Nachruf auf den Bildungsstreik: Ewig grüßt das Murmeltier.

Thomas E.AStA, Allgemeines, Bundespolitik, FSIs, FU, Hochschulpolitik, Hochschulpolitische Veranstaltungen, Lehre, Lenzen, Presse, StuPa, Super-Uni 13 Kommentare »

Der Bildungstreik ist vorbei. Die FSI OSI hat die Rolle übernommen, auf Seiten der Streikunterstützer die Ereignisse des Streiks zusammenzufassen. Auch Furios hat unter der Woche viele Beiträge geschrieben. Aber was ist nun bei rumgekommen?

Aus meiner Sicht hat sich am Ende leider doch vieles wieder nur in den eigenen Kreisen um sich selbst gedreht. “In jedem Fall ist das Thema wieder auf der politischen Tagesordnung, zumindest vorübergehend” schreibt die FSI OSI. Mein Eindruck ist ein anderer. Ja, es wurde berichtet. Wenn ich aber bei Google News “Bildungsstreik” eingebe, dann habe ich noch einzelne Berichte zu Nachwehen in Nordrhein-Westfalen. Ansonsten aber fallen die letzten Artikel bereits auf den 18. Juni. Eine wirkliche mediale Diskussion ist jedenfalls nicht in Gang gekommen. Wenn dies das Ziel war, dann hat der Streik sein Ziel verfehlt.

Vielen ist er unklar und allgemein geblieben, die Unterstützung einer breiten Öffentlichkeit wurde nicht wirklich gewonnen. Viele mediale Kommentare waren gespickt mit Ironie. Debattiert wurde über Teilnehmerzahlen. Und die Schlagzeilen wurden beherrscht von Besetzungen. Die Inhalte? “Bachelor und Master abschaffen”, “Mehr Geld für Bildung”, “Reiche Eltern für alle”, “Keine Macht dem Kapitalismus”. Das ist durchgekommen. (1) ist eine fixe Idee, (2) zu unpräzise, (3)  ist albern und (4) einfach Ideologie.

Es hat wohl ein Gespräch mit Senator Zöllner gewesen. Leider ist von Seiten der Streikorganisatoren (und auch nicht von Seiten Zöllners) zu vernehmen, worum es ging.  Gesprächsangebote sind auch ausgeschlagen worden. Dafür wurde besetzt, was besetzt werden konnte. FSI OSI: “Auch für uns in der FSI, die wir in letzter Zeit zunehmend das Gefühl hatten, dass wir uns nur noch in Gremien aufreiben, war es ein gutes Gefühl zu zeigen, dass wir als Studierende auch anders können.”

Das interessanteste Zitat auf Streikseite ist dieses (ebenfalls FSI OSI): “Am Abend war für die OSI-BesetzerInnen aufräumen angesagt, die Besetzung wurde beendet, da wir einerseits keine Kapazitäten und andererseits kein gut genug ausgearbeitetes Konzept hatten.” Merkwürdig ist das, wenn man bedenkt, wie lang im Voraus der Bildungsstreik bekannt war. Für die FSI OSI steht deshalb nun die Besinnung darüber an, wie es weitergeht. Studierende können jetzt ja auch anders. Viele Studierende sind aus FSI OSI-Sicht vermeintlich politisiert worden – was hier gleichbedeutend ist mit der Bereitschaft zu zweifelhaften Protesttaktiken.

Wir machen uns immer noch keine Gedanken um die Dinge, die wir vielleicht selbst beeinflussen können. Wir haben auch für unsere Gremienarbeit kein Konzept. Wir reagieren und beurteilen Entscheidungsvorlagen. Wir schreien diejenigen an, von denen wir etwas haben wollen, wir beleidigen und zerstören. Wir sollten laut sein, hieß es von Herrn Grottian, ein leiser Protest bringe nichts, und wir wurden so laut, dass man sich Oropax ins Ohr stecken musste – und genauso wenig hörte, wie wenn wir geflüstert hätten. Wenig an dem, was wir bislang tun, ist konstruktiv. Wir… die wir zudem nicht mal wir sind, aber als eine Gruppe wahrgenommen werden, ob uns das in jedem Punkt gefällt oder nicht.

Auch der Streik war nicht konstruktiv. Es wurde zwar viel gesagt, aber wenn man danach bewertet, was übrig bleibt, hat er keine Ideen vermittelt und keine Konzepte entwickelt. Er hat Protestbedürfnisse bedient. Lese ich das Fazit der FSI OSI, scheint es mir beinah, als hätte er sich stärker an das eigene Selbstbewusstsein gerichtet als an die anderen. Er begann in der vorigen Woche aus meiner Sicht beinahe unerwartet hoffnungsvoll, diszipliniert und offen; dann ist er schon am Montag doch wieder in eingefahrene Muster abgeglitten.

Schade. Und nächstes Jahr? Wird jemand den Streik damit begründen, dass sich ja nichts geändert hat. Ewig grüßt das Murmeltier.

Anmerkungen zu einer filmischen Gegendarstellung.

Thomas E.Allgemeines, FU, Hochschulpolitik, Presse, Satire, Super-Uni 10 Kommentare »

In der letzten Woche kursierte ein Image-Film der FU über die Verteiler einiger Studierender. Der Film existiert seit Monaten, Jetzt aber ging ein zweiter Link zu einem zweiten Film rum, der offenbar im Kontext des Bildungsstreiks entworfen wurde.

Sicherlich ist ein großer Aufwand in den Film investiert worden. Die Mühen darum will ich würdigen, aber dennoch: Liebe Linke, kürzere und simplere Botschaften erfüllen ihren Zweck mitunter besser. Erwartet ihr ernsthaft, dass der Otto-Normal-Student sich einen Film anschaut, der 41 Minuten lang ist? Aber den wollt ihr doch erreichen. Die anderen werden doch mit dem Film ohnehin nicht ihre Meinung ändern.

Mit Hochachtung vor dem Intellekt des Sprechenden… In gleicher Weise stellt sich die Frage, ob die einleitenden Worte nicht ein wenig zu, nun ja, komplex geraten sind. Abgesehen davon, dass sich fragen lässt, ob sie inhaltlich richtig sind. Die individuelle Freiheit kenne keine Grenzen, heißt es, und das ist ein Trugschluss. Die Freiheit des individuums findet dort ihr Ende, wo die Freiheit des nächsten Individuums beginnt. Die Freiheit des Individuums heißt überdies nicht, dass das Individuum seine Ellenbogen ausstreckt und nur an sich denkt. Sie befähigt das Individuum gerade erst, selbstgesteuert seinen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

Dann geht es gegen die “Präsidialdiktatur” und um die Ironie, dass die FU sich in ihrem Image-Film auf die Demokratie beruft. Ironisch sei das angesichts der Tatsache, dass sie im Grunde beständig beschränkt würde. Nun, es gibt Gegenbeispiele dafür: Der Fachbereich Wirtschaft arbeitet gerade in diesen Zeiten eng verbunden zwischen Professoren und Studierenden an besseren Studienbedingungen. Vom (aus Sauberkeitsgründen unsinnigerweise verhängten) Verbot von Flyern und Plakaten mal abgesehen, wird die Mitbestimmung der Studierenden dadurch im Grunde gefördert. Das OSI-Dekanat ist auf die Studierenden eingegangen, Mathias Bartelt berichtet immer wieder von seinen Informationsquellen in der Philosophie… wir haben kein grundsätzliches Demokratieproblem an der FU, sondern ein Problem der Gepflogenheiten im gegenseitigen Umgang. Und das ist wechselseitig bedingt.

Auf die Exzellenzinitiative wird natürlich verwiesen. Sie würden dazu führen, dass 20 Universitäten Forschung betreiben könnten und 70 auf Lehre beschränkt blieben. Nun, das liegt an den Professoren aller Universitäten, das zu verhindern, und Professoren gibt es an allen Universitäten. Überdies sind es nicht zuletzt die großen Massenuniversitäten, die in der Exzellenzinitiative bedacht wurden, und nicht kleine Unis wie Greifswald oder Jena. Dorthin werden nie die Massen gehen, wie im Gegendarstellungsfilm indirekt behauptet.

