Weit aus dem Fenster gelehnt hatte sich gestern der AStA: „FU Berlin brennt! Hörsaal 1a besetzt!“, so tönte es großspurig in einer internen Rundmail. Doch wer heute gegen 13 Uhr das angeblich in hellen Flammen stehende Berliner Epizentrum des beinahe schon als global gepriesenen Bildungsstreiks betrat musste ernüchtert feststellen, dass die erwartete Feuersbrunst offenbar schon beim Anzünden eingegangen ist. Lediglich ein winziger Funke des lauthals beschworenen Großbrandes glomm müde vor sich hin: Etwa zehn unbeirrbare Aktivisten hielten in dem ansonsten gähnend leeren und reichlich versifften Hörsaal ein wenig gelangweilt die Stellung – die revolutionshörige, aufgepeitschte Masse allerdings machte sich etwas rar.
Ein paar Kartons mit Tütensuppen, Reggaemusik und marxistische Durchhalteparolen an den Wänden, daneben eine Pinnwand mit organisatorischem Kleinkram und gelangweilte Gesichter – das war der Stand der Möchtegernrevolution nur eine Stunde nach dem „Mittagsplenum“ um 12 Uhr. Auf einem Zettel las man die Namen derer, die Pressemeldungen in verschiedene Sprachen übersetzen sollten – wenngleich auch weit und breit kein Pressevertreter zu sehen war.
Lediglich zwei unermüdliche Klassenkämpfer der Propagandaabteilung ließen sich von der allgemeinen Absenz der Studierenden, für deren Belange zu kämpfen sie vorgeben, nicht beeindrucken: Tapfer pinselten sie phantasievolle Generalstreiksparolen auf Bettlaken. Auf einem bereits fertigen Transparent konnte der interessierte Besucher beispielsweise lesen, man sei gegen „die kapitalistische Regierung aus SPD/Die Linke“.
Eben diese ideologische Verblendung des harten Kerns der selbsternannten Aktivisten macht diesen Streik für jeden normalen Menschen zur Farce, zumal da ihre sozialistisch angehauchte Realitätsferne einer gewissen Komik nicht entbehrt. Denn welcher Vertreter der Gegenseite kann schon Leute ernst nehmen, die nicht einmal das Parteienspektrum richtig kennen? Davon abgesehen schaden die Bildungsrevoluzzer derzeit nicht in erster Linie der Universität: Durch die Hörsaalblockade müssen Vorlesungen ausfallen, davon betroffen sind die Studierenden und nicht etwa die Universitätsverwaltung. Daher ist das gegenwärtige Streikverhalten ebenso sinnlos wie unsolidarisch.
Auch fehlen realistische Inhalte und Parolen die nicht schon so abgegriffen sind dass sie kein Mensch mehr hören kann. Und nicht zuletzt hat die streikende linke Minderheit, die sich anmaßt, für alle Immatrikulierten zu sprechen, die überwältigende Mehrheit der Studentenschaft gar nicht hinter sich. Selbst bei der zum pompösen Großereignis hochgejubelten Auftaktveranstaltung im Hörsaal 1a waren nur ca. 600 Leute anwesend – ein verschwindend geringer Bruchteil der 32000 FU-Studenten.
In den Medien versuchen die Marktschreier der Revolution zwar den Eindruck zu erwecken, sie verträten die breite Masse. Dass ihnen dies nicht gelingt, zeigt unter anderem die heutige Ausgabe der Süddeutschen Zeitung, die in einem Leitartikel schreibt: „Die Mehrheit muss ihre Lethargie überwinden. Sie braucht sich nicht bevormunden zu lassen, weder von unausgegorenen Studienordnungen, noch von den ganz radikalen Aktivisten, denen es ohnehin niemand recht machen kann.“
(Dieser Artikel wurde von dem der LHG nahestehenden Studierenden Armin Peter geschrieben.)
13. November 2009 at 23:16
wer lesen kann ist klar im vorteil: bei der pressemitteilung handelt es sich um die der besetzer_innen, bzw. deren presse ag. die “marxistischen durchhalteparolen” (marxistisch definieren konnte ich eigentlich wenige, kann mir aber vorstellen was ihr meint…) stammen von revolution und den spartakisten, die haben mit dem asta nichts am hut und sind auch nicht für die menschen repräsentativ, die dort den hörsaal besetzen. entgegen eurer paranoia handelt es sich nämlich um einen ziemlich bunten haufen von menschen, vielen geht es auch einfach nur um ihre studienbedingungen, manche haben auch einen politischen background. und es sind auch weitaus mehr als ihr behauptet, hier ein paar eindrücke der abendlichen gesellschaft vom gestrigen donnerstag: www.flickr.com/photos/fubrennt/
und btw: so versifft wie hier behauptet wird ist es nicht. die besetzer_innen haben auch eine arbeitsgruppe die sich mit aufräumarbeiten und der müllentsorgung befasst. und zum thema presse: wenn ihr die medienwelt außerhalb eures fdp-magazins einmal betrachten würdet, währt ihr über artikel in zahlreichen tageszeitungen und (live)übertragungen auf diversen fernsehsendern (u.a. rbb, zdf, ntv, n24) gestolpert.
