Im StuPa nichts Neues: Bericht von der Sitzung am 30.10.09
Kristina KaempferStuPa Kommentar schreibenLetzten Freitagnachmittag “tagte” (StuPa-Sitzungen finden leider nicht regelmäßig, sondern nur alle paar Jubelmonate statt) wieder einmal das Studentenparlament.
Nach Eröffnung und Begrüßung, Genehmigung der Tagesordnung, Genehmigung des Protokolls der letzten StuPa-Sitzung vom 16. Juli (!) und der Aktuellen Viertelstunde, wurde der studentische Wahlvorstand gewählt. 2 Listen standen zur Wahl; Liste 1 bekam 37 Stimmen und Liste 2 wurde von 9 StuPa-Mitgliedern gewählt. Somit stellt Liste 1 die ersten vier Sitze des Wahlvorstandes (Oliver Kulikowski, Catalina Köner, Armin Schmidt und Carsten Hoffmann) und Liste 2 den fünften Sitz (Isabelle Vandré).
Als TOP 5 und 6 stand der Bericht und die Genehmigung des Haushaltsplanes an. Wieder einmal bestach dieser durch klare und glatte Zahlen; ganz einfach konnte selbst der gemeine Student nachrechnen, wie der AStA ohne Verluste oder Überschüsse haushaltet (sehr realitätsnah, wird sich der Volks/Betriebswirtschaftler jetzt denken). Weniger realitätsnah (und höchst unwillig) wurde jedoch auf Nachfragen der Studierendenschaft eingegangen, mehrmals antwortete das Finanzreferat auf kritische Nachfragen mit einem (durchaus in arg kindischer Manier) “Eigentlich müssen wir hier überhaupt nichts genau auflisten, wir könnten auch einfach eine Ausgaben- und Einnahmenspalte geben, das war’s!”. Mit diesem Verständnis von Basisdemokratie ist die momentan laufende Urabstimmung gegen den “undemokratischen” FU-Präsidenten Lenzen absolut nicht verwunderlich - ob sich der AStA hierbei von Lenzen etwas abschauen und mit ihm gemeinsame Taktiken zur Verschleierung von Kosten und Demokratie besprechen möchte, ist uns noch unklar. Wir informieren euch bei Hinweisen! Um jedoch einige Schmankerl des Haushaltsplanes zu nennen: Warum 3000 Euro für Gerichtskosten und 5000 Euro das AStA-Fahrzeug ausgegeben wurden, bleibt undurchschaubar, genauso wer/wohin/wie besagtes Auto fährt und für wen/weswegen zu Gericht gezogen wurde. Stattdessen warf man einen halbherzig ironischen Antrag in den Raum, besagten kritischen Stimmen das Nutzen dieses Autos zu unterbinden (das wir bisher nichts von besagtem Auto wussten und uns die Nutzung sowieso nie zur Verfügung stand, sei kurz erwähnt). Ungenaue Kostenrechnung zeigte also mal wieder den fehlenden Wille zur Transparenz, aber in Zeiten von Finanzkrise denkt sich der AStA wahrscheinlich, dass die ihm zur Verfügung stehenden 682 500 Euro (!!!) nur ein lapidares Sümmchen angesichts von Konjunktur- und Finanzpaketen darstellen (Randbemerkung: wir hätten übrigens einige sinnvolle Ideen zur Verwendung solch einer Summe, von der nicht zuletzt die Studierendenschaft unserer Meinung nach durchaus etwas sehen sollte). Neben der LHG, RCDS, Liste gegen Bachelor und JuSos protestierte auch die Grüne Hochschulgruppe heftig gegen einen solchen Haushaltsplan und stellte mit ihrem Änderungsantrag einen kläglichen Versuch, zumindest bei der Verwendung von Summen über (!) 5000 Euro das StuPa darüber abstimmen zu lassen. Dass der AStA über Beträge unterhalb der 5000 Euro weiterhin frei verfügen dürfte, war scheinbar wahnsinnig “realitätsfern” und würde die “Dynamik der Studierendeschaft” hemmen. Das besagter Antrag lediglich Verbindlichkeiten und Transparenz schaffen sollte, wurde übergangen. Ein Schelm, welcher wagt, dem AStA Verbindlichkeiten aufzudrücken und den Umgang mit Geld zu lehren! Auch das Argument von Arndt (GHG), dass die Studierenden wissen müssen, was mit ihrem Geld passiert, blieb unberücksichtigt. Der Antrag wurde mit 28-NEIN- zu 20-JA-Stimmen und zwei Enthaltungen abgelehnt. Der Haushalt wurde, nach heftiger Debatte, mit 31-JA zu 15-NEIN-Stimmen und sechs Enthaltungen genehmigt. (Falls ihr euch tatsächlich fragt, wohin euer Geld fließt, verweisen wir gerne darauf: www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/FU-Asta;art304,2905929)
Da John (revolutionäre Liste) eher gehen musste, wurden die TOP 11 und 12 vorgezogen. Die Resolution zur Solidaritätsbekennung mit den Besetzern in Wien wurde mit 5 Enthaltungen angenommen. TOP 12 behandelte die am 21. Oktober verabschiedete Resolution zur Solidarität mit den streikenden ReinigerInnen.
