Bachelor und dann? – Von der schlechten Umsetzung einer guten Idee

Marcel von VollandAllgemeines, FU, Hochschulpolitik 1 Kommentar »

Die zweistufige Studienstruktur sollte neue Studienverläufe ermöglichen, Mobilität verbessern und einen früheren Zugang zum Arbeitsmarkt schaffen. Zehn Jahre später haben sich häufig die Chancen in Zwänge verwandelt und die neuen Studienverläufe sich als Trampelpfade entpuppt. Dabei liegt es nicht an den Zielen und Vorgaben des Bologna-Prozesses, sondern vielmehr an den häufig stümperhaft umgesetzten Studiengängen. In dem neuen Bachelor wurden vielerorts einfach die alten Diplome reingepresst, damit sich auch jeder Lehrstuhl in der Studienstruktur wiederfindet. Die Nachfrage nach dem Master wurde häufig unterschätzt und so entfielen auf manche Masterprogramme nicht selten ein Vielfaches an Bewerbern. Alleine an der FU Berlin bewarben sich im vergangenen Wintersemester 6.800 Bachelorabsolventen- und absolventinnen auf 2.300 Masterplätze.
Während die Chancen für Bachelorabsolventen auf dem Arbeitsmarkt deutlich besser ausfallen als Anfangs befürchtet, ist die Übergang vom Bachelor in den Master häufig chaotisch und frustrierend. In Berlin liegt das nicht zuletzt an der strukturellen Unterfinanzierung der Hochschulen sowie der Gängelung und Detailsteuerung durch das scheinreformierte Berliner Hochschulgesetz. Beides führt zu schlechter Betreuungsrelation in Kombination mit zu wenigen Masterplätzen. Doch nicht nur die Rahmenbedingung erschweren einen geordneten Übergang vom Bachelor in den Master, auch die Hochschulen tragen ihr Übriges dazu bei.
Die Frankfurter Rundschau bezeichnete das Vorgehen der Hochschulen, immer neue Vorgaben für den Zugang zum Master zu machen, unlängst als „Kleinstaaterei hinter Uni-Mauern“. Diese Kleinstaaterei führt dazu, dass manche Bewerber Absagen bekommen, in denen sie kurz und knapp darauf hingewiesen werden, dass ihnen Punkte in bestimmten Modulen fehlen würden oder die Struktur nicht kompatibel mit dem Master wäre. Dabei geht es in solchen Fällen nicht um einen gänzlich unterschiedliche Studiengänge, meistens sogar um ein und den Selben. Eine erste Forderung ist dementsprechend, endlich die Beweislast in Anerkennungsfragen umzukehren. Hochschulen müssen nachweisen, warum genau ein Bachelorstudiengang nicht für den Master anerkannt wird. Dabei darf es dann nicht um Punktzahlen gehen, sondern um fehlende Kompetenzen, denn daran sollte sich ein Bachelor-Studiengang messen lassen. Die Hochschulen müssen ihre Zugangshürden zugunsten eines freien Zugangs zum Master, weitestgehend abbauen. Zweitens brauchen die künftigen Bachelorabsolventen ein besseres Beratungsangebot. Durch eine frühzeitige Beratung, sowohl für diejenigen, die nachdem Bachelor auf den Arbeitsmarkt strömen als auch für künftige Masterbewerber können Frustration und Karriereknicke vermieden werden.
Der Bologna-Prozess bietet vielfältige Möglichkeiten für Lehrende und Lernende gleichermaßen. Es wird Zeit, dass die Hochschulen endlich anfangen diese zu nutzen, anstatt den Studierenden Steine in den Weg zu legen. Gleichzeitig muss der neue Berliner Senat erkennen, dass Detailsteuerung und Unterfinanzierung der Hochschulen langfristig der ganzen Stadt schaden. Als LHG an der FU Berlin können wir uns zumindest an der Hochschule dafür einsetzen, dass die Studienbedingungen und der Übergang zwischen Bachelor- und Masterstudium besser werden.

Von Hausrecht, Rechtsstaatlichkeit und staatlicher Repression – Ein Beitrag zur Besetzung des Seminarzentrums

Marcel von VollandAkademische Gremien, Allgemeines, FU, Hochschulpolitik, Hochschulpolitische Veranstaltungen 12 Kommentare »

Seit der Besetzung des Seminarzentrums der Freien Universität am 16.11.2011 durch eine kleine Gruppe Studierender ist einiges geschehen. Nach der Räumung des Gebäudes durch die Polizei erließ das Präsidium Strafanzeigen gegen 56 Personen, die laut Präsident Alt am 06.12.11 wieder zurück gezogen wurden. Laut dem Präsidium befanden sich hierunter auch Personen, die nicht Mitglieder der Freien Universität waren. In der gestrigen Sitzung (07.12.11) des Akademischen Senats (AS) wurde einer Reihe von Betroffenen das Rederecht zugesprochen, um die Vorfälle mit dem Akademischen Senat zu klären.

Die AS-Sitzung am 07.02.11

Innerhalb der AS-Sitzung kamen nicht nur verschiedene Erlebnisberichte auf das Tableau, sondern es offenbarte sich auch eine Unbeholfenheit in diesem Gremium inhaltlich klare Forderungen, die scheinbar schon während der Besetzung nicht formuliert werden konnten, an den Tag zu fördern. Stattdessen verstieg man sich, darunter auch ein Teil der studentischen Vertreter (M. Bartelt), in unangenehme Terminologien (wie „Rechtsergreifung“ des Präsidiums), die der sachlichen Besprechung solch einer ernsthaften Auseinandersetzung zwischen Studierenden und universitärer Exekutive in keiner Weise dienlich war. Hinsichtlich der Besetzung des Präsidiums im Jahre 2009 wurde gar von „Sippenhaft“ gesprochen, die diesem Teil der Studierenden auferlegt werde. Genauso absurd waren die Vergleiche mit Zuständen in einigen Teilen der arabischen Welt, in denen angeblich genau solche Repressionen herrschen würden, wie mittlerweile an der Freien Universität. Was die Ankläger in diesem Moment vergaßen: Solch eine Artikulation vor dem AS wäre in einem repressiven Regime wohl nicht möglich gewesen!

Universitas omnibus?


Jedoch sind dies Allüren und Girlanden: Das Problem sitzt im Wesentlichen viel tiefer: Es geht um die Fragen der Nutzung, des Zwecks und des Eigentums von Universitäten im Besonderen sowie von öffentlichen Einrichtung im Allgemeinen. Im Klartext: Wem gehört die Universität? Sicherlich, als öffentliche Einrichtung gehört die Universität dem Souverän, also der deutschen Bevölkerung! Jedoch stellt sich nach der Eigentumsfrage die Frage nach dem Besitz. Jede öffentliche Einrichtung ist zweckgebunden, d.h. die Universität dient der höheren Bildung des Souveräns und auch denen, die vom Souverän dazu berechtigt wurden. Nun ist die Frage nach der höheren Bildung gewiss eine Auslegungssache, über die sich streiten lässt. Notwendigerweise gehört zur höheren Bildung auch die Auseinandersetzung mit allgemeinpolitischen Themen, wie die Aktionen vor der großen Mensa in der Silberlaube auch zeigen. Diese Veranstaltungen behindern keine Seminarräume und sind dennoch bildend und öffentlich wirksam. Auszuschließen ist jedoch, dass dies, was am 16.11.2011 sich im Seminarzentrum der Universität zutrug, eine Bildungsmaßnahme war. Ganz im Gegenteil und dies ist der Kern der Sache: Die 56 Personen hätten einen wesentlich größeren Teil der Bevölkerung ausgeschlossen, an der höheren Bildung teilzuhaben. Für solch einen Fall der zweckfremden Besetzung erließ der Souverän die Regelung des Hausrechts, damit die öffentlichen Räume ohne Hindernisse der Allgemeinheit – in diesem Fall für Bildungsmöglichkeiten – zur Verfügung stehen. Der Verdacht der Zweckentfremdung wird dadurch verfestigt, dass die Besetzer anscheinend noch nicht einmal einen konkreten Plan hatten, wie sie diese Räumlichkeiten nutzen wollten. Die Ziele blieben wie immer allgemein formuliert und rechtfertigten in keiner Weise die willkürliche Besetzung. Ganz im Gegenteil: Gerade zu grotesk wirkt die Zielerklärung in der Pressemitteilung des AStAs „Ziel der Besetzung ist einerseits, eine nachhaltige Diskussion der Lehr- und Lernbedingungen an der Basis der Studierenden und Beschäftigten anzustoßen“. Hier klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander: Anstatt wegen des Aufwuchs der Studierenden (durch Wegfall der Wehrpflicht und doppelte Abiturjahrgänge) über hilfreiche und vor allem konkrete Maßnahmen zur Besserung nachzudenken, wurden weitere Räumlichkeiten der Bildung durch Besetzung behindert und somit die missliche Lage weiter verschärft. Der Zustand kam somit einer Privatisierung von öffentlichem Raum gleich! Ob damit die Basis der Studierenden zum Sinnieren über die Lernbedingungen angestoßen werden, bleibt äußerst fragwürdig. Diese völlig willkürliche Handlungsweise wurde dadurch unterstrichen, dass ein vom Präsidium angebotener Ausweichraum – in der nicht weit vom Seminarzentrum gelegenen Arnimallee – ausgeschlagen wurde.

