Institutsvollversammlung am FMI – nur ein laues Lüftchen anstatt eines tosenden Orkans
Thomas EichentopfAStA, FSIs, Lehre, Hochschulpolitische Veranstaltungen, FU, Hochschulpolitik, LHG Kommentar schreibenDer folgende Beitrag stammt vom LHG-Mitglied Björn Stephan.
Am 08.Mai fand die zweite Vollversammlung am Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften statt. Die äußerst geringe Beteiligung von nur 24 Teilnehmern bei der letzten Instituts-VV Ende April verringerte sich nochmals um die Hälfte, sodass nur 12 Studis im Friedrich-Meinecke-Institut zusammenkamen. Darunter waren sogar nur zwei Mitglieder der FSI-Geschichte und keines der FSI Kunstgeschichte anwesend – ein Armutszeugnis, wenn man bedenkt, dass gerade sie es waren, die zu der VV im Rahmen des so genannten „Protestsemesters“ aufgerufen hatten.
Ähnlich spärlich fiel dann auch die inhaltliche Diskussion aus, auch wenn ein klarer Fortschritt im Vergleich zur letzten Sitzung zu konstatieren war: So reichte die Spannbreite der diskutierten Themen bei der vorangegangen Sitzung noch von zweifellos kritikwürdigen Aspekten (dem wachsenden Druck des FU-Präsidiums, zunehmenden Beschneidungen des Haushalts sowie Kürzungen der Bibliotheksbestände) aber auch bis hin zu unrealistisch-abstrus anheimelnden Dingen (wie der Mobilisierung Linksradikaler aus dem Ausland, dem „Dahlemer-Bonzen-Bashing“ und nicht zuletzt dem Umsturz des kapitalistischen „Schweinesystems“). Dieses Mal jedoch waren jegliche Anflüge von ideologischer Verblendung passé und ein im FMI selten gesehener Pragmatismus wurde sichtbar. So konnten am Institut existierende Missstände ganz konkret benannt werden. Erklärtes Ziel war es, einen Katalog von Forderungen zu sammeln, der dem Institutsrat vorgelegt beziehungsweise auf der nächsten Institutsversammlung vorgestellt werden soll. Die wesentlichen Vorschläge die hier gemacht wurden, waren: die jederzeit mögliche Abmeldung von Modulen, die Einführung von vorlesungbegleitenden Tutorien, sowie die Beibehaltung der unbeschränkten Wiederholung von Nachschreibeklausuren. Die vom LHG-Vertreter formulierte Forderung, die Prüfungsordnung, wie am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaft zu gestalten und somit nur eine Prüfung pro Modul absolvieren zu müssen, traf auf geteilte Resonanz. Mit dem Verweis auf die dadurch steigenden Prüfungsanforderungen und die daraus resultierende Mehrbelastung der Studenten, die auch für nachfolgende Semester unzumutbar wäre, wird diese Forderung wohl keine Aufnahme in den Katalog finden. Veröffentlicht werden soll die Zusammenstellung aller Vorschläge auf dem FSI-Geschichte Blog.
Obwohl aufgrund der geringen Beteiligung nur einige wenige Vorschläge zusammen getragen wurden und es der VV zuweilen spürbar an inhaltlicher Tiefe fehlte, bleibt doch ein positiv zu bewertender Ansatz zum konstruktiven Dialog erkennbar. Das offene Diskussionsklima machte einen unvoreingenommenen Gedankenaustausch aller anwesenden Studenten möglich - fernab jedweder Engstirnigkeiten und Zugehörigkeiten zu den verschiedenen Hochschulgruppen. Ob dies allerdings mit der numerischen Minderheit der ansonsten quantitativ dominierenden FSI zu begründen ist, sei dahingestellt. Deutlich wurde jedoch eines: Das FMI wird mit Sicherheit nicht das Auge des vom 19.-23.05 „tosenden“ Aktionsorkans sein - maximal wird es zu einem lauen Lüftchen gereichen. Denn auf Nachfrage konnten nicht mehr als zwei Veranstaltungen für diesen Zeitraum genannt werden, darunter sowohl eine Vorlesung Prof. Dr. Wippermanns zur kritischen Auseinandersetzung mit der FU-Geschichte als auch ein Rundgang an die historischen Stätten der FU. Folglich setzen die Hauptakteure und -initiatoren der Aktionswoche am FMI alles auf das letzte Pferd im Stall, nämlich das der spontanen Aktionen. Doch wie sollen diesem Gaul die Sporen gegeben werden, wenn es gerade einmal gelingt 12 von 4000 Studenten im Fachbereich zu einer Institutsvollversammlung zu mobilisieren?
12. Mai 2008 at 14:15
also nur ein paar kommentare meinerseits. ich fand das treffen eigentlich recht nett und verstehe daher die zahlreichen seitenhiebe innerhalb des artikels nicht.
zu der anzahl der fsi-menschen. zum einen hab ich vier menschen aus der fsi bei dem treffen gesehen, zum anderen ist dies auch völlig unerheblich, da sich auch die menschen welche aus der fsi da waren, nicht in erster linie als vertreter_innen irgendeiner gruppe verstehen sondern als studis wie jede_r andere auch. das schlägt sich auch in unserer basisdemokratischen organsitionsform nieder.
angesichts der tatsache dass ich von der lhg in diesem semester überhaupt noch nichts gesehen oder gehört habe (bis auf das nette allgemeinpolitische flugblatt bei der ersten instituts-vv), halte ich den indirekten inaktivitätsvorwurf für ziemlich fadenscheinig. außer den beiden genannten veranstaltungen wird es am freitag, den 23. auch eine party am institut geben, somit sind es drei veranstaltungen welche die fsi geschichte selbst ausrichtet. allerdings erwähnte ich auch, dass diverse menschen der fsi auch in andere veranstaltungen involviert sind und sich so an der aktionswoche beteiligen. und damit das alles kein “laues lüftchen” bleibt: mitmachen, nicht nur meckern.