Danach ging es zurück zu TOP 7, die angestrebte Satzungsänderung durch die GHG und die Einrichtung eines Vetorechts für Frauen. Nach heftiger Debatte über Sinn und Unsinn einer solchen Änderung (die Debatte im StuPa war zäh und lang, geprägt vom “herrschenden Männerfeindbild” über hohles Gelächter, nachdem ein StuPa-Mitglied Männerdiskriminierung darin zu entdecken vermochte; im StuPa dürfen nämlich nur Frauen, People of Color, Schwule, Lesben, Trans, Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung etc. diskriminiert werden) wurde die Abstimmung darüber vertagt. Die Liste der dikrimierten Personen sei mit “etc.” nicht eindeutig festgelegt, eine dahinter steckende Diskriminierung des männlichen Geschlechts wurde ignoriert (die Äußerung dieser Tatsache durch ein weibliches StuPa-Mitglied auch).
Da nach vier Stunden StuPa-Sitzung leider noch immer drei TOPs offen waren (Bericht des Semesterticketbeauftragten, Bericht des studentischen Mitglieds im Verwaltungsrat des Studentenwerks und der Finanzantrag FSI PuK), war es uns aufgrund terminlicher Verpflichtungen leider nicht möglich, der StuPa-Sitzung bis zum Ende beizuwohnen. Wir bitten, dies zu entschuldigen und planen bei der nächsten StuPa-Sitzung einen Zeitrahmen von 6h+ ein. Zur Stärkung innert solch horrend langer Sitzungen stellt der AStA und die Sitzungsleitung uns ja immer etliche Kasten Sternburger bereit (zumindest ein Verwendungszweck unserer Studierendengelder, der offensichtlich ist).
Anwesende Mitglieder des Campusmagazins Furios wurden übrigens während der Sitzung mehrmals ermahnt und zurecht gewiesen: geradezu elitär und auf ihre Anonymität als Studierendenvertreter waren AStA und StuPa-Leitung darauf bedacht, keine Bilder von sich und ihrer Arbeit nach außen zu tragen. Welches Verständnis von Presse- und Meinungsfreiheit dahinter steht, ist offensichtlich und bedarf keiner weiteren Erklärung.
3. November 2009 at 14:57
Vielleicht solltet ihr mal darüber nachdenken, dass sich die StuPa-Sitzung möglicherweise deswegen so in die Länge gezogen hat, da die Opposition sich wieder einmal genüsslich auf den (im Übrigen wasserdichten) AStA-Haushalt stürzen musste?! Es ist typisch, dass ihr dem AStA bei jedem Posten gleich wieder Mauschelei unterstellt. Das AStA-Fahrzeug wurde, um nur ein Beispiel zu nennen, für die Ersti-Fahrt am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft genutzt. Auch einen finanziellen Zuschuss war dem AStA die Fahrt Wert. Wenn dies für euch also nicht Beispiel genug für Unterstützung studentischer Aktivitäten durch den AStA sein sollte, dann bin ich gepannt auf eure Ideen. Vielleicht würdet ihr ja wie der damalige RCDS-AStA an der TU eine Absenkung des Semestergebühren-Beitrags von knapp 10 auf annährend 0 € unterstützen - Dann hätte tatsächlich jeder Studierende ein paar Euro mehr in der Tasche.. Alkohol - wie ihr an anderer Stelle in eurem Blogeintrag erwähnt habt - finanziert im Übrigen ganz sicher nicht der AStA selbst von Studierendengeldern. Die unglückliche Vergabe der Bürgschaften weiterhin (siehe Tagesspiegel-Artikel) liegt bereits einige Jahrzehnte zurück. Damals wurden nicht nur vom FU-AStA noch Bürgschaften vergeben. Dass an der FU ein solch horrender Verlust zu beklagen ist, hat hier eher etwas mit viel Pech zu tun. Diese Verluste vermutlich wohlwissend nun dem derzeitigen AStA vorzuwerfen, ist demokratisch für meine Begriffe ebenfalls nicht lupenrein. Das die AStA-tragenden Gruppen keine Lust haben, sich von einem sexistischen, neoliberalen Propagandablatt ablichten zu lassen, um Stoff für ein paar zynische Furious-Artikel zu bieten, finde ich desweiteren durchaus verständlich.
