Anmerkungen zu einer filmischen Gegendarstellung.

Thomas E.Super-Uni, Satire, Presse, Hochschulpolitik, FU, Allgemeines Kommentar schreiben

In der letzten Woche kursierte ein Image-Film der FU über die Verteiler einiger Studierender. Der Film existiert seit Monaten, Jetzt aber ging ein zweiter Link zu einem zweiten Film rum, der offenbar im Kontext des Bildungsstreiks entworfen wurde.

Sicherlich ist ein großer Aufwand in den Film investiert worden. Die Mühen darum will ich würdigen, aber dennoch: Liebe Linke, kürzere und simplere Botschaften erfüllen ihren Zweck mitunter besser. Erwartet ihr ernsthaft, dass der Otto-Normal-Student sich einen Film anschaut, der 41 Minuten lang ist? Aber den wollt ihr doch erreichen. Die anderen werden doch mit dem Film ohnehin nicht ihre Meinung ändern.

Mit Hochachtung vor dem Intellekt des Sprechenden… In gleicher Weise stellt sich die Frage, ob die einleitenden Worte nicht ein wenig zu, nun ja, komplex geraten sind. Abgesehen davon, dass sich fragen lässt, ob sie inhaltlich richtig sind. Die individuelle Freiheit kenne keine Grenzen, heißt es, und das ist ein Trugschluss. Die Freiheit des individuums findet dort ihr Ende, wo die Freiheit des nächsten Individuums beginnt. Die Freiheit des Individuums heißt überdies nicht, dass das Individuum seine Ellenbogen ausstreckt und nur an sich denkt. Sie befähigt das Individuum gerade erst, selbstgesteuert seinen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

Dann geht es gegen die “Präsidialdiktatur” und um die Ironie, dass die FU sich in ihrem Image-Film auf die Demokratie beruft. Ironisch sei das angesichts der Tatsache, dass sie im Grunde beständig beschränkt würde. Nun, es gibt Gegenbeispiele dafür: Der Fachbereich Wirtschaft arbeitet gerade in diesen Zeiten eng verbunden zwischen Professoren und Studierenden an besseren Studienbedingungen. Vom (aus Sauberkeitsgründen unsinnigerweise verhängten) Verbot von Flyern und Plakaten mal abgesehen, wird die Mitbestimmung der Studierenden dadurch im Grunde gefördert. Das OSI-Dekanat ist auf die Studierenden eingegangen, Mathias Bartelt berichtet immer wieder von seinen Informationsquellen in der Philosophie… wir haben kein grundsätzliches Demokratieproblem an der FU, sondern ein Problem der Gepflogenheiten im gegenseitigen Umgang. Und das ist wechselseitig bedingt.

Auf die Exzellenzinitiative wird natürlich verwiesen. Sie würden dazu führen, dass 20 Universitäten Forschung betreiben könnten und 70 auf Lehre beschränkt blieben. Nun, das liegt an den Professoren aller Universitäten, das zu verhindern, und Professoren gibt es an allen Universitäten. Überdies sind es nicht zuletzt die großen Massenuniversitäten, die in der Exzellenzinitiative bedacht wurden, und nicht kleine Unis wie Greifswald oder Jena. Dorthin werden nie die Massen gehen, wie im Gegendarstellungsfilm indirekt behauptet.

Irgendwo las ich dieser Tage (Ich meine, es war ein Kommentar bei Furios), die Intelektuellen müssten dem proletarischen Protest die Richtung geben. Ich weiß nicht, ob das die Filmer unterschreiben würden. Ich glaube, dass einzelne es könnten. Ich glaube, dass sie dabei übersehen, dass sie genau dadurch selbst eine Elite bilden. Sie zeigen damit in ihrer Logik, dass Eliten nicht per se schlecht sind. Eliten, die ein verantwortungsvolles Ethos tragen, sind sogar sehr wichtig für die Gesellschaft. Sie zu fördern, daher eine gute Sache. Sie ausschließlich zu fördern, falsch, ja. Aber sie zu fördern und durch sie und mit ihnen andere und alle, das, ja, das würde ich immer unterschreiben.