13. November 2009 at 23:18
bildungsstreik-berlin.de/articles/314-Was_machen_wir_mit_den_Linken
Nein, wenn ich das richtig lese, maßen sich gar nicht mehr unbedingt an, für alle Studierenden zu sprechen. Womit die Frage nach der Legitimität von Besetzungen allerdings noch imemr unbeantwortet ist.
14. November 2009 at 0:15
zum glück sehe ich mich selbst als liberal. so lese ich erst die geschichten von den hochschulpolitisch aktiven linken, dann die der “liberalen” und aus beiden kontra-ideologien, bau ich mir dann kopfschüttelnd meine eigene (zunehmend resignierende) meinung.
dass dieser protest vornehmlich online vernetzt läuft und nicht über anwesenheit im HS 1a zu messen ist, scheint nicht ganz beim autor angekommen. zu sehr ist er beschäftigt eindimensionale klischees zu bedienen: “unbeirrbare Aktivisten”, “revolutionshörige, aufgepeitschte Masse”, “versifften Hörsaal”.
ich sage mal so: wer den HS gesehen hat und mit ein wenig gesunden menschenverstand die sache betrachtet, kann entweder denken er liest bei einer zeitung (deren namen ich jetzt mal nicht nennen will, um mir den gern gebrauchten hebel “du diffamierst ja fremde meinungen immer gleich als rechts” fern zu halten) oder er denkt, er ist selber schon “linker marxist” und kriegt von der welt um sich rum gar nichts mehr mit.
empathie, verständtnis und die kenntnis hermann hesses “unterm rad” scheinen dem autor irgendwie völlig zu fehlen.
14. November 2009 at 12:14
@ Falko:
1. Wer den Unsinn mit dem brennenden Hörsaal ursprünglich gepostet hat ist letztlich insofern wurscht, als der AStA ihn durch seinen internen Protestverteiler gejagt hat.
2. Nette Fotos. Dennoch seid ihr noch immer weit entfernt von einer studentischen Massenbewegung, der Hörsaal ist ja bestenfalls halbvoll…wie gesagt, eine versprengte Minderheit.
3. Dass ihr Berichterstattung bekommt habe ich nie bestritten. Aber euren Anspruch, für alle Studierenden zu sprechen habt ihr, wie neben anderen auch der SZ-Artikel zeigt, nicht durchbekommen.:-)
@ Robert:
Wenn der Protest ohnhin hauptsächlich online stattfindet solltet ihr den Hörsaal gleich ganz räumen und stattdessen virtuelle Chatrooms besetzen, da stört ihr den Rest der Studierenden nicht - und wer weiß, vielleicht ist das ja auch einer besseren “Anwesenheitsmessbarkeit” dienlich?;-)
14. November 2009 at 22:55
Es ist interessant zu lesen, wie die verblieben 3 bis 4 Leute, die noch Arbeit in die LHG stecken auf die Bildungsstreikenden herabblicken. Wir haben jeden Tag drei Plena. Zum Abendplenum kamen bisher nie unter 100 Leute trotz Wochenende. Schaut euch das Wiki an, was dort innerhalb von vier Tagen gewachsen ist. Am Dienstag werden wir wieder mehr als 10000 auf der Straße sein. Vielleicht könnt ihr daran ermessen wie sehr die Uni in Bewegung geraten ist und euch dann klein fühlen.
14. November 2009 at 22:57
gähn, habe das gefühl, den artikel schon mehrmals gelesen zu haben. eine einzige polemik, vor klischees triefend, und vor allem unkonstruktiv. wenn ihr meint euch es erlauben zu können, 600 studis ins gesicht zu sagen: was ihr da macht, ist scheiße - dann bitte, nur zu. aber dann erklärt doch mal, was ihr so politisch dafür macht, den bologna-prozess im sinne der studierenden zu beeinflussen.