3. November 2009 at 15:20
der artikel ist unter aller sau.
1.) es handelte sich um den haushaltsplan 2010/11. dass es da weder verluste noch überschüsse gibt ist logisch, schließlich ist es eine kalkulation.
2.) das finanzreferat merkte an, dass die haushaltsprüfung anmerkte, dass ein- und ausgaben bei einem solch kleinen haushalt vollkommen ausreichen würde. dass die aussagen teilweise etwas pampig wirkten, lag wohl eher daran, dass die fragen nur zeigten, dass die fragenden sich vorher noch nicht mit dem haushaltsplan auseinandergesetzt hatten, bzw. so speziell waren, dass sie nicht sofort beantwortet werden konnten. die grüne hochschulgruppe hat detailfragen bereits vorher gestellt, somit konnten diese auch ausreichend beantwortet werden.
3.) der verweis auf den tagesspiegelartikel ist wohl ein witz. hättet ihr im stupa etwas aufgepasst, würdet ihr wissen, dass es sich um bürgschaften handelt die allesamt vor 1996 vergeben wurden und auf die heutigen haushalte überhaupt keine auswirkungen haben.
4.) john ist nicht fsi-nah, er ist von der revolutionären liste. die gruppe revolution hat weder etwas mit dem asta, noch mit fsi´n zu tun. wenn man darin unterteilen möchte, könnten man sagen sie ist eine oppositionsliste.
5.) die bereitgestellten kästen sternburger (sowie mate, bionade, knabberzeugs) hab ich privat bereitgestellt gegen spende (darum stand auch eine tasse auf dem tisch wo die kohle reinkommt). wenn ihr ein problem mit der nettigkeit habt, dass sich menschen um etwas verpflegung für alle kümmern, könnt ihr mich auch gern persönlich kontaktieren.
6.) dass etliche menschen keine lust haben ihre fotos neben artikeln wie “ein rudel titten in dahlem” oder darstellungen von reaktionären professoren als freiheitskämpfer gegen die 68er zu finden, find ich nur verständlich. daher auch der wunsch nicht fotographiert zu werden.
liebe lhg. der artikel strotzt nur so vor inhaltlichen fehlern (wie auch schon der über die urabstimmung. indem ihr hier wiederholt, dass der asta daran beteiligt sein soll, wird die aussage nicht richtiger. bitte informiert euch an entsprechender stelle). tut euch selbst einen gefallen und überarbeitet ihn nochmal.
dieser blog hat mittlerweile nichts mehr mit kritik zu tun, sondern zeugt von unverständnis und gewollten falschaussagen.
3. November 2009 at 18:01
Ein von Fehlern strotzender Artikel? Dann doch einige Punkte der Gegenkritik, Falko:
1.) Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, haushaltet der AStA schon seit Jahren in absolut unverschämter und undurchschaubarer Weise - die Kritik bezog sich hierbei somit nicht nur auf den kommenden Haushalt (wie der aussehen wird, ist aus der Erfahrung der letzten Jahre nämlich schon klar).
2.) Definitionsfrage - einen Haushalt im Umfang von über einen halben Million Euro würde ich nicht als klein bezeichnen. Gegenüber den Studierenden und ihren Beiträgen ist es nur fair, aufzuschlüsseln, wohin ihr Geld fließt und für was es ausgegeben wird. Bei anderen Leuten wie Lenzen rummotzen, dass sie undurchsichtig und undemokratisch handeln, und selber nicht mal das Grundverständnis aufweisen, um Transparenz zu gewährleisten!
