[Dieser Artikel wurde von einem der LHG nahestehenden Studenten verfasst.]
Vergleicht man die Preise für Semestertickets an einigen Universitäten Berlin-Brandenburgs, fallen sofort die großen Preisunterschiede ins Auge.
Zahlt man in Frankfurt / Oder 88€ pro Semester, in Potsdam 139€, sind es an der FU Berlin stattliche 163€.
Dazu muss noch angemerkt werden, dass das hiesige Ticket die geringsten
Leistungen bietet, da es den kleinsten Geltungsbereich hat, wohingegen die beiden Brandenburgischen Unis alle Leistungen, die FU-Studenten in Anspruch nehmen können, ebenfalls erhalten.
Fragt man nach, weshalb der Preis unseres Semestertickets so sozialunverträglich hoch ist, führt der FU-AStA zur Begründung an, dass es an der BVG liege, die sich aufgrund mangelnder öffentlicher Zuweisungen bei den Studierenden schadlos halte. Flugs ist das Weltbild wieder in Ordnung, denn offenbar ist wieder einmal die „neoliberale Agenda“ des rot-roten Senats schuld.
Andere Skeptiker führen weitere Argumente ins Feld: So zeige sich die BVG bei Berliner Universitäten besonders hartnäckig, da diese deren Angebot rege nutzen. Stimmt natürlich, wobei die geographische Lage Potsdams nahelegt, dass dortige Studenten ebenfalls von Zeit zu Zeit mit der BVG fahren.
Andererseits haben Berliner Studenten nicht die Möglichkeit, ins Umland zu fahren, was sie aber angeblich ohnehin nicht täten. Ob es wohl mit den entstehenden Zusatzkosten zusammenhängt? Auch die hohen Zahlen der Studierenden der FU sorge dafür, dass der VBB kein günstiges Angebot mache, da er ja viel mehr verdienen könne, wenn sich FUler reguläre Tickets kaufen würden.
Ob das wahrscheinlich ist? Ist es realistisch, dass sich die die häufig nicht so betuchten Studierenden geschlossen ein Jahresabo ABC kaufen würden? Oder würden die Findigen nicht viel eher nach Möglichkeiten suchen, ihre Mobilität zwar weniger bequem, dafür aber preiswerter zu organisieren? Ganz abgesehen von denen, die derzeit ein nicht benötigte Monatskarte kaufen müssen, da es sich um ein Solidarmodell handelt.
Auch die aufgrund niedrigerer Studierendenzahlen geringerer Kaufkraft von Viadrina und der Uni Potsdam erklärt nicht, weswegen die Verkehrsbetriebe großzügige Geschenke an diese verteilen sollten.
Die garantierten und planbaren Einnahmen durch 32.000 Studierende allein an der FU, plus die vieler Zehntausender weiterer von anderen Berliner Hochschulen, sollten ein Pfund sein, mit dem man wuchern könnte.
Ein Schülerticket AB hat übrigens den gleichen Preis wie das Semesterticket, jedoch ohne den Vorzug für die Verkehrsbetriebe, dass die ganzjährige Abnahme a l l e r potentiellen Ticketkäufer auf lange Sicht gesichert ist.
Auch das Argument, dass die BVG ja eher froh wäre, wenn ihre Transportkapazitäten nicht durch Mitfahrer zum Sonderpreis ausgelastet würde, ist nicht stichhaltig. Schließlich gab und gibt es bei der BVG Überlegungen, die ÖPNV-Lebensader der FU, die U3, aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen. Diesen Überlegungen wurde aber eine politische Absage erteilt, die Linie muss weiterbetrieben werden.
[http://www.tagesspiegel.de/berlin/verkehr/zehlendorfer-fuerchten-auf-der-strecke-zu-bleiben/1565742.html]
Ohne die Studierenden der Freien Universität würde sie aber noch unwirtschaftlicher, auch das sollte für die BVG ein Argument sein, preislich entgegenzukommen.
Sollten diese finanziellen Argumente nicht zugkräftig sein, käme immer noch ein politisches Vorgehen in Frage. Nicht zuletzt fordert der Asta ja immer wieder die Studierenden auf, kräftig Rabatz für eine Fülle von Themen zu machen, hier jedoch ist es mit dem Bemühen um Mobilisierung merkwürdig still. Auch im Berliner Maßstab sind die Studierenden nicht unerheblich an der Zahl, es gäbe hier sicherlich die Bereitschaft zum Entgegenkommen der Landespolitik, richtige Interessenartikulierung vorausgesetzt.
Sonst gibt es eigentlich kein Thema, dass für unseren Asta zu groß wäre, wie der Entwurf zur Urabstimmung zeigt, die zeitgleich mit den StuPa-Wahlen stattfindet:
[http://www.lhg-berlin.com/fu/news/2010/12/18/urabstimmung-der-ganz-grose-wurf/]
Selbst eher exotische Anliegen fanden Eingang in den besprochenen Forderungskatalog, nur das Thema, welches wirklich jeden Studierenden betrifft, fehlt – das Semesterticket wird mit keiner Silbe erwähnt. Sind die aufgeführten Dinge wirklich alle von größerer Bedeutung? Dabei hätte es sehr gut gepasst, da momentan ökologische und soziale Zielsetzungen kollidieren.
Man muss angesichts dessen natürlich die Frage stellen, weswegen es den Asten nicht gelungen ist, einen niedrigeren Preis und/oder eine Ausweitung des Geltungsbereich zu erzielen. Hier kann man nur mutmaßen, wie gewohnt äußern sich unsere Repräsentanten in eher dürren Worten:
“Bezeichnenderweise wurde von den Vorständen der Verkehrsbetriebe erst der Preis des Semestertickets beschlossen, im Dezember 2006, und dann die Studierendenvertretungen zu Verhandlungen bzw. der Bekanntgabe der neuen Preise eingeladen. Mangelnder politischer Druck durch den Senat führte dazu, dass die Preiserhöhungen nicht verhindert werden konnten.”
Es sieht so aus, als hätten sich die Studentevertreter hier über den Tisch ziehen lassen – warum sollte ein bekennend linker Asta keinen Zugang zur linken Landesregierung gefunden haben? Dies würde seltsam anmuten, schließlich ist das unter denselben politischen Vorzeichen in Brandenburg gelungen. Eventuell war es eine Frage der Prioritätensetzung, doch vermutlich lag es auch am Verhandlungsgeschick des derzeitigen AStA: Häufiger schon ging man mit absoluten Maximalforderungen in Verhandlungen, um dann infolge schriller Töne mit leeren Händen dazustehen. Jedenfalls sollte das Thema in der kommenden Legislaturperiode Vorrang erhalten, Verbesserungsspielräume sind definitiv vorhanden – zumal da das Semesterticketbüro laut Haushaltsplan 2009/10 stolze 100 000 Euro (!) verschlingt. Wenn schon nicht beim Preis, dann wenigstens beim Geltungsbereich ist Nachbesserung geboten. Solange das Problem beim AStA unter „ferner liefen“ firmiert, wird allerdings nichts geschehen.
Die LHG setzt sich dafür ein, dass die Verhandlungen in der nächsten Legislaturperiode absoluten Vorrang erhalten, sodass alle FU-Studenten finanziell entlastet werden können. Wir sind überzeugt, dass der AStA hier seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.
Die FU kann mehr. Mitbestimmung fängt mit wählen an – wir bitten dich um deine Unterstützung bei den StuPa-Wahlen vom 11. bis 13. Januar, denn es ist auch deine Uni!
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