Irgendwo las ich dieser Tage (Ich meine, es war ein Kommentar bei Furios), die Intelektuellen müssten dem proletarischen Protest die Richtung geben. Ich weiß nicht, ob das die Filmer unterschreiben würden. Ich glaube, dass einzelne es könnten. Ich glaube, dass sie dabei übersehen, dass sie genau dadurch selbst eine Elite bilden. Sie zeigen damit in ihrer Logik, dass Eliten nicht per se schlecht sind. Eliten, die ein verantwortungsvolles Ethos tragen, sind sogar sehr wichtig für die Gesellschaft. Sie zu fördern, daher eine gute Sache. Sie ausschließlich zu fördern, falsch, ja. Aber sie zu fördern und durch sie und mit ihnen andere und alle, das, ja, das würde ich immer unterschreiben.

Die Konkurrenz an der Uni wird in den Vordergrund gestellt. Im Fahrwasser ökonomischer Interessen ginge es nur noch um Wettbewerb und Leistungsdruck. Das wahre Bildungsideal bliebe auf der Strecke. Nun, was ist das denn? Sich Bildung anzueignen, sich mithin fortzuentwickeln, sich mithin… stetig zu verbessern. ICH habe in meinem Studium keine Konkurrenz erlebt. Ich habe mich angestrengt, besser zu werden, mehr zu lernen, um später mehr (an meiner Stelle im Dienst der Gesellschaft, ökonomisch oder wie auch immer, aber im Dienst, letztlich) bewirken zu können. Ich habe das, vom Studium her, gar nicht ohne meine Kommilitonen gekonnt. Teamarbeit ist Routine meines Studiums. Ich KANN gar nicht mit Ellenbogen arbeiten, ich würde mir nur selbst schaden. Mit den anderen gemeinsam, nicht allein, will ich besser werden.

Hierzu eine Analogie aus dem Sport: Heute nahm ich am Velothon bei, einem Wettbewerb auf dem Rad also. Natürlich wollte ich so gut wie möglich sein, vielleicht auch besser als andere. Das hätte aber gar nicht ohne sie geklappt. Mit meinen Wettbewerbern bin ich dem Ziel entgegen gefahren. Als ich im Ziel war, habe ich mich wohl gefreut. Ich habe mich aber auch mit denen freuen können, die um mich herum reingekommen sind.

Der Film verweist auf die Verwässerung der Bildung. Einerseits wird beklagt, dass zu viel Inhalte auf zu wenig Semester verkürzt wurden. Andererseits wird das Schmalspurstudium Bachelor an den Pranger gestellt. Die Leute würden einem Verdummungsprozess unterzogen, sie würden mit Halbbildung abgehen. Diese Sicht kann nicht wirklich die der Filmenden sein, ich glaube das nicht. Wir müssten uns sonst fragen, was wir vom Bildungsniveau unserer Mitmenschen halten, die an Fachhochschulen studieren, oder von denen, die nach dem Abitur eine Ausbildung gemacht haben. Maßen wir uns die Arroganz an, ihnen ihre Bildung abzusprechen? Nein, maßen wir uns nicht. Maßen wir uns also auch nicht an, den weitergehenden Abschluss dann als Halbbildung und Verdummung zu bezeichnen.

Nun, jedenfalls sind laut Film unsere Kommilitonen Bachelor und Master unterworfen. Sie hätten keine Wahl. Sehr weise. Sie hatten auch keine Wahl, als es vorher Staatsexamen, Magister und Diplom gab. War das okay? Oder müsste in der Konsequenz die Freiheit herrschen, seinen Abschluss nennen zu wolle, wie er einem grad gefalle? Eine Unterwerfung übrigens, an der wohl die im Film auftretenden Professoren zumindest mitgearbeitet haben, denn die Strukturen und Inhalte der Bachelor-Studiengänge wurden an den Universitäten beschlossen.

Kritik wird geäußert an den angepassten Studierenden. Die so angepasst sind, dass sie vielleicht am Bildungsstreik nicht teilnehmen. Oder deren Methoden der Unangepasst heit sich nur geändert haben? Wir sind nicht wie unsere Eltern. Wir haben eigene Möglichkeiten, andere Wege zu gehen. Zwar bin auch ich bekümmert über viele passive Kommilitonen, aber immer wieder lerne ich an der Uni Menschen kennen, deren Biografien mich beeindrucken und die sich unglaublich intensiv für die Gesellschaft investieren. Waren früher alle Studierenden unangepasst? Ich glaube es nicht. Unangepasst war immer ein kleiner Kreis. Eine Elite, wenn man so will.

Auf Drittmittel schimpfen die Filmemacher. Wo sich der Staat zurückziehe, müsse eben nicht unbedingt jemand anderes hinein. Wer dann aber gleichzeitig die finanzielle Situation der Uni beklagt, muss bedenken, dass jene “anderen” das Übel verringern. Drittmittel kommen überdies eben nicht nur aus der Wirtschaft, sondern zu weiten Teilen auch von der DFG. Die durchaus auch Grundlagenforschung finanziert. Die Anträge und Konzepte arbeiten die Professoren aus. Die Forschenden. Vielfach suchen sie sich ihre Partner.

Bleibt ein letzter Punkt: “Haut ab”, riefen die Besetzer des Präsidiums, die im Film gezeigt werden. Dies ist der zivile Ungehorsam, den Herr Grottian im Bildungsstreik als unverzichtbar ansieht. Ich bezweifle, dass er geboten ist, weil ich wiederhole, was ich seit drei Jahren sage: Wir haben unsere Möglichkeiten, ins Gespräch zu gehen, noch nicht ausgeschöpft. Durch die Bilder sehe ich mich nur darin bestätigt, denn ich würde nicht glauben, mit jemandem reden zu können, der mir “Hau ab!” entgegen ruft. Signalisierte Gesprächsbereitschaft sieht anders aus. Wirksamer ziviler Ungehorsam muss nicht beschimpfen und beschädigen. Ziviler Ungehorsam ist keine Gewalt.

Bei allem Verständnis also dafür, dass meine Kommilitonen, die diese Gegendarstellung verfilmt haben, einen so negativen Eindruck von dieser Universität gewonnen haben: Er müsste es nicht unbedingt sein. Ich habe den Image-Film der FU sehr gern gesehen. Dass er durch die rosarote Brille schaut, ist mir bewusst. Wie die Kommilitonin der BWL, die befragt wird, andeutet: Es ist halt ein Image-Film. Dennoch leistet er einen wertvollen Dienst. Dieser Film hat zumindest mir geholfen, ein bisschen mehr Verständnis für die Aktivitäten anderer Fachbereiche zu entwickeln. Diese Perspektive habe ich nicht so oft und dennoch ist eine solche Erfahrung der Breite… doch eigentlich, was wir alle wollen.

Es ist ein Image-Film. Belassen wir es dabei.

Uni-Präsidenten sehen 15.000 Studienplätze gefährdet

Wolf DermannAllgemeines, Hochschulpolitik, Super-Uni 11 Kommentare »

Bis zu 157 Millionen Euro pro Jahr könnten in den Kassen der Berliner Universitäten ab 2010 fehlen, befürchten deren Präsidenten. Der Freien Universität könnte mit 56 Millionen Euro der größte Teil des Haushaltsloches drohen. An den Berliner Universitäten seinen somit ca. 15.000 Studienplätze gefährdet, rechneten auf einer Pressekonferenz am Montag die Hochschulleitungen von FU, TU, HU und der Universität der Künste vor.

Insbesondere die Ende 2009 auslaufenden Tarifverträge bereiten den Hochschulen Kopfschmerzen. Im Rechnungswerk, das der Kanzler der Freien Universität Lange vorstellte, summieren sich 31 Millionen Euro für das Auslaufen des Berliner Anwendungs-Tarifvertrags zum Ende 2009 mit befürchteten Mehrkosten für die Übernahme des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst (TVÖD) in Höhe von knapp 65 Millionen. Auch knapp 20 Millionen Euro Mehrkosten aufgrund des jüngsten Urteils zu den Altersstufen im BAT werden oben drauf gerechnet, obwohl diese bei Übernahme des neuen Tarifsystems gar nicht mehr anfallen würden. Für den wahrscheinlicheren Fall, dass nicht die Tarifsteigerungen des TVÖD, der eigentlich nur für Bund und Kommunen gilt, sondern nur der Tarifvertrag für Landesbedienstete (TV-L) übernommen wird, verringerten sich die Kosten noch einmal um gut 47 Millionen Euro pro Jahr.