3.) Und nur weil vor zehn Jahren das Geld im Maße von hunderttausenden Euro verschleudert wurde, ist es heute keiner Erwähnung mehr wert? Der Punkt ist auch gar nicht, in welchen Haushalt dieses Geld geflossen ist, sondern dass solch horrende Summen einfach verloren gehen und die Studierendenschaft dabei übergangen wird!
4.) Geändert.
5.) Ob ich dir jetzt das Stilmittel der Ironie nahe lege, ist wohl eh egal. Eher wollte ich darauf hinweisen, wie StuPa-Sitzungen eigentlich gestaltet sind. Eine Erstsemesterin, die von der Uni Hamburg kommt und am Freitag zum ersten Mal im StuPa gewesen ist, war nicht minder geschockt darüber. Meiner Meinung nach hat Alkohol bei einer studentischen Gremiensitzung einfach nichts zu suchen.
6.) Die Furios hat mehrmals darauf hingewiesen, dass die Personen, die fotografiert werden, vorher um Erlaubnis gefragt wurden. Allerdings wundert es mich nicht, wenn ihr mit Kritik in keiner Art und Weise umgehen könnt, was man nicht zuletzt an deinem “kritischen” Kommentar erkennen kann. Was bei euch Unverständnis und gewollte Falschaussagen sind, stellt sich für uns gegenteilig dar - und wahrscheinlich sieht es so für uns auf eurer Seite genauso aus.
(Die Frage ist wohl auch eher nicht, wer für wen jetzt welche Urabstimmung organisiert, sondern wie undemokratisch der AStA ist. Darum sollte sich die Studierendenschaft mindestens genauso kümmern wie um einen Präsidenten Lenzen , der in ihren Augen der falsche für eine solche Position ist. Wenn du das nicht verstanden hast, bitte ich um Entschuldigung. Dass unsere Meinung da sowieso anders ist, haben wir aber auch schon in einem anderen Blogeintrag geäußert.)
3. November 2009 at 19:44
Wieso soll der AStA undemokratisch sein??? Du stützt deine Argumentation gegen den derzeitigen AStA hier
- auf deine (!!!) Erfahrungen aus der Vergangenheit (!!!) (Punkt 1)
- auf eine falsche (!!!) Kritik (Punkt 2; lies dir die Antwort von Falko zu Punkt 2 doch nochmal etwas genauer durch..)
- auf die Politik des AStA der FU von vor einigen Jahrzehnten (!!!), welcher nichts, aber auch gar nichts mit unserem derzeitigen AStA zu tun hat (Punkt 3)
- auf Kritik an privat (!!!) bereitgestellten Getränken (Punkt 5)
und dann verteidigst du auch noch die Furious, welche nichts mit politisch oder in irgendeiner anderen Form seriöser Berichterstattung zu tun hat.
Wenn du schon so argumentierst, dann bring doch bitte wenigstens ein ernstzunehmendes Argument. Sonst bewegst du dich hier auf einer ähnlichen argumentativen Ebene wie die Furious.
4. November 2009 at 23:59
ach, vielleicht noch ein wörtchen zu den gerichtskosten: da hat der AStA die musterklage einer studentin in einem auslaufenden studiengang unterstützt, um zu verhindern dass sie und ihre kommiliton_innen vorzeitig von unserer superduper bologna-begeisterten uni rausgeworfen werden.
aber klar, das ist wahrscheinlich in euren augen keine aufgabe einer studierendenvertretung. darunter fallen vermutlich eher so dinge wie sie der AStA lüneburg vor einigen jahren gemacht hat: hochglanz-rabattmarkenheftchen für studierende drucken lassen, damit die bei burger king nur noch 2,30€ statt 2,50€ für ‘nen burger bezahlen. DAS ist doch mal engagement!
[/ironie aus]
5. November 2009 at 11:55
“das ist wahrscheinlich in euren augen keine aufgabe einer studierendenvertretung” wieso sollte man der Meinung sein, dies sei keine solche Aufgabe? Viel interessanter bzw. unverständlicher ist doch, warum daß offenbar in der Sitzung nicht gesagt werden konnte?