Das Präsidium und sein Vorgehen


Zuletzt bleibt natürlich die Rolle des Präsidiums: Präsident Alt verwies auf die wiederholten Gesprächangebote vor der Besetzung und erklärte, dass eine Besetzung immer am Ende, und nicht am Anfang eines gescheiterten Dialoges stünde. Wäre ein sanfteres Verfahren, wie Gespräche oder Mediationen ein adäquateres Mittel gewesen, diesem willkürlichen Akt zu begegnen? Vermutlich ja. Das vorschnelle Einsetzen der Polizei hätte wohl so erspart werden können. Die Aussetzung der Strafanzeigen ist ein richtiger Schritt gewesen, der jedoch entgegen der Darstellung des Senatsmitglieds Bartelt nichts mit „Gesichtsverlust“ und „Image“ bei den folgenden Exzellenzanträgen zu tun hat (siehe PM 7.12.11 Bartelt http://fuwatch.de/wp-content/uploads/2011/12/PM-07.12.11-Punktsieg-f%C3%BCr-FU-Emp%C3%B6rte-und-Charit%C3%A9-Streik.pdf). Die Exzellenzinitiative orientiert sich (und dies sollte allgemein bekannt sein) bewusst an den Forschungskonzepten der Universität, nicht an deren Umsetzung ihres Hausrechtes!

Quintessenz: Ziel, Anspruch und Methode politischer Forderungen sollten in einem konsistenten Zusammenhang stehen. Der Anspruch, die schwierige Lage der erhöhten Studierendenzahlen und der demokratischen Mitbestimmung zu verbessern ist per se richtig und wird von der Mehrzahl der Hochschulgruppe (wie der LHG) vertreten. So überrascht es, dass bei den gesamten Protesten nicht einmal auf die Rolle des Berliner Senats eingegangen und dessen Finanzierungsunwilligkeit (siehe Freisprecher der LHG) angekreidet wurde. Solche sachbezogenen Zusammenhänge fallen leider zu oft unter den Tisch der Proteste.

Nächstes LHG-Treffen 8.8.11

Marcel von VollandAllgemeines, Hochschulpolitik, LHG 0 Kommentare »

Das nächste Treffen der LHG an der FU Berlin findet morgen,

Do den 8.12.11

um 18.30 in der Luise (Dahlem Dorf) statt!

Kennenlerntreffen für Interessierte, Donnerstag 20.10.11 19 Uhr in der Luise

Marcel von VollandAllgemeines, Hochschulpolitische Veranstaltungen, LHG, LHG Veranstaltungen 0 Kommentare »

Liebe Studierende,

die LHG lädt zu einem Kennenlerntreffen ein, bei dem wir gerne über unsere Arbeit, Anliegen sowie Ziele für unsere Hochschule informieren wollen.

Kommt einfach am Do, den 20.10.2011 gegen 19 Uhr in die “Luise” (U-Bahn Dahlem-Dorf). Bei Fragen, Anmeldungen etc. könnt ihr euch gerne an uns wenden unter

mfvolland@hotmail.de

Für weitere Infos gibt es auch unsere Facebookgruppe:

http://www.facebook.com/home.php?sk=lf#!/group.php?gid=65919844962

„Vollversammlung 20.04.2011“: Informationsveranstaltung zur zum neuen BerlHG

Julian BargHochschulpolitische Veranstaltungen 5 Kommentare »

Ein gemischtes und hoffentlich faires Fazit.

Gestern war es mal wieder so weit: diesmal haben das „Aktionsbündnis Hochschulgesetznovelle“ sowie AStA FU zu einer „Vollversammlung“ eingeladen.

Genügend Studenten, um eine Beschlussfähigkeit der VV zu erreichen, waren erwartungsgemäß nicht anwesend. Fairerweise sollte man dazu sagen, dass die Veranstaltung deutlich früher angekündigt worden ist als üblich und sich statt den üblichen paar dutzend Studenten bis zu 150 Studenten im Hörsaal 1A tummelten. So ist im Nachhinein die mangelnde Präsenz der LHG zu bedauern.

Trotzdem ein Wort der Kritik, die sich nicht an allerdings nicht dediziert auf die diesmalige VV bezieht: Die Verwendung des Begriffes der VV ist findet allmählich etwas inflationär statt. Ich kann verstehen, dass die verschiedenen Veranstalter der VVs diese als dringend notwendig erachten, allerdings wäre etwas mehr Koordination angebracht, damit irgendwann tatsächlich mal wieder eine stattfindet, die beschlussfähig ist. Trotz der bei den Verantwortlichen herrschenden Vorliebe für Basisdemokratie wäre eine konstituierte Sitzung des StuPa meiner Meinung nach vorzuziehen.

Geladen war Vizepräsident Bongardt, der die Veranstaltung streckenweise wie eine Podiumsdiskussion wirken lies (was keineswegs eine Kritik sein soll). Dazu ist anzumerken, dass ich mich nur auf den Zeitraum von 12 bis 14 Uhr beziehe.  In der Sitzungsleitung saßen zudem einige aus AStA-Kreisen bekannte Studenten die wohl das „Aktionsbündnis Hochschulgesetznovelle“ darstellen.

Soviel zum Rahmen, bleibt der Inhalt. Konsens und Dissens waren klar erkennbar. Bongardt selbst appellierte mehrmals an die anwesenden Studenten die gemeinsamen Standpunkte im Kampf gegen das neue BerlHG mehr zu betonen als die unterschiedlichen. Ein löbliches Anliegen, welches allerdings für Bongardt eine nur schwer zu leistende Gratwanderung darstellen dürfte.

Einig war man sich noch bei dem Punkt, dass die verschiedenen universitären Statusgruppen zu wenig einbezogen, wurden bei der Gestaltung, ebenso wurde die Einführung von sogenannten Lehrprofessuren einhellig kritisiert („Lehrknechte“).

Auch wurden Überregulierungen oder zu allgemeine Formulierungen an mehreren Stellen einhellig kritisiert, allerdings nicht spezifiziert. Dieser Kritik kann man sich trotzdem anschließen, sie deutet darauf hin, dass das BerlHG noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist.

Vorhersehbar war die Kritik an der Einführung der Zwangsexmatrikulation – wobei Unklarheit über die bisherige Praxis herrscht. Bongardt merkte an, dass der Einführung noch lange nicht deren Anwendung bedeutet und sich das Präsidium momentan um neue Mittel vom Bund für die Studienberatungen, welche diese Zwangsexmatrikulationen zu verantworten hätten, bemüht.