Die Konkurrenz an der Uni wird in den Vordergrund gestellt. Im Fahrwasser ökonomischer Interessen ginge es nur noch um Wettbewerb und Leistungsdruck. Das wahre Bildungsideal bliebe auf der Strecke. Nun, was ist das denn? Sich Bildung anzueignen, sich mithin fortzuentwickeln, sich mithin… stetig zu verbessern. ICH habe in meinem Studium keine Konkurrenz erlebt. Ich habe mich angestrengt, besser zu werden, mehr zu lernen, um später mehr (an meiner Stelle im Dienst der Gesellschaft, ökonomisch oder wie auch immer, aber im Dienst, letztlich) bewirken zu können. Ich habe das, vom Studium her, gar nicht ohne meine Kommilitonen gekonnt. Teamarbeit ist Routine meines Studiums. Ich KANN gar nicht mit Ellenbogen arbeiten, ich würde mir nur selbst schaden. Mit den anderen gemeinsam, nicht allein, will ich besser werden.

Hierzu eine Analogie aus dem Sport: Heute nahm ich am Velothon bei, einem Wettbewerb auf dem Rad also. Natürlich wollte ich so gut wie möglich sein, vielleicht auch besser als andere. Das hätte aber gar nicht ohne sie geklappt. Mit meinen Wettbewerbern bin ich dem Ziel entgegen gefahren. Als ich im Ziel war, habe ich mich wohl gefreut. Ich habe mich aber auch mit denen freuen können, die um mich herum reingekommen sind.

Der Film verweist auf die Verwässerung der Bildung. Einerseits wird beklagt, dass zu viel Inhalte auf zu wenig Semester verkürzt wurden. Andererseits wird das Schmalspurstudium Bachelor an den Pranger gestellt. Die Leute würden einem Verdummungsprozess unterzogen, sie würden mit Halbbildung abgehen. Diese Sicht kann nicht wirklich die der Filmenden sein, ich glaube das nicht. Wir müssten uns sonst fragen, was wir vom Bildungsniveau unserer Mitmenschen halten, die an Fachhochschulen studieren, oder von denen, die nach dem Abitur eine Ausbildung gemacht haben. Maßen wir uns die Arroganz an, ihnen ihre Bildung abzusprechen? Nein, maßen wir uns nicht. Maßen wir uns also auch nicht an, den weitergehenden Abschluss dann als Halbbildung und Verdummung zu bezeichnen.

Nun, jedenfalls sind laut Film unsere Kommilitonen Bachelor und Master unterworfen. Sie hätten keine Wahl. Sehr weise. Sie hatten auch keine Wahl, als es vorher Staatsexamen, Magister und Diplom gab. War das okay? Oder müsste in der Konsequenz die Freiheit herrschen, seinen Abschluss nennen zu wolle, wie er einem grad gefalle? Eine Unterwerfung übrigens, an der wohl die im Film auftretenden Professoren zumindest mitgearbeitet haben, denn die Strukturen und Inhalte der Bachelor-Studiengänge wurden an den Universitäten beschlossen.

Kritik wird geäußert an den angepassten Studierenden. Die so angepasst sind, dass sie vielleicht am Bildungsstreik nicht teilnehmen. Oder deren Methoden der Unangepasst heit sich nur geändert haben? Wir sind nicht wie unsere Eltern. Wir haben eigene Möglichkeiten, andere Wege zu gehen. Zwar bin auch ich bekümmert über viele passive Kommilitonen, aber immer wieder lerne ich an der Uni Menschen kennen, deren Biografien mich beeindrucken und die sich unglaublich intensiv für die Gesellschaft investieren. Waren früher alle Studierenden unangepasst? Ich glaube es nicht. Unangepasst war immer ein kleiner Kreis. Eine Elite, wenn man so will.

Auf Drittmittel schimpfen die Filmemacher. Wo sich der Staat zurückziehe, müsse eben nicht unbedingt jemand anderes hinein. Wer dann aber gleichzeitig die finanzielle Situation der Uni beklagt, muss bedenken, dass jene “anderen” das Übel verringern. Drittmittel kommen überdies eben nicht nur aus der Wirtschaft, sondern zu weiten Teilen auch von der DFG. Die durchaus auch Grundlagenforschung finanziert. Die Anträge und Konzepte arbeiten die Professoren aus. Die Forschenden. Vielfach suchen sie sich ihre Partner.

Bleibt ein letzter Punkt: “Haut ab”, riefen die Besetzer des Präsidiums, die im Film gezeigt werden. Dies ist der zivile Ungehorsam, den Herr Grottian im Bildungsstreik als unverzichtbar ansieht. Ich bezweifle, dass er geboten ist, weil ich wiederhole, was ich seit drei Jahren sage: Wir haben unsere Möglichkeiten, ins Gespräch zu gehen, noch nicht ausgeschöpft. Durch die Bilder sehe ich mich nur darin bestätigt, denn ich würde nicht glauben, mit jemandem reden zu können, der mir “Hau ab!” entgegen ruft. Signalisierte Gesprächsbereitschaft sieht anders aus. Wirksamer ziviler Ungehorsam muss nicht beschimpfen und beschädigen. Ziviler Ungehorsam ist keine Gewalt.