14. November 2009 at 23:57
Andere erlauben es sich, tausenden Studenten ins Gesicht zu sagen, dass sie unreflektiert, faul, feige und angepasst sind, weil sie nicht gegen das System aufbegehren.
Den Forderungsteil im Bildungsstreik-Wiki finde ich allerdings interessant. Ich habe selten so tiefen Einblick in linke Denkmuster gehabt.
Na ja. Wollen wir mal weglassen, was im Sinne der Studierenden eine Beeinflussung des Bologna-Prozesses konkret heißén würde. Vielleicht fehlt der LHG daher insgesamt in ihrer gegenwärtigen Umbruchphase die Präsenz. Das ändert nichts daran, dass gerade Kristina am OSI doch sehr, sehr viel Zeit investiert, um die Strukturen vor Ort zu beeinflussen.
15. November 2009 at 4:22
also ich würde das über die “tausenden studenten” niemals so sagen, und ich kenne eigentlich auch keine leute, selbst aus linkeren zusammenhängen, die das so tun würden.
was ich mit der beeinflussung des bologna-prozesses meinte, ist eine veränderung der rahmenbedingungen, die von oben kommen. denn selbst die engagierteste arbeit in den unigremien vor ort kann maximal nur das bewirken, was innerhalb dieser rahmenbedingungen möglich ist. die entscheidungen aber, die diese rahmenbedingungen betreffen, die fallen in den bildungsministerien im bund und in den ländern, in der kmk und hrk, oder sogar auf europäischer ebene. und da sitzen nunmal keine studierenden mit am tisch. deswegen bleibt die einzige möglichkeit, durch protest auf sich und seine forderungen aufmerksam zu machen. und mit blick auf die vergangenen monate muss man sagen: das funktioniert sogar.
und hier setzt meine kritik an gruppen wie der lhg an, weil sie sich dieser perspektive komplett verwehren, bzw. sogar aktiv dagegen stellen.
15. November 2009 at 13:18
Lieber Aktivist,
die drei oder vier aktiven Mitglieder der LHG (sind übrigens in real doch ein paar mehr, aber im Grunde mag ich es doch, wenn ihr uns so unterschätzt; aber da lob ich mir doch mein “kleines” Häufchen Liberaler) sprechen für einen Großteil der Studierenden. Ein Großteil weiß nämlich gar nicht, warum diesmal wieder gestreikt wird. Einem Großteil ist der Streik total egal. Oder zeugt diese fluffige Kuschelatmosphäre vorm HS1a von revolutionärem Kampfgeist? Das einzig nützliche scheint der dort aufgestellte Kicker zu sein (der ist jedenfalls immer lebhaft besetzt, wenn ich vorbei schlendere), aber damit war es das dann auch.
Wenn ich mir eure Forderungen anschaue - jeder, der von euch rechnen kann und die Richtlinien für die Unipräsidentschaft kennt, wusste, dass Lenzen eh nicht noch mal kandidieren wird. Diese Not-My-President-Kampagne ist nicht nur völlig sinnfrei, sondern widerspricht euren Vorstellungen selber (in der Vorlesung wegen der Anwesenheitslisten und den dort preisgegebenen Daten motzen, aber durch einen mit 300 Mann/Frau besetzten Hörsaal eure Listen geben, auf denen zur Vervollständigung, in guter alter Schäuble-Manier, ja echt nur noch die Angabe der Konfektionsgröße fehlt! Fasst euch doch einfach mal an die eigene Nase.) Damit verschwendet ihre eure Zeit anstatt irgendwas Konstruktives zu machen. Und wundert euch dann, wenn wir das nicht unterstützten!?
Was haben denn eure Superproteste bewirkt, bei uns an der Uni? Außer, dass Veranstaltungen ausgefallen sind und dies ein Großteil der Studierenden genutzt hat, um in den Urlaub zu fahren? Am OSI gab es eine Arbeitsgruppe zur Reformierung des Bachelors, da waren dann, oh Wunder, statt hunderter Streik- und Reformwilliger jede Woche maximal (!) ein halbes Dutzend, sogar eher wenig von euch anwesend. Dass wir als LHG da jedesmal waren, wird weder bemerkt, nein, stattdessen werden wir von allen anderen Gruppen noch immer im Denkmuster des “rechten Randes” ausgestoßen, wie ich am Freitag mal wieder persönlich erleben durfte. Wagt euch nicht, uns vorzuwerfen, wir würden uns nicht für die Studierenden einsetzen. Nur weil ich keinen Klassenkampf ausrufe macht mich das nicht ansatzweise zu einer schlechteren hochschulpolitisch Aktiven als euch. Ihr reflektiert nicht einmal euer Verhalten auf Gremienebene (diese ständige Pöbeleien in all den Gremiensitzungen, da haben weder ich noch die Profs - von denen ich NICHT alle toll finde - Lust drauf) und schreit dann nach Streik und Protesten, die wie im Sommer nur mithilfe von Kapitalismuskritik so aufgeplustert werden konnten.