Darüber hinaus plädierte Bongardt dafür, dass Masterstudierende Kurse, die Studienvoraussetzungen sind, zu Beginn ihres Studiengangs nachholen können. Wenn sie denn von den Hochschulen konsequent angewandt wird sicher eine sinnvolle Forderung, die Zuspruch fand.

Trotz aller Gemeinsamkeiten zwischen Bongardt und den anwesenden Vertretern der AStA sowie dem „Aktionsbündnis Hochschulgesetznovelle“  zu den oben genannten Punkten waren die Unterschiede  jedoch ungleich größer. So schien es stellenweise, als würde Bongardt  aufgerieben zwischen dem „abschlussorientierten“ Präsident Alt und der äußersten Linken der studentischen Linken mit ihren Visionen der Universität als Kollektiv der persönlichen Entwicklung. Einige der anwesenden Studenten nutzen die Gelegenheit um diese Vision darzulegen. Ergebnis waren einige Fälle durchschaubarer Empörung, die für Belustigung und/oder Zuspruch unter den Anwesenden sorgten.

Was an der Möglichkeit, Lehrprofessuren einzurichten, so schlecht sein soll, wurde nicht deutlich, stellt die Möglichkeit (es ist schließlich kein Zwang), solche Professuren  einzurichten, doch dringend notwendigen Spielraum für die Universitäten dar.

Ich (ja – Ich, dies ist eine Meinung) glaube zudem, dass die Professionalisierung der Studienberatung mit dem Ziel, dass diese auf einen Studienabschluss hinarbeiten, keineswegs illusorisch ist und die Zwangsexmatrikulation in den meisten Fällen obsolet machen würde. Die aufgekommene Behauptung eines systematischen Terrors durch die Studienberatungen halte ich ohnehin für unhaltbar (lasse mich in dieser Hinsicht – mit Betonung auf dem Wort „systematisch“ – aber gerne eines Besseren belehren) und halte damit die Angst vor der Zwangsexmatrikulation für unbegründet.

Gespannt bin ich auf die Protestaktionen gegen das BerlHG. Gespannt darauf, ob man sich diesen als Demokrat anschließen kann oder ob Bongardt mit seinem Versuch, mit der äußeren Linken zusammenzuarbeiten, auf die Nase fliegt. Möglich halte ich Forderungen, die Bongardt übel aufstoßen werden und Demonstrierende aus fragwürdigen Lagern.

Zu eventuellen Kommentaren: Wenn ihr unbedingt kommentieren wollt, dann belasst es bei solchen Kommentaren von denen ihr glaubt, dass sie meine Meinung verändern könnten – viele mögliche Kommentare kenne ich schon, aber sie alle vorweg zu nehmen würde zu viel Platz einnehmen. Als Richtwert: Ich bin nicht dumm und kenne Offensichtliches.

Asta FU: Es kann nicht sein, was nicht sein darf

Nils BurkertAStA, Hochschulpolitik 10 Kommentare »

Auf der sogenannten Vollversammlung vom 16.10 wurde ein Katalog an Forderungen debattiert, welcher den Studierenden vom 11.-13. Januar zur Urabstimmung vorgelegt werden soll.

Das Programm enthält wünschenswerte, erwägenswerte und auch völlig utopische, respektive fragwürdige Forderungen. Unklar bleibt, ob es sich einfach um einen überambitionierten Katalog oder ein trojanisches Pferd für eine im Kern radikale Agenda handelt.

Nachzulesen ist das Gesamtwerk hier

http://img406.imageshack.us/f/urabstimmung.jpg/

Auf der Veranstaltung entspann sich eine interessante Debatte über den Modus der Urabstimmung. Zwei in der Hochschulpolitik prominente, aber nicht dem Asta angehörige Linke plädierten dafür, dass den Studierenden die Möglichkeit eingeräumt wird, einzelne Punkte zu streichen und so deutlich machen können, welchen Zielsetzungen sie zustimmen und welchen nicht. Ihnen gegenüber standen die Vertreter des Asta. Diese optierten dafür, die weitreichenden und vielfältigen Forderungen nur im Paket bejahen oder verneinen zu können.

Beim Asta zeigte sich ein ganz neues Verhältnis zu den Mitteln der Studierenden. Nahm man bisher an, der wenig transparente Umgang mit dem Geld sei ganz entspannt, offenbarten sich hier die Pfennigfuchser. Denn das Hauptargument gegen eine punktuelle Abstimmung war, dass diese zu teuer sei. Ursächlich sei hierfür der Mehraufwand bei der Auszählung. Dem wurde entgegengehalten, dass für ein aussagekräftiges demokratisches Ergebnis Geld da sein müsse.

Außerdem monierten die Astavertreter, dass die Einzelpunktewahl zu verwirrend sei. Zu Recht wurde dem entgegnet, dass die normale Wahl zum StuPa auch sehr komplex sei. Immerhin stehen im Januar 47 Listen zur Wahl.

Sogar die repräsentative Demokratie, sonst ungeliebt (beispielsweise Einführungstag OSI WS 10/11) wurde vom Asta herbeizitiert: Würde man bei der Bundestagswahl beispielsweise die CDU (!) wählen, bekäme man ja auch ein Paket. Der Gegenredner konterte: Da es ja ein Ziel sei, die Basisdemokratie zu fördern, könne dieser Einwand nicht gelten.

Der Asta blieb jedoch bei seinem Veto: Die Einzelwahl der Punkte bei der Urabstimmung sei aufgrund der sich abzeichnenden niedrigen Wahlbeteiligung nicht repräsentativ, es handle sich ja nicht um eine Umfrage. Auf Nachfrage wurde mitgeteilt, dass dies jedoch nicht für eine Abstimmung im Paket gelte. Weshalb das so ist, wurde auch erklärt, meinerseits jedoch leider nicht verstanden. Gleichwohl handelte es sich um eine interessante Anregung des Asta: Warum eigentlich keine repräsentative Umfrage zur politischen Kursbestimmung statt (laut Asta) teurer Urabstimmung? Könnte damit das postulierte Ziel nicht ebensogut erreicht werden: “Diese Urabstimmung dient der Meinungsbildung unter den Studierenden”.

Sauer stieß dann folgendes Argument auf: Die Studierenden hätten gar nicht die Kompetenz und Kapazität für eine punktuelle Abstimmung, da sie sowieso unter dem Druck des Bachelor-Studiums stünden und schnell an der Bachelor-Arbeit weiterschreiben müssten. Hier ist Polemik unvermeidlich: Das erinnert doch fatal an den traditionellen Reflex der äußeren Linken, zur Befreiung Vorgesehene für unmündig zu erklären, wenn sie nicht mit lautem Jubelgeschrei ihre Retter begrüßen.

Fazit: Unstrittig ist, dass alle debattierenden Linken die Forderungen teilten. Jedoch: Man hatte den Eindruck, dass Einige tatsächlich interessiert waren, wie sich die Studenten positionieren. Tatsächlich wies diese Minderheit sogar darauf hin, dass es Leute geben könnte, die einige, aber nicht alle Forderungen befürworten. Eine interessante Erkenntnis, die, würde sie sich durchsetzen, sogar den Weg zu einer konstruktiven Hochschulpolitik im Interesse aller Studierenden eröffnen könnte.

Der Asta allerdings wich nicht von seiner Position ab. Hartnäckig wurde am Konzept des simplen Ja oder Nein festgehalten. Die offizielle Begründung wurde bereits aufgeführt. Man kann sich aber nicht des Eindrucks erwehren, dass es ganz andere Gründe gibt, weswegen so vehement gegen eine Einzelauswahl der zu ratifizierenden Forderungen gestimmt wurde. Es steht nämlich zu vermuten, dass dabei herauskäme, dass zwar eine Mehrheit der Studierenden Dinge wie die Abschaffung der Anwesenheitspflicht befürwortet, jedoch eher exotische Wünsche wie die Einführung des “studium generale” ablehnt. Würde dies aber erst einmal im Rahmen einer Urabstimmung bekannt, bestünde für den Asta die Gefahr, von seinen radikal-utopischen Splittergruppenforderungen Abstand nehmen zu müssen. Dann wäre nämlich erwiesen, dass diese nicht den Erwartungen der Mehrheit der Studierenden entspräche. Ob der Asta wohl auf den Prüfstand der Realität will? Wohl kaum, lieber also über ein Paket abstimmen lassen, dass ohnehin nur die Hartgesottenen mobilisiert und so das gewünschte Ergebnis bringt.

Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Blogbeitrags stand die Entscheidung – Einzelauswahl oder Paket – noch nicht fest. Die übermächtige Mehrheit der Befürworter der Paketvariante ließ aber schon bei der Debatte erahnen, wohin die Reise gehen wird.

Im Januar wird über die Forderungen als Ganzes abgestimmt werden. Da die meisten Studierenden der Urabstimmung wegen deren Realitätsferne kopfschüttelnd fernbleiben werden, wird sich eine klare Mehrheit dafür aussprechen, die wüste Kompilation sinniger und unsinniger Forderungen dem Senat zu unterbreiten. Das die Anzahl der Ja-Stimmen kaum über 7-8 Prozent der FU-Studenten hinausgekommen ist, wird künftig verschwiegen. Fortan wird sich der Asta dann, auf seinen kontinuierlich revolutionären Sound angesprochen, stets auf diese Urabstimmung berufen.

Leider entsteht auf diese Weise der Eindruck, dass sich der Asta anderen Zielen verpflichtet fühlt als dem Handeln im Sinne des demokratischen Mehrheitswillens. Es darf nicht publik werden, dass sich das Gros der Studenten nicht mit dem radikalen Kurs identifizieren kann. Das mag im Sinne eines sektiererischen Grüppchens sein, für den Rest ist es eine Katastrophe. Der Asta ist so nämlich in erster Linie Lobbyist der Ideen seiner Angehörigen. Erwünschte realistische und pragmatische Verbesserungen, die allen zu Gute kommen könnten, bleiben auf der Strecke.

Urabstimmung: Der ganz große Wurf

Nils BurkertHochschulpolitik 8 Kommentare »

Auf der sogenannten Vollversammlung vom 16.10 wurde ein Katalog an Forderungen debattiert, welcher den Studierenden vom 11.-13. Januar zur Urabstimmung vorgelegt werden soll.

Nachzulesen ist das Gesamtwerk hier

http://img406.imageshack.us/f/urabstimmung.jpg/

die interessantesten, ambitioniertesten und drolligsten Forderungen sind aber auch im Folgenden aufgeführt.

Es handelt sich um ein Konvolut, in welchem sich einige echte Knaller verbergen:

So wird das Dauerbrenner-Thema der Mitbestimmung der unterschiedlichen Statusgruppen angesprochen.

“An und in der FU Beschäftigte sollen FU-Angehörige mit entsprechenden Mitbestimmungsrechten werden; dies betrifft Reinigungskräfte, Lehrbeauftragte, Pförtner_innen und andere”

In der “Vollversammlung” wurde eine Reihe von Missständen beim Umgang mit sonstigen Beschäftigten angeprangert (Lohndumping, Leiharbeit, Behinderung bei gewerkschaftlicher Betätigung). Abgesehen davon, dass es begrüßenswert wäre, wenn diese Vorwürfe belegt würden, ist es ein legitimes und richtiges Ziel solche Missstände beenden zu wollen. Problematisch ist jedoch die intendierte Umsetzung: Sind dafür die Gremien und Institutionen der Hochschule der geeignete Ort? Oder liefe man nicht Gefahr, dass die inneren Mechanismen der Uni überlastet wären, wenn ihnen die Klärung solcher Widrigkeiten ebenfalls noch aufgebürdet würde? Es ist ja nicht so, dass die Entscheidungsfindungen der FU bisher reibungslos, konfliktfrei und mit stets perfekten Ergebnis abliefen, so dass man derlei Großprobleme quasi nebenbei wuppen könnte. Voller Respekt vor jenen Arbeitskräften, welche den universitären Betrieb erst ermöglichen, ist selbstverständlich. Jedoch scheint es, als ob Betriebräte, Gewerkschaften, SenBildWiss, SenInn, Pateien oder auch das Arbeitsgericht die besseren Adressaten für den Aufruf zur Abhilfe wären. Die inneruniversitären Prozesse würden jedenfalls Schaden aufgrund von Überlastung nehmen. Weswegen der Asta sich des Problems annimmt, bleibt ebenfalls unklar. Schließlich hat er das Mandat der Studierenden, sonst keines. Es steht den Asta-Angehörigen ja frei, sich hierfür zu engagieren, sie sollten hierzu jedoch als Privatpersonen die genannten Kanäle nutzen und im Allgemeinen Studierendenausschuss die Interessen ihres Wahlvolks vertreten.

In eine ähnliche Richtung geht die folgende Zielsetzung:

“Viertelparität in allen akademischen Gremien der FU: gleichberechtigte Mitbestimmung von Studierenden, sonstigen Mitarbeiter_innen, wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen und Professor_innen”

Ganz abgesehen davon, was man von der derzeitigen Stimmgewichtung der Statusgruppen halten mag: Ist es angemessen, dass “sonstigen Mitarbeiter_innen” bei Fragen von Forschung und Lehre entscheidend sein können, obwohl sie nicht Betroffene sind? Diese Frage wurde auch im Plenum aufgeworfen, aber mit dem Hinweis abgebügelt, dass es sich auch nach der Reform noch um ein ‘feudales’ System handeln würde. Was ja eine interessante Feststellung ist, trotzdem aber nicht als Erklärung angesehen werden kann.

Konterkariert wird dieser Punkt des weihnachtlichen Wunschzettels von folgender Forderung:

“Einführung instituts-, fachbereichs- und universitätsweiter Urabstimmungen mit Beschlusskompetenz für alle die Universität auf jeweiliger Ebene betreffenden Entscheidungen”

Ist die Viertelparität also erst einmal eingeführt, wird sie gleich wieder abgeschafft. Dann gilt: Wir basteln unsere Uni selbst. Man kann sich ausmalen, wie es an der Uni zuginge, wenn man die bisherigen Erfahrungen mit Wahlbeteiligung und Hochschulpolitik zugrunde legt. Einziger Haken: Wahrscheinlich würde wohl das gesamte Lehrpersonal die Flucht ergreifen. Man kanns ihm nicht verdenken. Macht aber nichts, zum Studieren wäre eh keine Zeit mehr, da eine Urabstimmung die nächste jagt.

“Forschung, Lehre und Studium an der FU sollen nur zivilen Zwecken dienen. Als Drittmittelgeber ausgeschlossen werden insbesondere Rüstungsindustrie und Bundeswehr. Eine dementsprechende Zivilklausel ist in die Grundordnung einzufügen”

Obwohl manch einer diese Klausel ablehnt, muss man einräumen, dass sie an der FU durchaus mehrheitsfähig ist. So richtig das Ziel vielen erscheinen mag, muss man sich jedoch die Folgen vor Augen führen: Mittel in nicht unerheblicher Menge wären verloren, insbesondere, da gerade Grundlagenforschung zivilen u n d anderen Zwecken dienstbar gemacht werden kann. Die schwarze Liste würde also ziemlich lang werden. Dass dann urplötzlich alle bewaffneten Konflikte beendet oder auch nur eingeschränkt würden, ist aber eher unwahrscheinlich. Für Studierende und Profs wäre der Geldmangel hingegen deutlich spürbar. Werden da erneut die Probleme der Welt der Uni aufgebürdet? Ist das die geeignete Plattform? Finanzierung ist allerdings für die Resolutionsanhänger kein Thema, dazu gleich mehr. Dass überdies ein Sonderforschungsbereich der FU, welcher beispielsweise für die UNO-Friedensmission im Sudan von Nutzen sein kann, für eine Resolutionsanhängerin mit der Zwillingsforschung Mengeles vergleichbar ist, spricht Bände. Solcherlei Extrempositionen sind allerdings wenig hilfreich für einen konstruktiven Diskurs.