Bei allem Verständnis also dafür, dass meine Kommilitonen, die diese Gegendarstellung verfilmt haben, einen so negativen Eindruck von dieser Universität gewonnen haben: Er müsste es nicht unbedingt sein. Ich habe den Image-Film der FU sehr gern gesehen. Dass er durch die rosarote Brille schaut, ist mir bewusst. Wie die Kommilitonin der BWL, die befragt wird, andeutet: Es ist halt ein Image-Film. Dennoch leistet er einen wertvollen Dienst. Dieser Film hat zumindest mir geholfen, ein bisschen mehr Verständnis für die Aktivitäten anderer Fachbereiche zu entwickeln. Diese Perspektive habe ich nicht so oft und dennoch ist eine solche Erfahrung der Breite… doch eigentlich, was wir alle wollen.

Es ist ein Image-Film. Belassen wir es dabei.

10 Reaktionen zu “Anmerkungen zu einer filmischen Gegendarstellung.”

  1. Mathias Bartelt

    Lieber Thomas,

    zum Letzten zuerst: Es ist ein Image-Film. Belassen wir es dabei.

    Und ist es nicht legitim, diesem Film in seiner evidenten Einseitigkeit etwas entgegen - oder hinzu - zu setzen? Gleichwohl: Der “zweite” Film ist nicht weniger einseitig und damit nicht zuletzt eine Reaktion auf erstere Einseitigkeit.

    Was den “zweiten” Film betrifft: Es waren, wie am Schluß deutlich wird, im Wesentlichen drei Studierende, die diesen Film unter sehr hohem Zeitdruck und mit geringem Budget gedreht haben. Er ist, wie ersichtlich, schon allein deshalb kein professioneller Film. Vielleicht will er das nicht sein.

    Was die Gesamtheit des Films betrifft, so hätte ihm sicher noch mehr hinzu gefügt werden können. Noch mehr in noch weniger Zeit. Es ist auch nicht jeder Kommentar - bspw. aus dem FB PhilGeist - mit aufgenommen worden.

    Gleichwohl ist eine effektive Mitbestimmung nicht zuletzt im FB PhilGeist gerade hinsichtlich grundsätzlicher Beschlüsse nur in sehr begrenztem bis nicht vorhandenem Maße gegeben. In einer kürzlichen Angelegenheit in selbigem FB habe ich mich sogar auf heikles Terrain begeben, als ich eine Maß gebend verantwortliche Person mehr oder weniger offen heraus gefordert hatte, weil ich mit einer doch ziemlich heiklen Sache überhaupt nicht einverstanden gewesen bin. Mensch hätte sehen müssen, wie offen und sehr diese Person dann plötzlich auf Macht gespielt und uns - die studentischen Gremien-Mitglieder - an die kurze, die ganz kurze Leine zu nehmen versucht hat. Mit diesem Unterfangen war diese Person am Ende jedoch gescheitert. Warum, darauf will ich hier auf Grund der heiklen Gemenge-Lage nicht näher eingehen.

    Was die FU-Gesamtebene betrifft: Ja, auch hier sind es wesentlich Professor/innen, die Dieter Lenzen die weit reichende Machtfülle zubilligen, die er besitzt. Der Akademische Senat kann nach Teilgrundordnung eben diese Grundordnung ändern. Er tut es jedoch nicht. Warum geschieht dies so? Weil, wie Dieter Lenzen in der AS-Sitzung des 27.05.09 abermals bekundet hat, die FU anders nicht mehr “steuerungsfähig” sei, sie längst nicht mehr hätte finanziert werden können, ja, weil es sie laut seiner Auffassung nach all den Berliner Kürzungsrunden sonst gar nicht mehr geben würde. Siehe hierzu auch nochmals mein Artikel hier ab dem Subtitel “Formalrecht ist irrelevant: Leitungsstrukturen ohne Detailregelungen sollen fort geführt werden”. Erinnre Dich weiter nicht zuletzt an den ebenfalls zur AS-Sitzung des 27.05.09 gestellten Antrag hier, der von der Professor/innen-Mehrheit im AS abgelehnt worden ist. Erinnre Dich weiter hieran. Daran, daß Vieles nur auf FU-Leitungsebene, Zentral-Leitung und Fachbereichsleitungen, besprochen wird. Lange, bevor es die übrigen FU- und Fachbereichs-, geschweige denn Instituts-Mitglieder erfahren - wenn sie es überhaupt erfahren. Und an viele weitere Beispiele. Der ganze - immer weiter umgesetzte - Geist und erklärte Anspruch von Erprobungsklausel und Teilgrundordnung ist die Stärkung der Leitungsebene - die sich bereits weit verselbständigt hat.

