KfL #111 - das Sommerloch füllt sich…

Alex SpielauLehre, Akademische Gremien, Hochschulpolitik, FU 0 Kommentare »

An diesem Dienstag traf sich die Kommission für Lehre (KfL) zu ihrer 111. Sitzung. Die Sitzung wurde von Vizepräsidentin Prof. Keitel-Kreidt geleitet. Bestimmende Themen waren der Revisionsprozess zu den Leitlinien zur Studien- und Prüfungsordnung und der AS-Beschlussfassung zu den Leitlinien Qualitätspolitik und -ziele für Studium.
In einer langwierigen, jedoch größtenteils Konsens-orientierten Diskussion wurden der inneruniversitäre Revisions- und Abstimmungsprozesse zum Leitlinienpapier sowie der politische Reformprozess (Novelle BerlHG; Positionspapier der Senatsverhaltung zur Bologna-Reform) dargestellt und besprochen. Als universitäre Ziele dieses Prozesses sollen neben dem Entstehen eines Leitlinienpapieres, auch ein Modulhandbuch und eine Handreichung zu Lehr- und Prüfungsmöglichkeiten den Fachbereichen zur Verfügung gestellt werden.
Die übliche Diskussion zu den Kompetenzen der KfL und deren Mitgliedern wurde selbstverständlich auch geführt. Aufgrund dessen wurde die Besprechung der AS Vorlage Qualitätspolitik und –ziele sehr kurz andiskutiert und nachfolgend – wieder einmal – vertagt.

„Wir scheißen auf die Geschäftsordnung“

Armin PeterHochschulpolitik, FU 23 Kommentare »

Im Vorfeld des sogenannten „Bildungsstreiks“ hatten linke Aktivisten für heute, 14 Uhr eine „Info-Vollversammlung“ angekündigt. Etwa 50 Studenten waren gekommen – eine Vollversammlung war die Zusammenkunft allerdings nicht. Stattdessen verkam das Treffen schnell zum Paradebeispiel für das fehlende Demokratieverständnis linksextremer Gruppen an der FU – alle wichtigen Grundsätze der Geschäftsordnung wurden schlichtweg ignoriert - oder haben die Aktivisten sie etwa bewusst missachtet?

Gemäß der Satzung der Studierendenschaft trägt eine Vollversammlung „zur Entscheidungsfindung der Organe der Studierendenschaft bei“ (§14 Abs. 1).
Des Weiteren steht in der Geschäftsordnung, dass die Vollversammlung nur dann beschlussfähig ist, wenn mindestens fünf Prozent der Studierenden der FU anwesend sind – bei etwa 32000 immatrikulierten Studenten wären das also ca. 1600 Personen (§14 Abs. 1 Satz 4). Dies ist notwendige Voraussetzung dafür, dass eine Zusammenkunft auch tatsächlich eine Vollversammlung ist, die „empfehlenden Charakter“ für die Organe der Studierendenschaft hat (§14 Abs. 4).
Außerdem ist laut Satzung jedes Mitglied der Studierendenschaft rede-, antrags- und stimmberechtigt (§14 Abs. 2).

„Verpiss dich“: Antragsteller wird beschimpft.

Als zum Beginn der Versammlung lediglich etwa 50 Studierende erschienen waren, stellte die LHG einen sogenannten „GO-Antrag“ zur Prüfung der Beschlussfähigkeit gemäß Geschäftsordnung.
Die Moderatoren machten allerdings keinerlei Anstalten, ihrer Pflicht zur Überprüfung der Beschlussfähigkeit des Treffens nachzukommen. Stattdessen sahen sie feixend zu, wie der Antragsteller aus der Gruppe heraus verächtlich und aggressiv beschimpft wurde: „Verpiss dich“, hieß es da unter anderem. Am meisten Beifall erhielt jedoch der rotzige Kommentar eines Versammlungsteilnehmers: „Wir scheißen auf deine Geschäftsordnung“.

Die Verstöße gegen die Satzung hinderten das Grüppchen im Folgenden nicht daran, die Zusammenkunft weiterhin unter dem Titel „Info-Vollversammlung“ laufen zu lassen.
Der erste Beschluss des Treffens lautete, gemeinsam mit einem Megaphon bewaffnet in die Mensa einzumarschieren, um dort im Namen der Studierenden spontan gegen eine angeblich kaputte Klimaanlage zu demonstrieren.

Beschlüsse ohne Beschlussfähigkeit

Als der kurze Spaziergang durch die (eiskalte) Mensa vollbracht war, folgte eine längere Debatte über die Ergebnisse des letzten „Bildungsstreiks“. Einigkeit herrschte darüber, dass der „Streik“ trotz umfassender Maßnahmen weitgehend ergebnislos war. Ein Redner stellte gar „eine gewisse Apathie“ unter den „Streikenden“ fest.
Im Anschluss an die Debatte fasste das Kaffeekränzchen zu verschiedenen Themen weitere Beschlüsse – hauptsächlich bezogen auf kommende Termine für Treffen der „Bildungsstreikenden“. Offenbar um den Verstoß gegen die Satzung zu kaschieren war die Moderation dazu übergegangen, Abstimmungen zur Beschlussfindung als „Stimmungsbild“ zu bezeichnen.

Die Missachtung der Satzung ist ein Schlag ins Gesicht der gesamten Studierendenschaft – immerhin hat das Studierendenparlament das Regelwerk im Namen und zum Wohle aller im Interesse einer guten Grundordnung beschlossen.
„Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben“ – diesen programmatischen Grundsatz hat Walter Ulbricht 1945 formuliert. Die Umsetzung dieser Prämisse mündete in die zweite, diesmal sozialistische Diktatur auf deutschem Boden. Den antidemokratischen Grundsatz des alten SED-Granden nehmen sich linksextreme Kreise an der FU offenbar noch heute zu Herzen: Aller Offenheits-Rhetorik zum Trotz werden kritische Fragen und abweichende Meinungen niedergebügelt – ein kleiner, elitärer Zirkel weltferner Aktivisten dagegen agitiert munter vor sich hin, als bewege er sich in einem rechtsfreien Raum.

Linksextreme Minderheit nicht legitimiert

Auch deshalb ist die Beteiligung an allen Aktionen rund um den Bildungsstreik gemessen an der Gesamtzahl der Studierenden verschwindend gering – mit weiter sinkender Tendenz. Die Mehrheit der Kommilitoninnen und Kommilitonen an der Freien Universität ist offensichtlich nicht daran interessiert, sich von einer kompromisslos linksextremen Minderheit vertreten zu lassen.
Daraus aber folgt, dass dem „Bildungsstreik“ und seinen rechtsbeugenden studentischen Akteuren -zumindest an der FU- jegliche Legitimität fehlt.

Info: Die gesamte Satzung der Studierendenschaft der FU Berlin findest du hier: web.fu-berlin.de/zwv/vorschr/studsatz.pdf

Runder Tisch – Debatte über die Reform der Reform

Armin PeterFU 4 Kommentare »

Am vergangenen Freitag hat der Runde Tisch an der FU zum Thema „Wie steht es um die Reform der Reform? Zu Studienbedingungen und Studiengängen“ getagt.
Die Beteiligung seitens der Studenten war spärlich, etwa ein Dutzend Leute waren insgesamt zusammengekommen, um über bereits vollzogene Änderungen am Bachelor zu sprechen.
Einem Mehrheitsbeschluss der Anwesenden folgend wurde eine Debatte über die Möglichkeit, Studium und Kinder zu vereinbaren, auf einen gesonderten Termin verschoben.
Professor Bongardt erkundigte sich dann nach der Umsetzung der an der KMK orientierten Leitlinien des Akademischen Senats der FU in den einzelnen Fachbereichen.

Mathias Bartelt von der FSI Philosophie gab an, er könne keine Rückmeldung zur Bachelor – Reform geben, da der Vorsitzende der Ausbildungskommission nicht anwesend sei.

Ein studentischer Vertreter des FB Physik erklärte, die Umsetzung der Leitlinien sei bisher überschaubar gewesen. Der Fachbereichsrat habe aber eine Rückmeldung verfasst, die in nächster Zeit veröffentlicht werden würde. Noch sei aber nicht klar, was wirklich gehe – eine genauere Absichtserklärung des Rates werde in Kürze folgen.

