Eine liberale Perspektive auf den Bildungsstreik
Kristina KaempferFU, Hochschulpolitik 20 Kommentare »
Die Deutschen sind mittlerweile verhältnismäßig streikerprobt. Ob es nun die Deutsche Bahn, die Mitarbeiter der Kitas, Metallarbeiter in Baden-Württemberg oder Berliner Lehrer sind, ständig wird irgendwo gestreikt. Es geht um bessere Bezahlung, bessere Arbeitszeiten, bessere soziale Absicherung etc. Nun steht uns der nächste Streik ins Haus: der Bildungsstreik! Vom 15.-19. Juni wollen Studierende aus der ganzen Bundesrepublik die “Arbeit” niederlegen, um ihre Anliegen gegen ihre “Arbeitgeber” durchzusetzen. Klingt komisch? Ist aber so! Klingt widersinnig? Ist es auch! Bereits vor vier Jahren gab es einen Bildungsstreik. Eine Handvoll Studierender veranstaltete Sit-ins vor ihren Unis um ihre Vision eines akademischen Paradieses für alle zu verwirklichen. Was hat diese Aktion gebracht? Die Tatsache, dass im Jahr 2009 ein neuer Bildungsstreik geplant ist, beweist allein schon, dass der damalige keinerlei Auswirkungen hatte, keinerlei Verbesserungen brachte.
Wir von der Liberalen Hochschulgruppe wollen euch hochschulpolitische Alternativen aufzeigen und uns vom Bildungsstreik – der nämlich gerade nicht von DEN Studierenden, sondern nur einem kleinen Teil getragen wird – distanzieren.
Wir stehen für nachhaltige und konstruktive Hochschulpolitik und sind gegen die Vermischung mit Kapitalismuskritik!
Unzählige Flyer und Plakate säumen inzwischen den täglichen Gang eines Studenten auf dem Weg von der U-Bahn zum Vorlesungssaal. Diverse Gruppierungen fordern dort neben freier und qualitativ hochwertiger Bildung, globaler Gerechtigkeit und der Dekonstruktion von Geschlechtern die Abschaffung des Kapitalismus. Manch einer mag sich fragen: was hat das erste mit den anderen dreien zu tun? Die Antwort ist ziemlich einfach: Nichts! Die Kritik der Situation an den Hochschulen wird verbunden mit Kritik am politischen und wirtschaftlichen System. Klassenkampfrhetorik findet so Eingang in eine bildungspolitische Debatte, in der sie nichts zu suchen und obendrein noch kontraproduktiv ist.
Um die Situation an den Hochschulen zu verbessern, braucht es mehr als einer viertägigen Großveranstaltung alle vier Jahre, sondern eines konstanten und gestalterischen Engagements der Studierenden für ihre Universitäten. Nachhaltige Verbesserungen der Lernbedingungen entstehen nicht in einer Woche durch den Ausdruck einer destruktiven Anti-Haltung. Sie bedürfen einer stetigen, verlässlichen und konstruktiven Teilnahme am bildungspolitischen Diskurs innerhalb und außerhalb der Universitäten. Nur so können wir Studierenden unseren Anliegen wirksam Gehör verschaffen.
Wir sind ein permanent ansprechbarer und verlässlicher Vertreter Eurer Interessen. Die LHG vertritt seit Jahren studentische Forderungen in zahlreichen studentischen und akademischen Gremien, gegenüber Dozierenden, der Verwaltung und der Politik.
Wir verlangen einen verantwortungsbewussten Umgang der ASten mit dem Geld der Studierenden!
Einige ASten unterstützen die Organisation des Bildungsstreikes mit teils großzügigen Spenden. Doch diese Mittel stammen nicht irgendwo her, sondern aus den Geldbeuteln der Studierenden. Angesichts der doch zu erwartenden geringen Auswirkungen des Streiks muss man sich ernsthaft fragen, ob dieses Geld gut angelegt ist oder ob man es für bessere Zwecke hätte einsetzen können. Nicht zuletzt, da die Studierenden nicht einmal in der Mehrheit diese Aktion unterstützen – in den sogenannten “Voll”versammlungen, welche den Streik beschlossen haben, war nicht einmal ein Prozent der Studierenden anwesend. Versammelt war nur eine kleine Minderheit politisch links stehender Aktivisten, die wieder einmal ihre Überzeugungen für die Meinung aller verkaufen wollen. Dass sich nur so wenige an Beschluss und Organisation des Streiks beteiligten zeigt, wie wenig Unterstützung er erfährt. Angesichts dieser und der Tatsache, dass der letzte Streik nichts brachte und der jetzige vermutlich ebenfalls nichts bringen wird, ist die Verwendung von Geldern der Studierenden für seine Organisation in keinster Weise legitim.
Wir setzen uns einer solchen Vergeudung von Studierendengeldern zur Wehr und verlangen einen verantwortungsbewussten Umgang der ASten mit den ihnen zur Verfügung stehenden Finanzmitteln ein. In Berlin stehen den Studierendenschaften jährlich mehrere hunderttausend Euro zur Verfügung. Diese sind nicht für die Verwirklichung ideologischer Träumereien einer linken Funktionärselite gedacht, werden jedoch durch undurchsichtige Haushaltspolitik und mangelnde Rechenschaftspflicht der ASten zweckentfremdet. Wir fordern, dass diese Gelder in Eurem Sinne dafür eingesetzt werden, wofür sie gedacht sind: das Leben und Lernen an unseren Unis angenehmer zu machen.
Wir fordern eine sinnvolle Ausgestaltung der noch jungen Bachelor- und Masterstudiengänge!
Man mag ja vom Bologna-Prozess halten was man will (wir jedenfalls waren dagegen). Fakt ist jedoch: er ist schon längst an den Hochschulen angekommen und er wird sich nicht mehr umkehren lassen. Anstatt unsere Energien (und unsere Gelder) in sinnlose Protestaktionen zu investieren, sollten wir uns darauf konzentrieren, das neue System in unserem Sinne mitzugestalten und somit zu verbessern.
Wir als LHG setzen uns in vielfältiger Art und Weise dafür ein, Studien- und Prüfungsordnungen studierendenfreundlich zu gestalten und bringen Ideen in die Ausgestaltung von Studiengängen ein. Ein Studium soll fordern, aber nicht überfordern. Angemessene Leistungsanforderungen, möglichst große Freiheiten bei der Gestaltung des Studiums, Zeit für Auslandsaufenthalte – dies sind nur einige Punkte, die wir für Euch in den zuständigen Gremien vertreten. Das mag vielleicht nicht so viel Aufmerksamkeit erhaschen wie ein Bildungsstreik, bringt jedoch langfristig Verbesserungen für uns alle.
Die Lage der deutschen Hochschulen ist schlecht. Wir als Studierende werden nicht zu deren Verbesserung beitragen indem wir uns a) durch die Verweigerung unserer Ausbildung selbst schaden und b) unsere Anliegen durch für die Weltanschauung der politischen Linken instrumentalisieren lassen.
Anstatt eure Energie in eine viertätige Kampfveranstaltung gegen alles und jeden zu stecken, würden wir uns freuen eure Vorschläge und Ideen an der Hochschulpolitik teilhaben zu lassen. Helft uns auf eine vernünftige Art und Weise die Situation an unserer Universität auf lange Sicht zu verbessern!