Ansonsten sind eure Forderungen wirklich super, Doppelstudium ermöglichen (da kriegt ihr meine volle Unterstützung) aber gleichzeitig Langzeitstudium bis zum bitteren Ende? Hochschulzugangsberechtigungen in Form von Abitur und Sprachtests für ausländisch Studierende als Voraussetzung abschaffen?! Klar. Diese ewige Gleichmacherei verpackt ihr in eine wolkenförmige Hülle aus Toleranz und glaubt, damit alle täuschen zu können.
Während ihr nämlich immer nur gegen diese böse Gesellschaft/Lenzen/Profs kämpft, fahren wir schon längst auf einer höheren und schwierigeren Spur: Wir sind nicht nur oftmals gegen das, was von ganz oben kommt (Ja! Was Lenzen macht, finden wir auch nicht immer super! Ja, viele Profs in meinem Fachbereich finde ich auch nicht toll!) sondern auch noch gegen den schreienden Haufen, den eure Masse darstellt, und der einen so großen Teil an Studierenden nervt, dass wenn ihr das noch immer nicht bemerkt habt, ihr wirklich mal eure tiefrote Brille abnehmen müsst.
Da draußen, außerhalb eurer marxistischen Blase, werdet ihr mit euren Ansichten nämlich als zunehmend lästig und das Universitätsklima (vor allem durch eure Pöbeleien in Seminaren, Vorlesungen und Gremiensitzungen) störend empfunden!
15. November 2009 at 17:36
Okay, wenn es um die Rahmenbedingungen geht… weiß ich nicht, die Rahmenbedingungen selbst finde ich eigentlich gar nicht schlecht. Rein von dem, was Bologna an Rahmenbedingungen vorgibt, könnte man damit ohne Weiteres sehr schöne Studiengänge gestalten. Man muss sie halt nur so gestalten. Und das passiert dann eben doch lokal.
Was Anderes sind objektiv natürlich fehlende finanzielle Mittel (Mit der dann doch ggf. entzweienden Frage aber: wofür fehlen sie?), aber die kann man kaum dem Bologna-Prozess vorwerfen. Das ist aber auch eher Ländersache.
15. November 2009 at 20:15
Hallo Kristina!
Soso, die LHG sind mehr als 3 bis 4. Wahrscheinlich handelt es sich um 5. Neben Kristina, Thomas und Uwe gibt es also noch mindestens zwei Leute, die irgendwo was machen. Die könnten sich vielleicht auch mal hier zu Wort melden, damit wir sie kennenlernen. (Armin Peter zählt ja nur halb, wie ich oben gelesen habe.)
Vielleicht ist euch bei eurer Gremienarbeit aufgefallen, wie wenig bewegt werden kann, wenn ein Menschlein vereinzelt in einem Gremium wie dem Akademischen Senat oder dem Fachbereichsrat sitzt. Effektive und durchsetzungsfähige Arbeit geht nur mit einem entsprechenden Resonanzboden in der Studierendenschaft. Diesen Resonanzboden habt ihr nicht. Ideen oder Kapazitäten wie das besser werden könnte auch nicht. Ihr solltet basisdemokratischen Prozesse wie dem im Hörsaal 1a grundsätzlich mehr Respekt entgegen bringen und nicht von Vornherein niedermachen. Wenn ihr einzelne Forderungen nicht sinnvoll findet, warum geht ihr nicht zu den Diskussionsrunden oder in die Plena wo das besprochen wird? Traut ihr euch nicht oder sind wir wieder bei den zeitlichen Kapazitäten?
15. November 2009 at 20:18
Ich habe in der Aufzählung oben Germar vergessen. Der hat sich in den letzten StuPa-Sitzungen sogar sporadisch zu Wort gemeldet. Mit Armin sind es also tatsächlich fünf.
15. November 2009 at 20:42
Lieber Aktivist,
leider muss ich dich deiner Illusionen berauben: Die LHG verfügt durchaus über relativ gut funktionierende Strukturen (übrigens gewinnt die LHG durch euren Fanatismus gerade nicht wenige neue Mitglieder).