Prof. Bongardt betonte, dass ein Rahmenkonzept zur Überarbeitung des Bachelor bis zum Beginn des Wintersemesters geplant sei.

Auch vonseiten des FB Nordamerikastudien kamen Klagen über Probleme bei der Umstellung auf den Bachelor und bei dessen Umgestaltung. Dies liege jedoch eher an der Form als an den Inhalten, da die Vereinbarkeit des Studienganges mit einem anderen 90-Punkte-Modul aus rechtlichen Gründen nicht möglich sei.

Mathias Bartelt beklagte die Existenz rechtlicher Grauzonen, die auf verschiedene Unstimmigkeiten zwischen Berliner Hochschulgesetz und KMK-Empfehlungen zurückzuführen seien. Er forderte dazu auf, „sie zu nutzen oder zu schließen“.

Auch das Reizthema Anwesenheitspflicht wurde in aller Ausführlichkeit diskutiert. Inzwischen kontrollieren offenbar nur noch vereinzelte Dozenten die Anwesenheit in Seminaren.
Viele seien froh darüber, die Listen nicht mehr führen zu müssen. In Einzelfällen werde jedoch seit der Aussetzung der Anwesenheitspflicht sogar schärfer kontrolliert, sagte Prof. Bongardt, der sich dabei auf den FB GeschKult bezog.

Studenten berichteten, dass insbesondere Dozenten, die noch nicht fest angestellt sind sowie Dozenten aus dem anglo-amerikanischen Raum die Anwesenheit sehr strikt einfordern und überprüfen.
Auch in der Frage, was unter „aktiver Teilnahme“ zu verstehen sei hätten sie oft strengere Auffassungen als andere Kollegen, so ein Studentenvertreter.

Prof. Bongardt berichtete von seinen Schwierigkeiten mit Seminaren, bei denen „30 Leute auf der Liste stehen, aber jede Woche je 10 andere Leute da sind – und zwar meistens diejenigen, die gerade ihr Referat ableisten.“ Er würde es bevorzugen, wenn etwa 20 Studenten möglichst regelmäßig kämen, da andernfalls sinnvolles Arbeiten im Seminar schwierig sei, so Bongardt.

Im Folgenden entspann sich eine längere Diskussion über alternative Möglichkeiten, aktive und regelmäßige Teilnahme festzustellen. Dabei wurde von studentischer Seite auch die Idee sogenannter „response papers“ eingebracht: Studenten liefern dem Dozenten vor der Veranstaltung ein halbseitiges Statement zu den Vorbereitungstexten, zeigen durch diesen Input aktive Teilnahme und müssen dafür nicht regelmäßig erscheinen.
Haupteinwand gegen „response papers“ war, dass dabei immer der Workload für die Studenten berücksichtigt werden müsse. Dabei wurde aber auch festgestellt, dass die Arbeitsbelastung eines Mono-Bachelors Politikwissenschaften verglichen mit anderen Studiengängen eher im unteren Bereich liegt.

Von LHG-Seite kam der Vorschlag, die Möglichkeit, über „response-papers“ aktive und regelmäßige Teilnahme festzustellen, zumindest für die Studenten der Geisteswissenschaften im Hauptfach zu prüfen.

Mathias Bartelt verteilte in der Sitzung Flyer für eine Veranstaltung im Vorfeld des geplanten „Bildungsstreiks“ und kündigte eine „neue Dynamik“ an. Zu konkreten Zielen des „Streiks“ äußerte er sich nicht.

KfL #108 und #109

Alex SpielauLehre, Akademische Gremien, Hochschulpolitik, FU 0 Kommentare »

An diesem Dienstag traf sich die Kommission für Lehre (KfL) zu ihrer 109. Sitzung. Die Sitzung wurde von Vizepräsidentin Prof. Keitel-Kreidt geleitet. Bestimmendes Thema war die Einrichtung der Masterstudiengänge „Psychologie“ und „Social, Cognitive and Affective Science“ (SCAN).
Als Experten wurde Prof. Heekeren und Studiendekan Dr. Petri zur Präsentation der Studiengänge eingeladen. Auch zwei Studierende aus dem FB waren anwesend und konnten kritischen Input zu den Masterstudiengängen liefern. Kritisch hinterfragt wurde u.a. die vermeintlich elitäre Natur des SCAN Studiengangs aufgrund der kleinen Zulassungszahl von angestrebten 15 Studierenden, die Zulassungsbestimmungen bzw. –Voraussetzungen, welche unter Umständen noch dem BerlHochschulG widersprechen, und die zu spezielle Ausrichtung des SCAN-Masters, welcher bei einer Personalveränderung obsolet werden kann. Die beiden Vorlagen wurden letztendlich angenommen.
Abschließend hat die KfL die Vorlage A mit einigen Änderungen dem AS einstimmig
zur Annahme empfohlen.

Nachtrag zur 108. KFL:
Nachtragen möchte ich noch einige Punkte zur letzten KfL Sitzung nachliefern. In dieser wurde sehr langwierig wurde die Vorlage des Runden Tisches A diskutiert. Wobei sich die Runde mehrfach nicht einigen konnte, wie mit der Originalvorlage des Runden Tisches zu verfahren sei. Die zum Teil heftigen Wortwechsel, ob dieses eigentlich marginalen Punktes, waren der Mehrheit der KfL nicht verständlich. Nachfolgend wurde die Vorlage Satz für Satz debattiert. Besonders das selbständige Anmelden für Fächer und Prüfungen stand zur Debatte. Vorgebracht wurden u.a. die Stärkung der studentischen Selbstverantwortung und die Bedeutung der Anmeldung als bewussten Rechtsakt. Dr. Fijal berichtete in dem Zusammenhang von den positiven Erfahrungen aus den Rechtswissenschaften
Danach wurde über die Zulassungsordnung der Bachelor- und Masterstudiengänge gesprochen. Bedeutend ist, dass die Fächerkombination Geschichte, Deutsch und Sozialkunde (Lehramt) nicht gewählt werden, weil das Land Berlin keine Lehrer mit dieser Kombination übernehmen. Danach wurde über den weiterbildenden Masterstudiengang Zukunftsforschung diskutiert. Erwähnenswert ist, dass dieser kostenpflichtig sein (1300Euro).
Abschließend, wurde noch der Fragebogen zur Befragung der Bachelorstudierenden im Sommersemester 2010 vorgestellt. Zu diesem Zweck war Prof. Thiel aus dem FB Erziehungswissenschaft und Psychologie anwesend, um über den abzuhaltenden Bachelorbefragungsbogen zu referieren.
Die Befragung der Bachelorstudierenden dient prinzipiell der Studiensituation und dem Studienerfolg der Bachelorstudierenden. Kritisch angemerkt wurde, dass der Fragebogen wieder nur per Email über die ZEDat versendet wird. Auf die unterschiedlichen Verteiler an bestimmten Fachbereichen und die zum Teil mangelhafte Erreichbarkeit von Studiereden über ihren ZEDat-Account wurde dabei hingewiesen. Die KfL vertagte sich nachfolgend.

107. Sitzung der KfL - alter Streit um fehlende Informationen

Alex SpielauLehre, Akademische Gremien, Hochschulpolitische Veranstaltungen, FU 5 Kommentare »