    Weiter auszugsweise:

    Du schreibst: Mathias Bartelt berichtet immer wieder von seinen Informationsquellen in der Philosophie… wir haben kein grundsätzliches Demokratieproblem an der FU, sondern ein Problem der Gepflogenheiten im gegenseitigen Umgang. Und das ist wechselseitig bedingt.
    –> Ich habe zu keinem Zeitpunkt, in keinem Artikel, in keinem Blog-Beitrag, noch nicht ein Mal im persönlichen Gespräch gesagt, behauptet oder impliziert, daß meine Quellen sich in der Philosophie befinden. Darüber hinaus aus dem Informationszugang Dank solchen Quellen auf die Möglichkeit zur effektiven Mitbestimmung zu schließen - so meine ich Deine Worte zu verstehen - halte ich nicht für zulässig. Weiter stelle ich stark in Frage, daß es kein grundsätzliches Demokratieproblem an der FU gebe - wenn selbst das Präsidium zugibt, daß es anders als ohne starke Leitung an der FU nicht gehe und diese Leitung immer offener, mithin immer unverschämter praktiziert. Diese Unverschämtheit zeigt sich nicht zuletzt an Hand der oben angesprochenen Kommissionen-Wahl und daß sich das Präsidium das Recht heraus nimmt, zu bestimmen, welche Studierenden dem (präsidialen) “Expertenprinzip” genügen würden und welche nicht. Dies Alles ist nachweislich bekannt und unwidersprochen.
    Dennoch stimme ich Dir abermals zu hinsichtlich der Gepflogenheiten, des Umgangs und der Gegenseitigkeit der bzw. des selben.

    Weiter: Überdies sind es nicht zuletzt die großen Massenuniversitäten, die in der Exzellenzinitiative bedacht wurden, und nicht kleine Unis wie Greifswald oder Jena. Dorthin werden nie die Massen gehen, wie im Gegendarstellungsfilm indirekt behauptet.
    –> Würde es nach Dieter Lenzen gehen - siehe nicht zuletzt die Hochschulvertrags-Debatte der vergangenen Monate -, wäre die FU längst keine “Massenuni” mehr. Sie würde zu dem, was Michael Hartmann zu Recht kritisiert: zu einer kleine(re)n “Elite”-Universität. Er hat zuletzt offen und öffentlich (dies ist auch im “Tagesspiegel” nachlesbar) gegenüber dem Berliner Wissenschaftssenator mit der Drohung gepokert, die Zulassungszahlen empfindlich zu senken. Diese Drohung war schon allein deshalb eine leere, weil, wie vorher klar war und dann von den Hochschulleitungen später selbst im “TSP” zugegeben wurde, der Wissenschaftssenator selbst die Zulassungszahlen fest setzen kann, ohne zwangsläufig die Hochschulen fragen zu müssen.
    Ich sage nicht, daß das zwangsläufig gut ist - nur, daß es der Fall ist. Ich sage gleichwohl: Mehr Studienplätze sind notwendig - bei gleichzeitiger Ausfinanzierung. Nichts Anderes wird seit Jahrzehnten gefordert und ist nahezu allen medial-politischen Verlautbarungen nach auch nur vernünftig. Bei nicht hinreichender Finanzierung jedoch sofort mit Studienplatzabbau zu drohen - nicht davor zu warnen, sondern wirklich eindeutig damit zu pokern -, ist m.E. unzulässig. Die “Massenuni” in dieser negativen Konnotation ist nur deshalb so negativ konnotiert, weil ihrer Ausfinanzierung, mehr Lehrkräften und mehr Gebäuden nicht Rechnung getragen wird. Nicht die Menge der Studierenden ist das Problem - sondern, wie sie sich verteilt, wie mit ihr umgegangen wird und wie nicht zuletzt die Betreuungsrelation ist.

