Jun 25
Ich wollte mich kurz von allen verabschieden, mit denen ich in den letzten Jahren hier an der FU Hochschulpolitik gemacht habe. Ich verlasse jetzt diese Sphäre in Richtung neuer Ufer. Es hat mich gefreut, mit euch zusammenzuarbeiten, mit euch zu streiten, mit euch zu bloggen!
Und all jenen, die manchmal zweifeln, ob sich “der ganze Mist” eigentlich lohnt, will ich nur sagen: Ja, er lohnt sich! Also macht weiter - steter Tropfen höhlt den Stein!
Lasst es euch gut gehen!
Ronny
25. Juni 2008 at 14:33
Ja, da geht ein wahrhaftiger Blogger verloren, nicht mehr und nicht weniger, daher noch ein Versuch einer letzten Stichelei mit dieser lebendigen nun von uns gehenden Karikatur liberaler Ideologie. Hoffentlich wird die Diskussion nicht zenisert…
Zu Anfang: Welchen Stein hölt der Tropfen?
Die hochschulpolitische Konkurrenz?
Oder die Fressverordnungsbehörde bei den Wiwiss?
Ansonsten: auch tschüss, auf eine selbstbestimmte Karriere in irgendwelchen anderen Gremien, einer liberalen Stiftung, Partei oder Bürokratie. Geübt haste ja genug lange, lieber Ronny. Und geholfen, das Stupa zur Realsatire von missverstandenem Pluralismus und repräsentativer Demokratie werden zu lassen. Danke, eine Träne kommt zwar nicht, aber das willste ja auch garnicht, hoffe ich. Der Arbeitsmarkt ist sicher beseelt über dieses Produkt, was da nun kommt, durchsogen von Anstand und Moral, dem System treu ergeben, mit Liebe zum noch so unwichtigen Detail. Staatsbürgerlichkeit wie sie im Buche steht, die Uni hat ihren Dienst perfekt getan an diesem Menschen. Ein Land voll mit Ronnys wär auf ewig vorne in der Welt dabei.
Mal ehrlich: die LHG-Nachfolge sieht leider sehr traurig aus: wenig Gestus, keine Souveränität.
Ob die derart stur den Traumpfad der sauberen Bürokratie-Legende weiterwandeln werden können?
Dafür braucht es Nerven und liberalen Idealismus, oder halt Zugpferde wie den Ronny.
Ob sie ab und an auch Weitsicht haben werden oder sich ausschließlich in billigen Schlammschlachten mit dem AStA und den FSIen verlieren werden?
Überhaupt: in Zeiten des BA/MA ist ein Ronny nicht mehr denkbar. Alles ist schneller geworden, die kommende Generation wird sich nicht so gemütlich einrichten wie Wolf und Ronny. Deshalb wird auch die Idee der Gremienpolitik insgesamt den Bach heruntergehen. So wird am Ende niemensch klagen, dass es noch weniger Formal-Demokratie an der FU gibt, weil so oder so kein Mensch mehr Zeit zu dem Quark hatte. Und genau den Haken hat Ronny zeitlebens nicht erkannt: zu einer Demokratie, die fuktioniert, gehört eben auch, dass sie sich nicht einfach selbst auflöst, indem sie die Rahmenbedingungen ändert, in denen sie einst begründet wurde. Das ganze war und ist ein Kampffeld: die einen sagten immer, die Uni muss demokratischer werden. Die anderen, unter ihnen die LHG, beharrten darauf, dass das Bestehende nur besser belegt werden müsse, folgten ihren eigenen Worten und verloren sich in Nichtigkeiten. Schade, aber auch ein Lehrstück für Kommende.
Ronny hat es versucht und ist gnadenlos gescheitert. Gut, dass er es konsequent versucht hat, denn so wird sich immer auf ihn berufen werden können, wie auf eine Legende: “Selbst ER ist beim Gang durch die Gremien zu einem Rückzugs-Ritter geworden, stolz, aber ohne Würde. Macht es besser, anders!”
Gerade deshalb ist es schade, dass sich die Wege nun scheiden. Durch seine Präsenz war stets unmittelbar sichtbar, warum andere Wege beschritten werden müssen als die seinigen. Wird in Zukunft nicht regelmäßig an sein Schicksal erinnert, könnten auch andere lebendige Menschen von dem System zermürbt werden.
Gute Karriere, Ronny Patzer!
25. Juni 2008 at 15:37
Ich bin gerührt, nicht geschüttelt. Steter Tropfen hat auch mich gehöhlt. Genau dafür habe ich euch all die Jahre gerne gehabt und werde euch ehrlich weiterhin gerne haben.
26. Juni 2008 at 0:09
Auch meinerseits alles Gute! Hat Spass gemacht. Und vielleicht sieht man sich mal wieder im Supermarkt.
26. Juni 2008 at 21:35
Geh’ hinaus und mach uns in Deiner neuen Funktion mindestens genau so viel Ehre wie unser Ex-Mitglied Hennie in Südafrika. (Wie ich erst gestern entdeckt habe…)
4. Juli 2008 at 11:57
schade, da geht nun einer, mit dem sich ein streit noch lohnte in der Hoffnung auf eine zumindest unterhaltsame Debatte. viel übrig bleibt ja nicht von der lhg. Und zumindest mit einer gewissen restkompetenz konnte ronny ja noch auftrumpfen. jetzt folgen also artikel über essverbote in hörsälen oder weitere empörungen bis zerpörungen des erzkonservativen flügels der lhg über Auftritte des Lenzen-Fanclubs. nun denn: tschüs ronny und: versinke Opposition, versinke.