Am Dienstag den 13. April traf sich die Kommission für Lehre (KfL) zu ihrer 107. Sitzung. Die Sitzung wurde von Vizepräsidentin Prof. Keitel-Kreidt geleitet. Bestimmende Themen waren Einrichtung des Masterstudiengang Bildungswissenschaft, die Verlängerung der Einrichtungsdauer von Bachelorstudiengängen, und eine Diskussion über die Informationspolitik des Präsidiums.
Die KfL einigte sich zuerst auf die Vertagung der AS Vorlage Qualitätspolitik und Qualitätsziele auf die nächste KfL Sitzung. Tenor war, dass sich das neue Präsidium mit dem Qualitätspapier zuerst beschäftigen solle. Ebenso wurde der TOP Projekttutorien aufgrund fehlender studentischer Initiativen vertagt.
Nachfolgend beschäftigte sich die KfL mit der Einrichtung des Masterstudiengangs „Bildungswissenschaft“ und der Aufhebung der Masterstudiengänge „Erziehungswissenschaft: Bildung, Kultur und Wissensformen“ und „Erziehungswissenschaft: Forschung und Entwicklung in sozialen und pädagogischen Organisationen“. Als Experte wurde Prof. Dr. Harm Kuper zum Vortrag eingeladen.
Dieser führte aus, dass die formalen Strukturen des neuen Studienganges mit denen der alten fast identisch seien. Ebenso bleibe das Modulgerüst erhalten. Im Prinzip, so Kuper, würden die bisherigen zwei Schwerpunktprofile zu einem Studiengang verschmolzen, was wechselseitige Schwerpunktkurse wählbar mache und mehr Flexibilität und Wahlfreiheit bringe. Studierende könnten sich weiterhin in den Profilen der alten Studiengänge vertiefen.
Von studentischer Seite kritisch hinterfragt, wurde das Vorhandensein von Äquivalenzlisten für Kurse, welche von Studierenden der allen MA Studiengänge belegt wurden und die nun in den neuen Studiengang wechseln wollen. Auch bleiben die Gender-Aspekte als inhärenter Teil bildungswissenschaftlicher Studiengänge erhalten. Von den studentischen Vertretern Sarah Walz und Matthias Bartelt wurde die fehlende Kompetenz der KfL, die inhaltlichen Änderungen zu evaluieren, und die kurzfristige Weiterreichung in die KfL kritisiert. Prof. Bongardt entgegnete jedoch, dass die KfL nicht zuständig für inhaltliche Kritik sei. Letztlich zeigte sich auch eine studentische Vertreterin des Fachbereiches Erziehungswissenschaften und Psychologie mit MA Programm Vorschlag zufrieden. So wurde der Vorschlag trotz der Gegenstimmen von Walz und Bartelt angenommen.
Nachfolgend beschäftigte sich die KfL mit der Verlängerung der Einrichtungsdauer von Bachelorstudiengängen. Diese Vorlage wurde angenommen. Wiederum kritisierten Sarah Walz und Matthias Bartelt das Nichtvorhandensein von Informationen zu diesen Studiengängen, welches ihre Entscheidungsfähigkeit einschränken würde.
Die Diskussion um die Verlängerung der Bachelorstudiengänge, wurde jedoch durch eine langwierige Debatte um die Offenlegung von Informationen durch das Präsidum unterbrochen. Mit Vehemenz verlangten Sarah Walz und Matthias Bartelt nach der Herausgabe von Statistiken zu Studienbeginnern, Absolventen und Studienabbrüchen der hinterfragten Studiengänge. Das diese in der verlangten Form nicht vorlägen, wurden von den beiden nicht zur Kenntnis genommen. Nach Aussage von Prof. Keitel-Kreidt würde eine Implementierung via CM angestrebt, sei jedoch technisch noch gar nicht möglich.
Zuletzt wurde aufgrund der fortgeschrittenen Zeit, die Diskussion der Runder-Tisch-Vorlagen auf die kommende KfL-Sitzung vertagt. Die allgemeine Diskussionskultur ist altbekannten Bahnen gefolgt. Gerade die langwierige Diskussion um die Offenlegung von gar nicht vorhandenen Informationen war zum Teil grotesk.

Aufruf zum Institutstag am OSI

Kristina KaempferHochschulpolitische Veranstaltungen, Hochschulpolitik, FU 0 Kommentare »

Noch einmal sei auf den Institutstag, der am Freitag am OSI stattfindet, hingewiesen. Da an diesem Tag alle Veranstaltungen ausfallen sollen (es besteht zumindest keine Anwesenheitspflicht), ermöglicht dies allen Studierenden am Austausch mit Dozierenden und anderen Angehörigen des Instituts teilzunehmen.

Nach letzter Aktualisierung steht zum jetzigen Zeitpunkt folgendes Programm fest:

10.15 – 11.45: Diskussion “Wie geht es weiter am OSI?”
Der Strukturplan des Otto-Suhr-Instituts legt fest, welche Professuren es in Zukunft geben soll. Der aktuell gültige Strukturplan mit 13 Professuren wurde im Mai 2008 vom Instituts- und Fachbereichsrat beschlossen – allerdings ist die Art seines Zustandekommens und seine Ausgestaltung heftig umstritten. Die Studierenden fordern seither eine öffentliche Diskussion und eine Revision des Strukturplans, in dem es u.a. keine Vollprofessur Ideengeschichte mehr gibt. Der Institutstag bietet nun endlich die Möglichkeit, dass Studierende und Lehrende gemeinsam überlegen, wie die Stellenstruktur am Institut in Zukunft aussehen soll.

12.00 – 13.30: Studentisch organisierte Arbeitsgruppen

13.30 – 14.30: Mittagspause

14.30 – 15.00: Zusammenstellung und Vorstellung der Ergebnisse der Arbeitsgruppen

15.15 – 18:00: Plenum zur Reform des BA/MA Politikwissenschaft
Die Kritik am aktuellen OSI-Bachelorstudiengang ist vielfältig: zu große Arbeitsbelastung, kurzer Zeithorizont des Studiums, geringe Wahlfreiheit, Oberflächlichkeit der inhaltlichen Auseinandersetzung… Ein Zurück zum Diplom scheint jedoch nicht mehr möglich. Deshalb geht es nun darum die aktuellen BA/MA-Studiengänge zu reformieren. Eine Arbeitsgruppe aus Studierenden, Lehrenden und Mitarbeiter_innen der Verwaltung hat dazu einen Vorschlag erarbeitet, der ein „Y-Modell“ vorsieht, das die Entscheidung zwischen einem sechsemestrigen und achtsemestrigen Bachelor ermöglicht. Mit dem Angebot eines achtsemestrigen Bachelors geht die Verkürzung des allgemeinen Masters Politikwissenschaft auf zwei Semester einher.Alle Studierenden und Lehrenden sind nun gefragt, im Plenum ihre Meinung zum Reformvorschlag kundzutun. Wir wollen vermeiden, dass Mängel der aktuellen Studienordnungen unbehoben bleiben! Wer sich bereits vorab über die Details des Vorschlags informieren möchte, findet auf Blackboard unter dem Kurs „OSI 4-JAHRES-BACHELOR“ sämtliche Protokolle der Arbeitsgruppe sowie die Konzeptionen der Studiengänge.

anschließend: Feier 

Kommt daher zahlreich und nutzt die Gelegenheit zur Diskussion sowie zum offenem (und hoffentlich konstruktivem) Austausch!

Institutstag am 13.11: vorläufiges Programm und weitere Vorbereitungstreffen

Kristina KaempferTermine, Hochschulpolitische Veranstaltungen, Hochschulpolitik, FU 0 Kommentare »

Beim heutigen Vorbereitungstreffen für den OSI-Institutstag wurde das folgende (vorläufige) Programm festgelegt:

10.15. - 11.45: Diskussion “Wie geht es weiter am OSI?” (Strukturplandiskussion)

12.00 - 13.30: Arbeitsgemeinschaften

13.30 - 14-30: Mittagspause

14.30 - 15.00: Zusammenfassung der Arbeit in den Arbeitsgruppen

15.15 - 17.45: Plenum über den reformierten BA/MA-Politikwissenschaft

anschließend: Feier

Themen in den Arbeitsgemeinschaften sind u.a. “das OSI ohne kritische Ökonomie”, “Afrikalehre und Antirassismus”, “Frauen und Gender”, “Gremienarbeit”, “selbstbestimmtes Lernen”, “Bildungsstreik” und “Ideengeschichte”. In den nächsten Tagen soll im OSI ein Aushang bezüglich des Institutstages gemacht werden, welcher noch einmal die AG-Gruppen vorstellt und den Studierenden die Möglichkeit gibt, ihre Ideen in die Gestaltung der AG’s miteinzubringen. Für alle anderen Interessierten finden jeweils am 04.11 und 11.11 um 12.00 im Raum 55/302b die Treffen der Vorbereitungsgruppe für den Institutstag statt, an denen jeder mitwirken kann.

Da die Lehrveranstaltungen am Institutstag ausfallen, wird somit allen Studierenden die Möglichkeit gegeben, aktiv Hochschulpolitik mitzugestalten und über die Situation am OSI zu diskutieren. Daher sei allen geraten, diese Chance zu nutzen und sich nicht, wie sonst leider oft üblich, der am lautesten schreienden Minderheit, die für eine Gesamtheit der Studierendenschaft sprechen möchte, unterzuordnen.

