106. Sitzung der KfL – “…und täglich grüßt das (Qualitätsmanagement-)Murmeltier.”
Alex SpielauAkademische Gremien, Allgemeines, Hochschulpolitik, Lehre Kommentar schreiben
An diesem Dienstag traf sich die Kommission für Lehre (KfL) zu ihrer 106. Sitzung. Aufgrund der Abwesenheit der Vorsitzenden, Vizepräsidentin Prof. Keitel-Kreidt, und dem Stellvertreter Stephan Manske, wurde Prof. Bongardt zum kommissarischen Leiter der Sitzung bestimmt. Bestimmendes Thema der Sitzung war das Vorlagepapier zu den Leitlinien der Qualitätspolitik und –Ziele an der FU. Desweiteren standen die Verlängerung von Masterprogrammen, die Vorlesungszeiten des nächsten Wintersemesters und verschiedene, von studentischer Seite aufgeworfene Sachfragen zur Diskussion.
Die Vorlage zu den Vorlesungszeiten wurde ohne inhaltliche Gegenargumente oder Widersprüche an den AS verwiesen. Einzig wurde moniert, dass es seit längerer Zeit geplant war, den amerikanischen Universitätskalender zu übernehmen, ohne dabei bisher zu Entscheidungen gekommen zu sein. Als einzige Universität, welche diesen Kalender implementiert hat, wurde Mannheim angeführt. Dahingehend wurde sich darauf verständigt, dieses Thema dem AS zur Diskussion vorzuschlagen.
Nachfolgend wurde das Vorlagepapier zu den Leitlinien zur Qualitätspolitik und –Zielen diskutiert. Wieder als Experte des Bereiches Qualitätsmanagement und Systemakkreditierung war Herr Helm anwesend, welcher einen einführenden Vortrag zu dem Papier gab. Die Leitlinien seien demnach ein notwendiger Schritt innerhalb der Implementierung des Qualitätsmanagements und als Kompromissdokument eines längeren Diskussionsprozesses mit den Fachbereichen zu verstehen (Verweis zu Blogeintrag 103. KFL). Wichtig sei es demnach, nicht nur die Forschung hervorzustellen, sondern insbesondere die Bedeutung der Lehre zu akzentuieren.
Nachfolgend begann eine zum Teil hitzige Diskussion. Zuerst wurde über den Status und den Umlauf dieses Dokuments diskutiert. Zum einen wurde scharf kritisiert, dass die KfL nicht schon früher an der Diskussion beteiligt wurde, da das Dokument bereits seit Mitte November letzten Jahres bei den Fachbereichen läge und erst einen Tag vor der Abstimmung im AS in die KfL eingereicht werde. In diesem Zusammenhang wurde auch über eine Missfallenskundgebung abgestimmt, welche angenommen wurde.
Überdies seien auch die Fachbereiche nicht in ausreichendem Maße inhaltlich beteiligt worden. Die studentischen Vertreter Sarah Walz und Matthias Bartelt sahen in diesem Vorgehen des Präsidiums ein Umgehungsversuch die dezentrale Mitgestaltung durch die Fachbereiche und des Runden Tisches zu unterminieren. Die Mehrheit der KfL konnte sich dieser Interpretation jedoch nicht anschließen, da die Vorlage einem drei monatigen Bearbeitungsprozess durch die Fachbereiche unterlag, welche sich jedoch unterschiedlich beteiligten. Ferner sei aber der Runde Tisch keine legale Institution innerhalb der Universitätsstruktur, welche in Benachrichtigungs- und Konsultationsvorgänge einbezogen werden müsste.
Weiterhin wurde vom studentischen Vertreter Andreas Bodmaier die vage und unkonkrete Ausdrucksweise des Papieres kritisiert, welche nicht den Qualitätsansprüchen der FU entspräche. Sein Kritik machte er zuvorderst an Punkt 4 der Definitionen fest, welcher „[e]ine hohe Qualität von Studium und Lehre […] insbesondere auch aus der Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven, die sich in der Struktur der Studienprogramme niederschlagen[,]“ resultieren sieht. Dr. Fijal (Prodekan für Lehre am FB Rechtswissenschaften) brachte in diesem Zusammenhang das erläuternde Beispiel der Internationalität als Perspektive in den Rechtswissenschaften ein. Dieses sei kein Element des grundständigen Lehrkanons, jedoch in der Praxis ein notwendiges Element der Ausbildung und müsse somit Eingang in das Studienprogramm haben.