Auch das realistischer gerechnete Kostenrisiko von etwa 90 Millionen Euro pro Jahr könnten die vier Berliner Universitäten nicht ohne erhebliche Kürzungen bei den Services und im Wissenschaftlichen Mittelbau gegenfinanzieren. Daher würde sich laut FU-Präsident Lenzen die Presseveranstaltung auch nicht gegen Bildungssenator Zönner richten, sondern solle ihm Zahlen bei den Haushaltverhandlungen zur Verfügung zu stellen, mit denen er die notwendigen Gelder in den Koalitionsberatungen herausschlagen könne. Eine Gegenfinanzierung aus den Geldern der neuen Berliner Exzellenz-Stiftung, die an die Stelle der sog. Super-Uni trat, klammerte Lenzen ausdrücklich aus. “Wir sind uns einig, dass das heute nicht das Thema ist.” verkündete Lenzen für die Runde. HU-Präsident Markschies stellte trotzdem klar, dass für ihn die Normalfinanzierung und die Landes-Exzellenzinitative nicht gegeneinander gestellt werden dürften.

Laut HU-Vizepräsident Eveslage hätten die Universitäten schon auf die Bremse treten müssen, haben es aber noch herausgezögert. Ein Indiz dafür, dass die Universitäten wohl doch noch Hoffnung haben, die Kosten drücken zu können und die nötige Gegenfinanzierung vom Senat zu erhalten.

AS und Zöllners Masterplan: Mini-DFG für Berlin statt Superuni

Florian SchatzAkademische Gremien, Allgemeines, Exzellenzinitiative, FU, Hochschulpolitik, Presse, Super-Uni 7 Kommentare »

Die heutige Sitzung des Akademischen Senats war vor allem von der Auseinandersetzung mit dem Plan Senators Zöllner geprägt, ein „Berlin International Forum of Excellence“ einzurichten. Es handelt sich dabei im Prinzip um das, was von den ursprünglichen Plänen zur Errichtung einer Berliner Superuniversität übrig geblieben ist – tatsächlich haben sich inzwischen der Senator und die Präsidenten der Berliner Universitäten sowie der außeruniversitären Forschungseinrichtungen darauf geeinigt, unter diesem Arbeitstitel eine Stiftung einzurichten.

Kurz zusammengefasst: Es soll nun also eine Stiftung eingerichtet werden, eine Art Mini-DFG für Berlin, an welche die Berliner Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen gemeinsame Anträge stellen können. Diese wird zunächst mit jährlich 35 Millionen Euro ausgestattet, vergibt keine eigenen Abschlüsse und soll durch die Forderung nach gemeinsamen Projekten zu einer besseren Integration von Unis und Forschungseinrichtungen sowie einer Konzentration von Forschungsclustern führen, die international wettbewerbsfähig sein sollen. Letztlich läuft das Konzept natürlich auch darauf hinaus, dass anstelle von einer gleichverteilenden Subventionierung weitere Wettbewerbselemente treten, die die Entwicklung der Exzellenzinitiative fortsetzen. Forscher werden noch mehr mit dem Stellen von Anträgen beschäftigt sein, finanzielle Mittel werden sich weiter konzentrieren und akademische Selbstverwaltung weiter geschwächt werden.

Positiv zu sehen ist jedoch in jedem Fall die Einsicht des politischen Senats, dass mehr Geld für Bildung ausgegeben werden muss – über die Menge und den Weg kann jedoch durchaus gestritten werden. Der Akademische Senat der FU hat heute zumindest eine befürwortende Stellungnahme des Projektes veröffentlicht, die jedoch starke Vorbedingungen für eine Befürwortung enthält: Die Sicherstellung der Finanzierung der Hochschulen ab 2010 und damit der sofortige Beginn von Hochschulvertragsverhandlungen, die Sicherstellung der dauerhaften Finanzierung der Stiftung und die Notwendigkeit, den AS über einen endgültigen Vertrag zur Einrichtung der Stiftung erneut abstimmen zu lassen. Die Vorbedingungen sollen vor allem sicherstellen, dass die Stiftung nicht auf Kosten der „normalen“ Finanzierung der Hochschulen gegründet werden soll, die nach den Kürzungen der letzten Jahre ohnehin an einem kritischen Punkt angelangt ist.
Diese Bedingungen machen auch aus meiner Sicht durchaus Sinn: Die Idee Zöllners ist ein interessantes Modell, den Wissenschaftsstandort Berlin zu stärken und seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen – jedoch nur, wenn die grundständige Ausstattung der Hochschulen gewährleistet ist und die neuen Wettbewerbselemente des „Berlin International Forum of Excellence“ nur darauf aufbauende zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.

Abgesehen von diesem großen Thema verlief die AS-Sitzung dann eher zügig: Der Master Statistik und der Doppel-Master Politikwissenschaft mit Sciences Po Paris wurden verabschiedet, ebenso die veränderte Studienordnung ABV mit einer Modifizierung (der workload für Studierende wurde verringert). Wie bereits bekannt, wurde ebenso mit der Verabschiedung der Zulassungsordnung und der Setzung der Zulassungszahl für Diplom-Politikwissenschaftler auf 0 der Diplom-Studiengang eingestellt. Eine Debatte über die Geschehnisse im Rahmen der Nachbenennung studentischer Mitglieder für die Kommission für Lehrangelegenheiten wurde nicht zugelassen. Zum Schluss wurde noch die Neubesetzung des Medizinsenats erfolgreich beschlossen – Maria Klingbeil von der LHG tritt dort dich Nachfolge des studentischen Mandats für Wolf Dermann an. Herzlichen Glückwunsch Maria!

Ein Hauch von Elite?

Thomas E.Allgemeines, Befragung, Bundespolitik, Exzellenzinitiative, FU, Lehre, Lenzen, Presse, Super-Uni 3 Kommentare »

Viele Menschen an der FU werden die Ergebnisse des aktualisierten CHE-Hochschulrankings heute interessiert aufgenommen haben – und während eine Seite lacht, weint die andere und setzt zum Konter an.

Kurzer Überblick über die Ergebnisse. In einer Pressemitteilung freut sich das Präsidium der FU, dass in allen neu bewerteten Fächern eine Aufwärtstendenz in Richtug Spitze festzustellen ist. Den mächtigsten Sprung nach vorne machen die Wirtschaftswissenschaftler, die sich in der BWL nun in die absolute Topgruppe der staatlichen Universitäten aufschwingen. Genüsslicher noch wird der Erfolg durch das schleche Abschneiden der Humboldt-Universität, die damit in der öffentlichen Wahrnehmung weiter an Boden verliert.

Bestätigt das Ranking damit die Ernennung zur Elite-Initiative vom letzten Herbst?

Nun, auf den ersten Blick bestimmt. Ein zweiter Blick sollte differenzierter sein. So basieren die jüngst aufschwingenden Spitzenwerte der FU in den meisten Fällen auf Einschätzungen der Lehrbedingungen durch die Studierenden. Das ist gleich doppelt interessant: Einerseits ergibt sich daraus eben keine direkte Bestätigung der Exzellenz, die ja auf Forschung fokussiert war. Andererseits ergibt sich offenbar eine eklatant unterschiedliche Wahrnehmung der Studienbedingungen zwischen den Studierenden andererseits und ihren gewählten Vertretern andererseits.

Zu berücksichtigen ist dabei, dass in die Befragung keine Studierenden der auslaufenden Studiengänge mehr einbezogen wurden. So positiv dann das Urteil ist, weil es uns zeigt, dass wir in der Lehre immerhin auf dem richtigen Weg sind, so ist dies doch auch der große methodische Mangel: Die Gefahr besteht, dass Probleme, die in Diplom, Lehramt, Staatsexamen und Magister auftreten, dadurch nicht mehr repräsentiert werden. Noch machen sie aber einen großen Teil der Studierenden aus. Ein Indikator für sie sin, noch, die Einschätzungen durch die Absolventen, die dann auch gleich schlechter ausfallen.