    Und: Der Film verweist auf die Verwässerung der Bildung. Einerseits wird beklagt, dass zu viel Inhalte auf zu wenig Semester verkürzt wurden. Andererseits wird das Schmalspurstudium Bachelor an den Pranger gestellt.
    –> Zum Einen: Es ist zu viel Inhalt auf zu wenig zeitlichen Raum gepreßt worden. Zum Anderen: Der Inhalt an sich ist nicht das Problem. Und die Kritik am “Schmalspurstudium” bleibt berechtigt. Wie kommt eins zum Anderen? Ganz einfach: Indem die künstliche Hürde zum Masterzugang abgeschafft und der Master - oder wie immer der Abschluß am Ende genannt wird - zum Regelabschluß und der Bachelor - oder wie immer er am Ende genannt wird - zum Kann-Zwischenabschluß. Ist diese Bedingung gewährleistet, kann problemlos Inhalt aus dem Bachelor - oder, nochmals: wie immer er am Ende genannt wird - heraus genommen werden, weil er im Master belegt bzw. besucht werden kann. Gleiches gilt im entsprechend veränderten Verhältnis, wenn der Bachelor auf 7 oder 8 Semester verlängert wird. Dadurch muß der Master im Übrigen nicht zwangsläufig auf 2 Semester verkürzt werden, wenn die KMK-Vorgaben - wie die Kulturminister/innen am vergangenen Donnerstag selbst zugestanden - hinsichtlich der 6 + 4- bzw. 7 + 3- bzw. 8 + 2-Regelungen gelockert werden. Woher weiß ich das? Weil ich einer derjenigen 6 war, die am Donnerstag mit den Kultusminister/innen gesprochen haben. Ob sie es am Ende wirklich ernst meinen, wird sich noch zeigen. Sie haben jeden Falls - ob ehrlich gemeint oder nicht - diese Vorgabe als ein mögliches Problem zugestanden und identifiziert.

    Nun, jedenfalls sind laut Film unsere Kommilitonen Bachelor und Master unterworfen. Sie hätten keine Wahl. Sehr weise. Sie hatten auch keine Wahl, als es vorher Staatsexamen, Magister und Diplom gab. War das okay? Oder müsste in der Konsequenz die Freiheit herrschen, seinen Abschluss nennen zu wolle, wie er einem grad gefalle? Eine Unterwerfung übrigens, an der wohl die im Film auftretenden Professoren zumindest mitgearbeitet haben, denn die Strukturen und Inhalte der Bachelor-Studiengänge wurden an den Universitäten beschlossen.
    –> Richtig, die Studierenden der bisherigen Studiengänge hatten lange auch kaum eine Wahl. Und es waren nicht zuletzt eben diese, die sich lange für eine Verbesserung, für mehr Orientierung udm. im Studium eingesetzt haben. Aber das, was mit B.A. und M.A. dann plötzlich von “oben” im Hauruck-Verfahren aus Angst vor einer sich so dargestellt Jahrzehnte lang sperrenden “konservativen” Professor/innenschaft eingeführt wurde - das wollten die damaligen Studierenden nicht. Das muß dazu gesagt werden: Das Projekt Studienreform muß von den Studierenden zurück gewonnen werden. Und auch nicht alle - mithin nominellen - Ziele von “Bologna” oder dem, was hinein interpretiert worden ist, sind so grundsätzlich falsch. Das Ziel bspw., das Interesse der Lehrenden an den “Belehrten” und der Art der Lehre zu erhöhen, ist durchaus sinnvoll. Und es war nicht zuletzt dieses Ziel, das Studierende lange Zeit eingefordert hatten. Das macht - ich betone es - das, was nun eingeführt worden ist, jedoch noch nicht besser.
    Es wäre des Weiteren abseits der nunmehrigen Machtverhältnisse am OSI, den im Film beteiligten Professoren diese Art der verfehlten “Umsetzung” anzulasten. Es wäre auch daher falsch, da gerade das OSI doch so lange um sein Diplom gekämpft hat. Und auch dieses haben die 9 KMK-Minister/innen zugestanden: Mit “Bologna” ist - auch ihrerseits - nie beabsichtigt gewesen, auch international anerkannte, bewährte Studiengänge wie eben selbiges OSI-Diplom abzuschaffen. Es ist falsch, sich hierzu auf die KMK zu berufen. Es ist eine Erfindung von Berliner Wissenschaftssenator, derzeitigem Hochschulvertrag und FU-Leitung. Und selbst zur Interpretation dieses Hochschulvertrags hinsichtlich der Umstellung von Studiengängen ist noch nicht das letzte Wort gesprochen.

