Runder Tisch – Debatte über die Reform der Reform

Armin PeterFU Kommentar schreiben

Am vergangenen Freitag hat der Runde Tisch an der FU zum Thema „Wie steht es um die Reform der Reform? Zu Studienbedingungen und Studiengängen“ getagt.
Die Beteiligung seitens der Studenten war spärlich, etwa ein Dutzend Leute waren insgesamt zusammengekommen, um über bereits vollzogene Änderungen am Bachelor zu sprechen.
Einem Mehrheitsbeschluss der Anwesenden folgend wurde eine Debatte über die Möglichkeit, Studium und Kinder zu vereinbaren, auf einen gesonderten Termin verschoben.
Professor Bongardt erkundigte sich dann nach der Umsetzung der an der KMK orientierten Leitlinien des Akademischen Senats der FU in den einzelnen Fachbereichen.

Mathias Bartelt von der FSI Philosophie gab an, er könne keine Rückmeldung zur Bachelor – Reform geben, da der Vorsitzende der Ausbildungskommission nicht anwesend sei.

Ein studentischer Vertreter des FB Physik erklärte, die Umsetzung der Leitlinien sei bisher überschaubar gewesen. Der Fachbereichsrat habe aber eine Rückmeldung verfasst, die in nächster Zeit veröffentlicht werden würde. Noch sei aber nicht klar, was wirklich gehe – eine genauere Absichtserklärung des Rates werde in Kürze folgen.

Prof. Bongardt betonte, dass ein Rahmenkonzept zur Überarbeitung des Bachelor bis zum Beginn des Wintersemesters geplant sei.

Auch vonseiten des FB Nordamerikastudien kamen Klagen über Probleme bei der Umstellung auf den Bachelor und bei dessen Umgestaltung. Dies liege jedoch eher an der Form als an den Inhalten, da die Vereinbarkeit des Studienganges mit einem anderen 90-Punkte-Modul aus rechtlichen Gründen nicht möglich sei.

Mathias Bartelt beklagte die Existenz rechtlicher Grauzonen, die auf verschiedene Unstimmigkeiten zwischen Berliner Hochschulgesetz und KMK-Empfehlungen zurückzuführen seien. Er forderte dazu auf, „sie zu nutzen oder zu schließen“.

Auch das Reizthema Anwesenheitspflicht wurde in aller Ausführlichkeit diskutiert. Inzwischen kontrollieren offenbar nur noch vereinzelte Dozenten die Anwesenheit in Seminaren.
Viele seien froh darüber, die Listen nicht mehr führen zu müssen. In Einzelfällen werde jedoch seit der Aussetzung der Anwesenheitspflicht sogar schärfer kontrolliert, sagte Prof. Bongardt, der sich dabei auf den FB GeschKult bezog.

Studenten berichteten, dass insbesondere Dozenten, die noch nicht fest angestellt sind sowie Dozenten aus dem anglo-amerikanischen Raum die Anwesenheit sehr strikt einfordern und überprüfen.
Auch in der Frage, was unter „aktiver Teilnahme“ zu verstehen sei hätten sie oft strengere Auffassungen als andere Kollegen, so ein Studentenvertreter.

Prof. Bongardt berichtete von seinen Schwierigkeiten mit Seminaren, bei denen „30 Leute auf der Liste stehen, aber jede Woche je 10 andere Leute da sind – und zwar meistens diejenigen, die gerade ihr Referat ableisten.“ Er würde es bevorzugen, wenn etwa 20 Studenten möglichst regelmäßig kämen, da andernfalls sinnvolles Arbeiten im Seminar schwierig sei, so Bongardt.

Im Folgenden entspann sich eine längere Diskussion über alternative Möglichkeiten, aktive und regelmäßige Teilnahme festzustellen. Dabei wurde von studentischer Seite auch die Idee sogenannter „response papers“ eingebracht: Studenten liefern dem Dozenten vor der Veranstaltung ein halbseitiges Statement zu den Vorbereitungstexten, zeigen durch diesen Input aktive Teilnahme und müssen dafür nicht regelmäßig erscheinen.
Haupteinwand gegen „response papers“ war, dass dabei immer der Workload für die Studenten berücksichtigt werden müsse. Dabei wurde aber auch festgestellt, dass die Arbeitsbelastung eines Mono-Bachelors Politikwissenschaften verglichen mit anderen Studiengängen eher im unteren Bereich liegt.

Von LHG-Seite kam der Vorschlag, die Möglichkeit, über „response-papers“ aktive und regelmäßige Teilnahme festzustellen, zumindest für die Studenten der Geisteswissenschaften im Hauptfach zu prüfen.

Mathias Bartelt verteilte in der Sitzung Flyer für eine Veranstaltung im Vorfeld des geplanten „Bildungsstreiks“ und kündigte eine „neue Dynamik“ an. Zu konkreten Zielen des „Streiks“ äußerte er sich nicht.

4 Reaktionen zu “Runder Tisch – Debatte über die Reform der Reform”

  1. Mathias Bartelt

    Lieber Armin Peter,

    schön, daß zum ersten Mal seit Bestehen des Runden Tischs von den auch ab und zu anwesenden “LHG”-Studierenden eine eigene Wortmeldung zu Stande gekommen ist. In allen übrigen RT-Sitzungen ist das nach meiner Wahrnehmung bisher ausgeblieben – geschweige denn, daß sich die “LHG” an den Arbeitsgruppen beteiligen würde.