Das Hochschulranking war auch die erste Publikation dieser Art seit der zweiten Eliterunde im November. Für die gekürten Universitäten ging es also auch darum, sich hier der Ernennung als würdig zu erweisen. Die Financial Times Deutschland beurteilt das als Fehlschlag. Gleichsam:  Ist die positiviere Einschätzung durch die Studierenden eventuell auch darauf zurückzuführen, dass das Wissen, an einer guten Hochschule zu studieren, auch dazu führt, diese besser zu bewerten? Wer zu Aldi geht, erwartet nicht viel und wird nicht viel finden, was er lobt. Wer Rolls Royce fährt, ist darauf eingestellt, den Wagen positiv einzuschätzen. Die positive Einschätzung macht die Uni noch attraktiver, zieht Studenten und Professoren an: Wie in einer selbstverstärkenden Spirale geht der Weg aufwärts, nachdem das Vehikel FU erst einmal angestoßen wurde.

Zwar lehrt uns die Physik, dass das Vehikel irgendwann nicht mehr weiterrollt, wenn man es nicht weiter antreibt, indessen zeigt sich dann doch, dass die Furcht um eine Aufspaltung der Universitätslandschaft in zwei Klassen letztlich nicht völlig unbegründet ist.

Das Ranking ist also sicherlich ein Erfolg für die FU. Für diejenigen, die jetzt lächeln, bedeutet es aber, weiter arbeiten zu müssen, um das Vehikel anzutreiben. Es bedeutet, sich nicht auszuruhen, denn es weckt Erwartungen. Es bedeutet für andere, Erfolge auch anzuerkennen. Und bei aller Freude darf nie vergessen, dass die Aussagekraft solcher Rankings generell problematisch ist und jeder Schein, sollte er entstehen, irgendwann offenbar wird.

Ausbildungsoffensivchen

Thomas E.Bundespolitik, Exzellenzinitiative, FU, Hochschulpolitik, Lehre, Presse, Super-Uni 1 Kommentar »

Um die Exzellenzinitiative der Lehre, die im Oktober gefordert wurde, ist es schon seit längerer Zeit sehr still geworden. Zuletzt hörte man von ein paar Millionen Euro, die bundesweit (!) zusätzlich für die Lehre investiert werden sollten. Bildungssenator Zöllner wäre ja damit ein Pionier par excellence, stellt er allein doch seinen Berliner Universitäten und Fachhochschulen zusätzliche 35 Millionen Euro zur Verfügung.

Leider trügt der Schein, dass dies ein Durchbruch sei. Der verlinkte Artikel im Tagesspiegel legt die Verteilung recht detailliert dar. So bleibt nur ein Drittel für die 3 Universitäten über. Zudem entsteht der Eindruck, dass die Lehrinitiative zum Teil eine verkappte Forschungsförderung ist:

Um den Fachhochschulprofessoren mehr Zeit für die angewandte Forschung zu geben, soll die Lehrverpflichtung einzelner von jetzt 18 Semesterwochenstunden um sechs Stunden reduziert werden. Die so entstehende Lücke wird dann mit aus dem Masterplan finanzierten Lehraufträgen geschlossen.

Hier kommt es dann also am Ende zu einem Nulleffekt, der bei den Studenten nur dadurch sichtbar wird, dass die Fluktuation des Lehrpersonals zunimmt. Für die drei großen Unis (die UDK wird schon mal gar nicht erwähnt) bleibt dann auch nicht mehr viel über.

Die drei großen Universitäten sollen über die Laufzeit des Masterplans hinweg jeweils insgesamt etwa 4,3 Millionen Euro bekommen, um ihre Lehre zu verbessern. Dieses Geld werden die drei Universitäten voraussichtlich ganz ähnlich einsetzen, denn sie sind an die Programmlinien des Senats gebunden: [...] Ein größerer Posten der Summe wird pro Uni auf etwa acht bis neun vorgezogene Berufungen von Frauen in Fächern mit geringem Professorinnenanteil entfallen. Ein weiterer größerer Anteil wird für „Seniorprofessuren“ ausgegeben werden, von denen sich jede Uni ebenfalls acht bis neun wird leisten können. Bestimmte Hochschullehrer können nach ihrer Pension noch weiterlehren, während ihre Stelle bereits neu besetzt ist. Die Unis sollen eine neue W2-Professur für Lehre mit einer Lehrverpflichtung von 14 Semesterwochenstunden schaffen können. Diese wird auf Zeit zusammen mit einer Forschungsprofessur eingerichtet, deren Lehrverpflichtung bei sechs Semesterwochenstunden liegt.

Heißt im Klartext: Wenn es gut läuft, bekommt überhaupt jeder Fachbereich an der FU wenigstens eine Professoren oder eine/n Seniorprofessor. Aber letztendlich werden nicht mal zusätzliche Stellen geschaffen, sondern nur bestehende Stellen länger und neue Stellen früher besetzt. Na ja, und natürlich eine einzige tatsächlich zusätzliche Professur für zwölf Fachbereiche und ein paar Tutorenstellen mehr (laut Tagesspiegel fünfzehn pro Universität).

Unterm Strich bleibt also nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Wenn es dabei bleibt, muss Zöllners Einsatz für die Lehre als gescheitert gelten. Dann ist es nicht mehr als ein politisches Almosen. Ein Bewusstseinswandel sieht anders aus. Danke dennoch für die wenigen Professuren. Aber, Herr Zöllner, es reicht nicht. Gerade nicht, wenn wegen der Visionen des Herrn Senators die guten Professoren auch noch abzuwandern bereit scheinen.

Friedliche Adventszeit? Eine Runde Hochschulpolitik.

Thomas E.Akademische Gremien, Allgemeines, Bundespolitik, Exzellenzinitiative, FU, Hochschulpolitik, LHG, Lehre, Presse, Super-Uni 0 Kommentare »

Friedliche Adventszeit – könnte man meinen. Schon Herr Fischers kleiner Streifzug durch die Blogs der FU offenbart, dass die Weihnachtlichkeit dieses Jahr irgendwie auf der Strecke bleibt. Tatsächlich ist so kurz vor Weihnachten noch ganz schön viel los an der Uni.

1) Die FSI Geschichte eröffnet noch grad den Wahlkampf und ärgert sich immer noch über die Exzellenzinitiative. Oder nicht doch eigentlich über einen zugegebenermaßen immer mal wieder problematischen präsidialen Führungsstil?

2) Der AStA setzt sich dagegen für ein buntes Denkmal ein, spricht von einem Happening und glaubt, dass 25 Studierende genügen, die studentische Meinung widerzuspiegeln.

3) Bei den Wiwis freut man sich schon auf das neue Jahr und die zahlreichen Exkursionen zu den Pharmazeuten, die uns erwarten, nachdem nun während des Semesters ein weiterer großer Hörsaal flöten geht.

4) Am OSI macht man sich Gedanken über Weihnachtspost. Frau Lehmkuhl sollte sich den interessanten Brief tatsächlich durchlesen. Bestimmt ist er auch in der Bibliothek hinterlegt, nur kommt man da derzeit schwer rein. Der Dieter-Lenzen-Fanclub hat damit wie üblich nichts zu tun.

5) Und das ultimative Weihnachtsgeschenk vom und fürs Präsidium: Einige Millionen weniger Geld für die Lehre.

Aber nicht nur an der FU kocht noch so mancher Glühweintopf. So solidarisiert sich unser AStA derzeit mit den Kollegen der Uni Bremen. Dort richtet man sich offenbar darauf ein, Weihnachten im Verwaltungsgebäude zu feiern.

Vielleicht wäre so eine Solidaraktion ja auch was für den AStA in Bochum. Der allerdings bekam vom Weihnachtsmann schon vorfristig eine Rute und musste erstmal zurücktreten, nachdem man zuvor bewiesen hatte, dass auch Juli und 2raumwohnung keine Garantie dafür sind, dass eine Veranstaltung ein Erfolg wird. Da bin ich wirklich ehrlich dankbar, dass ich zwar nicht weiß, WAS unser AStA mit unserem Geld macht, dass er sich aber darauf beschränkt, nur den Betrag irgendwo versickern zu lassen, den er bekommt – und nicht noch mehr.

Jetzt aber wartet meiner die immerhin schon 21. Tür meines Adventskalenders. Friedliche Weihnachten miteinander.

Elite und kein Ende.

Thomas E.Allgemeines, Bundespolitik, Exzellenzinitiative, FU, Hochschulpolitik, Lehre, Presse, Super-Uni 19 Kommentare »

Da haben wir es mal wieder auf SPIEGEL Online geschafft. Nach dem Berufungsverfahren für die Junior-Professur am JFK (das übrigens immer noch nicht abgeschlossen ist) und den Stinkbomben auf der Immatrikulationsfeier wird die studentische Kritik an der Exzellenzinitiative mal wieder aufgewärmt. “Andernorts frohlocken die Kommilitonen, Berlins Studenten tun sich mit dem Exzellenzstatus schwer: “Elite”, das ist für sie das Campusunwort des Jahres”, heißt es. Moment aber mal. DIE studentische Kritik?

