Mensa I: Keine Schließung, aber…
Germar MolterTermine, Hochschulpolitik, FU, Allgemeines Kommentar schreiben
Die gute Nachricht zuerst: Die Mensa I soll nicht geschlossen werden. Das verkündete die Geschäftsführerin des Studentenwerk Berlins, Frau Petra Mai-Hartung, gestern in der Sitzung des Verwaltungsrats des Studentenwerk Berlins.
Allerdings wird es Einschränkungen geben bei den Sitzplätzen und dem Essensangebot: Zukünftig soll nur noch das Erdgeschoss betrieben werden. Es wird ein subventioniertes (also zu den bisherigen Studierendenpreisen) warmes vegetarisches Essen geben. Die Öffnungszeiten sollen bis 18 Uhr erweitertet werden.
Jenny Simon, studentische Vertreterin im Verwaltungsrat, trug die Bedenken der Studierenden vor: Die Kapazitäten des Erdgeschosses reichten nicht aus, die Mensa II sei zu weit weg, um zwischen zwei Seminaren dort zu Mittag zu essen. Seitens der Geschäftsführung zeigte man Verständnis, doch sei aus betriebswirtschaftlichen Gründen eine Fortsetzung des bisherigen Betriebs unsinnig. Außerdem sei eine (dringend notwendige) Sanierung des Gebäudes Angelegenheit der Hochschulen, sprich: Die FU ist zuständig. Dort konzentriere man sich aber auf andere Bauprojekte, sagte Frau Mai-Hartung aus. Sie werde aber bei der FU-Leitung den von Frau Plato eingebrachten Vorschlag vorbringen, eine Mittagspause einzuführen, in der keine Seminare und Vorlesungen stattfinden, damit jede/r die Gelegenheit habe, in der Mensa II essen zu gehen.
Am 2. März um 9 Uhr soll es ein Treffen der Geschäftsführung des Studentenwerks, des FU-Kanzlers, der FU-Vizepräsidentin, dem Leiter der FU-Technik, den Fachbereichen Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und Studierenden geben. Der Ort blieb unbekannt.
Insgesamt war zu begrüßen, dass dem Thema viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde (etwa zwei Stunden). Das Schlimmste scheint nicht einzutreten: Eine Schließung der Mensa I. Bedenklich ist aber die Einschränkung des Betriebs: Dass das Erdgeschoss die Kapazität der beiden oberen Geschosse (und im Sommer der Terrasse) aufnimmt, ist angesichts der Sitzplatzzahlen ausgeschlossen. Wohl oder übel müssten Gäste auf die Mensa II ausweichen. Damit dies jedem/r möglich ist, müsste eine Mittagspause eingeführt werden. Ob die kommen wird, ist offen. Außerdem wird das Essensangebot eingeschränkt werden (zukünftig ein warmes vegetarisches Essen zum Studi-Preis). Dafür werden die Öffnungszeiten deutlich erweitert. Wenn die Nachfrage wieder anziehen sollte, werde das Studentenwerk darauf reagieren, versprach Frau Mai-Hartung.
Aus Sicht der Studierenden sicherlich keine befriedigende Lösung, auch, wenn es betriebswirtschaftlich Sinn macht.
21. Februar 2009 at 16:09
auch wenn es betriebswirtschaftlich Sinn macht?
Das Studentenwerk hat neben dem betriebswirtschaftlichen Sinn auch noch einen öffentlichen Auftrag, der IMHO dem betriebswirtschaftlichen sinn deutlich voranstehen sollte.
21. Februar 2009 at 20:05
Ein herzlicher Dank an alle Studierenden, die auf der Sitzung vor Ort entschieden für die studentischen Interessen eingetreten sind - und das auch seit längerem tun.
Dennoch darf man sich hiermit nicht einfach begnügen. Ein vegetarisches Essen ist eine Lachnummer. Ich unterstütze es, dass es ein vegetarisches Alternativangebot gibt, aber genauso, wie Vegetarier ein Recht darauf haben, haben Nicht-Vegetarier das Recht auf ein nicht-vegetarisches Essen. An Schulen ist das auch möglich.
Wie sich das Studentenwerk die Einführung einer Mittagspause vorstellt, weiß ich auch nicht. Damit schert die FU aus einem bundesweit gültigen Zeitsystem aus und gängelt überdies die tausenden Studierenden, die in der Mensa I schneller abgefertigt werden, durch den Zwang zu längeren Aufenthalten.