Der Begriff der Qualität würde sich auch in der Struktur der Fächer an der FU widerspiegeln. So sei zum Beispiel die Ausrichtung der Geisteswissenschaften ein Alleinstellungmerkmal der FU Berlin, welches offensiv auch in Zeiten der Bologna-Reform vertreten werde. Dieses sei als ein Versuch der  Legitimation der gewachsenen Fächerkultur.
Letztendlich wurde sich darauf verständigt, dem AS zu empfehlen über das Papier zu beraten, jedoch noch nicht darüber zu beschließen. Der AS solle vielmehr die Vorlage auch dem Runden Tisch zur Diskussion (jedoch nicht mehr!) vorlegen und auch die Ausbildungskommissionen der Fachbereiche integrieren. Von Herrn Helm wurde kritisiert, dass dadurch der enge Zeitplan der Systemakkreditierung unterminiert werde, ohne dass ein inhaltlicher Fortschritt von weiteren Diskussionen über das Dokument zu erwarten sei. So konkreter das Dokument werde, desto unwahrscheinlicher sei ein Konsens darüber.
Danach nahm sich die Kommission der Beratung über die Fortsetzung einer Reihe von Masterstudiengängen und weiterbildenden Masterstudiengängen vor. Von studentischer Seite wurde jedoch kritisiert, dass sie sich nicht imstande sieht, darüber zu beraten, ohne dass Evaluierungsergebnisse oder weitergehende Erläuterungen zu Änderungen innerhalb der Programme vorlägen. In einer Abstimmung wurde mehrheitlich beschlossen, dass die KfL aufgrund fehlender Informationen sich außerstande sieht, über die Verlängerung zu entscheiden.
Die allgemeine Arbeitsatmosphäre dieser Sitzung war gespannt und zum Teil gereizt, ob der Diskussionskultur einzelner Teilnehmer. Es ist zu hinterfragen, ob es den Vertretern wirklich immer um eine sachliche Bearbeitung von Lehrangelegenheiten oder dem Austragen persönlicher Rivalitäten und der eigenen Profilierung geht.
9. March 2010 at 21:23
Lieber Alex,
zunächst vielen Dank für die vorbildlich schnelle Berichterstattung zur heutigen KfL-Sitzung. Und zunächst wiederum der Hinweis, dass (obwohl in Deutschland durchaus einige BodmAiers gesichtet wurden) man mich BodmEier schreibt.
Zum Artikel einige Kommentare:
1. Es wurde nicht moniert, dass seit längerer Zeit geplant war, den amerikanischen akademischen Kalender zu übernehmen. Es wurde lediglich danach gefragt, was aus diesen Plänen von HRK und anderen geworden ist.
2. Ob der Runde Tisch nun eine legale oder illegale Institution oder sonstwas sei ist nicht diskutiert worden. Der Runde Tisch wurde vom Akademischen Senat mit definierten Aufgaben eingerichtet. Nicht mehr und nicht weniger.
3. Meine inhaltliche Kritik machte ich nicht “zuvorders” an dem im Artikel genannten Punkt fest, sondern an lediglich einem Beispiel.
4. Dem AS wurde nicht empfohlen, über dieses Papier zu beraten und es nicht zu beschließen. Die angenommen Beschlussformulierung hat dem AS lediglich empfohlen, das Papier in seiner momentanen Fassung in seiner Sitzung vom 10.03.10 nicht zu beschließen.
5. “(jedoch nicht mehr!)” Was soll er denn sonst tun? Mittlerweile sollte doch der Status des Runden Tisches jedem klar sein.
6. “Die allgemeine Arbeitsatmosphäre dieser Sitzung war gespannt und zum Teil gereizt, ob der Diskussionskultur einzelner Teilnehmer.”