Es stimmt ja schon, dass von der Förderung der Exzellenzinitiative zunächst nur ein kleiner Teil der Universität profitiert. Es stimmt ja schon, dass die Gefahr besteht, deutschlandweit könne sich unter den Universitäten eine Zwei-Klassen-Gesellschaft bilden. Es stimmt ja schon, dass es in der Lehre viele Probleme gibt, die seit Jahren liegen bleiben. Die LHG hat in den vergangenen Jahren selbst viele Missstände kritisiert und sich darum bemüht, in diesem Punkt etwas zu erreichen. Allerdings muss man es auch mal so sehen: Die Exzellenzförderung zieht Geld nicht aus anderen Bereichen ab. Die Gelder stehen zusätzlich zur Verfügung. Es ist also überhaupt etwas, wofür es Geld gibt. Auch die Folgeeffekte auf die Lehre durch eine bessere Forschung dürfen nicht vernachlässigt werden. Das Image einer Universität ist immer wichtig, wenn es darum geht, gute Professoren berufen zu wollen.

Nicht vergessen sollte man auch die Mobilität, die zum Beispiel bei den Wiwis dazu geführt hat, eine Initiative für Lehre einzuberufen, an der sich auch Studenten beteiligen. Der Universitätsleitung vorzuwerfen, das Interesse sei singulär auf die Forschung fokussiert, trifft den Kern nicht.

Nun zu behaupten, DIE Studenten wären gegen die Entscheidung der Exzellenzkommission, die FU zu förden, ist schon eine Anmaßung. Im Artikel von SPIEGEL Online heißt es: “So wurde jedem Campus-Neuling schon am ersten Studientag schlagartig klar, wo er sich eingeschrieben hatte: an jener Uni im Westen Berlins, die zwar erfolgreich ihr Schmuddel-Image bekämpft hat, an der aber mehr Kommilitonen als anderswo unter studentischem Rebellionszwang stehen.” Auch dieser Eindruck mag entstehen, wenn man sich die Platzverteilung im StuPa anschaut. Allerdings erweckt doch ein Spaziergang über den Campus einen völlig anderen Eindruck. Auch wenn die Vögel vom Dach flüstern, bestimmte studentische Gruppen würden anlässlich von 40 Jahren ’68 das nächste Jahr mit Protest garnieren wollen, fühle ich mich im Allgemeinen doch nicht umgeben von einer Meute rebellierender Studenten.

Aber wenn man DIE Studenten fragt und als Quelle dann doch immer nur jene verwendet, die für sich in Anspruch nehmen, mit ihrer sehr einseitigen Ideologie die komplette Studierendenschaft widerzuspiegeln… Opposition hat an der FU scheinbar kein Meinungsrecht.

Nachspiel: Skandal folgt Klage.

Thomas E.Allgemeine Veranstaltungen, Allgemeines, FU, FU Veranstaltungen, Super-Uni 7 Kommentare »

Es ist doch irgendwie eigenartig. Da studieren wir an einer Universität. Mithin einer Einrichtung höherer Bildung. Einer Institution, die seit Jahrhunderten für sich beansprucht, moralisch und geistig die Führung der Gesellschaft zu übernehmen.

Ein inhaltlich leerer Vortrag mit peinlichem Protest wäre auf dieses Ideal schon Karikatur genug gewesen. Allerdings scheint es im Auditorium noch mehr Menschen gegeben zu haben, die sich dem Anspruch in keiner Weise würdig erwiesen – und sogar noch einen drauf packten: Einer der Ledersessel, auf denen die Gäste auf der Bühne Platz genommen hatten, wurde in der Unordnung nach Ende der Veranstaltung gestohlen. Das Präsidium stellt Anzeige gegen Unbekannt.

Ich frage mich, einigermaßen frustriert: Wo sind uns Moral und Geist nur geblieben? Wer was gesehen hat, könnte hier natürlich dazu beitragen, den ramponierten Ruf der Studenten wieder herzustellen. Muss man ja nicht weit denken, wem dieses Vergehen allgemein zugeschrieben wird – das aber, hoffe ich ehrlich, sicherlich zu Unrecht.

Campus Talk mit Matthias Döpfner: Wie andere meine Zeit verschwenden.

Thomas E.Allgemeine Veranstaltungen, Allgemeines, FU, FU Veranstaltungen, Hochschulpolitik, Presse, Super-Uni 9 Kommentare »

Im Rahmen von Manager Magazin Campus Talk war heute Matthias Döpfner (Vorstand Axel Springer) zu Gast am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin. Auf Einladung von Prof. Schreyögg stellte er sich einem öffentlichen Interview unter der Leitfrage “Karriere 2008 – Einstieg, Aufstieg, Umstieg”.

Mag man über die Antworten von Herrn Döpfner geteilter Meinung sein. Meiner Ansicht nach blieb er blass und beschränkte sich auf Standardsätze, die einem lange schon aus den Ohren heraushängen. Auch die Fragen der beiden Interviewer vom Manager Magazin trugen nicht wirklich zu inhaltlicher Tiefe bei, sondern wirkten vielfach wie einstudierte Vorlagen. So wirkte es auf dieser Seite wie eine hübsche Inszenierung.

Aber nicht nur auf dieser Seite. Zu Gast waren nämlich auch die Kommilitonen vom Dieter Lenzen-Fanclub, die ein weiteres Mal sich das Recht herausnahmen, die Interessen einer großen Mehrheit zu ignorieren, um sich ihrer arroganten Selbstverherrlichung zu widmen, die sie Satire nennen. Von Beginn an unterbrachen sie das Gespräch mit Wellen von Beifall, Jubel und Trampeln. Auch auf mehrmalige Ermahnung durch Prof. Schreyögg waren sie nicht in der Lage, ihr Benehmen anzupassen. Als gegen Ende die Situation zu eskalieren begann, wurde die Veranstaltung eine halbe Stunde früher als geplant abgebrochen.

Vielleicht wusste der Fanclub das nicht, aber für manchen Studenten im Raum war es eine akademische Pflichtveranstaltung. Vielleicht interessierte es den Club nicht, aber mancher hatte wohl ein Interesse daran, Herrn Döpfner zuzuhören, und reiste extra dafür abends noch einmal zur Uni. Egal: Beiden Gruppen hat der Club letztlich zwei Stunden ihrer Zeit gestohlen.

Vom Stil her nicht in Ordnung war es, dass einige Fragen tatsächlich etwas parteiisch übergangen wurden. Es sei aber bedacht, welchen Stil die Herren an den Tag legten, als sie immer noch Contenance zeigten, obwohl lange schon klar war, dass euer Applaus nicht gut gemeint war.

Ehrlich, das war eine Veranstaltung aus dem Kindergarten. Von erwachsenen Studenten erwarte ich, dass sie in der Lage sind, andere zu respektieren. (Das ist im Übrigen auch ein Recht, das vom Verfassungsgericht bestätigt sein dürfte, nämlich intrinsischer Teil des Grundgesetzes, auf dessen Freiheiten sich von bestimmter Seite gerne und natürlich per se völlig zu Recht berufen wird.) Was der Dieter Lenzen-Fanclub zeigt, ist nicht gebildete Satire, sondern einfach sittenfernes, schlechtes Benehmen von Starrköpfen. Diese Veranstaltung hatte keinen Bezug zu Dieter Lenzen. Es ging einfach um öffentlichkeitswirksame, wie üblich überzogene und gegenüber den Mitmenschen absolut unfaire Selbstinszenierung.

Geht das weiter, wird der Ruf der Universität sicherlich beschädigt werden. Das mag manchem zupass kommen. Das wird aber dazu führen, dass gar kein renommierter Gastsprecher, so politisch unabhängig er auch sein möge, gesteigertes Interesse hätte, an der FU aufzutreten. Er würde ja doch nur für einen Kampf instrumentalisiert werden, der nicht der seine ist.

