Nach Gerüchten, die sich in den letzten Tagen verdichteten, sollte es zur Begehung des OSI für die Endausscheidung der “Exzellenz”-Initiatives des Bundes, Aktionen geben. Als ich gestern Mittag dann ins OSI kam, war das Hauptgebäude mit Transparenten behängt und vor der Ihne 21 saßen etwa 20 Studierende, die ich zum überwiegenden Teil der FSI OSI zuordnen würde, im Kreis auf der Wiese. Der Eingangsbereich und das Foyer waren mit Stühlen und Tischen so verbarrikadiert, dass man gerade noch ein und aus gehen konnte. In den Hörsälen A und B waren die meisten Sitz- und Schreibelemente entfernt, nur in der Mitte erinnerte jeweils ein Knäul von Stühlen und Bänken an das, was sich sonst dort befindet.
Dicht waren auch der Gang zu den Hörsälen E und F sowie der gläserne Zwischengang von der Ihne 21 zur Gary 55 (OEI).
Soweit zur Lage gestern Mittag. Gestern Abend titelte der AStA dann in einer Pressemitteilung: “Exzellenz-Begutachtung durch Besetzung des OSI verhindert”.
Das Ziel der “Besetzung” war laut Aussage dieser Pressemitteilung die Gefährung des Bewerbungs-Prozesses der FU für die Gelder der “Exzellenz”-Initiative, denn die besetzenden Studierenden sähen “den Wettbewerb um Elite-Universitäten und die damit in Aussicht stehende Förderung im Einklang mit Flächen deckenden Kürzungen, fortgeführter sozialer Selektion und wissenschaftlicher Verknappung im gesamten Hochschulbereich.”
Plakatiert wurde am OSI im Stile “Elite ohne uns”, “Elitiert doch woanders” etc. Hier zeigt sich einmal wieder die Schizophrenie der FSI bzw. derer, die noch an der Aktion beteiligt waren: Man ist gegen Elite und proklamiert Basis-Demokratie, aber anstelle eines Diskussionsprozesses, in dem sich die Studierenden des OSI (einige tausend) oder der FU (einige zehntausend) gegen so genannte “Exzellenz-” oder “Elite-Förderung” aussprechen (können), organisieren einige wenige hinter weitestgehend verschlossenen Tür konspirativ eine Besetzung, die sie so aussehen lassen, als wäre sie groß angelegt. Wenn das nicht elitäres Denken ist, der Glaube, alleine für andere sprechen zu können, ohne sich überhaupt in einem öffentlichen Diskussionsprozess darüber auseinandergesetzt zu haben, dann weiß ich es auch nicht. Das ist in meinen Augen das größte Problem aller Eliten: Sie halten sich für etwas Besseres, sie neigen dazu, Entscheidungen für andere zu treffen, sie beanspruchen die moralische Richtigkeit für sich, sie wehren sich vehement dagegen, sich in ihrer Position kritisieren zu lassen und sie haben oft die Ressourcen, um ihre Ansichten auch publik machen zu können.
Ich will damit nicht sagen, dass ich den Protest für inhaltlich illegitim halte. Man kann ja von Elite-Förderung halten, was man möchte, und das auch ausdrücken wie man mag. Wenn man dabei aber so tut, als wäre es Konsens, dass zusätzliche Gelder in die Bildung nicht zu uns sondern lieber woanders hin fließen sollten, dass bei uns dadurch wohl keine Afrika-Professur eingerichtet und nicht verstärkt wissenschaftlicher Nachwuchs gefördert werden wird (Nachwuchs, der heute schon gerne in die Hauptstadt kommen würde, es aber auf Grund der Kapazitäten nicht kann), der handelt unkorrekt gegenüber denen, die da sind und denen, die noch kommen wollen.
Jetzt will ich auch mal einen Moment elitär denken: Warum soll das Geld nicht an eine Universität, einen Fachbereich gehen, wo man noch am ehesten erwarten kann, dass damit auch der ein oder andere kritische Geist gefördert wird?
Gefragt werden muss auch: Ändert der Protest irgendetwas am Wettbewerb, an der Bildungspolitik, an sozialer Ausgrenzung? Und: Woher das Geld oder Material für die Plakate und Flyer kommt, die für die Aktion verwendet wurden, würde mich auch interessieren!
Dass die Besetzung im Übrigen ein Erfolg war, wie es die Pressemitteilung suggeriert, wiederspricht einer Reihe von Indizien, die darauf hinweisen, dass die tatsächliche Begehung des OSI bereits am Donnerstag stattgefunden hat und am Freitag nur Gespräche außerhalb von Dahlem bzw. außerhalb unseres Teil-Campi stattgefunden haben.
Im Lichte all dieser Feststellungen liest sich der Abschlusssatz der Pressemitteilung wohl etwas anders, als er gemeint war: “Mit dem heutigen Tag, haben wir uns einen Raum zurück erkämpft. Die Universität gehört eben nicht den Exzellenzen und Eliten, sondern noch immer den Studierenden. Und das muss so bleiben.“