5. November 2009 at 13:21
Ich will nur mal ergänzen, dass die LHG von dem Auto schon wusste. Das steht ja jährlich im Haushaltsplan. 5.000,- € halte ich, bei einem derart alten Auto, auch für einen sinnvollen Reparatur- und Unterhaltsaufwand.
Bier auf einer solchen Sitzung ist allerdings fragwürdig. Aber auch hier müssen wir uns, moderierend, fragen, auf wie vielen Gemeinderatssitzungen in deutschen Rathäusern das nicht ganz genauso läuft? Bier an sich finde ich deshalb nicht so schlimm. Das “Wie” ist aber noch eine andere Frage und zu meiner Zeit gewann ich zuweilen den Eindruck, das Bier diene vorrangig der Diskreditierung der Sitzungskultur.
Die Frage nach Demokratie und Transparenz des AStAs wird spätestens dann wieder gestellt werden können, wenn der Haushaltsvorstand erneut ohne Mitglied der Opposition aufgestellt wird. Das Thema an sich (also Transparenz und Mitbestimmug) ist doch auch koalitionsintern nicht ganz unumstritten, wie sich das zuweilen diversen Verteilern entnehmen lässt. Die Transparenz des StuPas selbst scheitert nach wie vor auch daran, dass Studenten auf der Webseite des StuPas keine Informationen finden, wer sie dort vertritt oder was besprochen wird. Auf der Webseite des Wahlvorstands ist das Ergebnis von 2009 übrigens auch nicht korrekt verlinkt.
Wie begründet sich in einem StuPa, in dem 34 von 60 Mitgliedern weiblich sind, ein Veto-Recht für diese Gruppe?
5. November 2009 at 16:45
Schon mal an die Kampagne “Not my Asta” gedacht?
6. November 2009 at 12:36
“Nach heftiger Debatte über Sinn und Unsinn einer solchen Änderung (die Debatte im StuPa war zäh und lang, geprägt vom ‘herrschenden Männerfeindbild’ über hohles Gelächter, nachdem ein StuPa-Mitglied Männerdiskriminierung darin zu entdecken vermochte; im StuPa dürfen nämlich nur Frauen, People of Color, Schwule, Lesben, Trans, Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung etc. diskriminiert werden) wurde die Abstimmung darüber vertagt. Die Liste der dikrimierten Personen sei mit “etc.” nicht eindeutig festgelegt, eine dahinter steckende Diskriminierung des männlichen Geschlechts wurde ignoriert (die Äußerung dieser Tatsache durch ein weibliches StuPa-Mitglied auch).”
Wir begeben uns in die Sphäre der Realitätsferne. Eine Sphäre, in der Männer unter aller Augen wegen ihres Geschlechts diskriminiert werden. Und schaut, in der Veterinärmedizin gibt es nur eine handvoll von ihnen! Die andere handvoll klebt an ihren Sitzen in Prüfungsausschuss und anderen Gremien! (Zur Info: Tatsächlich kommen von den Studis, die die Frauen- und Hochschulberatung des AStA FU aufsuchen, viele, die sich mit Sexismus konfrontiert sehen, aus der VetMedizin.)
Als die Studierendenvertretung der VetMedizin während der StuPa-Sitzung allen Ernstes behauptete, daß “ihre” Männer in diesem Studiengang regelrecht gepflegt werden müssten, konnte einem schon die Galle hochkommen. Männer, diskriminiert. Ein Skandal.
Männer genießen alle erdenklichen strukturellen Vorteile in der Gesellschaft, auch in der Uni. Es sind - auch im StuPa - allermeistens Männer, die reden wann und wie es ihnen passt, vollkommen ungeachtet einer Redeliste. Es sind auch allermeistens Männer, die in Seminaren rumcheckern, um 2-Seiten-Zitate aus der Phänomenologie des Geistes auswendig aufzusagen oder sich über ihre weiblichen Mitstudierenden lustigzumachen oder sie paternalistisch zurechtzuweisen. Den Einwand, der jetzt gleich kommt, nehme ich gleich vorweg: Natürlich haben LHG-Mitglieder davon noch nie etwas mitbekommen. Bei ihnen laufen Seminare harmonisch, es gibt einen ausgewogenen Redeanteil und Männer reflektieren kritisch ihre Privilegien in dieser patriarchal-hierarchischen Gesellschaft.