Erster Entwurf für den achtsemestrigen PoWi-Bachelor am OSI steht

Kristina KaempferFU, Allgemeines 0 Kommentare »

In der heutigen (und vorerst vorletzten) Sitzung des Arbeitskreises für den achtsemestrigen Politikwissenschaftsbachelor wurde in Zusammenarbeit von Studenten und Frau Gisela Rossa-Dubray sowie Frau Prof. Cilja Harders ein erster Entwurf gestaltet, welcher auf den erweiterten Institutsratssitzungen (am 23.10. von 14.00 bis 18.00 und am 13.11. von 13.00 bis 16.00) präsentiert werden soll. Der sogenannte „Große Bachelor“ ähnelt im ersten Studienabschnitt (1. – 4. Semester) dem bisherigen sechssemestrigen Bachelor am OSI, währenddessen im zweiten Studienabschnitt (5. – 8. Semester) weniger Module mit mehr Leistungspunkten den Studierendinnen den bisher oft erwähnten und beklagten Leistungs- und Zeitdruck nehmen sollen. Gleichzeitig wurde die von allen Seiten befürwortete Regelung getroffen, dass von den schlussendlich 17 Modulen nur 14 Modulnoten in die Endnote zählen sollen. Dies soll vor allem Studierendinnen in den ersten Semestern die Angst nehmen, dass absolut jede Modulleistung in die Endnote zählt. Außerdem wird damit ein gewisser Freiraum geschaffen, eventuelle Ausrutscher und schlechte Leistungen im Studium auszugleichen.

Weitere Vorschläge beinhalteten die Einführung eines allgemeinen Moduls im Wahlpflichtbereich des Grundstudiums (im 1. - 4. Semester), welches im Sinne eines studium generale den Studierendinnen ermöglichen soll, auch in anderen Fachrichtungen ein Modul zu belegen. Dieses kann neben zwei anderen Wahlpflichtmodulen belegt werden, ist allerdings keine Pflicht.

Im zweiten Studienabschnitt werden die oben angesprochenen Module mit jeweils zwei Veranstaltungen zu insgesamt 15 LP eingeführt. Diese werden sowohl an einer erhöhten Wörterzahl in den Hausarbeiten, als auch an einem allgemein höheren Lernanspruch (im Vergleich zum ersten Studienabschnitt) gemessen. Am OSI-Diplom orientiert teilt sich der Abschnitt in Kernbereich,  Vertiefungsbereich und einen Studienabschluss (die BA-Arbeit mit Kolloquium und mündlicher Prüfung zu 15 LP) auf. Kernbereich und Vertiefungsbereich sind beide mit 45 LP und somit jeweils 3 Modulen bemessen. Ersterer besteht aus der Politischen Theorie und den Grundlagen der Politik, den Politischen Systemen und Internationalen Beziehungen. Im Vertiefungsbereich können Studierende neben einem feststehenden Projektkurs aus mehreren Bereichen zwei weitere Module wählen, auf deren Grundlage sie dann eventuell ihre BA-Arbeit schreiben. Versuche, die BA-Arbeit mit mehr LP, somit mit mehr workload und einer höheren Wörteranzahl zu versehen, scheiterten hierbei an den allgemein geltenden Bachelorregeln, welcher der Arbeit eine maximale Punktzahl von 12 LP zuschreiben.

Insgesamt ist der Große Bachelor mit 240 Leistungspunkten bemessen, 30 LP teilen sich auf den bisher existierenden und im achtsemestrigen Bachelor beibehaltenen ABV-Studienbereich auf, die restlichen 210 verteilen sich mit jeweils 105 Punkten gleichmäßig auf den ersten und zweiten Studienabschnitt.

Die letzte Sitzung der Arbeitsgruppe wird sich mit der Konzipierung des zweisemestrigen Master beschäftigen. Sie findet voraussichtlich am 14.10. um 09.30 im OSI (wahrscheinlich Raum 202) statt und alle interessierten Studierenden sind eingeladen, daran teilzunehmen.

Stupa: Wirbel um Autonome Asta-Referate

Germar MolterStuPa, AStA, Hochschulpolitik, FU, LHG, Allgemeines 2 Kommentare »

Bei der heutigen Stupa-Sitzung kam es zu einer heftigen Kontroverse über die geplante Entlastung der bisherigen Referentinnen und Referenten der autonomen Asta-Referate für Frauen, Lesben und Schwule.

Von Seiten oppositioneller Listen wie GHG, LHG, Jusos, Die Linke.SDS wurde bemängelt, die Vollversammlungen des Frauen- und des Schwulen-Referats wären nicht in ausreichendem Maß angekündigt worden. Damit sei die Teilnahme betroffener Studierender behindert worden und eine Entlastung der alten Referate bzw. eine Bestätigung der neuen Referate nicht möglich, da die Rechenschaftsberichterstattung der alten Referentinnen und Referenten sowie die Wahl der neuen Referentinnen und Referenten nicht nachvollzogen werden könnten.

Silvana Tiedemann (GHG) kritisierte in deutlichen Worten die Durchführung der Frauen-VV: Weder sie noch andere Kommilitoninnen in ihrem Semester hätten Plakate hierzu auf dem Campus entdeckt. Auf ihre Anfragen per E-Mail an das Frauen-Referat, wann die VV stattfinden würde, habe sie keine Antwort erhalten. Auf persönliche Anfragen, die sie an Asta-Referentinnen richtet, habe sie die Antwort erhalten, ein Termin für die Frauen-VV stünde noch nicht fest. Dies auch nachdem, die VV schon stattgefunden habe.

Von Teilnehmerinnen der Frauen-VV wurde entgegnet, man habe nicht die nötigen Ressourcen, auf dem gesamten Campus zu plakatieren. Die VV sei auch gut besucht gewesen.

Silvana warf dem Frauen-Referat vor, politisch Andersdenkende gezielt ausgrenzen zu wollen von politischer Teilhabe. Dies sei in diesem Fall besonders gravierend, da das Engagement gegen Sexismus an der Uni ein Anliegen vieler Studierender sei.

Ich bekräftigte die Kritik an der Informationspolitik seitens des Schwulen- und des Lesbenreferats.

Die Schwulen-VV war drei Tage vor ihrem Stattfinden nicht auf der Homepage des Asta angekündigt worden. Plakate habe ich weder im Bereich der Silberlaube noch in der Ihnestraße gesehen, sondern lediglich in der Koserstraße. Zur Frauen-VV waren auf der Asta-Homepage zwei verschiedene Daten angegeben.

Lisbeth entgegnete, es sei viel plakatiert worden für die Schwulen-VV. Bei der Ankündigung der Schwulen-VV habe es technische Probleme bzw. Kommunikationsprobleme gegeben.

Dann hätte man die VV verschieben müssen, finde ich. Sonst haben viele Studierenden  nicht die Möglichkeit, an der VV teilzunehmen.

Im Weiteren wurden alle Referentinnen und Referenten entlastet und alle auf den VVs gewählten Referentinnen und Referenten bestätigt.

Im Einzelnen:

Frauenreferat: Für die Entlastung: 32 / 11 / 7

Lesbenreferat: Für die Entlastung:  38 / 4 / 6

Schwulenreferat: Für die Entlastung: 38 / 5 / 5

Neuwahl der Autonomen Referate:

Frauenreferat: Bei 5 Gegenstimmen und 11 Enthaltungen wurden Referentinnen gewählt: Cardin Fielber, Katrin Bub, Irina Kulm.

Lesbenreferat: Als Referentinnen wurden gewählt (36 / 3 / 10): Franziska Hille, Siriz Andorsen, Ina Schneider.

Schwulenreferat: Als Referenten wurden gewählt (37 / 3 / 9): Ronny Matthies, Kai Wisotzky, Christian Liclair.

Stupa-Sitzung am 16.07. (Do) ab 14 Uhr c.t. in Raum J32 / 102 (Silberlaube)

Germar MolterStuPa, AStA, Termine, Hochschulpolitik, FU, Allgemeines 0 Kommentare »

Das Studierendenparlament der FU tritt kurz vor Ende der Vorlesungszeit zu einer Sitzung zusammen.