Und das Argument, dass der Mensa-Betrieb unwirtschaftlich sei, weil die Zahl der Studierenden, die das Angebot nutzen, zurückgehen, ist zumindest nicht ohne Weiteres stichhaltig. Sind denn die Nutzerzahlen stärker als die Studierendenzahlen zurückgegangen? Und sind sie vielleicht erst deshalb zurückgegangen, weil das Angebot sich gleichzeitig verschlechtert hat, und würden in einer renovierten Mensa wieder steigen?
Dem Volkswirt stimme ich zu. Unpopulär, aber denkbar ist letztlich auch eine leichte Erhöhung der Mensa-Preise, denn die liegen im bundesweiten Vergleich derzeit traumhaft niedrig. Oder man nimmt die Selbstbedienung zurück, was gegebenenfalls Kostenverluste aus zum Teil sehr großen Portionen zurückfährt. Die Damen stehen ja ohnehin da.
22. Februar 2009 at 0:04
Außerdem möchte ich grad noch ergänzen, was mir auffiel: Es wurden doch knapp 1.200 Unterschriften gesammelt. Wenn aber angeblich nur 600 Studierende versorgt werden, dann passt da was nicht, weil ja wohl kaum so viele nur aus Solidarität mitgemacht haben. Evenutuell vergisst das Studentenwerk, dass zwar nur 600 Studierende kommen, dass das aber jeden Tag andere sind, so dass der Nutzerkreis der Mensa eigentlich viel größer ist.
22. Februar 2009 at 18:27
Mir kam auch schon fast wieder die Galle hoch als ich las, dass nur ein vegetarisches Essen angeboten werden soll. Allerdings halte ich das aus zwei Gründen für unproblematisch:
a) Schmeckt Fleisch, außer Fisch, in der Mensa sowieso nicht. Ich für meinen Teil kann gut darauf verzichten!
b) Kann sich ja wohl jeder auf ein nicht-vegetarisches Essen einlassen. Ich kenne niemanden, dessen Ernährung ausschließlich aus Fleisch besteht. Umgekehrt wird die Sache schon schwieriger. Wenn man also überlegt, wie man mit den vorhandenen Kapazitäten ein Essen organisiert, an dem möglichst viele potenzielle Esser teilnehmen wollen, halte ich die Beschränkung auf vegetarische Kost durchaus vertretbar. Das hat nichts mit Recht auf Fleisch/Nichtfleisch zu tun, sondern ist einfach pragmatische Überlegung.
Ich frage mich ehrlich gesagt, wie das ganze organisiert werden soll. Mal angenommen, nur die Hälfte aller MensaI-Esser zur MensaII gehen würde, würde dort alles zusammenbrechen. Ab spätestens 12.15 ist die ziemlich überfüllt. Man wartet ewig an den Essensausgaben, muss ständig Angst haben, dass einem jemand das Tablett runterschmeißt und hat dann ab einer Gruppengröße von 3 Leuten Schwierigkeiten, einen Sitzplatz zu finden.
Was die Kapazitäten der Mensen und Cafén angeht, ist die Situation an der FU, nach meiner Wahrnehmung jedenfalls, bereits jetzt unerfreulich. Jede Reduzierung dieser Kapazitäten wirft nicht nur ein negatives Licht auf das Studentenwerk, sondern vor allem auf die FU.
27. Februar 2009 at 23:43
Die eigentliche frage dürfte doch sein: Wiso muss die Mensa so schnell geschlossen werden. Ich sehe in diesen oberen Etagen keine so schweren Mängel, dass man mit der Schließung nicht warten könnte, bis auch die FU bereit ist sofort danach mit der Renovierung zu beginnen.
Wenn es nur nach der Sanierungsbedürftigkeit gehen würde, müsste man wohl als erstes die Toiletten im Fachbereich schließen und nicht die Mensa.
Thema Mittagspause: Eine solche würde die ganze Situation schon ordentlich entzerren. Aber eine langfristige Lösung kann dies auch nicht sein.
Wie viele Plätze hat das EG der Mensa 1? Vieleicht 40 + noch einmal 30 draußen? Nicht einmal mit zusätzlich aufgestellten Bänken, mit 2h Mittagspause und zur MensaII ausweichende Mittagsesser dürfte diese Kapazität ausreichen.
ps: Als Ökonom müsste man fast schon, ähnlich wie vor dem OSI, ein Imbisswagen aufstellen. Genügend Bedarf dürfte es nach dieser Aktion ja geben.
2. März 2009 at 2:27
[…] Berlins bekanntgab, soll die Mensa I nun doch nicht wie befürchtet geschlossen werden (“Mensa I: Keine Schließung, aber…”, LHG Blog, […]