Allerdings fallen LHGler nicht, wie Vertreter linker Uni-Gruppierungen, durch Großmäuligkeit auf, sondern vor allem durch konkrete und sinnvolle Gremienarbeit im Sinne der überwältigenden Mehrheit der Studierenden - und eben das macht den entscheidenden Unterschied zwischen linker Ideologie und liberaler Vernunft.
Zum Thema Basisdemokratie: Gruppenkuschelige Pyjamapartys in Hörsälen zu feiern hat mit Demokratie zunächst relativ wenig zu tun - wo ist denn die mindestens einfache Mehrheit aller Studierenden, die für eure Besetzung des Hörsaals votiert hat? DAS wäre Bsisdemokratie! Euch fehlt die studentische Legitimation für eure Aktionen. So einfach ist das.
Und mit wem bitte soll denn diskutiert werden? Mit der knappen Hundertschaft linker Aktivisten, die allabendlich zur Selbstbeweihräucherung zusammentritt und sich dabei einredet, sie repräsentiere alle Studierenden? Das kann nicht dein Ernst sein…
15. November 2009 at 21:04
@ Aktivist: Ich habe keine Ahnung, welche LHG Mitglieder du hie und da zählst, aber wenn du da damit deine Mathekenntnisse beweisen willst, haste diesbezüglich nicht wirklich was drauf. Ohne arrogant klingen zu wollen, bin ich wohl momentan eine der wenigen, die einschätzen kann, wer in unserer Gruppe Mitglied und aktiv ist - und zwar durchaus über den Fachbereich PolSoz hinaus. Bevor du also großmaulig auf die kleine Opposition schimpfst, kannst du das Zählen doch bitte mir überlassen (die daraus entstehenden Probleme einer scheinbar kleinen Gruppe übrigens auch :-). Obwohl ich eure Sorge um unsere Kapazitäten herzig finde, kann ich dir versichern, dass solange ich an der FU bin, die LHG definitiv existent sein wird. (Richtig, das ist keine jahrelange Garantie - ich plane in Regelstudienzeit abzuschliessen - aber macht euch mal nicht zu viel Hoffnung, dass wir bald nicht mehr da sind.)
Wenn du in deiner Naivität tatsächlich denkst, dass ich mich bei diesen VV-Versammlungen in euren linken Sumpf schmeisse und mit Grundwerten wie Vernunft, rationalem Handeln und Nachdenken anfange - ahh ne, dafür ist mir meine Zeit zu schaden. Die Reaktion kenne ich zu Genüge. (Anwesend bin ich trotzdem, falls du dich wunderst, wer z.B. bei der letzten VV im Sommer den GO Antrag über die Beschlussfähigkeit gestellt hat.)
Zeitliche Kapazitäten könnten auch der Grund sein, dass wir nicht bei absolut jeder täglichen Plenumssitzung in eurem tollen, besetzten HS dabei sind. Vielleicht ist es aber auch nur der gesunde Menschenverstand, der sich das nicht jeden Tag antun will? Weißt du, das tragische ist geradezu, dass ihr uns vorwerft, wir würden nicht mit euch reden und versuchen, uns mit unseren Forderungen einzubringen - und gleichzeitig verschweigt ihr klammheimlich, wie ihr uns als LHG und Nicht-Links-Denkende behandelt. Wenn ich an die Szenen von der VV im Sommer denke… nein, wirklich. Da kann ich nur meinen Kopf schütteln.
Und klar, wenn Gremienarbeit schlecht läuft (sagst du ja selber), setzen wir uns in einen HS und dann spazieren Lenzen und co. vorbei, um dort mit euch zu diskutieren, oder was ist das Konzept? Nur weil ihr einen Hörsaal besetzt, verbessern sich keine Studienbedingungen. Und ernsthaft beeindrucken könnt ihr damit auch niemanden, den ihr nicht schon mit eurem Marx-Gesülse einlullen könnt.
Die Einschätzung, wie groß unser Resonanzboden ist, kannst du bitte übrigens uns überlassen, ok?
PS: Thomas ist übrigens kein Mitglied mehr. Einfach mal regelmäßig den Blog lesen
15. November 2009 at 21:13
Außerdem schliesse ich mich Thomas an. Die Rahmenbedingungen würde ich nicht per se verteufeln. Die Ausgestaltung erfolgt eben vor Ort, eben in solchen Arbeitsgruppen, in denen dann doch die wenigsten der linken Marktschreier sitzen.
