgruppe Finanzen auch die Frage der künftigen Finanzierung des Fachschaftsrats, der derzeit noch mittellos arbeitet.

Relativ früh. nämlich diesmal schon nach anderthalb Stunden, endete die Sitzung dann. Das mag im Vergleich sehr kurz erscheinen, allerdings griffen auch so manche Diskussionen nur wieder alte Argumente auf. Mit Beginn des Semesters, wenn manche Projekte dann konkreter werden, werden wohl auch wieder längere Sitzungen zu erwarten sein. Wir werden euch weiter auf dem Laufenden halten.

Die Sitzungen des FSR sind im Übrigen öffentlich und können auch von nicht-gewählten Mitgliedern besucht werden. Erklärtes Ziel des FSR war es ja beständig, die Fachschaft als Ganzes zu aktivieren und mehr Mitstreiter zu gewinnen. Mir ist klar, dass man dafür vorher auch wissen müsste, dass die Sitzung stattfindet, weshalb wir hier im LHG-Blog die Termine künftig auch vorankündigen werden.

Noch ein Wort zur TBC am Fachbereich: Neue Plakate, die letzten Donnerstag aufgehängt wurden, erklären ausdrücklich, dass sich die vormals angekündigte Untersuchung NUR auf Teilnehmer der Lehrveranstaltung VWL-III (Grundlagen der Makroökonomie) bezieht. Also alles halb so schlimm wie zwischendrin aufgebauscht.

Neuer Mail-Verteiler für aktive Studierende in den Gremien (und Interessierte)

Thomas E.AStA, Akademische Gremien, Hochschulpolitik, FU 0 Kommentare »

Die bessere Vernetzung der Studierenden in den verschiedenen Gremien ist ja an sich kein neues Thema, sondern wird immer mal wieder von verschiedener Seite ins Gespräch gebracht. So ist der Informationsfluss zwischen den Gremien bis heute nur sehr spärlich, weshalb andere Statusgruppen in den Gremien häufig einen beträchtlichen Wissensvorsprung haben. Einen großen Schritt nach vorn impliziert da sicherlich die Einrichtung eines neuen Mailverteilers, der von den Initiatoren als Ergänzung zum Verteiler für die Koordination der Fachschaftsinitiativen (kurz FaKo-Verteiler) verstanden wird.

Primäres Ziel ist also die Kommunikation der Studierenden, die in den verschiedenen Gremien aktiv sind. Dennoch steht die Mitgliedschaft derzeit allen Interessierten offen, also auch Studierenden ohne Mandat. (Sie soll auch offen bleiben, solang das nicht “off topic” führe, heißt es in der ankündigenden Mail.) Das Angebot ist sicherlich also sicherlich auch ein Gewinn in Bezug auf die Transparenz der studentischen Aktivitäten.