“Ich lasse mir nicht mal vom Regierenden Bürgermeister vorschreiben, wie ich Wissenschaftspolitik zu machen habe!”
So sprach heute im Kuratorium der Wissenschaftssenator Zöllner zu Präsident Lenzen auf dessen Ansage hin, bei welchen Punkten er (Lenzen) beim “Masterplan Wissenschaft” nicht mitgehen werde. Vorausgegangen war eine Vorstellung eben jenes Masterplanes, bei der Zöllner insgesamt zwölf Ziele formulierte - die hier aufzuzählen nicht nötig ist - ergänzt um die Information, dass es ihm letztendlich egal sei, wie diese erreicht würden. Sein Vorschlag des “International Forum of Advanced Studies” sei nur eine Variante, diese Ziele zu erreichen, und jeder bessere Vorschlag wäre gerne gesehen.
Insgesamt wurde deutlich, dass das gesamte Kuratorium sowie die anwesenden Präsidiumsmitglieder einhellig mit den grundsätzlichen Zielen des Wissenschaftssenators einverstanden sind, die Umsetzung in einer universitätsartigen Einrichtung, die MA- und Promotionsrechte besitzt und die die konzeptionelle Steuerung der Forschungsaktivitäten in Berlin übernehmen soll, jedoch ablehnt. Nachdem dieses klar wurde, wurde der Herr Senator etwas, naja sagen wir: “emotional”, blieb aber unfähig, die vielen richtigen Gegenargumente aus dem Saale mit eigenen Argumenten zu widerlegen.
Am Ende der über zweistündigen Debatte beschloss das Kuratorium dann einstimmig (bei Enthaltung des Senators, der auch Mitglied ist), die oben beschriebene einhellige Position dem Präsidenten als Verhandlungsempfehlung in einer Resolution offiziell in die Gespräche der nächsten Wochen mitzugeben.
Weitere Themen:
Exzellenz-Initiative: Die Ergebnisse der Exzellenzinitative wurden nochmals kurz und ohne großes Tamtam vorgestellt. In zwei bis drei Wochen wird klar sein, wie viel Geld genau an unsere Universität geht, danach werden die neuen Stellen ausgeschrieben. Insgesamt wird es sieben neue Professuren geben, dazu noch eine Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Da all diese nicht nur forschen sondern auch lehren werden, wird das auch positive Effekte auf die Studiensituation in den betroffenen Fächern haben. Eine genaue Berechnung der zu schaffenden Lehr-Kapazitäten sei aber zu kompliziert, so Kanzer (Verwaltungsleiter) Lange, auch weil unter Umständen die Promotionsstudierenden in den Graduiertenschulen mit in die Lehre einbezogen werden könnten. Im Zuge der Forschungsvorhaben würden zwar die Deputate (Lehrverpflichtungen) einiger Forscher reduziert werden, hierfür stünden aber Ausgleichsmittel zur Verfügung, die auf jeden Fall das Maß an Lehre garantieren sollen, die durch die Schaffung neuer Stelle zusätzlich vorhanden sein muss. Die Professuren seien - anders als an anderen Universitäten - auch mittelfristig durch die Fachbereiche finanzierbar und werden nicht im Zuge eines Verdrängungswettbewerbs nach Ende der Exzellenz-Förderung zu Lasten anderer Stellen gehen.
Die Zahl der Promotionsstipendien wird deutlich ansteigen, weil nicht nur in den drei geförderten Graduiertenschulen sondern auch über die Dahlem Research School (kurz: DRS), eine Dach-Graduiertenschule, die in der Hauptförderlinie des Exzellenzantrags der FU genehmigt wurde, solche Stipendien zur Verfügung stehen werden. Präsident Lenzen rechnet auch damit, dass noch Drittmittel über die neuen Strukturen eingeworben werden können, mit denen noch mehr solcher Stipendien entstehen könnten.
Das Kuratorium wird die Umsetzung der Exzellenzinitative ab sofort regelmäßig verfolgen; der Präsident wird zu jeder Sitzung seinem Bericht einen Abschnitt zu diesem Thema beifügen.
Psychologie-Aufnahmetest: Wie die Vizepräsidentin für Lehre, Keitel-Kreidt, mitteilte, hatte der zu diesem Semester erstmals stattfinde Ausfnahmetest für den Bachelor “Psychologie” ein klares Ergebnis: Einen signifakanten Unterschied zur Auswahl mit der Abiturnote gibt es nicht. Von den 2000 getesteten Studierenden wurden 126 zugelassen, von denen wiederum nur 6 Studierende es nicht über die Abinote geschafft hätten. Diese Studienkohorte soll jetzt weiter beobachtet werden, um zu sehen, wie die Studienerfolge bei diesen Studierenden aussehen.
Abbrecherquote bei Bachelor-Studiengängen: Wie auch schon andernorts zu lesen war, ist die Abbrecherquote in einigen BA-Studiengängen offensichtlich “erheblich” (Zitat Lenzen). Die Gründe dafür seien zum Teil überraschend, so Lenzen. Viele würden heute einfach schneller die Uni wechseln, aber ein Sockel von 20-25% seien universitätsgemachte Probleme, die man angehen müsse. Der offizielle Bericht hierzu wird dem Akademischen Senat und dem Kuratorium im November zugehen und dann diskutiert werden.
Die Sache “Scharenberg”: In den Medien und durch die studentischen Blogs war die Nicht-Berufung der Junior-Professur in der Nordamerikanistik bis zur Exzellenz-Entscheidung DAS Thema. Auf meine Anfrage, wie in dieser Sache weiter verfahren würde, informierte die Erste Vize-Präsidentin Lehmkuhl, dass der Institutsrat des John-F-Kennedy-Instituts (JFK) die Berufungsliste jetzt an die Berufungskommission zurückgegeben habe. Einige Mitglieder der Kommission seien zurückgetreten und würden auf einer der nächsten Fachbereichsratssitzungen ersetzt werden. Die Kommission müsse dann entscheiden, wie weiter zu verfahren sei.
“Graduation Day: Wenn es finanziell möglich ist, soll es 2008 zur 60-Jahr-Feier der FU Berlin zum ersten mal einen uniweiten Abschlusstag geben.
Lehr-Offensive: Lenzen wies erneut darauf hin, dass im Rahmen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) eine Lehr-Initiative in der Diskussion sei. Hier könne es allerdings nicht um einen Wettbewerb gehen, weil die Lehre in einer solchen Form nicht vergleichbar sei. Vielleicht könne es aber so etwas wie eine Qualitätssiegel “Lehre” geben, über das Mittel für die Verbesserung von Lehre an die Hochschulen fließen könnte.
Unser AStA: hat wieder einmal sein Rede- und Antragsrecht nicht wahrgenommen. Der Stuhl der Studierendenvertretung blieb leer - und das, obwohl all jene politischen Fragen angesprochen und diskutiert wurden, die den AStA in den letzten Wochen beschäftigt haben.
Randnotiz: In einem Nebensatz ließ der Wissenschaftssenator im öffentlichen Teil der Sitzung fallen, dass der Erfolg von Berlin bei der Exzellenzinitiative am Abend vor der Entscheidung noch längst nicht sicher gewesen wäre. Mehr sagte er nicht dazu.