Themen sind die Entlastungen des Frauen-, Lesben- und Schwulenreferats, die Bestätigungen der Referentinnen und Referenten dieser Referate, eine Resolution zu Rassismus an der Uni und eine Resolution zum Bildungsstreik.

Interessierte Studis sind herzlich eingeladen, der Sitzung beizuwohnen.

Graduiertenschule erhält Schnarchnasenpreis

Wolf DermannExzellenzinitiative, Hochschulpolitik, FU, Allgemeines 0 Kommentare »

Die Berlin Graduate School “Muslim Cultures and Societies” erhält meinen Schnarchnasenpreis. Wie campus.online vermeldet, hat die Graduiertenschule vor acht Tagen ihre feierliche Eröffnung gefeiert. Erst im Oktober, und damit ganze zwei Jahre nach Verkündigung, dass die Graduiertenschule aus der Exzellenzinitiative gefördert wird, beginnt das Programm für die Promovenden.

Zum Vergleich: Die Gießener kulturwissenschaftliche Graduiertenschule hatte am 13. Oktober 2006 von ihrem Erfolg in der ersten Runde der Exzellenzinitiative erfahren und konnte innerhalb von nur drei Monaten den ersten in der Zwischenzeit ausgeschriebenen und ausgewählten Stipendiatenjahrgang am 12. Januar 2007 der Presse vorstellen. Das volle Programm der Graduiertenschule begann ab diesem Tag.

Wieso man in Berlin acht mal länger zum Programmstart braucht als in Gießen ist schleierhaft. Die Exzellenzgelder fließen zumindest sofort ab Bekanntgabe. Wer so lange bummelt braucht sich um die Verlängerung des Programms wahrscheinlich keine Sorgen machen. Schade für ein gutes Projekt.

Nachruf auf den Bildungsstreik: Ewig grüßt das Murmeltier.

Thomas E.Lehre, StuPa, Lenzen, AStA, FSIs, Super-Uni, Bundespolitik, FU, Hochschulpolitik, Hochschulpolitische Veranstaltungen, Presse, Allgemeines 13 Kommentare »

Der Bildungstreik ist vorbei. Die FSI OSI hat die Rolle übernommen, auf Seiten der Streikunterstützer die Ereignisse des Streiks zusammenzufassen. Auch Furios hat unter der Woche viele Beiträge geschrieben. Aber was ist nun bei rumgekommen?

Aus meiner Sicht hat sich am Ende leider doch vieles wieder nur in den eigenen Kreisen um sich selbst gedreht. “In jedem Fall ist das Thema wieder auf der politischen Tagesordnung, zumindest vorübergehend” schreibt die FSI OSI. Mein Eindruck ist ein anderer. Ja, es wurde berichtet. Wenn ich aber bei Google News “Bildungsstreik” eingebe, dann habe ich noch einzelne Berichte zu Nachwehen in Nordrhein-Westfalen. Ansonsten aber fallen die letzten Artikel bereits auf den 18. Juni. Eine wirkliche mediale Diskussion ist jedenfalls nicht in Gang gekommen. Wenn dies das Ziel war, dann hat der Streik sein Ziel verfehlt.

Vielen ist er unklar und allgemein geblieben, die Unterstützung einer breiten Öffentlichkeit wurde nicht wirklich gewonnen. Viele mediale Kommentare waren gespickt mit Ironie. Debattiert wurde über Teilnehmerzahlen. Und die Schlagzeilen wurden beherrscht von Besetzungen. Die Inhalte? “Bachelor und Master abschaffen”, “Mehr Geld für Bildung”, “Reiche Eltern für alle”, “Keine Macht dem Kapitalismus”. Das ist durchgekommen. (1) ist eine fixe Idee, (2) zu unpräzise, (3)  ist albern und (4) einfach Ideologie.

Es hat wohl ein Gespräch mit Senator Zöllner gewesen. Leider ist von Seiten der Streikorganisatoren (und auch nicht von Seiten Zöllners) zu vernehmen, worum es ging.  Gesprächsangebote sind auch ausgeschlagen worden. Dafür wurde besetzt, was besetzt werden konnte. FSI OSI: “Auch für uns in der FSI, die wir in letzter Zeit zunehmend das Gefühl hatten, dass wir uns nur noch in Gremien aufreiben, war es ein gutes Gefühl zu zeigen, dass wir als Studierende auch anders können.”

Das interessanteste Zitat auf Streikseite ist dieses (ebenfalls FSI OSI): “Am Abend war für die OSI-BesetzerInnen aufräumen angesagt, die Besetzung wurde beendet, da wir einerseits keine Kapazitäten und andererseits kein gut genug ausgearbeitetes Konzept hatten.” Merkwürdig ist das, wenn man bedenkt, wie lang im Voraus der Bildungsstreik bekannt war. Für die FSI OSI steht deshalb nun die Besinnung darüber an, wie es weitergeht. Studierende können jetzt ja auch anders. Viele Studierende sind aus FSI OSI-Sicht vermeintlich politisiert worden - was hier gleichbedeutend ist mit der Bereitschaft zu zweifelhaften Protesttaktiken.

Wir machen uns immer noch keine Gedanken um die Dinge, die wir vielleicht selbst beeinflussen können. Wir haben auch für unsere Gremienarbeit kein Konzept. Wir reagieren und beurteilen Entscheidungsvorlagen. Wir schreien diejenigen an, von denen wir etwas haben wollen, wir beleidigen und zerstören. Wir sollten laut sein, hieß es von Herrn Grottian, ein leiser Protest bringe nichts, und wir wurden so laut, dass man sich Oropax ins Ohr stecken musste - und genauso wenig hörte, wie wenn wir geflüstert hätten. Wenig an dem, was wir bislang tun, ist konstruktiv. Wir… die wir zudem nicht mal wir sind, aber als eine Gruppe wahrgenommen werden, ob uns das in jedem Punkt gefällt oder nicht.

Auch der Streik war nicht konstruktiv. Es wurde zwar viel gesagt, aber wenn man danach bewertet, was übrig bleibt, hat er keine Ideen vermittelt und keine Konzepte entwickelt. Er hat Protestbedürfnisse bedient. Lese ich das Fazit der FSI OSI, scheint es mir beinah, als hätte er sich stärker an das eigene Selbstbewusstsein gerichtet als an die anderen. Er begann in der vorigen Woche aus meiner Sicht beinahe unerwartet hoffnungsvoll, diszipliniert und offen; dann ist er schon am Montag doch wieder in eingefahrene Muster abgeglitten.

Schade. Und nächstes Jahr? Wird jemand den Streik damit begründen, dass sich ja nichts geändert hat. Ewig grüßt das Murmeltier.

Anmerkungen zu einer filmischen Gegendarstellung.

Thomas E.Super-Uni, Satire, Presse, Hochschulpolitik, FU, Allgemeines 10 Kommentare »

In der letzten Woche kursierte ein Image-Film der FU über die Verteiler einiger Studierender. Der Film existiert seit Monaten, Jetzt aber ging ein zweiter Link zu einem zweiten Film rum, der offenbar im Kontext des Bildungsstreiks entworfen wurde.

Sicherlich ist ein großer Aufwand in den Film investiert worden. Die Mühen darum will ich würdigen, aber dennoch: Liebe Linke, kürzere und simplere Botschaften erfüllen ihren Zweck mitunter besser. Erwartet ihr ernsthaft, dass der Otto-Normal-Student sich einen Film anschaut, der 41 Minuten lang ist? Aber den wollt ihr doch erreichen. Die anderen werden doch mit dem Film ohnehin nicht ihre Meinung ändern.