Und was mich am meisten nervt, sind dann vor allem bei PolSoz die Leute, die noch auf Diplom studieren, aber uns Bachelor-Leuten sagen wollen, was alles im Bachelor schief läuft. Als ich von meiner Arbeit in der Arbeitsgruppe meinen Kommilitonen erzählt habe, hat wiederum die Mehrheit geäußert, dass Studium, mit durchaus Schwachstellen, nicht sooo schlecht und so schlimm zu finden. Aber darauf wird nicht gehört.
Wie es anderen Bereichen, außerhalb von PoWi ist, vermag ich natürlich schlecht einzuschätzen. Aber da engagieren sich irgendwie auch weniger und irgendwie ist immer PolSoz und das OSI Thema in allen Gremien. Das nervt mich übrigens auch. Stressige VWL/BWL-Studiengänge sollten verbessert werden, aber bei PoWi von Entschlackung zu reden (mit 12 SWS), naja…
16. November 2009 at 5:09
ach herrje - ich habe immer so ein wenig das gefühl, als hättet ihr vor allem ein problem mit dem ganzen linken aktivismus an der uni: neid. neid darauf, dass ihr euch selber nicht traut, auch mal sowas auf die beine zu stellen - man könnte ja jemandem damit auf den schlips treten. neid darauf, dass immer noch (deutlich!) mehr studis zum bildungsstreik, zu demos, zu VVs etc. kommen, als sich an eurer sog. “konstruktiven gremienmitarbeit”, die für sich alleine genommen noch nie etwas bewirkt hat, zu beteiligen. neid darauf, dass ihr so gut wie nie von politik und medien wahrgenommen werdet. neid darauf, dass sich andere leute mehr zeit für ihr studium nehmen, um nebenher noch was zu machen, während bei euch eine nicht abstellbare stimme im kopf sagt: “mach schnell deinen abschluss! mit auslandspraktika! sonst wird aus dir nie was!”
ich kann das verstehen, v.a. letzteres war früher bei mir auch so…
ach so, und überlegt euch mal folgendes: wenn ihr mit anfang/mitte zwanzig schon so angepasst, konformistisch und brav seid - wie seid ihr dann erst mit anfang 50 drauf?
schöne grüße an außerhalb des tellerrandes,
eure dani
16. November 2009 at 9:22
liebe dani,
danke, dass du dich wieder einmal eines klischees bedienst. leider liegst du mit absolut allem falsch (ich bin noch nicht einmal zwanzig, sorry!). dass ich mir nicht ewig für mein studium zeit nehme, ist schon komisch, da hast du recht… schliesslich sind meine eltern ja sicher ärzte oder juristen, die könnten mir das ein leben lang finanzieren! ach mensch. (und wenn ich sowas wie einen streik auf die beine stelle, trete ich ja meiner ärztemama und meinem jurapapa auf den schlips… richtig!
und bitte verwechsel kritik nicht mit neid -
denn neidisch, ahh, nein. das bin ich nicht, sorry. nicht auf euch.
16. November 2009 at 13:53
Hallo meine mehr oder weniger verehrten Damen und Herren,
normalerweise mische ich mich ja in sowas gar nicht ein, weil die Diskussionen immer die gleichen sind. Aber hier muss ich einmal sagen: Bravo!!! Ein soziologisch wie psychologisch ansprechender, ja sogar phänomenaler Gesprächskreis. “Neid”, “Schwachsinn”, “konformistisch”,… ihr legt euch ganz schön ins Zeug!!! Ist das denn wirklich ein objektiver und vernünftiger Argumentationsstil?
Also mal ganz im Ernst: wir von der LHG bauen zumindest keine Luftschlösser. Sondern wir versuchen, Brücken zu bauen. Der AStA ist nicht der Teufel- und Präsident Prof. Lenzen sicherlich auch nicht, auch wenn euch das anscheinend sehr gelegen käme.
Zum Punkt: Verständigung kann stattfinden. Aber nicht mit Streik. Nicht mit unrealistischen Forderungen. Nicht mit eurer “Abwiegel”-Politik. Und vor allem nicht mit der Tatsache, dass ihr angeblich für studentische Interessen kämpft und gleichzeitig den Hörsaal 1a für Studenten seit Tagen unbenutzbar macht. Das ist keine Verständigung. Das ist noch nicht mal besonders schlau.
Aber ich bin ja anscheinend nicht der einzige der das so sieht. Denn die Mehrzahl der Studenten sieht das auch so. Und eben nicht nur die 5 (oder wie viele waren es nochmal genau? - ach ja: wesentlich mehr) von der LHG, die in eurem Weltbild ja anscheinend alle mit dem goldenen Löffel im Mund gebren wurden. Bei aller politischer Diskussion und Polemik: lasst die Kirche mal im Dorf!