    Auf Drittmittel schimpfen die Filmemacher. Wo sich der Staat zurückziehe, müsse eben nicht unbedingt jemand anderes hinein. Wer dann aber gleichzeitig die finanzielle Situation der Uni beklagt, muss bedenken, dass jene “anderen” das Übel verringern. Drittmittel kommen überdies eben nicht nur aus der Wirtschaft, sondern zu weiten Teilen auch von der DFG. Die durchaus auch Grundlagenforschung finanziert. Die Anträge und Konzepte arbeiten die Professoren aus. Die Forschenden. Vielfach suchen sie sich ihre Partner.
    –> Was im “zweiten” Film auf Grund der ohnehin bereits großen Länge nicht vorkommt: Ich hatte im Interview selbst betont, daß viele Drittmittel von der DFG kommen. Zugleich bezweifle ich Deine Prämisse: Ist es denn überhaupt sinnvoll, daß sich der Staat aus der Hochschulfinanzierung zurück zieht?

    Wir haben unsere Möglichkeiten, ins Gespräch zu gehen, noch nicht ausgeschöpft. Durch die Bilder sehe ich mich nur darin bestätigt, denn ich würde nicht glauben, mit jemandem reden zu können, der mir “Hau ab!” entgegen ruft. Signalisierte Gesprächsbereitschaft sieht anders aus. Wirksamer ziviler Ungehorsam muss nicht beschimpfen und beschädigen. Ziviler Ungehorsam ist keine Gewalt.
    –> Hier stimme ich Dir vollkommen zu. An alle Anderen: Dies ist nicht so zu verstehen, als würde ich meinen, das FU-Präsidium sei der umgänglichste Gesprächspartner der Welt. Die diskussionsfeindliche (ja, -feindliche) Realität von Seiten des Präsidiums in KfL- und AS-Sitzungen bestätigt dies eines um’s andere Mal. Es geht um Macht. Das kann ganz nüchtern so fest gestellt werden. Das Präsidium übt sie effektiv aus und hat es im Zweifel nicht nötig, zu diskutieren. Dies demonstriert es immer wieder.

    Schließlich: stimme ich Dir zu, daß der “zweite” Film durchaus noch vielseitiger hätte werden können. Vielleicht würdest Du Dich an einem weiteren beteiligen?

    Mit den besten Grüßen

    Mathias

  2. Thomas

    “Und ist es nicht legitim, diesem Film in seiner evidenten Einseitigkeit etwas entgegen - oder hinzu - zu setzen?”

    Doch, ist es. Ich find den Film übrigens gar nicht so unprofessionell aufgemacht (nur zu lang, zu lang und abermals zu lang). Jedenfalls ist es legitim. Mein Kommentar richtet sich nicht grundsätzlich gegen den Versuch, sondern übt Kritik an bestimmten Inhalten.

    Du führst viele Punkte an, die ich im Wesentlichen unkommentiert stehen lassen werde. Gemeinsam ergibt sich ein Bild einer substanziellen Mehrdeutigkeit bestimmter Entwicklungen. Daraus können wir alle gemeinsam lernen, dass uns einfaches Schwarz-Weiß-Denken nur dazu verleitet, die wahre Komplexität zu überdecken.

    Zwei Anmerkungen zur Präzisierung nur explizit:

    “Weiter stelle ich stark in Frage, daß es kein grundsätzliches Demokratieproblem an der FU gebe - wenn selbst das Präsidium zugibt, daß es anders als ohne starke Leitung an der FU nicht gehe und diese Leitung immer offener, mithin immer unverschämter praktiziert.”

    Um mich hier zu präzisieren: Für mich ist das schon eine Frage der Gepflogenheiten. Ein grundsätzliches Demokratieproblem müsste ich in den Strukturen erkennen. Mit anderen, offeneren Personen an der Spitze würden die gleichen Strukturen aber effektive Mitbestimmung durchaus ermöglichen. Deswegen ist das für mich kein grundsätzliches Problem.

    “Ist es denn überhaupt sinnvoll, daß sich der Staat aus der Hochschulfinanzierung zurück zieht?”

    Nein, aber das kann man der Universität und ihrer Leitung nicht vorwerfen.

  3. Mathias Bartelt

    Zu diesem Wechsel:

    “Ist es denn überhaupt sinnvoll, daß sich der Staat aus der Hochschulfinanzierung zurück zieht?”

    Nein, aber das kann man der Universität und ihrer Leitung nicht vorwerfen.