Mit Hochachtung vor dem Intellekt des Sprechenden… In gleicher Weise stellt sich die Frage, ob die einleitenden Worte nicht ein wenig zu, nun ja, komplex geraten sind. Abgesehen davon, dass sich fragen lässt, ob sie inhaltlich richtig sind. Die individuelle Freiheit kenne keine Grenzen, heißt es, und das ist ein Trugschluss. Die Freiheit des individuums findet dort ihr Ende, wo die Freiheit des nächsten Individuums beginnt. Die Freiheit des Individuums heißt überdies nicht, dass das Individuum seine Ellenbogen ausstreckt und nur an sich denkt. Sie befähigt das Individuum gerade erst, selbstgesteuert seinen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

Dann geht es gegen die “Präsidialdiktatur” und um die Ironie, dass die FU sich in ihrem Image-Film auf die Demokratie beruft. Ironisch sei das angesichts der Tatsache, dass sie im Grunde beständig beschränkt würde. Nun, es gibt Gegenbeispiele dafür: Der Fachbereich Wirtschaft arbeitet gerade in diesen Zeiten eng verbunden zwischen Professoren und Studierenden an besseren Studienbedingungen. Vom (aus Sauberkeitsgründen unsinnigerweise verhängten) Verbot von Flyern und Plakaten mal abgesehen, wird die Mitbestimmung der Studierenden dadurch im Grunde gefördert. Das OSI-Dekanat ist auf die Studierenden eingegangen, Mathias Bartelt berichtet immer wieder von seinen Informationsquellen in der Philosophie… wir haben kein grundsätzliches Demokratieproblem an der FU, sondern ein Problem der Gepflogenheiten im gegenseitigen Umgang. Und das ist wechselseitig bedingt.

Auf die Exzellenzinitiative wird natürlich verwiesen. Sie würden dazu führen, dass 20 Universitäten Forschung betreiben könnten und 70 auf Lehre beschränkt blieben. Nun, das liegt an den Professoren aller Universitäten, das zu verhindern, und Professoren gibt es an allen Universitäten. Überdies sind es nicht zuletzt die großen Massenuniversitäten, die in der Exzellenzinitiative bedacht wurden, und nicht kleine Unis wie Greifswald oder Jena. Dorthin werden nie die Massen gehen, wie im Gegendarstellungsfilm indirekt behauptet.

Irgendwo las ich dieser Tage (Ich meine, es war ein Kommentar bei Furios), die Intelektuellen müssten dem proletarischen Protest die Richtung geben. Ich weiß nicht, ob das die Filmer unterschreiben würden. Ich glaube, dass einzelne es könnten. Ich glaube, dass sie dabei übersehen, dass sie genau dadurch selbst eine Elite bilden. Sie zeigen damit in ihrer Logik, dass Eliten nicht per se schlecht sind. Eliten, die ein verantwortungsvolles Ethos tragen, sind sogar sehr wichtig für die Gesellschaft. Sie zu fördern, daher eine gute Sache. Sie ausschließlich zu fördern, falsch, ja. Aber sie zu fördern und durch sie und mit ihnen andere und alle, das, ja, das würde ich immer unterschreiben.

Die Konkurrenz an der Uni wird in den Vordergrund gestellt. Im Fahrwasser ökonomischer Interessen ginge es nur noch um Wettbewerb und Leistungsdruck. Das wahre Bildungsideal bliebe auf der Strecke. Nun, was ist das denn? Sich Bildung anzueignen, sich mithin fortzuentwickeln, sich mithin… stetig zu verbessern. ICH habe in meinem Studium keine Konkurrenz erlebt. Ich habe mich angestrengt, besser zu werden, mehr zu lernen, um später mehr (an meiner Stelle im Dienst der Gesellschaft, ökonomisch oder wie auch immer, aber im Dienst, letztlich) bewirken zu können. Ich habe das, vom Studium her, gar nicht ohne meine Kommilitonen gekonnt. Teamarbeit ist Routine meines Studiums. Ich KANN gar nicht mit Ellenbogen arbeiten, ich würde mir nur selbst schaden. Mit den anderen gemeinsam, nicht allein, will ich besser werden.

Hierzu eine Analogie aus dem Sport: Heute nahm ich am Velothon bei, einem Wettbewerb auf dem Rad also. Natürlich wollte ich so gut wie möglich sein, vielleicht auch besser als andere. Das hätte aber gar nicht ohne sie geklappt. Mit meinen Wettbewerbern bin ich dem Ziel entgegen gefahren. Als ich im Ziel war, habe ich mich wohl gefreut. Ich habe mich aber auch mit denen freuen können, die um mich herum reingekommen sind.

Der Film verweist auf die Verwässerung der Bildung. Einerseits wird beklagt, dass zu viel Inhalte auf zu wenig Semester verkürzt wurden. Andererseits wird das Schmalspurstudium Bachelor an den Pranger gestellt. Die Leute würden einem Verdummungsprozess unterzogen, sie würden mit Halbbildung abgehen. Diese Sicht kann nicht wirklich die der Filmenden sein, ich glaube das nicht. Wir müssten uns sonst fragen, was wir vom Bildungsniveau unserer Mitmenschen halten, die an Fachhochschulen studieren, oder von denen, die nach dem Abitur eine Ausbildung gemacht haben. Maßen wir uns die Arroganz an, ihnen ihre Bildung abzusprechen? Nein, maßen wir uns nicht. Maßen wir uns also auch nicht an, den weitergehenden Abschluss dann als Halbbildung und Verdummung zu bezeichnen.

Nun, jedenfalls sind laut Film unsere Kommilitonen Bachelor und Master unterworfen. Sie hätten keine Wahl. Sehr weise. Sie hatten auch keine Wahl, als es vorher Staatsexamen, Magister und Diplom gab. War das okay? Oder müsste in der Konsequenz die Freiheit herrschen, seinen Abschluss nennen zu wolle, wie er einem grad gefalle? Eine Unterwerfung übrigens, an der wohl die im Film auftretenden Professoren zumindest mitgearbeitet haben, denn die Strukturen und Inhalte der Bachelor-Studiengänge wurden an den Universitäten beschlossen.

Kritik wird geäußert an den angepassten Studierenden. Die so angepasst sind, dass sie vielleicht am Bildungsstreik nicht teilnehmen. Oder deren Methoden der Unangepasst heit sich nur geändert haben? Wir sind nicht wie unsere Eltern. Wir haben eigene Möglichkeiten, andere Wege zu gehen. Zwar bin auch ich bekümmert über viele passive Kommilitonen, aber immer wieder lerne ich an der Uni Menschen kennen, deren Biografien mich beeindrucken und die sich unglaublich intensiv für die Gesellschaft investieren. Waren früher alle Studierenden unangepasst? Ich glaube es nicht. Unangepasst war immer ein kleiner Kreis. Eine Elite, wenn man so will.

Auf Drittmittel schimpfen die Filmemacher. Wo sich der Staat zurückziehe, müsse eben nicht unbedingt jemand anderes hinein. Wer dann aber gleichzeitig die finanzielle Situation der Uni beklagt, muss bedenken, dass jene “anderen” das Übel verringern. Drittmittel kommen überdies eben nicht nur aus der Wirtschaft, sondern zu weiten Teilen auch von der DFG. Die durchaus auch Grundlagenforschung finanziert. Die Anträge und Konzepte arbeiten die Professoren aus. Die Forschenden. Vielfach suchen sie sich ihre Partner.

Bleibt ein letzter Punkt: “Haut ab”, riefen die Besetzer des Präsidiums, die im Film gezeigt werden. Dies ist der zivile Ungehorsam, den Herr Grottian im Bildungsstreik als unverzichtbar ansieht. Ich bezweifle, dass er geboten ist, weil ich wiederhole, was ich seit drei Jahren sage: Wir haben unsere Möglichkeiten, ins Gespräch zu gehen, noch nicht ausgeschöpft. Durch die Bilder sehe ich mich nur darin bestätigt, denn ich würde nicht glauben, mit jemandem reden zu können, der mir “Hau ab!” entgegen ruft. Signalisierte Gesprächsbereitschaft sieht anders aus. Wirksamer ziviler Ungehorsam muss nicht beschimpfen und beschädigen. Ziviler Ungehorsam ist keine Gewalt.

Bei allem Verständnis also dafür, dass meine Kommilitonen, die diese Gegendarstellung verfilmt haben, einen so negativen Eindruck von dieser Universität gewonnen haben: Er müsste es nicht unbedingt sein. Ich habe den Image-Film der FU sehr gern gesehen. Dass er durch die rosarote Brille schaut, ist mir bewusst. Wie die Kommilitonin der BWL, die befragt wird, andeutet: Es ist halt ein Image-Film. Dennoch leistet er einen wertvollen Dienst. Dieser Film hat zumindest mir geholfen, ein bisschen mehr Verständnis für die Aktivitäten anderer Fachbereiche zu entwickeln. Diese Perspektive habe ich nicht so oft und dennoch ist eine solche Erfahrung der Breite… doch eigentlich, was wir alle wollen.