Nun zu einer wohlfeilen Forderung, die doch einigen Sprengstoff in sich birgt:

“Forschung, Lehre und Studium im Sinne einer ökologisch nachhaltigen Gesellschaft”

Forschung, Lehre und Studium sollen also künftig vorab auf eine bestimmte Ausrichtung getrimmt werden, Ergebnisoffenheit und unliebsame Positionen blieben auf der Strecke. Ökologische Nachhaltigkeit ist ja ein löbliches Ziel, doch wer legt im Zweifelsfall die Richtlinien fest? Wird hier ein Wächterrat eingerichtet, oder erledigt das der Einfachheit halber der Asta gleich mit? Wie geht man dann mit umstrittenen ‘Grenzfällen’ um, beispielsweise der Forschung zum Thema CO2-Speicherung? Wer hebt oder senkt da künftig den Daumen?

In einer ähnlichen Zwickmühle befindet sich der zur Urabstimmung aufgerufene Studi im folgenden Fall:

“Gegen die Schaffung reiner Lehrprofessuren: Forschung und Lehre gehören untrennbar zusammen”

Lehrprofessuren sind ein möglicher Bestandteil der Novelle des Berliner Hochschulgesetzes. Deren Ablehnung wurde plausibel begründet. Die Lehrenden sollen auch mit Forschungsfragen vertraut sein, forschen können und Forschungsergebnisse direkt in die Lehre einbauen. Richtig, mag man sich sagen. Aber auch hier gibt es wieder einen Haken: Aus dogmatischen Gründen wird die Lehrprofessur abgelehnt, mit Maximalforderungen wie im vorliegenden Katalog wird aber jede fernere konstruktiven Zusammenarbeit, welche die Lehre im Rahmen des Bestehenden verbessern könnte, unmöglich gemacht. Das Ergebnis für die Studierenden: Es ändert sich nichts, gar nichts. Gedankt werden darf dem Asta, der sich einmal mehr für die Studierenden eingesetzt hat – gleich an zweiter Stelle nach den eigenen ideologischen Überzeugungen.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Vorlage zur Urabstimmung auch einige Punkte enthält, die durchaus vernünftig und berechtigt sind. Hier könnten sich Mehrheiten über politische Lager und Statusgruppen hinweg finden. Unter anderem soll die Zahl der Masterplätze erhöht werden, die Uni komplett barrierefrei gemacht werden oder ein Teilzeitstudium (vermutlich für Berufstätige, Väter und Mütter?) ermöglicht werden. Aber schon das ist nicht umsonst und ohne Anstrengung zu haben. Und da diese konsenfähigen Vorschläge mit zum Teil grobem Unfug einhergehen, werden sie wie gehabt im Orkus der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Mehrwert für die Studierenden: Null.

Nicht zuletzt stellt sich noch die Frage nach der Finanzierung des Pakets. Auf Nachfrage wussten die Befürworter Antwort. Moderate Stimmen schlugen vor, dass Euro-Rettungspaket anzuzapfen, ein Asta-Angehöriger hingegen regte die “Zerschlagung von Banken, Enteignungen” (O-Ton!) an. Der Fahrplan ist also folgender: In der 2. Kalenderwoche wird abgestimmt, in der dritten KW verteilt der Asta dann Milliarden um oder führt wahlweise die Weltrevolution durch. Danach steht dann Cash bis zum Abwinken auch für die bizarrsten Ideen zur Verfügung.

Nicht dass es zu Missverständnissen kommt: Ob es richtig ist, Geld für Banken, aber unzureichend für Bildung zu mobilisieren, kann und sollte hinterfragt werden. Aber ob der Asta das richtige Forum ist, die großen Fragen der Zeit zu lösen? Könnte man nicht, wenn man es eine Nummer kleiner anginge, sogar etwas Greifbares zum Wohle der Studierenden erreichen?

So jedenfalls steht das Ergebnis fest: Sollte der linken Ideen eigentlich aufgeschlossene rot-rote Senat diesen Forderungskatalog jemals in den Händen halten, muss er die FU-Studenten für weltfremd halten. In Ermangelung seriöser Ansprechpartner wird das Berliner Hochschulgesetz über die Köpfe der Studierenden hinweg entschieden werden. Die Institution Asta bleibt einmal mehr hinter ihren Möglichkeiten zurück.

LHG setzt sich für Methodenprofessur am FBR PolSoz ein

Sven HilgersAkademische Gremien, Hochschulpolitik, LHG 10 Kommentare »

Die methodische Ausbildung ist Kernbestandteil eines Studiums. Insbesondere für ein Kompetenzstudium, wie das der Politikwissenschaften, ist die Methodenausbildung von elementarer Bedeutung.  Im kommenden Jahr läuft die Professur für Methoden am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften aus. Das OSI würde dann zunächst ohne Professor für Methoden dastehen. Vor diesem Hintergrund hat sich der Fachbereichsrat für eine Kommission zur Verstetigung der Methoden-Professur entschlossen.

Damit wäre die Methodenlehre am OSI gesichert, würden sich die studentischen Vertreter und Vertreterinnen von Jusos und der hiesigen Fachschaftsinitiative nicht weigern Studierende für diese Kommission zu benennen. Insbesondere der Vertreter der Jusos fordert stattdessen die Einsetzung einer Berufungskommission, mit folgendem langen Berufungszeitraum. Jedoch führt dieses Verhalten nicht nur  zum Boykott einer schnellen Sicherung der Methodenlehre, sondern es sorgt auch dafür, dass der Verstetigungsprozess der Professur jeglicher studentischer Beteiligung entzogen wird.

Eine Verstetigung beziehungsweise eine Entfristung der Professur ist vor allem vor dem Hintergrund der ansonsten prekären Lage der Methodenausbildung sinnvoll. Überdies hinaus wäre die Neueinsetzung einer Berufungskommission ein Schlag ins Gesicht für die gute Arbeit von Professor Ohr, denn diese würde das Signal setzen, dass ein neuer Professorin oder eine neue Professorin notwendig wäre.

Während die VertreterInnen der Jusos und der FSI damit sowohl die Sicherung der Methodenlehre am Fachbereich verzögern, als auch die studentische Beteiligung schmälern, hat sich die LHG entschieden mit einem schriftlichen Vorschlag einen Vertreter in die Berufungs- bzw. Verstetigungskommission zu entsenden. Dadurch wird zum einen die studentische Vertretung in der Kommission gesichert, zum anderen kann die Kommission auch in rechtlich einbahnfrei tagen.

Das Interesse der Studierenden am Fachbereich bleibt weiterhin die Leitlinie unseres Handelns. Auch wenn wir aufgrund widriger Umstände nicht im Fachbereich vertreten sein können, werden wir uns nicht davon abhalten lassen uns für eine Methodenprofessur am OSI einzusetzen. Deswegen haben wir uns gestern in die Kommission zur Verstetigung der Methodenprofessur wählen lassen und die Interessen der Studierenden  in der Kommission vertreten.

Otto-Suhr-Institut: Institutstag am 03.12.2010

Kristina KaempferHochschulpolitische Veranstaltungen, Termine 0 Kommentare »

Wie wahrscheinlich bereits weitreichend bekannt, sei aber auch noch mal an dieser Stelle auf den Institutstag des Otto-Suhr-Instituts aufmerksam gemacht.