Liebe LHG, liebe Kristina, es gibt marginalisierte Gruppen, die in jeder Lebenslage auf das Wohlwollen eben von Männern angewiesen sind. Egal ob als offen lebende_r Lesbe oder Schwuler, Trans*mensch, als Frau, als Schwarze/PoC, Intersexuelle_r oder Polittunte. Letztere, ehem. Mitglieder des AStA-Schwulenreferats, wurden vor einigen Jahren übrigens am Rosenthaler Platz von Männern krankenhausreif geschlagen, weil sie so gar nicht in ihr männliches Weltbild passten.
Auch an der Uni nutzen Männer ihre Position aus. So durfte ich mir in einem Kunstgeschichtsseminar von einem Prof schon anhören, daß “hier heute kein Karneval [sei]” und sich der Kommilitone, der Make-up und Nagellack trug, sich ja auch “normal” ins Seminar begeben hätte können.
Das setzt sich fort, wenn bei der Exkursion auf die rollstuhlfahrende Frau keine Rücksicht genommen werden kann, weil sie “zu langsam” ist, wenn in Seminaren und Vorlesungen rassistische Bezeichnungen fallen, wenn es sog. “ausländischen” Studierenden stark erschwert wird, sich an dieser Uni einschreiben zu können - die Liste ließe sich noch lang fortführen. Auch hier sind es allermeistens Männer, die wort- und tatführend sind. (Wobei z.B. der rassistische Konsens selbstverständlich nicht geschlechterspezifisch ist, sondern weiß.)
Von den gesamtgesellschaftlichen Diskriminierungen z.B. von Frauen (Grenzüberschreitung [”Sie wollte es doch auch”, “Sie hat ja nicht nein gesagt”], Vergewaltigung [in der Ehe/Beziehung und im Park, Club, Parkhaus, …] etc.) oder Trans*menschen (”Der sieht ja gar nicht wie ‘ne richtige Frau aus”, “Warum verkleidet die sich denn?”) und so weiter und so fort brauche ich hier hoffentlich niemandem was erzählen. Aber Kristina, erzähle du mir doch bitte mal, wo an der Uni, wo in der Gesellschaft MÄNNER strukturell diskriminiert werden.
In gespannter Erwartung,
Ronny
PS: Bringt doch bitte wieder etwas mehr Ronny-Patz-Niveau ins LHG-Blog. Danke.
6. November 2009 at 15:32
Lieber Ronny,
in geradezu entspannter Erwartung vermag ich dir doch zu antworten:
Du schreibst davon, dass Männer nirgends und niemals diskrimiert werden, und schreibst zugleich von ehemaligen Mitgliedern des Schwulenreferats (ich nehme an, dass Männer in diese Gruppe eingeschlossen sind?) die aufgrund von ihrer Erscheinung und scheinbar nicht passenden Platzierung in ein männliches Weltbild passen, zusammengeschlagen wurden? Ä-ha, wenn hier nicht die Diskriminierung (meiner Meinung zählt Gewalt in die Kategorie der Diskrimierung) gegen Männer offensichtlich ist, wo dann? Oder zählen zu Männern keine schwulen, sondern nur heterosexuelle? Für mich zählt da jeder gleich, unabhängig von sexueller Orientierung.
Ich weiß nicht, ob du dir schonmal die Frage gestellt hast, aber vielleicht ist diese ganze Genderfrage durchaus etwas tiefgreifender. Tagtäglich höre ich von Kommilitonen und Kommiltoninnen genervtes Aufstöhnen, sobald das Wort Gender den Raum betritt und Gender-Seminare werden zunehmend als lästig empfunden. Woran das wohl liegt? Wenn du dich ernsthaft der einfachen Antwort hingibst, dass dies daran liegt, dass wir Gender nicht ernst nehmen, dann liegst du vollkommen falsch. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die ganze Sache ist nämlich, jaja, das sagen wir als LHG oft, etwas komplexer. Menschen, die mir als Frau erzählen wollen, dass ich jedes Wort “gendern” muss, um der Gleichberechtigung ein Stück näher zu kommen, und “mensch” anstatt “man” sagen soll, kann ich nur kopfschüttelnd entgegen treten. Diskriminierung und Sexismus fängt weder bei grammatikalischen Formen an, noch hört beides da auf. Ich weiß nicht, ob das jenen, die polemisch und als ernsthaften Redebeitrag ein Wort gendern wollen, anstatt über Inhalte reden zu wollen, in den Sinn gekommen ist.