    Die Idee mit den “Response Papers” wurde im Übrigen auch von mir selbst offen diskutiert. Daher nicht zuletzt war nicht der (i)”Haupteinwand”(/i) gegen “Response Papers” der “workload”, sondern der einzuhaltende und noch weiter zu senkende Gesamt-Workload bildete in meiner Argumentation die (i)Grenze(/i) für Umfang und Häufigkeit der “Papers”. Daher war ein möglicher Vorschlag, beispielsweise drei Mal im Semester so ein “Paper” zu machen – an Stelle anderer Leistungen. Dabei muß natürlich – weiterhin im Rahmen des Gesamt-Workload – sorgfältig unterschieden werden zwischen Prüfungsleistung und “Aktiver Teilnahme” – so, daß keine doppelte Arbeitsbelastung entsteht.

    Zu den übrigen Punkten der Reihe nach:

    Es ging nicht um die Umsetzung der “KMK-Leitlinien” in den Fachbereichen. Sondern der empfohlenen “Leitlinien” des Akademischen Senats der FU, die sich teilweise an der KMK orientieren.

    Der Vorsitzende des von mir genannten “AK” ist nicht der ebensolche eines “Arbeitskreises”, sondern der Ausbildungskommission.

    Weiter habe ich – wie auch Andere in der RT-Sitzung – nicht “beklagt” (das “Klagen” zieht sich mehrfach durch Deinen Artikel), daß rechtliche Grauzonen entstehen, sondern erst ein Mal fest gestellt, daß dies so ist: durch neue KMK-Empfehlungen, durch zum Teil nicht angewandte Regeln des Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG), durch die derzeitigen Diskussionen auf Berliner Ebene zur baldigen Änderung des BerlHG, durch zum Teil nicht angewandte Regeln und Rahmenvorgaben der zentralen FU-Satzungen, durch die Diskussion zur Änderung dieser Regeln und Rahmenvorgaben sowie durch den Vorbehaltsbeschluß (vorbehaltlich einer Änderung eben dieser Satzungen), den die “AS-Leitlinien” darstellen.

    Die Flyer zur geplanten Info-Vollversammlung am kommenden Dienstag, 08.06.10, hatte ich verteilt mit dem Hinweis, daß sich eine neue Dynamik entwickeln könnte(!), durch die sich Anlässe ergäben, den Turnus der Runden-Tisch-Sitzungen zu erhöhen. Konkretes Ziel neuer Proteste soll, wie dem Flyer unter Anderem zu entnehmen, nicht zuletzt die Verhinderung erneuter Kürzungen im Bildungs- und Sozialbereich sein. Welche Form solche Proteste haben können oder sollen, kann auf der Info-VV diskutiert werden. Momentan firmiert das bundesweit unter dem Label “Bildungsstreik”. Ich habe erst ein Mal nur auf die INFO-VV hingewiesen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Mathias Bartelt

  2. Armin Peter

    Hallo Mathias Bartelt,

    bzgl. deiner Anmerkung zum Thema AK und KMK-Empfehlungen: Danke für die Korrektur.

    Der Rest ist, denke ich, in der gegenwärtigen Form nicht zu beanstanden.

    Dass die VV nicht Teil des “Bildungsstreiks” ist, halte ich für eine gewagte These – aber darüber brauchen wir uns ja hier nicht streiten.

    Beste Grüße
    Armin Peter

  3. Carsten H.

    Der Artikel erweckt den Eindruck, als wenn die Fachbereiche die Ergebnisse des Runden Tisches eher zögerlich aufgenommen hätten. Für GeschKult ist das nicht der Fall. Der Fachbereichsrat hat eine Stellungnahme verabschiedet, die alle Punkte überwiegend positiv bewertet. Ich habe sie auf dem Blog der FSI IsTurArIrS verlinkt: http://isturarirs.wordpress.com/ Die letzten drei Artikel befassen sich mit der Überarbeitung des BA in unserem Bereich. Daraus ist zu ersehen, dass jedenfalls bei uns etwas in Bewegung geraten ist.

  4. Ein studentischer Vertreter des FB Physik

    “Ein studentischer Vertreter des FB Physik erklärte, die Umsetzung der Leitlinien sei bisher überschaubar gewesen. Der Fachbereichsrat habe aber eine Rückmeldung verfasst, die in nächster Zeit veröffentlicht werden würde. Noch sei aber nicht klar, was wirklich gehe – eine genauere Absichtserklärung des Rates werde in Kürze folgen.”

    Das ist ja nun überwiegend grober Unfug und von mir nie so gesagt worden.

    Die Umsetzung ist nicht überschaubar gewesen, es hat bisher keine Umsetzung gegeben, da die Studienordnung noch nicht überarbeitet wurde. Dies steht erst noch an. Worum es jetzt ging, war eine Rückmeldung über die Leitlinien an das Präsidium.

    Der FBR wird keine “genauere Absichtserklärung” veröffentlichen, sondern früher oder später eine von der Ausbildungskommission erarbeitete Studienordnung erlassen. “Was wirklich gehe” ist in der Tat noch nicht klar, allerdings liegt das daran, dass noch nicht bekannt ist, wieviel der Leitlinien im neuen Rahmenkonzept für Bachelor- und Masterstudiengänge Niederschlag finden werden.

    Beste Grüße
    Andreas Bodmeier

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