Ich fordere den ASta und alle hochschulpolitischen Gruppen an der FU Berlin daher auf, Stellung zu den wiederholten Vorgängen zu nehmen und deutlich klarzustellen, dass man dieses Benehmen nicht unterstützt. Begründung: Wir sollten zeigen, dass wir trotz aller Meinungsverschiedenheiten in der Lage sind, eine politische Debatte sachlich und mit Respekt voreinander zu führen. Den DieterLenzen-Fanclub haben wir jedenfalls nicht nötig.

Aus der letzten Kuratoriumssitzung

RonnyAkademische Gremien, Allgemeines, FU, Hochschulpolitik, Kuratorium, Lehre, Super-Uni 4 Kommentare »

Mittwoch war die letzte Kuratoriumssitzung in dieser Legislaturperiode und auch die letzte Sitzung für dieses Jahr.

Auf der Tagesordnung standen neben den Punkten “Lehrveranstaltungsevaluation” und “Befragung der exmatrikulierten Bachelor-Studierenden” (die auch schon auf der Sitzung des Akademischen Senats von vorletzter Woche besprochen wurden) die Erhöhung der Studiengebühren für den weiterbildenden Masterfernstudiengang East European Studies von Klaus Segbers, der Bericht des Präsidenten aus dem Wissenschaftssausschuss sowie die Auswertung der Arbeit des Kuratoriums in den letzten zwei Jahren.

Zu den ersten beiden Punkten (Evaluation, BA-Befragung) ist einführend nicht viel zu sagen, die Inhalte sind im AS-Bericht bereits ausführlich präsentiert und Neues gab’s im Kuratorium auch nicht.
Ich habe aber insbesondere angemerkt, dass eine Evaluation, die auf die erworbenen Kompetenzen der einzelnen Studierenden abzielt – die also fragt, was man gelernt hat und nicht, wie die/der Dozierende drauf war – solange wenig sinnvoll ist, wie den meisten Dozierenden und den wenigsten Studierenden bewusst ist, dass es seit der Einsetzung der neuen Studiengänge überhaupt so etwas wie fachinterne und fachübergreifende Kompetenzziele gibt, die die universitäre Lehre vermitteln soll. Außerdem halte ich es für wenig sinnvoll, in der Mitte des Semesters erworbene Kompetenzen selbst einschätzen zu müssen. Ich kann das heute, am Ende meines Studiums, rückblickend sehr gut tun und mitteilen, welche Kurse (und Dozierende) mir welche besonderen Kompetenzen vermitteln konnten, aber das hätte ich kaum zum Zeitpunkt der Veranstaltungen feststellen können. Und drittens kommt es letztendlich darauf an, dass Lehrende und Studierende miteinander reden – wie erwachsene Menschen, die in der Lage sind, sich zu sagen, was ihnen gefällt und was nicht. Ob eine aufwändige Evaluierung zu zwischenmenschlicher Kommunikation beitragen kann, möchte ich bezweifeln. Aber schaden tut sie auch niemanden – und wer Evaluierung als ein Zwangsinstrument begreift, hat sowieso schon verloren.

Zur Befragung der exmatrikulierten BA-Studierenden kann man sagen, dass sie helfen wird, ein etwas differenzierteres Bild darüber abzugeben, wer aus welchen (Hinter-)Gründen die FU frühzeitig verlässt. In der Umfrage, die durch Wissenschaftlerinnen der FU durchgeführt wurde, wurden den abgegangenen Kommiliton/inn/en Fragen zur Einschätzung der Studienbedingungen, der Anforderungen, der eigenen Motivation, zu finanzieller und persönlicher Lebenssituation sowie zu möglichen Neuorientierungen (anderes Studium, guter Job etc.) gestellt. Daraus haben die Organisatorinnen der Umfrage vier Gruppen von Abgängern gebastelt:

36% haben sich verwählt.
25% fühlten sich überfordert (insbesondere in den Naturwissenschaften).
18% waren vom Studium enttäuscht.
21% sind freiwillig frühzeitig (an eine andere Uni oder in den Beruf) gewechselt.

Die Erkenntnis ist, dass nicht jede/r die/der geht, geht, mit der allgemeinen Situation an der Uni unzufrieden ist. Die Erkenntnis ist aber auch, dass eine ganze Menge junger Menschen gehen, weil sie offensichtlich vor Studienbeginn nicht ordentlich über die Anforderungen informiert waren. Zu erkennen ist ebenfalls, dass vielen der Start in das Studium nicht recht gelingt, und sie bei Problemen auch niemanden haben, an den sie sich wenden können. 60% verlassen die Universität, ohne sich je in eine Beratung begeben zu haben. Daraus ergibt sich meines Erachtens wenigstens dreierlei: Erstens, dass die Studierenden bereits vor Antritt ihres Studiums ordentlich über die genauen Inhalten und den exakten Aufwand (der sich in einigen Fächern insbesondere vor den Semesterferien immens kumuliert) informiert werden, den sie zu betreiben haben. Zweitens, dass den Studierenden möglichst schon vor dem ersten Vorlesungstag, also zu einem Zeitpunkt, wo die Wahl der Kurse, der Umgang mit Campus Management, das Zurechtfinden auf dem Campus etc. bereits zu Problemen führen, wirkliche Ansprechpartner zur Seite gestellt werden, die mehr sind als eine abstrakte “Sprechstunde” sondern die echte Hilfe und Problemlösung anbieten können. Und drittens braucht es eine Überarbeitung der Studiengänge dahingehend, dass die Studienorganisation einfacher möglich (z.B. transparenter und flexibler) ist und sich der Workload (Arbeitsaufwand) sinnvoll über das Semester verteilen lässt. Letztendlich sind dies ja auch Fragen, die nicht nur die Exmatrikulierten sondern auch diejenigen Studierenden betreffen, die sich trotz ihrer Probleme durch das Studium schleifen, obwohl ihnen das Leben mit besseren Bedingungen deutlich vereinfacht werden könnte.

Zu hören war, dass die Runde der Studiendekane (das sind die Verantwortlichen der Fachbereiche für die Lehre) von den Ergebnissen der Studie etwas geschockt gewesen seien und offensichtlich gewillt wären, Veränderungen anzustoßen – mal sehen ob das klappt. Die Umfrage wird auf Anfrage des Kuratoriums auch auf den Webseiten der FU veröffentlicht werden; ich habe darum geben, das möglichst umfassend zu tun, um nicht dem Vorwurf zu erliegen, eine Vorinterpretation der Daten vorgenommen zu haben. Mir wurde versichert, dass eine solche Interpretation nicht im Sinne der Verwaltung liege, weshalb die Studie auch von Wissenschaftlerinnen durchgeführt wurde; trotzdem sei es nicht sinnvoll, alle Roh-Daten zu veröffentlichen sondern dies sinnvoll komprimiert zu tun.

Danach berichtete Präsident Lenzen aus dem Wissenschaftsausschuss, wo die so genannte “Super-Uni” auf der Tagesordnung stand. Es sieht momentan danach aus, als ob sich alle Fraktionen, Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen eher einig wären, dass eine Über-Uni nicht sinnvoll ist und man sich letztendlich auf so etwas wie eine vernetzende und Gelder verwaltende Stiftung oder eine berlinweite “Plattform” einigen könnte, die aber nicht den Charakter einer eigenen Hochschulinstitution hätte. Nur der Senator scheint noch nicht ganz überzeugt… aber da er ja “ergebnisoffen” verhandeln wollte, wird er sich wohl demnächst auch etwas bewegen müssen.

Fehlt noch: Die Gebührenerhöhung des Fern-Masters “East European Studies” von (Achtung!:) 6.900 Euro auf 8.900 Euro – für vier Semester ja fast ein Geschenk. Prof. Klaus Segbers begründete in Abwesenheit diese Erhöhung mit der Tatsache, dass nicht genügend Studierende sich für diesen Studiengang entschieden hätten; es waren wohl nur 17 anstelle der angestrebten 30. Und weil das Geld sonst nicht ausreichte, müssten jetzt die Gebühren erhöht werden. Dass das inhaltlich und selbst ökonomisch absurd ist, habe ich sehr deutlich angemerkt und das Kuratorium beschloss dann auch mit knapper Mehrheit (bei meiner Gegenstimme waren 3 dafür; 2 enthielten sich), dass die Gebühren zwar jetzt erhöht würden, aber Herr Segbers in einem Jahr präsentieren müsse, dass der Studiengang überhaupt Anklang findet – ansonsten muss diesem ein Ende gesetzt werden.