Stattfinden wird dieser am Freitag, den 03.12.2010. Weitere Infos zu Veranstaltung an sich, sowie zu den Vorbereitungstreffen, findet ihr hier: http://www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss/studium/institutstag/index.html

OSI Intstitutsrat am 14. Juli – Ideengeschichte, Afrikastudien und zusätzliche Mittel für Lehre

Sven HilgersAkademische Gremien, Allgemeines, Hochschulpolitik 0 Kommentare »

In der heutigen Institutsratssitzung standen drei Themen im Mittelpunkt. Zum einen sollte die Strategie zur Besetzung der Ideengeschichte Professur festgelegt werden. Klaus Roth hat die Vertretungsprofessur Ideengeschichte aufgrund des mit der FU geschlossenen Vergleiches nur mit Befristung, daher wurde heute über Modelle nachgedacht, wie die Lehre für Ideengeschichte sichergestellt werden kann. Zur Auswahl wurden drei Modelle gestellt (o1, o2 und o3). Dafür wurde ein Modell, welches allerdings nur geringe Chance auf Verwirklichung hat präferiert. Dabei hat Roth die Professur noch weitere Jahre, währenddessen wird aber eine Juniorprofessur Ideengeschichte mit tenure track geschaffen, welche mit dem Ausscheiden Klaus Roths entfristet wird. Die Juniorprofessur wird aus den Mitteln, die bei einer Herabstufung der Professur Rechtliche Grundlagen von W2 auf W3 entstehen, finanziert. Aufgrund der geringen Chance auf Realisierbarkeit hat der I-Rat sich für ein anderes Modell (o1) entschlossen, welches Alternativ verwirklicht werden soll. Dieses sieht eine W2 Professur für Ideengeschichte vor, welche mit dem Weggang von Klaus Roth besetzt werden soll.
Die S-Professur, die nach der Ideengeschichte Professur auf der Tagesordnung stand, war wesentlich umstrittener, allerdings wurde keine ausweitende Diskussion zu dem Thema zugelassen. Als S-Professur (Sektoralprofessur) werden Professuren bezeichnet, die aus einer Kooperation mit Forschungsinstituten entstehen. Diese gemeinsam berufenen Professoren haben im Regelfall neben ihrem Amt eine Leitungsfunktion bei einer außeruniversitären Einrichtung inne. Das Gehalt für die Professuren wird dabei von den außeruniversitären Einrichtungen getragen. In diesem Fall hat das GIGA (German Institute of Global and Area Studies) dem OSI eine solche S-Professur für Afrikastudien angeboten. Während sich der Großteil des Institutsrates für die Professur aus gesprochen hat, lehnten die beiden studentischen Vertreter mit einem Gruppenveto die S-Professur ab und erteilten auch einer Ausgleichsitzung in der vorlesungsfreien Zeit eine Absage. Daher ist es fraglich, ob das GIGA weiterhin mit dem OSI kooperieren wird oder der FU die HU als Partner vorzieht und so dem FU eine Afrikaprofessur vorenthalten bleibt.
Als letztes Thema stand der Bericht der ABK auf dem Plan, dabei ging Professor Chojnacki vor allem auf die zusätzlichen Mittel für Lehre ein. Alle Arbeitsstellen, mit Ausnahme der FFU, haben bisher jeweils Mittel für zusätzliche Lehre in anderen Bereichen zugesagt. Dabei konnte aus der ABK auch berichtet werden, dass auch im kommenden Semester einer Vorlesung zur Europäischen Integration angeboten werden kann.

KfL #111 – das Sommerloch füllt sich…

Alex SpielauAkademische Gremien, FU, Hochschulpolitik, Lehre 1 Kommentar »

An diesem Dienstag traf sich die Kommission für Lehre (KfL) zu ihrer 111. Sitzung. Die Sitzung wurde von Vizepräsidentin Prof. Keitel-Kreidt geleitet. Bestimmende Themen waren der Revisionsprozess zu den Leitlinien zur Studien- und Prüfungsordnung und der AS-Beschlussfassung zu den Leitlinien Qualitätspolitik und -ziele für Studium.
In einer langwierigen, jedoch größtenteils Konsens-orientierten Diskussion wurden der inneruniversitäre Revisions- und Abstimmungsprozesse zum Leitlinienpapier sowie der politische Reformprozess (Novelle BerlHG; Positionspapier der Senatsverhaltung zur Bologna-Reform) dargestellt und besprochen. Als universitäre Ziele dieses Prozesses sollen neben dem Entstehen eines Leitlinienpapieres, auch ein Modulhandbuch und eine Handreichung zu Lehr- und Prüfungsmöglichkeiten den Fachbereichen zur Verfügung gestellt werden.
Die übliche Diskussion zu den Kompetenzen der KfL und deren Mitgliedern wurde selbstverständlich auch geführt. Aufgrund dessen wurde die Besprechung der AS Vorlage Qualitätspolitik und –ziele sehr kurz andiskutiert und nachfolgend – wieder einmal – vertagt.

„Wir scheißen auf die Geschäftsordnung“

Armin PeterFU, Hochschulpolitik 23 Kommentare »

Im Vorfeld des sogenannten „Bildungsstreiks“ hatten linke Aktivisten für heute, 14 Uhr eine „Info-Vollversammlung“ angekündigt. Etwa 50 Studenten waren gekommen – eine Vollversammlung war die Zusammenkunft allerdings nicht. Stattdessen verkam das Treffen schnell zum Paradebeispiel für das fehlende Demokratieverständnis linksextremer Gruppen an der FU – alle wichtigen Grundsätze der Geschäftsordnung wurden schlichtweg ignoriert – oder haben die Aktivisten sie etwa bewusst missachtet?

Gemäß der Satzung der Studierendenschaft trägt eine Vollversammlung „zur Entscheidungsfindung der Organe der Studierendenschaft bei“ (§14 Abs. 1).
Des Weiteren steht in der Geschäftsordnung, dass die Vollversammlung nur dann beschlussfähig ist, wenn mindestens fünf Prozent der Studierenden der FU anwesend sind – bei etwa 32000 immatrikulierten Studenten wären das also ca. 1600 Personen (§14 Abs. 1 Satz 4). Dies ist notwendige Voraussetzung dafür, dass eine Zusammenkunft auch tatsächlich eine Vollversammlung ist, die „empfehlenden Charakter“ für die Organe der Studierendenschaft hat (§14 Abs. 4).
Außerdem ist laut Satzung jedes Mitglied der Studierendenschaft rede-, antrags- und stimmberechtigt (§14 Abs. 2).

„Verpiss dich“: Antragsteller wird beschimpft.

Als zum Beginn der Versammlung lediglich etwa 50 Studierende erschienen waren, stellte die LHG einen sogenannten „GO-Antrag“ zur Prüfung der Beschlussfähigkeit gemäß Geschäftsordnung.
Die Moderatoren machten allerdings keinerlei Anstalten, ihrer Pflicht zur Überprüfung der Beschlussfähigkeit des Treffens nachzukommen. Stattdessen sahen sie feixend zu, wie der Antragsteller aus der Gruppe heraus verächtlich und aggressiv beschimpft wurde: „Verpiss dich“, hieß es da unter anderem. Am meisten Beifall erhielt jedoch der rotzige Kommentar eines Versammlungsteilnehmers: „Wir scheißen auf deine Geschäftsordnung“.

Die Verstöße gegen die Satzung hinderten das Grüppchen im Folgenden nicht daran, die Zusammenkunft weiterhin unter dem Titel „Info-Vollversammlung“ laufen zu lassen.
Der erste Beschluss des Treffens lautete, gemeinsam mit einem Megaphon bewaffnet in die Mensa einzumarschieren, um dort im Namen der Studierenden spontan gegen eine angeblich kaputte Klimaanlage zu demonstrieren.

Beschlüsse ohne Beschlussfähigkeit

Als der kurze Spaziergang durch die (eiskalte) Mensa vollbracht war, folgte eine längere Debatte über die Ergebnisse des letzten „Bildungsstreiks“. Einigkeit herrschte darüber, dass der „Streik“ trotz umfassender Maßnahmen weitgehend ergebnislos war. Ein Redner stellte gar „eine gewisse Apathie“ unter den „Streikenden“ fest.
Im Anschluss an die Debatte fasste das Kaffeekränzchen zu verschiedenen Themen weitere Beschlüsse – hauptsächlich bezogen auf kommende Termine für Treffen der „Bildungsstreikenden“. Offenbar um den Verstoß gegen die Satzung zu kaschieren war die Moderation dazu übergegangen, Abstimmungen zur Beschlussfindung als „Stimmungsbild“ zu bezeichnen.