16. November 2009 at 14:08
hmm, einige in der LHG machen aber schon den eindruck, als hätten sie eine geradezu pathologische fixierung auf den AStA
erinnert sei nur an den doch eher peinlichen artikel zur “not my president”-kampagne.
aber ist ja auch egal, darum geht es hier ja nicht.
das “brücken bauen” der LHG hat ja in der vergangenheit super geklappt - wer hat denn die einführung des studienkontenmodells in berlin verhindert? wer hat’s denn geschafft, dass maluspunkteregelungen an der FU ausgesetzt sind? wer hat denn erreicht, dass das präsidium, die KMK, die hochschulrektorenkonferenz usw. darauf aufmerksam geworden sind, dass bei der bologna-umsetzung gehörig was schief läuft?
kleiner tipp: in euren eigenen archiven müsst ihr da nicht suchen.
man kann ja über die demokratische legitimität einer 600-leute-VV streiten - obwohl’s natürlich allen 31 000 studis freigestanden hätte, zu kommen - aber es bleibt nunmal fakt, dass diese strategie erfolg hatte. ihr behauptet gerne, dass ohne die durch streiks etc. verhärteten fronten (noch) mehr erreicht werden könnte - den beweis seid ihr immer noch schuldig geblieben. am FB wirtschaftswissenschaften, wo die situation eurer argumentation nach ja ziemlich entspannt sein müsste, hat eure “konstruktive mitarbeit” jedenfalls nicht mal das absolut lächerliche ess- und trinkverbot in den hörsälen verhindern können.
16. November 2009 at 22:56
Gegen dieses “lächerliche Ess- und Trinkverbot” ist ja auch niemand sonst vorgegangen, weder die Linken noch irgendwer sonst. Aber es gibt jetzt Nachholprüfungen. Es gibt im Diplom endlich wieder Planungssicherheit für die Studierenden. Es gibt einige Lehrveranstaltungen zusätzlich. Dinge, die, immer mal wieder mit Beteiligung von LHGlern, mit den Professoren verhandelt wurden und eben nicht im Streik.
Es stimmt: Es gibt grad mal wieder eine mediale Aufmerksamkeit für das Thema. Die gibt’s auch immer dann, wenn Wissenschaftler grad eine brisante Studie zum Thema publizieren. Zu wissen, dass die Umsetzung der Bologna-Prozesse ihre Mängel hat, ist nun wirklich nicht der Verdienst dieses Streiks.
Es kommt hinzu: Die linken Hochschulgruppen haben nun mal seit langer, langer Zeit die Mehrheit. Das begrenzt die Einflussmöglichkeiten der LHG. Man vergleicht dann Äpfel mit Birnen. Eine fsi allein hat die Studienkonten jedenfalls auch nicht verhindert. Im Rahmen dieser Möglichkeiten zeigt die LHG allerdings, dass eine differenzierte Strategie eben doch Sinn macht.
17. November 2009 at 3:39
Es ist bedauerlich, wie sich die LHG zu einem Haufen beleidigter Leberwürste entwickelt hat, die nichts besseres zu tun haben als beständig die “Linken” anzubellen. Ist euch schon aufgefallen, dass ihr euch in den letzten Jahren beständig von allen anderen Gruppen entfremdet habt? Damals waren Leute, wie Wolf Dermann sich nicht zu schade dem damaligen Protesten voranzureiten. Heute haben Kristina Kämpfer & Co. nichts weiter zu tun, als Front gegen emanzipatorische Projekte wie einen Studi-Streik zu machen. Kein Wunder also, wenn Kristina - trotz ihrer “Beliebtheit” - nicht in die Ausbildungskommission ihres Fachbereichs gewählt wurde. Hat sicher etwas mit der Isolierung zu tun, die ich angesprochen habe. So kann auch Gremienarbeit in Zukunft jedenfalls nicht gelingen, wenn die LHG aus fast allen Gremien verschwunden ist.
Wahrscheinlich wird euch meine Balkonreden nicht von eurem Tun abhalten können. Auch Thomas Eichentopff, der letzte Konziliante ist wohl nicht dazu in der Lage, weil er bereits am Absprung ist, wie ich gelesen habe. Vielleicht hat euch aber der Anschiss aus der JuLi-Direktion geholfen zur Besinnung zu kommen und aus eurer Pöbel-Stimmung herausgeholt. Ich habe da von sowas gehört und bin gespannt ob sich die Diskussion in dieser Kommentar-Leiste jetzt entschärft. Schließlich will die FDP in zwei Jahren noch ein paar Stimmen bekommen.