14. Mai 2008 at 3:34
[…] auch nur halb so viele Studis anwesend waren, wie auf der 1. Geschichte/Kunstgeschichte-VV (siehe LHG Blog) und die Ergebnisse der VV offenbar auch nicht stärker thematisiert […]
14. Mai 2008 at 10:45
Lieber Falko,
eine kleine Replik auf deinen Kommentar:
1. Das von dir erwähnte allgemeinpolitische Flugblatt ist nicht nur irgendein einmalig angelegtes Projekt, das anlässlich der VV verteilt wurde, sondern dahinter verbirgt sich wesentlich mehr: das Ganze ist eine Art Pressespiegel für studentische Mitreder und Mitdenker, mit dem Namen „citoyen de l’université“der seit Beginn dieses Semesters an den Fachbereichen Wirtschaftswissenschaften, Politik- und Sozialwissenschaften und nicht zuletzt auch am FMI jede Woche neu erscheint. (Eine entsprechende Website befindet sich zur Zeit in Arbeit www.spriteundkorn.de/) Unser Ansinnen dahinter, ist es eben nicht nur die allgemeine politische Lage, also die innenpolitisch- und außenpolitisch wichtigsten Ereignisse objektiv und neutral zusammenzufassen, sondern auch die Hochschulpolitik explizit auf eine Stufe mit den beiden erstgenannten Themenfeldern zu stellen und über die zentralen Geschehnisse auf Uni-Ebene zu berichten. Vor allem in dieser Rubrik bemühen wir uns um das notwendige Maß an Objektivität, an dem es gerade vielen Aktionen der FSI mangelt, wozu auch und damit bin ich bei meinem zweiten Punkt, das so genannte „Protestsemester“ zu zählen ist.
2. In den Aufrufen zur Aktionswoche wimmelt es nur so von billiger Polemik und ich glaube, dass dies genau der Grund ist für die geringe Teilnahme an VVs und die bisher nur spärliche Resonanz ist. Erklärtes Ziel dieser ganzen Aktion ist es schließlich die Studis zu mobilisieren und für hochschulpolitische Dinge zu sensibilisieren- und diese Zielstellung wurde zumindest an unserem Fachbereich bisher, wie die VV gezeigt hat, weit verfehlt. Ob sich dies dann in der aktuell stattfindenden Campus- und der für nächste Woche geplanten Aktionswoche ändern wird, bleibt abzuwarten. Ich glaube jedoch nicht, dass dies mit einem Projekt, wie „Dahlemer Erinnerungsorte und kritische FU-Geschichte“ möglich ist. Ich lasse mich da aber auch gerne eines besseren belehren (und werde mich natürlich auch persönlich davon überzeugen)
3. „Mitmachen, nicht nur meckern“, schreibst du und führst damit ein sehr zweischneidiges Schwert ins Felde. Denn einerseits erscheint mir diese Aufforderung relativ fadenscheinig, wenn man bedenkt, dass es für das „Mitmachen“ u.a. den institutionellen Rahmen des Fachschaftsrates gibt, der von der FSI Geschichte jedoch genauso wie die entsprechenden Wahlergebnisse geflissentlich ignoriert werden. Auch wenn es der LHG (nach Jahren der Abstinenz am Fachbereich Geschichte) gelungen ist, „nur“ einen Sitz im Fachschaftsrat zu erobern, wäre dieses Kräfteverhältnis von 1:6, sofern man das Gremium einberiefe, doch allemal mehr, als Vertreter der LHG am FMI durch Mitwirken an Projekten der ach so basisdemokratischen Fachschaftsinitiativen jemals erreichen könnten.
Andrerseits jedoch und das bleibt als sehr positiv herauszustellen, bestätigst du mit deiner Aufforderung doch auch das von mir ausdrücklich gelobte Klima des konstruktiven Dialogs fernab jedweder ideologischer Engstirnigkeiten auf der VV, von dem ich hoffe, das es weiterhin ausbaufähig ist und vielleicht auch dazu beitragen kann gemeinsame Projekte zu starten (ich denke da beispielsweise an die Evaluierung von Lehrveranstaltungen). Vielleicht entspringt dem Fünkchen der Hoffnung auf bessere Zusammenarbeit dann doch noch die lodernde Glut der Kooperation.
14. Mai 2008 at 16:54
[…] und Sozialwissenschaften setzte sich heute der Trend von “Vollversammlungen” mit Teilnehmerzahlen im Promillebereich fort. Gerade einmal 22 der rund 4500 Studentinnen und Studenten am Fachbereich […]
15. Mai 2008 at 23:39
[…] Monita in schiftlicher Form - es wurden dann fünf Seiten zu den Studiengängen am Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften - an den Senat und die Fächer einzureichen. Zumindest die Religionswissenschaftler nahmen das […]