Es ist ein Image-Film. Belassen wir es dabei.

Kampf dem Bildungssystem, Kampf dem Kapitalismus, Kampf der Demokratie?

Kristina KaempferHochschulpolitische Veranstaltungen, Hochschulpolitik, FU 33 Kommentare »

Die heutige Vollversammlung im Hörsaal 1 der Silberlaube zur Verabschiedung eines Resolutionsentwurfes, initiiert durch die „Vorbereitungsgruppe Bildungsstreik an der FU“, sollte den seit Montag andauernden Bildungsstreik legitimieren. Gleichzeitig ließ sie aber vor allem wieder einmal tief in die Strukturen der aktivistischen Gruppen, als auch in die Meinungen der Studierenden gegenüber dem Bildungsstreik blicken.

Begrüßt wurden die anwesenden Teilnehmer mit dem Aufruf, die „Bachelor-Master-Kacke“ endlich zu beenden (heftiger Applaus) sowie mit einer Berichterstattung über bisher verbuchte „Erfolge“ des Streikes: das Otto-Suhr-Institut (und Osteuropa-Institut) sind besetzt, das Seminarzentrum in der Silberlaube wurde in eine „Streikzentrale“ umgewandelt. Eine kurze Übersicht ließ ankündigen, was die nächsten zwei Stunden folgen würde:  Gastredner sollten ihre Sicht zum Bildungsstreik darstellen, danach ein Abriss der derzeitigen finanziellen Situation der Hochschulen und Termine für den Bildungsstreik. Abschließend sollte der Resolutionsentwurf diskutiert, Änderungsanträge eingebracht und schlussendlich darüber abgestimmt werden.

Politikwissenschaftsstudentin, Professor Hajo Funke vom OSI, GEW-Personalrätin, Sarah Walz und ein aktivistischer Schüler – wirklich jede (den Bildungsstreik befürwortende) Meinung durfte sich im Rahmen der Vollversammlung präsentieren. Das hierbei zwischen teilweise konstruktiven Verbesserungsvorschlägen bezüglich der Ausgestaltung von BA/MA-Studiengängen und Gedanken zur Bedeutung und Aufgabe von Bildung auch Kapitalismus- und Gesellschaftskritik geäußert wurde, war der vom Bildungsstreik geplagte Student ja bereits von den zahlreichen „Make Capitalism History“ Plakaten an der FU und den Aktionsständen im Foyer der Mensa II gewöhnt. Forderungen nach sozialer Gleichheit/Gerechtigkeit, der Zerschlagung des Klassensystems und die Politiker „fertig zu machen“ - soweit im Bildungsstreiklager also nichts Neues. Der Beitrag von AS-Mitglied Sarah Walz über die finanzielle Situation enthielt viele Zahlen, wenige davon waren geordnet und wirklich verständlich, aber wenigstens der Aufruf und die Erinnerung an die 68er brachte noch einen kurzen Applaus von den anwesenden Studenten. Deren Zahl betrug übrigens selbst nach höchster Teilnehmerschätzung durch die Sitzungsleitung 1300 Teilnehmer. Somit waren also knapp vier Prozent der 32 000 FU Studierendenschaft anwesend (dass die restlichen 96 % durch Abwesenheit ihre Position gegenüber dem Bildungsstreik demonstrierten, war den Veranstaltern leider keine Erwähnung wert).

Nach dieser interessanten Einleitung folgte die Bekanntgabe weiterer Termine (leider war es uns nicht möglich, deren Fülle aufzunehmen und hier wiederzugeben – für weitere Infos bitte auf die Links am Homepagerand klicken) und die Diskussion bezüglich des Resolutionsentwurfes. Eine halbe Stunde war dafür eingeplant, jeder Redner hatte also zwei Minuten um sich zu äußeren. Somit durften 15 Studierende ihre Meinung kundtun – nicht wirklich repräsentativ, aber dass es die VV damit nicht so genau nahm, sollten wir auch noch später erfahren. Wollte ein Großteil der Studierenden den Bildungsstreik und die Resolution scheinbar wirklich für eine Verbesserung des Bildungssystems nutzen, profilierten sich auch hier wieder ein paar Systemkritiker mehr als deutlich: die Verherrlichung des Kommunismus war uns bereits bekannt (erwähnt wurden hier die bis 1989 „freien Länder“ im Osten Europas, die dann durch den Kapitalismus in Unfreiheit gestürzt wurden); dass der Bildungsstreik nach ihrer Meinung am Besten auf die gesamte Gesellschaft übergreifen sollte, ließ sich leicht erklären: das „Bildungssystem“ ist schließlich „Teil des kapitalistischen Systems“. So einfach ist also (Hochschul)Politik. Nebst diesen Forderungen, den Bürgerstreik zum Generalstreik zu verfestigen, wurden auch einige schriftliche Änderungsanträge eingebracht. Diesen wollte sich die Vollversammlung nach der halben Stunde Diskussion widmen. Ein daraufhin geäußerter Geschäftsordnungsantrag, der erst einmal die Beschlussfähigkeit der Vollversammlung (hierzu verweisen wir gerne auf § 14, Absatz 3; für alle und jeden hier einsehbar: web.fu-berlin.de/zwv/vorschr/studsatz.pdf) und die Anwesenheit von 5% der Gesamtstudierendenschaft feststellen sollte, wurde von der Sitzungsleitung übergangen und ignoriert. Wirklich Übel nehmen können wir ihnen das allerdings nicht, stürmte nämlich just in dem Moment eine Gruppe studentischer Aktivisten den Saal mit den Rufen „Das Präsidium ist besetzt!“. Die darauf hin ausbrechenden Tumulten und das Verlassen eines Großteils der Studierenden ließen also darauf schließen, dass sowohl die Vollversammlung als auch der Resolutionsentwurfs gescheitert seien. Falsch gedacht – gerne geben wir an dieser Stelle eine kurze Einführung in das Demokratieverständnis der daraufhin in Panik geratenen Sitzungsleitung: den davonrennenden Studenten wurde per Mikrofon mitgeteilt, man würde aufgrund dieser Planänderung mal schnell über die Resolution abstimmen – selbstverständlich ohne die durch die Studierendenschaft gestellten Änderungsanträge einzubeziehen. Demokratie made by Vollversammlung, selbst der sich der Satzung bewusste Student kann also auch immer noch dazu lernen. Eine kurze Ja/Nein-Abstimmung (Enthaltungen gibt’s in dieser Demokratie leider nicht, große Entschuldigung hier an die Unentschlossenen unter euch) sollte den Studierenden entlockt werden. Es ist abzuwarten, ob die Aktivisten diese Scheinabstimmung ohne Behandlung des gestellten Geschäftsordnungsantrags auf Feststellung der Beschlussfähigkeit als Selbstlegitimierung verkaufen. Ein Teil der Studierenden, die sich nach der VV bei der Sitzungsleitung über diese nicht repräsentative Abstimmung beschweren wollte, wurde abgeblockt und ignoriert. Die Frage einer Studierenden nach der Repräsentativität beantwortete ein Mitglied der Sitzungsleitung grinsend mit dem Kommentar, dass hier niemand behauptet habe, repräsentativ für die Studierendenschaft abzustimmen (daher wohl auch die Ablehnung des Geschäftsordnungantrags über die Beschlussfähigkeit?). Dies wirft zwar den Gedanken auf, für wen denn dann eigentlich hier abgestimmt und gesprochen wurde – eine Antwort im Rahmen dieses Blogeintrags zu finden, dürfte sich allerdings mehr als schwierig gestalten. Für Vorschläge gibt es jedoch die Kommentarfunktion (siehe oben). Die Vollversammlung löste sich in den folgenden fünf Minuten auf, ein Großteil der Studierenden schien sich auf den Weg Richtung Präsidium machen zu wollen.