Die Missachtung der Satzung ist ein Schlag ins Gesicht der gesamten Studierendenschaft – immerhin hat das Studierendenparlament das Regelwerk im Namen und zum Wohle aller im Interesse einer guten Grundordnung beschlossen.
„Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben“ – diesen programmatischen Grundsatz hat Walter Ulbricht 1945 formuliert. Die Umsetzung dieser Prämisse mündete in die zweite, diesmal sozialistische Diktatur auf deutschem Boden. Den antidemokratischen Grundsatz des alten SED-Granden nehmen sich linksextreme Kreise an der FU offenbar noch heute zu Herzen: Aller Offenheits-Rhetorik zum Trotz werden kritische Fragen und abweichende Meinungen niedergebügelt – ein kleiner, elitärer Zirkel weltferner Aktivisten dagegen agitiert munter vor sich hin, als bewege er sich in einem rechtsfreien Raum.

Linksextreme Minderheit nicht legitimiert

Auch deshalb ist die Beteiligung an allen Aktionen rund um den Bildungsstreik gemessen an der Gesamtzahl der Studierenden verschwindend gering – mit weiter sinkender Tendenz. Die Mehrheit der Kommilitoninnen und Kommilitonen an der Freien Universität ist offensichtlich nicht daran interessiert, sich von einer kompromisslos linksextremen Minderheit vertreten zu lassen.
Daraus aber folgt, dass dem „Bildungsstreik“ und seinen rechtsbeugenden studentischen Akteuren -zumindest an der FU- jegliche Legitimität fehlt.

Info: Die gesamte Satzung der Studierendenschaft der FU Berlin findest du hier: http://web.fu-berlin.de/zwv/vorschr/studsatz.pdf

KfL #108 und #109

Alex SpielauAkademische Gremien, FU, Hochschulpolitik, Lehre 0 Kommentare »

An diesem Dienstag traf sich die Kommission für Lehre (KfL) zu ihrer 109. Sitzung. Die Sitzung wurde von Vizepräsidentin Prof. Keitel-Kreidt geleitet. Bestimmendes Thema war die Einrichtung der Masterstudiengänge „Psychologie“ und „Social, Cognitive and Affective Science“ (SCAN).
Als Experten wurde Prof. Heekeren und Studiendekan Dr. Petri zur Präsentation der Studiengänge eingeladen. Auch zwei Studierende aus dem FB waren anwesend und konnten kritischen Input zu den Masterstudiengängen liefern. Kritisch hinterfragt wurde u.a. die vermeintlich elitäre Natur des SCAN Studiengangs aufgrund der kleinen Zulassungszahl von angestrebten 15 Studierenden, die Zulassungsbestimmungen bzw. –Voraussetzungen, welche unter Umständen noch dem BerlHochschulG widersprechen, und die zu spezielle Ausrichtung des SCAN-Masters, welcher bei einer Personalveränderung obsolet werden kann. Die beiden Vorlagen wurden letztendlich angenommen.
Abschließend hat die KfL die Vorlage A mit einigen Änderungen dem AS einstimmig
zur Annahme empfohlen.

Nachtrag zur 108. KFL:
Nachtragen möchte ich noch einige Punkte zur letzten KfL Sitzung nachliefern. In dieser wurde sehr langwierig wurde die Vorlage des Runden Tisches A diskutiert. Wobei sich die Runde mehrfach nicht einigen konnte, wie mit der Originalvorlage des Runden Tisches zu verfahren sei. Die zum Teil heftigen Wortwechsel, ob dieses eigentlich marginalen Punktes, waren der Mehrheit der KfL nicht verständlich. Nachfolgend wurde die Vorlage Satz für Satz debattiert. Besonders das selbständige Anmelden für Fächer und Prüfungen stand zur Debatte. Vorgebracht wurden u.a. die Stärkung der studentischen Selbstverantwortung und die Bedeutung der Anmeldung als bewussten Rechtsakt. Dr. Fijal berichtete in dem Zusammenhang von den positiven Erfahrungen aus den Rechtswissenschaften
Danach wurde über die Zulassungsordnung der Bachelor- und Masterstudiengänge gesprochen. Bedeutend ist, dass die Fächerkombination Geschichte, Deutsch und Sozialkunde (Lehramt) nicht gewählt werden, weil das Land Berlin keine Lehrer mit dieser Kombination übernehmen. Danach wurde über den weiterbildenden Masterstudiengang Zukunftsforschung diskutiert. Erwähnenswert ist, dass dieser kostenpflichtig sein (1300Euro).
Abschließend, wurde noch der Fragebogen zur Befragung der Bachelorstudierenden im Sommersemester 2010 vorgestellt. Zu diesem Zweck war Prof. Thiel aus dem FB Erziehungswissenschaft und Psychologie anwesend, um über den abzuhaltenden Bachelorbefragungsbogen zu referieren.
Die Befragung der Bachelorstudierenden dient prinzipiell der Studiensituation und dem Studienerfolg der Bachelorstudierenden. Kritisch angemerkt wurde, dass der Fragebogen wieder nur per Email über die ZEDat versendet wird. Auf die unterschiedlichen Verteiler an bestimmten Fachbereichen und die zum Teil mangelhafte Erreichbarkeit von Studiereden über ihren ZEDat-Account wurde dabei hingewiesen. Die KfL vertagte sich nachfolgend.

107. Sitzung der KfL – alter Streit um fehlende Informationen

Alex SpielauAkademische Gremien, FU, Hochschulpolitische Veranstaltungen, Lehre 5 Kommentare »

Am Dienstag den 13. April traf sich die Kommission für Lehre (KfL) zu ihrer 107. Sitzung. Die Sitzung wurde von Vizepräsidentin Prof. Keitel-Kreidt geleitet. Bestimmende Themen waren Einrichtung des Masterstudiengang Bildungswissenschaft, die Verlängerung der Einrichtungsdauer von Bachelorstudiengängen, und eine Diskussion über die Informationspolitik des Präsidiums.
Die KfL einigte sich zuerst auf die Vertagung der AS Vorlage Qualitätspolitik und Qualitätsziele auf die nächste KfL Sitzung. Tenor war, dass sich das neue Präsidium mit dem Qualitätspapier zuerst beschäftigen solle. Ebenso wurde der TOP Projekttutorien aufgrund fehlender studentischer Initiativen vertagt.
Nachfolgend beschäftigte sich die KfL mit der Einrichtung des Masterstudiengangs „Bildungswissenschaft“ und der Aufhebung der Masterstudiengänge „Erziehungswissenschaft: Bildung, Kultur und Wissensformen“ und „Erziehungswissenschaft: Forschung und Entwicklung in sozialen und pädagogischen Organisationen“. Als Experte wurde Prof. Dr. Harm Kuper zum Vortrag eingeladen.
Dieser führte aus, dass die formalen Strukturen des neuen Studienganges mit denen der alten fast identisch seien. Ebenso bleibe das Modulgerüst erhalten. Im Prinzip, so Kuper, würden die bisherigen zwei Schwerpunktprofile zu einem Studiengang verschmolzen, was wechselseitige Schwerpunktkurse wählbar mache und mehr Flexibilität und Wahlfreiheit bringe. Studierende könnten sich weiterhin in den Profilen der alten Studiengänge vertiefen.
Von studentischer Seite kritisch hinterfragt, wurde das Vorhandensein von Äquivalenzlisten für Kurse, welche von Studierenden der allen MA Studiengänge belegt wurden und die nun in den neuen Studiengang wechseln wollen. Auch bleiben die Gender-Aspekte als inhärenter Teil bildungswissenschaftlicher Studiengänge erhalten. Von den studentischen Vertretern Sarah Walz und Matthias Bartelt wurde die fehlende Kompetenz der KfL, die inhaltlichen Änderungen zu evaluieren, und die kurzfristige Weiterreichung in die KfL kritisiert. Prof. Bongardt entgegnete jedoch, dass die KfL nicht zuständig für inhaltliche Kritik sei. Letztlich zeigte sich auch eine studentische Vertreterin des Fachbereiches Erziehungswissenschaften und Psychologie mit MA Programm Vorschlag zufrieden. So wurde der Vorschlag trotz der Gegenstimmen von Walz und Bartelt angenommen.
Nachfolgend beschäftigte sich die KfL mit der Verlängerung der Einrichtungsdauer von Bachelorstudiengängen. Diese Vorlage wurde angenommen. Wiederum kritisierten Sarah Walz und Matthias Bartelt das Nichtvorhandensein von Informationen zu diesen Studiengängen, welches ihre Entscheidungsfähigkeit einschränken würde.
Die Diskussion um die Verlängerung der Bachelorstudiengänge, wurde jedoch durch eine langwierige Debatte um die Offenlegung von Informationen durch das Präsidum unterbrochen. Mit Vehemenz verlangten Sarah Walz und Matthias Bartelt nach der Herausgabe von Statistiken zu Studienbeginnern, Absolventen und Studienabbrüchen der hinterfragten Studiengänge. Das diese in der verlangten Form nicht vorlägen, wurden von den beiden nicht zur Kenntnis genommen. Nach Aussage von Prof. Keitel-Kreidt würde eine Implementierung via CM angestrebt, sei jedoch technisch noch gar nicht möglich.
Zuletzt wurde aufgrund der fortgeschrittenen Zeit, die Diskussion der Runder-Tisch-Vorlagen auf die kommende KfL-Sitzung vertagt. Die allgemeine Diskussionskultur ist altbekannten Bahnen gefolgt. Gerade die langwierige Diskussion um die Offenlegung von gar nicht vorhandenen Informationen war zum Teil grotesk.