Zum Abschluss gab’s dann noch eine kurze Diskussion über die vergangene und weitere Arbeit des Kuratoriums, das sich in den vergangenen zwei Jahren insgesamt nur 9 Male getroffen hat.
Anfang nächsten Jahres steht z.B. ein Nachtragshaushalt an und ich habe gebeten, mal alle Beteiligungen der FU aufzulisten und zu zeigen, welche Folgen das für den Haushalt aber auch für die Bezahlung von wissenschaftlichem und nicht-wissenschaftlichem Person hat(te). Außerdem müsste mal über die ganzen technischen Systeme der FU gesprochen werden, die für viel Geld angeschafft wurden, die aber zum Teil bis heute noch Probleme bereiten.

Nach der Diskussion wurden die scheidenden Mitglieder des Kuratoriums verabschiedet – und nach vier Stunden Sitzung war diese Legislatur beendet.

Abschließend anzumerken ist, dass während des ganzen Jahres sich niemand vom AStA im Kuratorium gezeigt hat, obwohl dieser antrags- und redeberechtigt ist und viele Sachen, die besprochen werden, alle Studierenden (und damit den AStA als Vertretung der Studierendenschaft) direkt und indirekt angehen. Das ist nicht nur mir aufgefallen, sondern ich wurde auch mehrfach von der Frauenbeauftragten und Mitgliedern des Präsidiums darauf angesprochen, die es auch gerne sehen würden, wenn sich die Studierendenvertretung als kritischer Partner mehr zeigen würde. Aber auch Herr Sattelberger, der seit Anfang des Jahres Telekom-Personalvorstand und auch wieder Mitglied im kommenden Kuratorium ist, hat sich schon seit drei Sitzungen nicht mehr gezeigt – es gibt für Wirtschaftsvertreter scheinbar auch Wichtigeres, als Kuratoriumssitzungen…

Die nächste Sitzung des Kuratoriums ist voraussichtlich am 25. Januar 2008.

Vizepräsidentin fordert 15 Mio. für Lehre

Wolf DermannAllgemeines, Exzellenzinitiative, FU, Hochschulpolitik, Lehre, Super-Uni 0 Kommentare »

In ihrer Eröffnungsrede für die Graduiertenschule des John-F.-Kennedy-Instituts am gestrigen Montag forderte FU-Vizepräsidentin Lehmkuhl 15 Millionen Euro für die Lehre vom Berliner Senat. Die Summe, die nach den Planungen von Senator Zöllner in Zukunft in die “bessere Sichtbarkeit der Hochschulen” fließen sollte, würde da nichts bringen und sei in der Lehre besser investiert, so Lehmkuhl.

Eine solche Forderung eines Präsidiumsmitglieds der Freien Universität kommt überraschend, wird dem Gremium doch von Kritikern vorgehalten, sich lediglich für die Außendarstellung der Universität zu interessieren und nicht für die Lehre. Von den 15 Millionen Euro würden bei gleichmäßiger Aufteilung etwa 3-4 Millionen Euro pro Jahr an die Freie Universität fließen.

In ihrer Rede hob Lehmkuhl auch das didaktische Modul der Graduiertenschule hervor. Hierbei würden den Promovenden gute didaktische Fähigkeiten vermittelt, die sie in Seminaren während der Promotionszeit ausprobieren sollen. Nur durch eine gute didaktische Ausbildung zukünftiger Dozenten sei eine gute Hochschullehre in der Zukunft möglich, ergänzte Lehmkuhl.

Lehmkuhl konterte mit ihren Äußerungen auch ein dort verteiltes Flugblatt der Fachschaftsinitative des John-F.-Kennedy-Instituts, in dem die Studierenden neben mangelnder Demokratie an der Hochschule auch die Vernachlässigung der Lehre anprangerten. Über das in den letzten Wochen stark kritisierte Berufungsverfahren für die Juniorprofessur Politik verlor Lehmkuhl hingegen wie erwartet kein Wort.

Zöllner zürnt im FU-Kuratorium

RonnyAkademische Gremien, Exzellenzinitiative, FU, Hochschulpolitik, Kuratorium, Super-Uni 1 Kommentar »

“Ich lasse mir nicht mal vom Regierenden Bürgermeister vorschreiben, wie ich Wissenschaftspolitik zu machen habe!”

So sprach heute im Kuratorium der Wissenschaftssenator Zöllner zu Präsident Lenzen auf dessen Ansage hin, bei welchen Punkten er (Lenzen) beim “Masterplan Wissenschaft” nicht mitgehen werde. Vorausgegangen war eine Vorstellung eben jenes Masterplanes, bei der Zöllner insgesamt zwölf Ziele formulierte – die hier aufzuzählen nicht nötig ist – ergänzt um die Information, dass es ihm letztendlich egal sei, wie diese erreicht würden. Sein Vorschlag des “International Forum of Advanced Studies” sei nur eine Variante, diese Ziele zu erreichen, und jeder bessere Vorschlag wäre gerne gesehen.

Insgesamt wurde deutlich, dass das gesamte Kuratorium sowie die anwesenden Präsidiumsmitglieder einhellig mit den grundsätzlichen Zielen des Wissenschaftssenators einverstanden sind, die Umsetzung in einer universitätsartigen Einrichtung, die MA- und Promotionsrechte besitzt und die die konzeptionelle Steuerung der Forschungsaktivitäten in Berlin übernehmen soll, jedoch ablehnt. Nachdem dieses klar wurde, wurde der Herr Senator etwas, naja sagen wir: “emotional”, blieb aber unfähig, die vielen richtigen Gegenargumente aus dem Saale mit eigenen Argumenten zu widerlegen.

Am Ende der über zweistündigen Debatte beschloss das Kuratorium dann einstimmig (bei Enthaltung des Senators, der auch Mitglied ist), die oben beschriebene einhellige Position dem Präsidenten als Verhandlungsempfehlung in einer Resolution offiziell in die Gespräche der nächsten Wochen mitzugeben.

Weitere Themen:

Exzellenz-Initiative: Die Ergebnisse der Exzellenzinitative wurden nochmals kurz und ohne großes Tamtam vorgestellt. In zwei bis drei Wochen wird klar sein, wie viel Geld genau an unsere Universität geht, danach werden die neuen Stellen ausgeschrieben. Insgesamt wird es sieben neue Professuren geben, dazu noch eine Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Da all diese nicht nur forschen sondern auch lehren werden, wird das auch positive Effekte auf die Studiensituation in den betroffenen Fächern haben. Eine genaue Berechnung der zu schaffenden Lehr-Kapazitäten sei aber zu kompliziert, so Kanzer (Verwaltungsleiter) Lange, auch weil unter Umständen die Promotionsstudierenden in den Graduiertenschulen mit in die Lehre einbezogen werden könnten. Im Zuge der Forschungsvorhaben würden zwar die Deputate (Lehrverpflichtungen) einiger Forscher reduziert werden, hierfür stünden aber Ausgleichsmittel zur Verfügung, die auf jeden Fall das Maß an Lehre garantieren sollen, die durch die Schaffung neuer Stelle zusätzlich vorhanden sein muss. Die Professuren seien – anders als an anderen Universitäten – auch mittelfristig durch die Fachbereiche finanzierbar und werden nicht im Zuge eines Verdrängungswettbewerbs nach Ende der Exzellenz-Förderung zu Lasten anderer Stellen gehen.

Die Zahl der Promotionsstipendien wird deutlich ansteigen, weil nicht nur in den drei geförderten Graduiertenschulen sondern auch über die Dahlem Research School (kurz: DRS), eine Dach-Graduiertenschule, die in der Hauptförderlinie des Exzellenzantrags der FU genehmigt wurde, solche Stipendien zur Verfügung stehen werden. Präsident Lenzen rechnet auch damit, dass noch Drittmittel über die neuen Strukturen eingeworben werden können, mit denen noch mehr solcher Stipendien entstehen könnten.

Das Kuratorium wird die Umsetzung der Exzellenzinitative ab sofort regelmäßig verfolgen; der Präsident wird zu jeder Sitzung seinem Bericht einen Abschnitt zu diesem Thema beifügen.