Denn denke bitte über deine Sätze nach: “Es sind - auch im StuPa - allermeistens Männer, die reden wann und wie es ihnen passt, vollkommen ungeachtet einer Redeliste. Es sind auch allermeistens Männer, die in Seminaren rumcheckern, um 2-Seiten-Zitate aus der Phänomenologie des Geistes auswendig aufzusagen oder sich über ihre weiblichen Mitstudierenden lustigzumachen oder sie paternalistisch zurechtzuweisen.” Lieber Ronny, in allen Ehren, so sehr du dich dich und deine männlichen Genossen degradierst: In einer Gruppe wie der LHG, wo der Frauenanteil ziemlich gering ist, bin ich nicht minder zurückhaltend in meinen Verhalten, nein, auch ich rede, ohne auf der Redeliste zu stehen. Eher selten lasse ich mich von meinen männlichen Kommilitonen zurückweisen und eigentlich nie lasse ich mir das gefallen. So bitte ich dich doch, mir alleine zu überlassen, inwiefern und wann ich mich diskriminiert fühle. (Übrigens setzen wir, im Gegensatz zu euch, öfters mal die rosarote (die Auswahl der Farbe erfolgte eher beiläufig und ohne genderpolitischen Hintergrund) Brille ab. Harmonische Seminare erlebe ich eher selten, das mag meiner Meinung nach aber im ausgewogenen Verhältnis an Dozenten und Studierenden liegen. Szenen des letzten Semester bzw. Redebeiträge einiger Kommilitoninnen in Seminaren nerven mich genauso wie Anwesenheitslisten von Dozenten. Dass die Uni ein in Watte gehüllter Ort voller Meinungsfreiheit und perfekten Studierendenbedingungen ist, behaupten wir nicht. Bitte verurteilt uns nur nicht dafür, dass wir andere Möglichkeiten nutzen, die Situation zu verbessern und zu ändern.)
Ich hoffe, dass du nicht der Illusion hingiebst, dass ich einem männerliebenden Weltbild nachjage und jegliche Diskriminierung von Frauen sowie Randgruppen bejubele. Eher das konkrete Gegenteil ist der Fall, da ich mich persönlich gegen jegliche Diskriminierung aufgrund von dem äußeren Erscheinen, Sexualität usw., aber auch eben Geschlecht wehre. (Und da ich mich ja ein bisschen mit meinem Geschlecht auskenne: süße, kleine, schüchterne Mädchen rennen da auch nicht nur die ganze Zeit rum. Aus persönlicher Erfahrung kenne ich genug Mädchen, die mindestens so gewältigtätig und aufdringlich wie Männer sein können. Ich vermag fast zu behaupten, dass hier andere Faktoren als das reine Geschlecht eine Rolle spielen.) Ich hoffe, dass du es nicht falsch verstehst, wenn ich dies nicht in jedem Eintrag ergänzend hinzufüge. Nur sind für mich bestimmte Einstellung als Liberale so selbstverständlich, dass sie schon Gewohntheit sind. Gewohnt wichtig.
In der Hoffnung, mit meinem Kommentar einen kleinen Teil deiner Erwartung erfüllt zu haben,
Kristina
PS: Wir arbeiten noch an dem Ronny-Patz-Niveau. Bis dahin kannst du ja vielleicht akzeptieren, dass neu zwar anders, aber nicht unbedingt schlechter sein muss.
6. November 2009 at 17:39
Ronny, dem man von gegnerischer Seite öffentlich mal seine Kompetenz zugestand, wird doch überdies auch immer mehr zur pauschalen Diskreditierung genutzt. Wenn wir jetzt weit in die Geschichte dieses Blogs zurückgehen, dann wurden Ronnys Blogbeiträge doch kaum sanfter kommentiert als die aktuellen. Der Unterschied ist: Man kannte auch das Gesicht dazu, weil man sich halt auch mal traf.