17. November 2009 at 8:42
Nee, der ist bereits abgesprungen. Ich bin seit September mit dem Studium fertig. (Ein f. Der mit den zweien ist der Dichter.)
Was ja nur nichts daran ändert, dass ich nach wie vor eine Meinung habe. Zu meiner Zeit übrigens hätte mich ein Anschiss aus der JuLi-Direktion nicht berührt, denn die hatten uns nichts zu sagen. Ich meine doch überdies, das ist noch immer so. (Das ist so eine olle Kamelle, die uns gegenüber immer mal wieder hervor gekramt wird.)
Ich finde allerdings nicht, dass die LHG sich grundsätzlich entfremdet hat. Auf die LHG wurde doch schon vor fünf Jahren ganz ähnlich draufgehauen. Gehört zum Spiel, möchte man meinen.
Konzilians ist zweierlei: Beidseitig und ein Prozess.
17. November 2009 at 10:08
Noch ist die LHG nicht aus allen Gremien verschwunden - und wird zukünftig sicher auch nichts dergleichen tun. Tut mir leid, euch dieser Illusion zu berauben müssen.
Habe nämlich zur Zeit genug mit anderen Gremien zu tun.
Genauso wie derer, dass ich aus persönlichen Gründen nicht in die ABK gekommen bin - da bist du wohl etwas fehlerhaft informiert: Ich hab mich gar nicht zur Wahl für die Ausbildungskommission gestellt
Allerdings habe ich, nachdem wir aus wirklich konstruktiven Gründen einen Stellvertreterplatz für Sebastian bekommen haben (ebenfalls LHG - der Mitgliederschwund bei uns lässt einfach nicht nach!), versichert bekommen, dass ich definitiv einen Platz (sogar ersten und nicht Stellvertreter) hätte haben können; nicht zuletzt wegen der Frauenquote.
Wirklich schade, dass deine persönlichen Beleidigungen aufgrund von Fehlinformationen nicht ziehen - naja, würden sie aber auch sonst nicht. Bei einer solchen Anonymität, die du zu wahren pflegst, scheinst du nicht genug Mut zu haben, gegenüber dem ach so bösen Mädchen aus der LHG Gesicht zu zeigen.
(Wenn du übrigens mit deinem “Kristina Kämpfer& co” von deinen Kumpels hohles Gelächter geerntet hast, weil du damit auf das “Börzel& co” vom Institutstag anspielst - überleg dir mal genau, mit wem du mich in eine Schublade steckst. Denn so einfach, dass ich das was Profs wie Tanja Börzel und Thomas Risse bedingungslos gut finde, ist es definitiv nicht; nicht zuletzt der zweite Reformentwurf für den PoWi-Bachelor. Aber soweit denkst du sicher wieder nicht - denn das ist zu anstrengend und Klischees, die nicht passen, schliesslich auch.)
Wogegen ich mich allerdings stringent wäre, sind Lügen - keine Ahnung, was für Märchen du zum Einschlafen hörst, aber hier fängt weder jemand für die FDP stimmen noch lässt er sich von der JuLi-Direktion anscheissen. Wenn du denkst, mit diesem Klischee Stimmung machen und Stimmen unter den Studis finden zu können, hast du dich mehr als getäuscht. (Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass die FDP an einer so linken Uni wie der FU die LHG als Möglichkeit zum Wählerfang sieht… ihr seid wirklich so realitätsfern in eurem Weltbild, das ist der Wahnsinn. Befreit euch doch endlich mal von dem Bild, dass hier nur JuLis und FDP-Jünger sitzen. Ist zwar schwieriger, aber definitiv realitätsnaher!)
17. November 2009 at 22:08
Was regt Ihr Euch denn so auf?
Es wissen doch sowieso alle, dass die “Linken” nur ein bisschen Abwechslung wollen, und ganz ehrlich, so eine Besetzung macht doch einfach Spaß, egal, worum’s nun genau geht oder ob das nur eine verschwindende Minderheit unterstützt. Genauso, wie alle genau wissen, dass von Streik und Besetzung nur sehr wenige an der FU was halten. Ein Grund übrigens, warum die Streikenden niemals auf die Idee kommen würden, ihre Ziele demokratisch legitimieren zu lassen…
Also nicht aufregen - abgesehen von den Studis, deren Veranstaltungen ausfallen, interessiert sowieso keinen, was Ihr da wieder macht…