    –> Hierzu in Kürze ein Auszug aus der neuesten Auslassung Dieter Lenzens:
    “Neue Fächer und Studiengänge entstehen im Dialog zwischen Arbeitsmarkt und Wissenschaft und nicht auf staatlichen Knopfdruck.”
    (Freie Sicht: Die Autonomie verteidigen)

    Mensch kann eine staatliche “Knopfdruck”-Politik kritisieren. Jedoch das Entstehen von Fächern und Studiengängen so sehr am Arbeitsmarkt fest zu machen - das macht doch ein weiteres Mal deutlich, welche Ausrichtung sich Dieter Lenzen wünscht. Eine verwirtschaftlichte Ausrichtung nach seinem Begriff von “Wirtschaft”. Und daher kann Dieter Lenzen der oben genannte Vorwurf mit gemacht werden.

    Besten Gruß

    Mathias

  4. Wolf Dermann

    Jedoch das Entstehen von Fächern und Studiengängen so sehr am Arbeitsmarkt fest zu machen - das macht doch ein weiteres Mal deutlich, welche Ausrichtung sich Dieter Lenzen wünscht. Eine verwirtschaftlichte Ausrichtung nach seinem Begriff von “Wirtschaft”.

    Also wenn Lenzens Begriff von Wirtschaft zu dem Begriff Arbeitsmarkt passt, dann ist für Dich doch alles in Butter: Der Begriff Arbeitsmarkt umfasst nämlich nicht nur die Stellen der Privatwirtschaftschaft, wie der des Buchhändlers in den “Schwarzen Rissen”, sondern auch und in Berlin zuvorderst die Stellen im Öffentlichen Dienst oder bei den nur der Rechtsform nach privatisierten öffentlichen Arbeitgebern wie der Bahn. Allein unsere eigene Charité ist größer als Siemens Berlin. Wenn sich Lenzen nach Privat- und Staatswirtschaft (im Dialog mit der Wissenschaft) ausrichtet, wo ist dann Dein Problem?

    Die Vorsichtsmaßnahme zu gucken, ob Absolventen eines Faches bei einen dieser Arbeitgeber unterkommen könnten ist aber gar nicht notwendig. Die Akademikerarbeitslosigkeit liegt bei nur gut 3%, und da sind Philosophen und Literaturwissenschaftler auch schon alle drin, sowie die den Großteil ausmachenden Übergangsarbeitslosen zwischen zwei Jobs. Wir kommen also fächerunabhängig praktisch alle unter. Arbeitsmarkttrends abzuschätzen klappt ohnehin nie, also können wir sie auch ignorieren, wie alle Präsidiumsmitglieder ja auch selber wissen.

  5. Philipp B.

    Du schreibst: Dann geht es gegen die “Präsidialdiktatur” und um die Ironie, dass die FU sich in ihrem Image-Film auf die Demokratie beruft. Ironisch sei das angesichts der Tatsache, dass sie im Grunde beständig beschränkt würde. Nun, es gibt Gegenbeispiele dafür: Der Fachbereich Wirtschaft arbeitet gerade in diesen Zeiten eng verbunden zwischen Professoren und Studierenden an besseren Studienbedingungen. Vom (aus Sauberkeitsgründen unsinnigerweise verhängten) Verbot von Flyern und Plakaten mal abgesehen, wird die Mitbestimmung der Studierenden dadurch im Grunde gefördert.
    Eng verbunden aber auch nur soweit, bis man an dem Punkt angelangt ist, wo einfach das Geld fehlt. Dann sind wir sehr wohl wieder bei der Präsidialdiktatur, da hier die Prioritäten eben anders gesetzt werden und der FB dann letzlich gar nicht mehr anders handeln kann.
    Du schreibst Der Film verweist auf die Verwässerung der Bildung. Einerseits wird beklagt, dass zu viel Inhalte auf zu wenig Semester verkürzt wurden. Andererseits wird das Schmalspurstudium Bachelor an den Pranger gestellt. Die Leute würden einem Verdummungsprozess unterzogen, sie würden mit Halbbildung abgehen. Diese Sicht kann nicht wirklich die der Filmenden sein, ich glaube das nicht. Wir müssten uns sonst fragen, was wir vom Bildungsniveau unserer Mitmenschen halten, die an Fachhochschulen studieren, oder von denen, die nach dem Abitur eine Ausbildung gemacht haben. Maßen wir uns die Arroganz an, ihnen ihre Bildung abzusprechen? Nein, maßen wir uns nicht. Maßen wir uns also auch nicht an, den weitergehenden Abschluss dann als Halbbildung und Verdummung zu bezeichnen.
    Das hat nicht damit zu tun, dass man sich “anmaßt”, mehr Geld auf Kosten anderer zu fordern, sondern auch hier sind wir zur Erkenntnis gekommen, dass man gemeinsam mehr erreichen kann - daher auch die weitergehenden “gesellschaftlichen” Forderungen. Es geht hier im Gegensatz dazu um eine strukturelle Umgestaltung von Bachelor zurück zum Diplom (bzw. um eine grundlegende Umgestaltung des BA). Wenn du sagst, du hattest in deinem Studium nie Probleme mit Konkurrenz, dann lag das möglicherweise daran, dass du kein Bachelor bist. Eine Wahl hatten wir als Diplomer im Übrigen zwar auch nicht, aber würdest du stattdessen den Bachelor wählen?