106. Sitzung der KfL – “…und täglich grüßt das (Qualitätsmanagement-)Murmeltier.”

Alex SpielauAkademische Gremien, Allgemeines, Hochschulpolitik, Lehre 3 Kommentare »

An diesem Dienstag traf sich die Kommission für Lehre (KfL) zu ihrer 106. Sitzung. Aufgrund der Abwesenheit der Vorsitzenden, Vizepräsidentin Prof. Keitel-Kreidt, und dem Stellvertreter Stephan Manske, wurde Prof. Bongardt zum kommissarischen Leiter der Sitzung bestimmt. Bestimmendes Thema der Sitzung war das Vorlagepapier zu den Leitlinien der Qualitätspolitik und –Ziele an der FU. Desweiteren standen die Verlängerung von Masterprogrammen, die Vorlesungszeiten des nächsten Wintersemesters und verschiedene, von studentischer Seite aufgeworfene Sachfragen zur Diskussion.

Die Vorlage zu den Vorlesungszeiten wurde ohne inhaltliche Gegenargumente oder Widersprüche an den AS verwiesen. Einzig wurde moniert, dass es seit längerer Zeit geplant war, den amerikanischen Universitätskalender zu übernehmen, ohne dabei bisher zu Entscheidungen gekommen zu sein. Als einzige Universität, welche diesen Kalender implementiert hat, wurde Mannheim angeführt. Dahingehend wurde sich darauf verständigt, dieses Thema dem AS zur Diskussion vorzuschlagen.

Nachfolgend wurde das Vorlagepapier zu den Leitlinien zur Qualitätspolitik und –Zielen diskutiert. Wieder als Experte des Bereiches Qualitätsmanagement und Systemakkreditierung war Herr Helm anwesend, welcher einen einführenden Vortrag zu dem Papier gab. Die Leitlinien seien demnach ein notwendiger Schritt innerhalb der Implementierung des Qualitätsmanagements und als Kompromissdokument eines längeren Diskussionsprozesses mit den Fachbereichen zu verstehen (Verweis zu Blogeintrag 103. KFL). Wichtig sei es demnach, nicht nur die Forschung hervorzustellen, sondern insbesondere die Bedeutung der Lehre zu akzentuieren.

Nachfolgend begann eine zum Teil hitzige Diskussion. Zuerst wurde über den Status und den Umlauf dieses Dokuments diskutiert. Zum einen wurde scharf kritisiert, dass die KfL nicht schon früher an der Diskussion beteiligt wurde, da das Dokument bereits seit Mitte November letzten Jahres bei den Fachbereichen läge und erst einen Tag vor der Abstimmung im AS in die KfL eingereicht werde. In diesem Zusammenhang wurde auch über eine Missfallenskundgebung abgestimmt, welche angenommen wurde.

Überdies seien auch die Fachbereiche nicht in ausreichendem Maße inhaltlich beteiligt worden. Die studentischen Vertreter Sarah Walz und Matthias Bartelt sahen in diesem Vorgehen des Präsidiums ein Umgehungsversuch die dezentrale Mitgestaltung durch die Fachbereiche und des Runden Tisches zu unterminieren. Die Mehrheit der KfL konnte sich dieser Interpretation jedoch nicht anschließen, da die Vorlage einem drei monatigen Bearbeitungsprozess durch die Fachbereiche unterlag, welche sich jedoch unterschiedlich beteiligten. Ferner sei aber der Runde Tisch keine legale Institution innerhalb der Universitätsstruktur, welche in Benachrichtigungs- und Konsultationsvorgänge einbezogen werden müsste.

Weiterhin wurde vom studentischen Vertreter Andreas Bodmaier die vage und unkonkrete Ausdrucksweise des Papieres kritisiert, welche nicht den Qualitätsansprüchen der FU entspräche. Sein Kritik machte er zuvorderst an Punkt 4 der Definitionen fest, welcher „[e]ine hohe Qualität von Studium und Lehre […] insbesondere auch aus der Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven, die sich in der Struktur der Studienprogramme niederschlagen[,]“ resultieren sieht. Dr. Fijal (Prodekan für Lehre am FB Rechtswissenschaften) brachte in diesem Zusammenhang das erläuternde Beispiel der Internationalität als Perspektive in den Rechtswissenschaften ein. Dieses sei kein Element des grundständigen Lehrkanons, jedoch in der Praxis ein notwendiges Element der Ausbildung und müsse somit Eingang in das Studienprogramm haben.

Der Begriff der Qualität würde sich auch in der Struktur der Fächer an der FU widerspiegeln. So sei zum Beispiel die Ausrichtung der Geisteswissenschaften ein Alleinstellungmerkmal der FU Berlin, welches offensiv auch in Zeiten der Bologna-Reform vertreten werde. Dieses sei als ein Versuch der  Legitimation der gewachsenen Fächerkultur.

Letztendlich wurde sich darauf verständigt, dem AS zu empfehlen über das Papier zu beraten, jedoch noch nicht darüber zu beschließen. Der AS solle vielmehr die Vorlage auch dem Runden Tisch zur Diskussion (jedoch nicht mehr!) vorlegen und auch die Ausbildungskommissionen der Fachbereiche integrieren. Von Herrn Helm wurde kritisiert, dass dadurch der enge Zeitplan der Systemakkreditierung unterminiert werde, ohne dass ein inhaltlicher Fortschritt von weiteren Diskussionen über das Dokument zu erwarten sei. So konkreter das Dokument werde, desto unwahrscheinlicher sei ein Konsens darüber.

Danach nahm sich die Kommission der Beratung über die  Fortsetzung einer Reihe von Masterstudiengängen und weiterbildenden Masterstudiengängen vor. Von studentischer Seite wurde jedoch kritisiert, dass sie sich nicht imstande sieht, darüber zu beraten, ohne dass Evaluierungsergebnisse oder weitergehende Erläuterungen zu Änderungen innerhalb der Programme vorlägen. In einer Abstimmung wurde mehrheitlich beschlossen, dass die KfL aufgrund fehlender Informationen sich außerstande sieht, über die Verlängerung zu entscheiden.

Die allgemeine Arbeitsatmosphäre dieser Sitzung war gespannt und zum Teil gereizt, ob der Diskussionskultur einzelner Teilnehmer. Es ist zu hinterfragen, ob es den Vertretern wirklich immer um eine sachliche Bearbeitung von Lehrangelegenheiten oder dem Austragen persönlicher Rivalitäten und der eigenen Profilierung geht.