Was haben wir also aus der heutigen Vollversammlung gelernt? Mit der Abwesenheit von 96% der Studierenden ist ein klares Zeichen gesetzt wurden, dass der lang geplante Streik nicht von der Masse der Studierenden getragen wird. Gleichfalls scheint ein Großteil der Vermischung von Bildungs- mit Kapitalismus-/Systemkritik mehr als kritisch gegenüber zu stehen. Statt sich also hochschulpolitisch auf gesellschaftliche Umwälzungen zu stürzen, täten die aktivistischen Gruppen eventuell gut daran, sich erst einmal mit der Verbesserung der Situation an den Hochschulen zu beschäftigten. Mögen einige Studierende nun auch die Hoffnung aufgegeben haben, dass ihre Forderungen nach Verbesserungen des Bildungssystems nicht gehört werden, können wir als LHG euch nur eines auf den Weg geben: Lasst euch das nicht gefallen! Regt euch auf und werdet selber aktiv – das nächste Treffen der LHG findet am kommenden Donnerstag (18.06.) um 15 in der Luise statt.

(Die Autorin nimmt an dieser Stelle auch gerne Position gegenüber einer eventuell geschlechtsneutralen Formulierung und erlaubt sich zu urteilen, dass sich durch obigen Eintrag keine LHGler_innen diskriminiert fühlen. Falls es allerdings unseren Leser_innen so ergehen sollte, entschuldigen wir uns an dieser Stelle vielmals und hoffen auf Respekt gegenüber der Meinung der Autorin.)

Eine liberale Perspektive auf den Bildungsstreik

Kristina KaempferHochschulpolitik, FU 20 Kommentare »

Die Deutschen sind mittlerweile verhältnismäßig streikerprobt. Ob es nun die Deutsche Bahn, die Mitarbeiter der Kitas, Metallarbeiter in Baden-Württemberg oder Berliner Lehrer sind, ständig wird irgendwo gestreikt. Es geht um bessere Bezahlung, bessere Arbeitszeiten, bessere soziale Absicherung etc. Nun steht uns der nächste Streik ins Haus: der Bildungsstreik! Vom 15.-19. Juni wollen Studierende aus der ganzen Bundesrepublik die “Arbeit” niederlegen, um ihre Anliegen gegen ihre “Arbeitgeber” durchzusetzen. Klingt komisch? Ist aber so! Klingt widersinnig? Ist es auch! Bereits vor vier Jahren gab es einen Bildungsstreik. Eine Handvoll Studierender veranstaltete Sit-ins vor ihren Unis um ihre Vision eines akademischen Paradieses für alle zu verwirklichen. Was hat diese Aktion gebracht? Die Tatsache, dass im Jahr 2009 ein neuer Bildungsstreik geplant ist, beweist allein schon, dass der damalige keinerlei Auswirkungen hatte, keinerlei Verbesserungen brachte.

Wir von der Liberalen Hochschulgruppe wollen euch hochschulpolitische Alternativen aufzeigen und uns vom Bildungsstreik - der nämlich gerade nicht von DEN Studierenden, sondern nur einem kleinen Teil getragen wird - distanzieren.

Wir stehen für nachhaltige und konstruktive Hochschulpolitik und sind gegen die Vermischung mit Kapitalismuskritik!

Unzählige Flyer und Plakate säumen inzwischen den täglichen Gang eines Studenten auf dem Weg von der U-Bahn zum Vorlesungssaal. Diverse Gruppierungen fordern dort neben freier und qualitativ hochwertiger Bildung, globaler Gerechtigkeit und der Dekonstruktion von Geschlechtern die Abschaffung des Kapitalismus. Manch einer mag sich fragen: was hat das erste mit den anderen dreien zu tun? Die Antwort ist ziemlich einfach: Nichts! Die Kritik der Situation an den Hochschulen wird verbunden mit Kritik am politischen und wirtschaftlichen System. Klassenkampfrhetorik findet so Eingang in eine bildungspolitische Debatte, in der sie nichts zu suchen und obendrein noch kontraproduktiv ist.

Um die Situation an den Hochschulen zu verbessern, braucht es mehr als einer viertägigen Großveranstaltung alle vier Jahre, sondern eines konstanten und gestalterischen Engagements der Studierenden für ihre Universitäten. Nachhaltige Verbesserungen der Lernbedingungen entstehen nicht in einer Woche durch den Ausdruck einer destruktiven Anti-Haltung. Sie bedürfen einer stetigen, verlässlichen und konstruktiven Teilnahme am bildungspolitischen Diskurs innerhalb und außerhalb der Universitäten. Nur so können wir Studierenden unseren Anliegen wirksam Gehör verschaffen.

Wir sind ein permanent ansprechbarer und verlässlicher Vertreter Eurer Interessen. Die LHG vertritt seit Jahren studentische Forderungen in zahlreichen studentischen und akademischen Gremien, gegenüber Dozierenden, der Verwaltung und der Politik.

Wir verlangen einen verantwortungsbewussten Umgang der ASten mit dem Geld der Studierenden!

Einige ASten unterstützen die Organisation des Bildungsstreikes mit teils großzügigen Spenden. Doch diese Mittel stammen nicht irgendwo her, sondern aus den Geldbeuteln der Studierenden. Angesichts der doch zu erwartenden geringen Auswirkungen des Streiks muss man sich ernsthaft fragen, ob dieses Geld gut angelegt ist oder ob man es für bessere Zwecke hätte einsetzen können. Nicht zuletzt, da die Studierenden nicht einmal in der Mehrheit diese Aktion unterstützen - in den sogenannten “Voll”versammlungen, welche den Streik beschlossen haben, war nicht einmal ein Prozent der Studierenden anwesend. Versammelt war nur eine kleine Minderheit politisch links stehender Aktivisten, die wieder einmal ihre Überzeugungen für die Meinung aller verkaufen wollen. Dass sich nur so wenige an Beschluss und Organisation des Streiks beteiligten zeigt, wie wenig Unterstützung er erfährt. Angesichts dieser und der Tatsache, dass der letzte Streik nichts brachte und der jetzige vermutlich ebenfalls nichts bringen wird, ist die Verwendung von Geldern der Studierenden für seine Organisation in keinster Weise legitim.

Wir setzen uns einer solchen Vergeudung von Studierendengeldern zur Wehr und verlangen einen verantwortungsbewussten Umgang der ASten mit den ihnen zur Verfügung stehenden Finanzmitteln ein. In Berlin stehen den Studierendenschaften jährlich mehrere hunderttausend Euro zur Verfügung. Diese sind nicht für die Verwirklichung ideologischer Träumereien einer linken Funktionärselite gedacht, werden jedoch durch undurchsichtige Haushaltspolitik und mangelnde Rechenschaftspflicht der ASten zweckentfremdet. Wir fordern, dass diese Gelder in Eurem Sinne dafür eingesetzt werden, wofür sie gedacht sind: das Leben und Lernen an unseren Unis angenehmer zu machen.

Wir fordern eine sinnvolle Ausgestaltung der noch jungen Bachelor- und Masterstudiengänge!

 Man mag ja vom Bologna-Prozess halten was man will (wir jedenfalls waren dagegen). Fakt ist jedoch: er ist schon längst an den Hochschulen angekommen und er wird sich nicht mehr umkehren lassen. Anstatt unsere Energien (und unsere Gelder) in sinnlose Protestaktionen zu investieren, sollten wir uns darauf konzentrieren, das neue System in unserem Sinne mitzugestalten und somit zu verbessern.

Wir als LHG setzen uns in vielfältiger Art und Weise dafür ein, Studien- und Prüfungsordnungen studierendenfreundlich zu gestalten und bringen Ideen in die Ausgestaltung von Studiengängen ein. Ein Studium soll fordern, aber nicht überfordern. Angemessene Leistungsanforderungen, möglichst große Freiheiten bei der Gestaltung des Studiums, Zeit für Auslandsaufenthalte - dies sind nur einige Punkte, die wir für Euch in den zuständigen Gremien vertreten. Das mag vielleicht nicht so viel Aufmerksamkeit erhaschen wie ein Bildungsstreik, bringt jedoch langfristig Verbesserungen für uns alle.

Die Lage der deutschen Hochschulen ist schlecht. Wir als Studierende werden nicht zu deren Verbesserung beitragen indem wir uns a) durch die Verweigerung unserer Ausbildung selbst schaden und b) unsere Anliegen durch für die Weltanschauung der politischen Linken instrumentalisieren lassen.

Anstatt eure Energie in eine viertätige Kampfveranstaltung gegen alles und jeden zu stecken, würden wir uns freuen eure Vorschläge und Ideen an der Hochschulpolitik teilhaben zu lassen. Helft uns auf eine vernünftige Art und Weise die Situation an unserer Universität auf lange Sicht zu verbessern!