  6. ronny

    Apropos “signalisierte Gesprächsbereitschaft sieht anders aus”: Wie meinte Lenzen im FURIOS-Interview?: “Wir diskutieren eben nicht mit Funktionären.” So sieht Gesprächsbereitschaft aus - wenn der Präsident nicht mal mit den eigenen Studierenden reden will.

  7. FURIOS Online - Total abgedreht

    […] Beiträge zum Thema im Blog der LHG und bei der UnAuf der HU. 2. Juli 2009, […]

  8. Lusy

    Einige Punkte auch von mir…

    1)Demokratieproblem hat man überall, wo Gremien statt paritetisch nach dem Schema 50%+1 besetzt sind…

    2)”Bachelor und Master unterworfen” sollte eher heißen, dass die Menschen in einem nicht unbedingt optimal und sinnvoll umgesetzten System stecken, wo sie keine weitere Alternative haben. Natürlich steckten die auch früher in den entsprechenden Studiengängen. Bachelor und Master sollen wir nicht putschen sondern sinnvoll umgestalten.

    3) Kritik wird geäußert an Studierenden, die das System, ihre Umgebung, … nicht hinterfragen. sich zu fragen:”wieso läuft alles in der weise, in der es läuft? kann alles besser werden? kann ich daran mitwirken” ist nicht wirklich elitaer, sondern Recht und Fähigkeit von jedem_r

    4)Drittmittel gehen in die Forschung, jawohl. Wo bleibt die Lehre?

    5)”Haut ab” bei der Präsidiumsbesetzung war gegenüber der Polizei gerichtet, nicht gegen die Unileitung, die übrigens keine ernsthaften und sinnvollen Gesprächsmöglichkeiten angeboten hat.

    ps der film ist von leuten entworfen worden, die keine tausende von euro dafuer ausgegeben haben. gegendarstellung. eine andere sichtweise. man muss sich mal auch die kehrseite der medalie angucken

    ps2 der Otto-Normal-Student, der keinen 40-minutigen-Film guckt, liest mit Sicherheit auch deinen Megabeitrag nicht

    ps3 so einfach schwarz-weiß ist leider alles nicht. leben halt. konstruktive kritik gegeneinanderäußern bringt maybe was…

    mfg

  9. Thomas

    Zu (1): Mag sein. Mag nicht sein. Auch eine paritätische Besetzung könnte in bestimmten Konstellationen problematisch sein.

    Zu (2): Okay. Wird leider immer mal so kommuniziert, dass dieser Eindruck entstehen könnte.

    Zu (3): Okay. Akzeptieren wir es, wenn Leute sich im Zuge dieser Kritik für den Zustand entscheiden?

    Zu (4): Mehr Drittmittel, mehr Mitarbeiter, mehr Lehrkapazität. Mehr Drittmittel, mehr Forschungsleistung, mehr Aufmerksamkeit durch Politiker, mehr Professorenstellen, mehr Lehrkapazität.

    Zu (5): Okay. Im Film wird’s im Gebäude gerufen, Polizisten sind nicht zu sehen, nur Mitarbeiter der Verwaltung.

    Zu PS: Okay. Weiß ich zu würdigen, sollte auch aus meinem Beitrag hervorgehen. Ich teile halt nur die Aussagen nur bedingt.

    Zu PS2: Ja. Stimmt. Der Otto-Normal-Student geht nicht mal auf diesen Blog. Oder irgendeinen der anderen.

    Zu PS3: Okay. Mache ich gerne mit.

  10. Drittmittel

    Punkt 4:

    Drittmittel werde für bestimmte Forschungsprojekte vergeben. Die Gelder werden vor allem für Stellen im Rahmen dieser Projekts vergeben. Dadurch entstehen erstmal keine direkten Lehrkapazitäten in Form von Dozenten oder Prof.. Es werden höchstens mehr Lernkapazitäten geschaffen, da es eventuell mehr Stellen für Wissenschaftliche Mitarbeiter gibt. Stellt sich die Frage in wie weit der normale Studierende davon profitiert. Generell halte ich deine Kausalketten für zu einfach gedacht.

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