Psychologie-Aufnahmetest: Wie die Vizepräsidentin für Lehre, Keitel-Kreidt, mitteilte, hatte der zu diesem Semester erstmals stattfinde Ausfnahmetest für den Bachelor “Psychologie” ein klares Ergebnis: Einen signifakanten Unterschied zur Auswahl mit der Abiturnote gibt es nicht. Von den 2000 getesteten Studierenden wurden 126 zugelassen, von denen wiederum nur 6 Studierende es nicht über die Abinote geschafft hätten. Diese Studienkohorte soll jetzt weiter beobachtet werden, um zu sehen, wie die Studienerfolge bei diesen Studierenden aussehen.

Abbrecherquote bei Bachelor-Studiengängen: Wie auch schon andernorts zu lesen war, ist die Abbrecherquote in einigen BA-Studiengängen offensichtlich “erheblich” (Zitat Lenzen). Die Gründe dafür seien zum Teil überraschend, so Lenzen. Viele würden heute einfach schneller die Uni wechseln, aber ein Sockel von 20-25% seien universitätsgemachte Probleme, die man angehen müsse. Der offizielle Bericht hierzu wird dem Akademischen Senat und dem Kuratorium im November zugehen und dann diskutiert werden.

Die Sache “Scharenberg”: In den Medien und durch die studentischen Blogs war die Nicht-Berufung der Junior-Professur in der Nordamerikanistik bis zur Exzellenz-Entscheidung DAS Thema. Auf meine Anfrage, wie in dieser Sache weiter verfahren würde, informierte die Erste Vize-Präsidentin Lehmkuhl, dass der Institutsrat des John-F-Kennedy-Instituts (JFK) die Berufungsliste jetzt an die Berufungskommission zurückgegeben habe. Einige Mitglieder der Kommission seien zurückgetreten und würden auf einer der nächsten Fachbereichsratssitzungen ersetzt werden. Die Kommission müsse dann entscheiden, wie weiter zu verfahren sei.

“Graduation Day: Wenn es finanziell möglich ist, soll es 2008 zur 60-Jahr-Feier der FU Berlin zum ersten mal einen uniweiten Abschlusstag geben.

Lehr-Offensive: Lenzen wies erneut darauf hin, dass im Rahmen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) eine Lehr-Initiative in der Diskussion sei. Hier könne es allerdings nicht um einen Wettbewerb gehen, weil die Lehre in einer solchen Form nicht vergleichbar sei. Vielleicht könne es aber so etwas wie eine Qualitätssiegel “Lehre” geben, über das Mittel für die Verbesserung von Lehre an die Hochschulen fließen könnte.

Unser AStA: hat wieder einmal sein Rede- und Antragsrecht nicht wahrgenommen. Der Stuhl der Studierendenvertretung blieb leer – und das, obwohl all jene politischen Fragen angesprochen und diskutiert wurden, die den AStA in den letzten Wochen beschäftigt haben.

Randnotiz: In einem Nebensatz ließ der Wissenschaftssenator im öffentlichen Teil der Sitzung fallen, dass der Erfolg von Berlin bei der Exzellenzinitiative am Abend vor der Entscheidung noch längst nicht sicher gewesen wäre. Mehr sagte er nicht dazu.

Kuratorium tagt morgen

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Nach längerer Sitzungspause tagt morgen mal wieder das Kuratorium der FU Berlin. Die letzte Sitzung war ausgefallen und die aktuelle von Anfang auf Ende Oktober verlegt worden, um die Ergebnisse der Exzellenzinitiative und den “Masterplan” des Wissenschaftssenators abzuwarten.

Mittwoch, 31. Oktober 2007 – 13 Uhr
Henry-Ford-(II)-Bau, Senatssitzungssaal

Folgende Tagesordnungspunkte (TOPs) erwarten uns:

TOPs 1 – 5: Formalie, Berichte des Präsidenten und des Kuratoriumsvorsitzenden
TOP 6: Entlastung zur Haushaltsrechnung 2004
TOP 7: Haushaltsrechnung der FU für das Haushaltsjahr 2006
TOP 8: Deutsche Universität für Weiterbildung (Anmerkung: Gemeinschaftsgründung der FU Berlin und des Klett-Verlages)
TOP 9: Ergebnisse des Exzellenzwettbewerbs
TOP 10 Masterplan “Wissen schafft Berlin” des Wissenschaftssenators
TOP 11-12: Termine und Verschiedenes

In einem Brief an den Kuratoriumsvorsitzenden Erichsen hatte ich um die Aufnahme von weiteren Tagesordnungspunkten (bzw. Diskussionspunkten) gebeten:

1. Stärkere Einbeziehung der Kuratoriumsmitglieder in Verwaltungsvorgänge, weil das Kuratorium rechtlich verdammt hohe Kompetenzen hat, in seiner Entscheidungsfähigkeit aber vollkommen von den Informationsflüssen in der Zentralabteilung abgeschnitten ist.

2. Diskussion über die Rolle des Kuratoriums und der aktuell gelten Strukturen an der FU Berlin (im Hinblick auf die anstehende Novelle des Berliner Hochschulgesetzes).

3. Information über die Beteiligungen der FU Berlin und Diskussion über die daraus resultierenden Konsequenzen für Kosten/Nutzen sowie die Auswirkungen auf die Bezahlung von akademischen und nicht-akademischen Personal.

Mit Verweis auf die ohnehin schon lange Tagesordnung wurden diese Punkte allerdings auf die nächste Kuratoriumssitzung Ende November verschoben.

Ich denke, die Sitzung morgen wird bis ca. 18 Uhr gehen, länger geht es nicht, weil ein Teil der Mitglieder dann schon wieder weg muss. Das macht dann maximal 5 Stunden Sitzung in fünf Monaten – aus meiner Sicht deutlich zu wenig für ein Gremium mit derartigen Kompetenzen.

Zöllner sucht die Super-Uni

RonnyAkademische Gremien, Allgemeines, Exzellenzinitiative, FU, Hochschulpolitik, Presse, Super-Uni 3 Kommentare »

Nu isses raus: Wissenschaftssenator Zöllner möchte eine Berliner Super-Uni namens “International Forum of Advanced Studies” gründen, wo die Super-Spitzen-Forscher der Berliner Unis und der ortsansässigen sonstigen Forschungseinrichtungen gemeinsam, mit ordentlich Geld und ohne störende demokratische Gremien arbeiten können. Einfach so, mit Liebe zum Detail und mit Freude, endlich dem nervigen Alltag der Lehre an der Heimatuniversität entkommen zu können. Dann haben wir in Berlin alles, was das Herz begehrt: Eine Super-Duper-Uni, eine Hurra-Elite-Uni, eine Fast-Hurra-knapp-die-Elite-verfehlt-Uni und dann halt noch den ganzen Rest.

Im Tagesspiegel heißt es neben diesen allgemeinen Informationen weiter:

In der rot-roten Koalition wurden Zöllners Pläne begrüßt. Wolfgang Albers, wissenschaftspolitischer Sprecher der Linkspartei, sagte, er halte es für sinnvoll, wissenschaftliche Ressourcen zu bündeln. Die neue Einrichtung sei eine „ausgezeichnete und international ausstrahlende Idee“, sagte die wissenschaftspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Jutta Koch-Unterseher. Voraussetzung sei, dass die Forscher nicht völlig aus ihren Heimatunis und -instituten abgezogen würden. Die neue Einrichtung müsste zudem „einen deutlichen Effekt für die Lehre haben“.

Koch-Unterseher deutete aber an, dass die SPD jetzt auch darauf dringen werde, an HU, FU, TU und den anderen Berliner Hochschulen für mehr Mitbestimmung von Studierenden, wissenschaftlichen und sonstigen Mitarbeitern zu sorgen. Es könnten jetzt „die Augen dafür geöffnet“ werden, dass man die neue internationale Einrichtung auf der einen Seite und mehr demokratische Mitbestimmung an den Unis auf der anderen sehen könne. Zöllner wies die Idee eines solchen „Gegengeschäfts“ vor der Presse empört zurück.

Haha, lustig: Die Super-Uni wird ein Hort der Freiheit für Forscher, vermutlich unter einem wohlwollenden Despoten, während an den Universitäten die Studierenden gemeinsam demokratisch entscheiden können, wie sie die abgezogenen Kapazitäten in der Lehre nicht verteilen können. Und Zöllner versteckt seine Begeisterung hinter gespielter Empörung. Wow!

In Realsatire ist diese Stadt auf jeden Fall exzellent!