Meiner Meinung nach war die Diskussion vielleicht durchaus etwas belebter. Vielleicht lag es aber nicht an der Diskussionskultur einzelner Teilnehmer, sondern an der besagten Vorlage. Bei einem solchen Papier, das weit hinter jeglichen Qualitätsansprüchen, die die Freie Universität Berlin hat oder haben sollte, lässt sich nicht erwarten, dass dies mit großem Lob überschüttet wird.
7. “Es ist zu hinterfragen, ob es den Vertretern wirklich immer um eine sachliche Bearbeitung von Lehrangelegenheiten oder dem Austragen persönlicher Rivalitäten und der eigenen Profilierung geht.”
Die Diskussion war insgesamt sehr sachlich (soweit das Papier dies zugelassen hat). Von persönlichen Angriffen von Anwesenden untereinander habe ich nichts mitbekommen. Und den Hintergedanken, die Freie Universität vor unkonkreten Papieren, die im besten Fall ein lautes Lachen, im schlimmsten Fall die sofortige Ablehnung auslösen, sollte man nicht als persönliche Profilierung missverstehen.
8. Was wohl untergegangen ist: Neben den formalen (späte Beteiligung der KfL) und inhaltlichen (s.o.) Kritikpunkten, war auch ein hauptsächlicher Kritikpunkt, dass die genannten Qualitätsziele allenfalls einen sehr geringen Anteil dessen benennen, was man als Mitglied dieser Universität als qualitativ hochwertige Lehre verstehen sollte.
9. Die KfL hätte mit oder ohne mehr Informationen (man müsste eigentlich das “mehr” weg lassen) ohnehin nicht über die Verlängerung entschieden, sondern lediglich eine Empfehlung an den AS beschlossen. Ich sehe kein Problem, wenn dem AS diese Empfehlung der KfL bei seiner Beschlussfassung nicht zur Verfügung steht, da eine wie auch immer geartete Empfehlung der KfL auf keinerlei Informationsgrundlage gestanden hätte. Ein Mehrwert einer Entscheidung der KfL für den AS gibt es in diesem Fall nicht.
Zum eigentlichen Inhalt des Qualitätspapiers:
Wenn dieses Papier als Ergebnis eines Kompromisses gehandelt wird, dann scheint dies ein sehr vager und damit gefährlicher Kompromiss zu sein.
Viel gefährlicher sind diese Leitlinien, wenn diese weit über die Grenzen der Freien Universität hinaus als deren Qualitätsziele in Bezug auf Studium und Lehre kommuniziert werden.
Als Beispiele für ein Papier, das den Fachbereichen konkrete Kriterien an die Hand gibt ist folgendes zu nennen:
http://www.fu-berlin.de/info/bologna/reformprozess/Einrichtungskriterien_MA_Siegel.pdf
Ohne folgendes Dokument nun zu hoch zu loben lässt sich aber bemerken, dass es möglich ist Papiere mit ausreichend bestimmten Inhalt zur Qualitätspolitik zu verfassen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/fileadmin/a70100710/Medieninformationen/2008/pi112.pdf
Ebenso: http://www.uni-passau.de/qualitaetsziele.html
Wer es gerne exzellenter haben möchte, der kann sich die sogenannten “strategic plans” US-amerikanischer Universitäten ansehen.
Fazit: Dieses Papier bedarf dringend einer Überarbeitung. Den abstrakten – manche sagen vagen – Inhalt dieses Papiers als Ergebnis eines mühsamen Kompromissfindungsprozess zu rechtfertigen überzeugt nicht. Will die Freie Universität Berlin wirklich mit sowas einer Akkreditierungsagentur gegenübertreten? Auch wenn dieses Papier so vage ist, dass es die Fachbereiche in keiner Weise einschränkt, bleibt die Frage unbeantwortet: Wozu brauchen wir dann so ein Papier?
Beste Grüße
Andreas
10. March 2010 at 1:44
Deine Antwort ist doch sehr lang, aber ich möchte dennoch versuchen auf alle Punkte zu reagieren.
zu 1)ich habe den Tenor der Runde schon in einem aktivierenden Sinn verstanden und interpretiert. Das heißt jedoch nicht, dass irgendjemand darüber abstimmen oder etwas forcieren möchte. Ich habe die Runde so verstanden, dass das Thema im AS wieder auf die Agenda zur Diskussion gesetzt werden soll.
zu 2)ich habe die Position von Dr. Fijal wiedergegeben, der dieses im Sinne der rechtlichen Vorgaben zur Universitätsstruktur gemeint hat. Damit war keine Botschaft einer Illegalität oder gar Illegimität des Runden Tisches verbunden.
zu 3)ja, das mag sein. Nur hattest du die Kritik am genannten Bespiel ausgeführt. Entschuldige meine Ungenauigkeit an dem Punkt.
zu 4)nein, wir haben über die Vorlage abgestimmt, dass der AS weiterhin über die Vorlage berät aber nicht beschließt. Die drei Abstimmungsvarianten waren “Nicht befassen”, “Befassen und beschließen” und “Nicht beschließen”, was aber eine Befassung implizit mitträgt. So war auch der Gesprächsverlauf. Ich denke bei aller sachlichen Genauigkeit, muss man keine Haarspalterei betreiben.
zu 5)ich habe damit klarstellen wollen, dass der Runde Tisch nicht mehr als beraten kann. Auch wenn scheinbar einige glauben, dass in ihm jetzt irgendwelche Entscheidungen getroffen werden könnten oder irgendein legitimer Vertretungsanspruch von ihm ausgeht. Das soll wiederum nicht die Existenz des Runden Tisches infrage stellen sondern nur die Bedeutung der (im rechtlichen Sinn) legitimen Institutionen.
zu 6) und 7) Ich bin jetzt seit 2 Jahren in der KfL (als Gast bzw. studentischer Vertreter) und bin genervt ob der aggressiven Gesprächskultur von einigen Anwesenden (nicht nur studentische Vertreter). Die Diskussion war nicht sachlich. Ich empfehle dir mal die Reaktion der anderen Anwesenden (und das waren einige) zu studieren. Die schütteln nur den Kopf – und mir geht es genauso.
Um dich aber zu beruhigen, ich habe nicht dich kritisiert. Du bist engagiert und höflich. Das trifft bei weitem nicht auf alle Anwesenden zu!
zu 8)Sie muss vage sein, weil sie als Interpretationsgrundlage im Sinne eines dezentralen Qualitätsmanagements an den Fachbereichen bei der Ausgestaltung von Studienordnungen fungieren soll. Das hat Hr.Helm ausdrücken wollen.
zu 9)Kritik an der Fomulierung ok. Ansonsten sind wir doch einer Meinung. Die KfL soll da, wo sie sich außerstande sieht eine Entscheidung zu treffen, nicht zu einem Beschluss kommen. Übrigens, ein Beschluss über eine Empfehlung an den AS impliziert eine Entscheidung über die Sache, auch wenn sie keine Konsequenz in der Implementierung nach sich zieht. Daraus speist sich doch der normative Kern deiner Kritik in der heutigen Sitzung.
Zu deiner weiteren Argumentation, siehe 8.
Danke für einige Klarstellungen durch deine Kritik.
11. March 2010 at 14:27
Danke für deine ausfürhliche Antwort. Dann scheint ja alles klar zu sein. Nur kurz:
4. Der Vorsitzende hat dann einen anderen Antrag als den gestellten zur Abstimmung gestellt.
5. Ich hoffe nicht, dass irgendwer glaubt, dass der RT Entscheidungen wie ein Gremium der akademischen Selbstverwaltung treffen kann.
6/7. Also im Vergleich zu manch anderen Sitzungen hielt ich die Diskussion für sehr sachlich.
8. Das hat er vielleicht ausdrücken wollen. Ich halte davon aber nichts. Da sich die FU mit einem so vagen Papier nicht öffentlich präsentieren sollte.
9. Ja.
- Andreas
PS: Eine weitere Diskussion lohnt hier mit Sicherheit nicht